{"id":353557,"date":"2025-08-18T06:53:15","date_gmt":"2025-08-18T06:53:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/353557\/"},"modified":"2025-08-18T06:53:15","modified_gmt":"2025-08-18T06:53:15","slug":"brain-booster-zwischen-hype-und-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/353557\/","title":{"rendered":"Brain Booster zwischen Hype und Hoffnung"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Werbung in sozialen Medien bis hin zu TV-Spots: T\u00e4glich werden Konsumenten mit Anzeigen f\u00fcr teure Nahrungserg\u00e4nzungsmittel bombardiert, die angeblich Ged\u00e4chtnis, Konzentration und Denkf\u00e4higkeit verbessern. Manche Hersteller werben sogar damit, Demenz zu stoppen oder zu verlangsamen. Stimmt das wirklich?\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Gro\u00dfe Versprechen, wenig Kontrolle<\/b>  <\/p>\n<p>Viele Hersteller werben damit, ihre Brain Booster seien \u201eklinisch getestet\u201c. Doch anders als zugelassene Medikamente unterliegen sie nicht den strengen Vorschriften von Arzneimittelagenturen wie der EMA bzw. der FDA in Bezug auf Reinheit, Sicherheit und Wirksamkeit.\u00a0<\/p>\n<p>       <img decoding=\"async\" class=\"\" border=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ht_250815_pieter_cohn_120x156.jpg\" \/> <\/p>\n<p class=\"fig-caption\">Pieter Cohen \u00a9 Gretchen Ertl\u00a0<\/p>\n<p>\u201eHersteller haben [in den USA] gro\u00dfe Freiheiten, diese Produkte zu vermarkten, wie sie wollen\u201c, erkl\u00e4rt\u00a0<b>Prof. Dr. Pieter Cohen<\/b>, Direktor des Supplement Research Program an der Cambridge Health Alliance und Associate Professor an der Harvard Medical School. Zwar gebe es ab und zu kleinere Studien, oft mit nur rund 100 Teilnehmern. Doch diese seien wissenschaftlich kaum belastbar.\u00a0<\/p>\n<p>Cohen empfiehlt seinen Patienten, keine solchen Pr\u00e4parate zur Verbesserung ihrer Gehirnfunktion zu schlucken \u2013 es sei denn, sie dienen der Behandlung eines klar diagnostizierten medizinischen Problems.<\/p>\n<p>In Europa schr\u00e4nkt die Health-Claim-Verordnung irref\u00fchrende Werbung ein. Sie legt fest, welche gesundheits- und n\u00e4hrwertbezogenen Aussagen (\u201eClaims\u201c) Hersteller f\u00fcr Lebensmittel oder Nahrungserg\u00e4nzungsmittel verwenden d\u00fcrfen.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Zweifel an Inhaltsstoffen und Dosierung<\/b>  <\/p>\n<p>Doch die wom\u00f6glich fehlende Wirkung ist nur ein Problem. In einer\u00a0<a href=\"https:\/\/www.neurology.org\/doi\/10.1212\/CPJ.0000000000000960\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Studie<\/a>\u00a0aus dem Jahr 2021 fanden Cohen und sein Team in frei verk\u00e4uflichen \u201eCognitive Enhancement\u201c-Produkten nicht zugelassene Substanzen wie Omberacetam, Aniracetam, Phenibut, Vinpocetin und Picamilon. Bei 75% der Produkte stimmten Angaben auf der Verpackung nicht mit Ergebnissen von Laboruntersuchungen \u00fcberein.\u00a0<\/p>\n<p>H\u00e4ufig enthalten die Pr\u00e4parate eine Mischung aus Vitaminen, Mineralstoffen wie Magnesium, Omega-3-Fetts\u00e4uren, Kurkuma und Pflanzenextrakten wie Ginseng oder Ginkgo biloba. Daneben fandne die Wissenschaftler auch exotischere Inhaltsstoffe wie Cholinalfoscerat,\u00a0<a href=\"https:\/\/pubmed.ncbi.nlm.nih.gov\/25191267\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Huperzin A<\/a>,\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ncbi.nlm.nih.gov\/books\/NBK599740\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">L\u00f6wenm\u00e4hnenpilz<\/a>, L-Carnitin oder\u00a0<a href=\"https:\/\/www.webmd.com\/vitamins\/ai\/ingredientmono-761\/bacopa#sideeffects\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Bacopa monnieri<\/a>\u00a0aus der ayurvedischen Medizin.<\/p>\n<p>Besonders kurios: Das Mittel Prevagen enthielt <a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Aequorea_victoria\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Apoaequorin<\/a>,\u00a0ein im Labor hergestelltes Protein, das urspr\u00fcnglich in einer biolumineszenten Qualle entdeckt worden ist. Im Jahr 2024\u00a0<a href=\"https:\/\/www.ftc.gov\/news-events\/news\/press-releases\/2024\/12\/statement-ftcs-win-lawsuit-against-makers-dietary-supplement-prevagen\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">untersagte<\/a>\u00a0ein US-Bundesgericht dem Hersteller, weiter mit angeblichen Ged\u00e4chtnisverbesserungen zu werben \u2013 wegen mangelnder Beweise.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Fachliche Einsch\u00e4tzungen: Belege f\u00fcr den Nutzen fehlen<\/b>  <\/p>\n<p>       <img decoding=\"async\" class=\"\" border=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ht_250815_jayne_zhang_120x156.jpg\" \/> <\/p>\n<p class=\"fig-caption\">Jayne Zhang \u00a9 Johns Hopkins Medicine<\/p>\n<p>Expertinnen und Experten ziehen aufgrund solcher Daten ein negatives Fazit.\u00a0\u201eEs gibt allenfalls begrenzte Evidenz f\u00fcr einen Nutzen \u2013 meist bei Menschen mit Mangelern\u00e4hrung oder bestehendem kognitivem Abbau\u201c, sagt\u00a0<b>Dr. Jayne Zhang<\/b>, Neurologin an der Johns Hopkins School of Medicine. Methodisch hochwertige, gro\u00df angelegte Studien fehlten bislang.\u00a0<\/p>\n<p>       <img decoding=\"async\" class=\"\" border=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ht_250815_alejandra_sanchez_lopez_120x156.jpg\" \/> <\/p>\n<p class=\"fig-caption\">Alejandra S\u00e1nchez L\u00f3pez \u00a9 Reed Hutchinson<\/p>\n<p>\u00c4hnlich kritisch \u00e4u\u00dfert sich\u00a0<b>Dr. Alejandra S\u00e1nchez L\u00f3pez<\/b>, Neurologin und Altersmedizinerin an der University of California, Los Angeles: Daten k\u00e4men oft nur \u201eaus kleinen, von Herstellern finanzierten Studien\u201c. Oft k\u00e4me es zu Nebenwirkungen wie \u00dcbelkeit oder Durchfall.\u00a0<\/p>\n<p>       <b>Evidenzbasierte Strategien f\u00fcr ein fittes Gehirn<\/b>  <\/p>\n<p>W\u00e4hrend S\u00e1nchez L\u00f3pez generell von Supplementen abr\u00e4t, ist Zhang offener: \u201eIch frage, was sich ein Patient vom Pr\u00e4parat erhofft, erkl\u00e4re dann, was wir dar\u00fcber wissen, und gehe auf die Sicherheit ein.\u201c<\/p>\n<p>Zhang nutzt solche Gespr\u00e4che gleichzeitig, um auf bew\u00e4hrte Ma\u00dfnahmen zur F\u00f6rderung der geistigen Gesundheit hinzuweisen: auf eine ausgewogene Ern\u00e4hrung, auf mehr Bewegung, ausreichenden Schlaf, wenig Alkohol, soziale Kontakte \u2013 und die Behandlung von Erkrankungen wie Depression, Diabetes oder Hypertonie. \u201eEs gibt aber keine Zauberpille f\u00fcr ein gesundes Gehirn\u201c, erkl\u00e4rt sie ihren Patienten.\u00a0<\/p>\n<p>Eine Ausnahme k\u00f6nnten Multivitamin-Pr\u00e4parate sein. In einer gro\u00dfen, NIH-finanzierten, placebokontrollierten\u00a0<a href=\"https:\/\/alz-journals.onlinelibrary.wiley.com\/doi\/full\/10.1002\/alz.12767?ref=our-brew\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Studie<\/a>\u00a0verbesserten sie bei \u00e4lteren Erwachsenen tats\u00e4chlich die Werte f\u00fcr globales Denken, Ged\u00e4chtnis und exekutive Funktionen \u2013 besonders bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen.<\/p>\n<p>       <b>Risiken: Von falschen Inhaltsstoffen bis zu Wechselwirkungen<\/b>  <\/p>\n<p>Doch bei vielen der in Apotheken oder in Superm\u00e4rkten erh\u00e4ltlichen Supplemente ist der Nutzen gering. Schlimmer noch: Verbrauchern drohen zahlreiche Gefahren.\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>\n<p>Manche\u00a0<a href=\"https:\/\/pmc.ncbi.nlm.nih.gov\/articles\/PMC7153641\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Inhaltsstoffe<\/a>\u00a0sind deklariert, aber nicht nachweisbar \u2013 andere wiederum finden sich im Produkt, stehen aber nicht auf dem Etikett.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Manche Pillen enthalten potenziell gef\u00e4hrliche, nicht arzneimittelrechtlich zugelassene Wirkstoffe.<\/p>\n<\/li>\n<li>\n<p>Nahrungserg\u00e4nzungsmittel k\u00f6nnen die Aufnahme, den Abbau oder die Wirkung von verschreibungspflichtigen Medikamenten\u00a0<a href=\"https:\/\/www.fda.gov\/consumers\/consumer-updates\/mixing-medications-and-dietary-supplements-can-endanger-your-health#:~:text=Combining%20dietary%20supplements%20and%20medications,John&#039;s%20wort%2C%20an%20herbal%20supplement\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">ver\u00e4ndern<\/a>\u00a0\u2013 mit potenziell riskanten Folgen.<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u201eIch lasse mir immer die Verpackung zeigen und gehe mit den Patienten die Inhaltsstoffe durch\u201c, erkl\u00e4rt S\u00e1nchez L\u00f3pez.<\/p>\n<p>       <b>Brain Booster aus der K\u00fcche statt aus der Kapsel<\/b>  <\/p>\n<p>       <img decoding=\"async\" class=\"\" border=\"1\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ht_250815_emma_laing_120x156.jpg\" \/> <\/p>\n<p class=\"fig-caption\">Emma Laing \u00a9 University of Georgia<\/p>\n<p>Eine sichere und nachweislich wirksame Alternative liegt f\u00fcr\u00a0<b>Dr. Emma Laing<\/b>\u00a0von der University of Georgia auf der Hand: \u201eViele m\u00f6glichst gering verarbeitete\u00a0Lebensmittel\u00a0k\u00f6nnen die kognitive Gesundheit verbessern und das Risiko chronischer Krankheiten verringern.\u201c<\/p>\n<p>Auch Kaffee und Tee tragen nachweislich zur neurologischen Gesundheit bei \u2013 und selbst eine moderate Verringerung des Alkoholkonsums kann die geistige Leistungsf\u00e4higkeit verbessern.<\/p>\n<p>Besonders gut untersucht sind die Mittelmeer-Di\u00e4t und die MIND-Di\u00e4t (eine Kombination aus mediterraner Ern\u00e4hrung und der blutdrucksenkenden DASH-Di\u00e4t). Beide stehen in Verbindung mit einem besseren Ged\u00e4chtnis und mit mehr kognitiver Fitness im Alter.<\/p>\n<p>       <b>Derzeit keine Empfehlung<\/b>  <\/p>\n<p>Bleibt als Fazit: Aktuell gibt es kaum hochwertige Belege f\u00fcr einen Nutzen von Supplementen zur Verbesserung der kognitiven Leistungsf\u00e4higkeit. Vielleicht zeigen weitere Studien einen Benefit. Bis dahin sollten \u00c4rzte Patienten raten, ihren Lebensstil zu verbessern, anstatt teure, m\u00f6glicherweise gef\u00e4hrliche Pillen zu kaufen.\u00a0<\/p>\n<p> Der Beitrag ist im Original erschienen auf\u00a0<a href=\"https:\/\/www.medscape.com\/viewarticle\/brain-boosting-supplements-all-hype-or-some-hope-2025a1000kbf\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Medscape.com<\/a>. <\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Von Werbung in sozialen Medien bis hin zu TV-Spots: T\u00e4glich werden Konsumenten mit Anzeigen f\u00fcr teure Nahrungserg\u00e4nzungsmittel bombardiert,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":353558,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[29,30,141,232],"class_list":{"0":"post-353557","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-gesundheit","11":"tag-health"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115048455153663376","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353557","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=353557"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/353557\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/353558"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=353557"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=353557"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=353557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}