{"id":353368,"date":"2025-08-18T05:04:11","date_gmt":"2025-08-18T05:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/353368\/"},"modified":"2025-08-18T05:04:11","modified_gmt":"2025-08-18T05:04:11","slug":"hitzekollaps-beim-platte-machen-obdachlose-im-hochsommer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/353368\/","title":{"rendered":"Hitzekollaps beim \u201ePlatte machen\u201c &#8211; Obdachlose im Hochsommer"},"content":{"rendered":"<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">\u201eIm Sommer suchst Du \u00fcberall nach Schatten, legst Dir ein nasses Handtuch auf den Kopf und holst Dir Wasser auf \u00f6ffentlichen Klos\u201c, erz\u00e4hlt Pino. \u201eTrotzdem kriegst Du von der Hitze heftige Kopfschmerzen und bist oft klatschnass geschwitzt.\u201c<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Der 42-j\u00e4hrige D\u00fcsseldorfer hat 17 Jahre auf der Stra\u00dfe, beim \u201ePlatte machen\u201c \u00fcberlebt &#8211; und er hat die Hitze im Sommer f\u00fcrchten gelernt. Vier Flaschen Wodka pro Tag plus Crack waren bis vor rund einem Jahr seine Tagesration. \u201eSo viel Alkohol und dann bei 30 Grad drau\u00dfen &#8211; klar bin ich da \u00f6fter mal zusammengeklappt oder in der Sonne eingepennt\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>Lebensgefahr in der prallen Sonne<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Wenn Menschen wie er ungesch\u00fctzt in der prallen Hitze liegen, herrscht schnell Gesundheits- oder sogar Lebensgefahr, warnen Experten wie die Vorst\u00e4ndin des Parit\u00e4tischen Wohlfahrtsverbandes Andrea B\u00fcngeler. \u201eMangelnde Hygiene beim Leben auf der Stra\u00dfe in Kombination mit Hitze und Dehydration kann schnell zu einer lebensbedrohenden Sepsis f\u00fchren\u201c, sagt B\u00fcngeler.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">\u201eDie Leute \u00fcberhitzen\u201c, erz\u00e4hlt Sozialarbeiter Oliver Ongaro, der eine Beratungsstelle der Initiative FiftyFifty in D\u00fcsseldorf leitet und Pino lange unterst\u00fctzt hat. Viele Obdachlose haben vom Schlafen auf der Stra\u00dfe und vom Drogenkonsum Durchblutungsprobleme und kleine Wunden vor allem an den Beinen und F\u00fc\u00dfen. \u201eIn der Hitze entz\u00fcndet sich das, dann k\u00f6nnen sich Maden in den Wunden bilden\u201c, sagt Ongaro.<\/p>\n<p>\u201eDie Beine komplett offen\u201c<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">\u201eBei mir waren die Beine komplett offen\u201c, erz\u00e4hlt Pino. \u201eIch hatte Verb\u00e4nde drum, das juckt so in der W\u00e4rme.\u201c Noch ein Jahr sp\u00e4ter sieht man die gro\u00dfen dunklen Flecken an den Unterschenkeln.<\/p>\n<p>Der ehemalige Obdachlose Pino steht mit einer Bekannten vor der D\u00fcsseldorf Beratungsstelle FiftyFifty.\u00a0Foto: Christoph Reichwein\/dpa<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Das Land Nordrhein-Westfalen hat f\u00fcr das laufende Jahr erneut 250.000 Euro f\u00fcr den Hitzeschutz von obdach- und wohnungslosen Menschen bereitgestellt. Das Geld geht an Freie Tr\u00e4ger und Initiativen, die davon d\u00fcnne Sommerschlafs\u00e4cke, Trinkflaschen, Sonnencreme und Sonnensegel zum Verschatten kaufen.<\/p>\n<p>Oft verdr\u00e4ngt statt unterst\u00fctzt<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Als akute Nothilfe seien diese Sommerhilfen sicher gut, sagt B\u00fcngeler. Doch wichtiger sei die Grundhaltung in manchen Kommunen: \u201eWohnungslose werden von zentralen Pl\u00e4tzen verdr\u00e4ngt, ohne Alternativen zu er\u00f6ffnen. Statt \u00fcber Dinge wie Sonnensegel zumindest akute Nothilfe zu bieten, passiert teils das Gegenteil wie etwa die Errichtung von Sperren an B\u00e4nken in gesch\u00fctzter Lage.\u201c<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Um wirklich zu helfen, m\u00fcssten die Leute schnell von der Stra\u00dfe &#8211; mit Konzepten wie \u201eHousing first\u201c f\u00fcr einen schnellen Einzug in eine eigene Wohnung ohne vorherige Anforderungen wie Drogen-Verzicht und Qualifizierungsstufen, fordert B\u00fcngeler. Doch das ist schon wegen des Mangels an bezahlbaren Wohnungen und der leeren Kommunalkassen ein Langzeitprojekt.<\/p>\n<p>Uwe nimmt eine Dusche im Dusch-Mobil der Initiative \u201eJot drop\u201c.\u00a0Foto: Christoph Reichwein\/dpa<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Ein Modellprojekt zur sofortigen Linderung der Not bietet das im vergangenen Herbst gestartete Angebot \u201eJot drop\u201c in D\u00fcsseldorf. Obdach- und Wohnungslose k\u00f6nnen mitten in der Altstadt nahe der Kabarett-B\u00fchne \u201eKomm\u00f6dchen\u201c duschen &#8211; im Winter warm, jetzt erfrischend k\u00fchl. Sie haben hinter der geschlossenen T\u00fcr des Duschmobils eine Viertelstunde nur f\u00fcr sich und ihr Wohlbefinden. \u201eHier k\u00f6nnen sie sich erfrischen und Ruhe tanken\u201c, sagt Projektleiter Lars Kollender.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Manche singen sogar dabei, wie Stephan Kl\u00e4sener vom Tr\u00e4ger des Angebots Flingern Mobil erz\u00e4hlt. \u201eDie Leute strahlen, wenn sie rauskommen, es sind auch schon Tr\u00e4nen geflossen.\u201c<\/p>\n<p>Gespendete Holz-Zahnb\u00fcrsten f\u00fcr Obdachlose<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Im Bus am Duschmobil gibt es Wasser und Kaffee, frische Kleidung und Unterw\u00e4sche, Hygienesets, K\u00fchlt\u00fccher und Sonnencreme &#8211; vielfach auf Spendenbasis. Ein D\u00fcsseldorfer Luxus-Hotel hat teure Holz-Zahnb\u00fcrsten und Rasiersets bereitgestellt. Pflegefachkraft Patrick versorgt kleinere Verletzungen wie einen Wespenstich oder Platzwunden, desinfiziert und fragt nach Verletzungen, die wom\u00f6glich eine weitergehende \u00e4rztliche Behandlung erfordern.<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Viele Kommunen besuchten das Angebot derzeit, um sich zu informieren, sagt Kollender. \u201eJot drop\u201c plane ein zweites Dusch-Mobil und hoffe auf Spenden. Der Bedarf ist gro\u00df. Allein in D\u00fcsseldorf waren Mitte 2023 laut dem j\u00fcngsten Fachbericht des Sozialministeriums 4.525 Menschen wohnungslos &#8211; knapp 900 mehr als ein Jahr zuvor, berichtet die Initiative. Rund 700 gelten als obdachlos, leben tats\u00e4chlich auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Pino ist jetzt clean &#8211; es war \u201eganz sch\u00f6n knapp\u201c<\/p>\n<p class=\"Paragraph_root__xJSDF Paragraph_default-lg-default__txMNQ articleParagraph\">Nicht immer geht das so gut aus wie bei Pino von FiftyFifty, der jetzt in einer eigenen Wohnung lebt, komplett clean ist und eine Ausbildung als Restaurant-Fachkraft macht. \u201eEr hat so gerade noch mal die Kurve gekriegt\u201c, sagt Sozialarbeiter Ongaro, \u201ees war ganz sch\u00f6n knapp\u201c. Obdachlose mit hartem Drogen- und Alkoholkonsum st\u00fcrben meist mit Ende 40, sagt er. \u201eLeute \u00fcber 50 siehst Du nur, wenn sie lange in Haft waren.\u201c<\/p>\n<p>Eine Dusche als Abk\u00fchlung &#8211; ein Angebot f\u00fcr obdach- und wohnungslose Menschen in der D\u00fcsseldorfer Altstadt.\u00a0Foto: Christoph Reichwein\/dpa<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eIm Sommer suchst Du \u00fcberall nach Schatten, legst Dir ein nasses Handtuch auf den Kopf und holst Dir&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":353369,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1831],"tags":[3364,29,3405,30,1209],"class_list":{"0":"post-353368","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-duesseldorf","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-duesseldorf","11":"tag-germany","12":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115048026195618122","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353368","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=353368"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353368\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/353369"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=353368"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=353368"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=353368"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}