{"id":354050,"date":"2025-08-18T11:23:11","date_gmt":"2025-08-18T11:23:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/354050\/"},"modified":"2025-08-18T11:23:11","modified_gmt":"2025-08-18T11:23:11","slug":"buergergeld-fuer-ukrainer-warum-der-weg-in-den-arbeitsmarkt-oft-schwierig-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/354050\/","title":{"rendered":"B\u00fcrgergeld f\u00fcr Ukrainer: Warum der Weg in den Arbeitsmarkt oft schwierig ist"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 18.08.2025 11:05 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Zu hohe Sozialleistungen, zu wenig Anreiz zum Arbeiten? \u00dcber die Versorgung ukrainischer Fl\u00fcchtlinge mit B\u00fcrgergeld wird heftig gestritten. Viele k\u00e4mpfen mit Anerkennung, Sprachbarrieren und Jobsuche.<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAlexandra Fedosha aus Ostfildern floh vor drei Jahren mit ihrer Familie aus der Ukraine. Heute arbeitet sie als B\u00fcrokauffrau bei einem Hersteller von Gew\u00fcrzmischungen. Das Unternehmen verkauft an Privatkunden, beliefert aber auch den Gro\u00dfhandel. Viel wird exportiert, auch nach Osteuropa. Da ist es von Vorteil, dass Fedosha ukrainisch spricht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSie ist dankbar f\u00fcr diesen Job. In der Ukraine hatte Fedosha einen eigenen Betrieb, einen Gro\u00dfhandel f\u00fcr Sand und Kies. Doch in Deutschland angekommen, musste sie erst einmal ganz neu anfangen, mit einer einfachen Arbeit: als Verk\u00e4uferin. Arbeiten sei auf jeden Fall besser als B\u00fcrgergeld zu bekommen, sagt sie. Ihr Diplom in Betriebswirtschaftslehre wurde hier ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme anerkannt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNicht so viel Gl\u00fcck hat ihr Mann Ruslan Fedosha. Er hat als Zahnarzt bereits zehn Jahre in der Ukraine praktiziert. Jetzt arbeitet er zwar auch wieder in einer Zahnarztpraxis, darf hier in Deutschland aber nur assistieren. Sein Diplom von der Universit\u00e4t Poltawa, eine Stadt mit knapp 300.000 Einwohnern und &#8211; zuf\u00e4lligerweise &#8211; die Partnerstadt von Ostfildern, wird in Deutschland bislang nicht anerkannt. Daf\u00fcr k\u00e4mpft er noch und will einen Gutachter beauftragen, der dann die Lehrpl\u00e4ne in Deutschland und der Ukraine vergleicht.<\/p>\n<p>    H\u00e4ufig keine Arbeit m\u00f6glich<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Juli dieses Jahres haben etwa in Baden-W\u00fcrttemberg rund 68.200 erwerbsf\u00e4hige Ukrainerinnen und Ukrainer B\u00fcrgergeld erhalten. Die meisten, \u00fcber zwei Drittel, stehen dem Arbeitsmarkt allerdings nicht zur Verf\u00fcgung, etwa weil sie sich in Schule, Ausbildung oder F\u00f6rderma\u00dfnahmen befinden, an Integrationskursen teilnehmen oder mit Erziehung und Pflege besch\u00e4ftigt sind.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Mai lag die Besch\u00e4ftigungsquote von Ukrainerinnen und Ukrainern in Baden-W\u00fcrttemberg bei 36,5 Prozent &#8211; das hei\u00dft mehr als jeder Dritte im Alter zwischen 15 und 65 Jahren hat gearbeitet.<\/p>\n<p>Beispiel Baden-W\u00fcrttemberg <\/p>\n<p>            68.200 erwerbsf\u00e4hige Ukrainerinnen und Ukrainer beziehen B\u00fcrgergeld. Aber nur 38 % stehen dem Arbeitsmarkt tats\u00e4chlich zur Verf\u00fcgung. Die \u00fcbrigen 62 % k\u00f6nnen aus folgenden Gr\u00fcnden nicht arbeiten:<\/p>\n<ul>\n<li>16,4 % sind in Integrationskursen<\/li>\n<li>15,0 % sind in Ausbildung oder Schule <\/li>\n<li>10,6 % sind in Aufstocker <\/li>\n<li>5,3 % sind aufgrund von Erziehungs-\/Pflegeaufgaben nicht verf\u00fcgbar <\/li>\n<li>4,8 % befinden sich in arbeitsmarktpolitischen F\u00f6rderma\u00dfnahmen<\/li>\n<li>9,8 % befinden sich in einem sonstigen Status (sind z. B. krank)<\/li>\n<\/ul>\n<p>    Deutschland liegt im Mittelfeld<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIm Vergleich mit anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern liegt Deutschland im Mittelfeld. Besser l\u00e4uft es zum Beispiel in D\u00e4nemark, dort hat man schneller h\u00f6here Erwerbst\u00e4tigenquoten erreicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nYulya Kosyakova, Leiterin des Forschungsbereiches Migration, Integration und internationale Arbeitsmarktforschung des IAB (Institut f\u00fcr Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, eine Dienststelle der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit in N\u00fcrnberg) erkl\u00e4rt, warum: &#8222;Diese sind aber prim\u00e4r in prek\u00e4ren Arbeitsmarktverh\u00e4ltnissen und mit sehr niedriger Entlohnung. Es gibt L\u00e4nder, wo die Erwerbst\u00e4tigenquoten etwas niedriger sind, zum Beispiel Schweiz oder Norwegen. Die setzen aber wie Deutschland auf Nachhaltigkeit, also auf Spracherwerb zuerst, und das wirkt langfristig positiv und f\u00fchrt zu h\u00f6heren Erwerbst\u00e4tigenquoten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAlexandra Fedosha und ihr Mann Ruslan arbeiten beide. Das sei doch auch v\u00f6llig normal, sagen sie. Beide kennen aber auch F\u00e4lle, in denen ukrainische Fl\u00fcchtlinge deutlich gesagt haben, dass sie lieber B\u00fcrgergeld beziehen, als sich eine Arbeit zu suchen. Allerdings seien das eher Ausnahmen.<\/p>\n<p>    Asylleistungen statt B\u00fcrgergeld<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch aus solchen Gr\u00fcnden soll k\u00fcnftig gelten: Fl\u00fcchtlinge aus der Ukraine, die seit April nach Deutschland gekommen sind, sollen in Zukunft kein B\u00fcrgergeld mehr erhalten, sondern Asylleistungen. Das bedeutet f\u00fcr Alleinstehende: Bisher haben sie 563 Euro pro Monat bekommen, k\u00fcnftig werden es 441 Euro sein. Weniger Geld f\u00fcr ukrainische Fl\u00fcchtlinge, damit mehr von ihnen k\u00fcnftig arbeiten &#8211; das ist die Idee.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nArbeitsmarkt-Expertin Kosyakova h\u00e4lt nicht viel davon: Zwischen der Zahlung von Transferleistungen wie B\u00fcrgergeld und der Tatsache ob jemand arbeitet, gebe es keinen Zusammenhang. Die H\u00f6he der Leistungen beeinflusse nicht, wie viele ukrainische Gefl\u00fcchtete Arbeit finden, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAndere Gr\u00fcnde w\u00fcrden eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielen: &#8222;Das sind nat\u00fcrlich individuelle Faktoren. Also dass man die deutsche Sprache spricht, in Deutschland. Die Anerkennung von beruflichen Abschl\u00fcssen, f\u00fcr die Frauen die Kinderbetreuungsm\u00f6glichkeiten, und aus der gesamtwirtschaftlichen Perspektive ist es wichtig, dass die Wirtschaft mitspielt. Wir haben einfach eine schlechte Konjunkturlage und das f\u00fchrt besonders f\u00fcr die Neuzugezogenen zu schlechteren Arbeitsmarktintegrationschancen.&#8220;<\/p>\n<p>    Vergebliche Jobsuche<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nWenig Erfolg auf dem Arbeitsmarkt hatte bislang Nataliia Brynenko in Stuttgart. Im April 2022 kam sie hier an, auf der Flucht vor dem Krieg in ihrer Heimat Ukraine. 24 Jahre war sie als Ukrainisch-Lehrerin t\u00e4tig. Sie vermisse ihre Schule, will auch k\u00fcnftig gerne mit Kindern arbeiten. Zum Beispiel als Schulbegleiterin oder in einer Kita.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEntsprechende Erfahrungen hat Brynenko bereits gesammelt &#8211; sie arbeitete ohne Bezahlung mehrere Monate in einer Grundschule und einer Kita, ehrenamtlich und als Praktikantin. Aber einen richtigen Job mit Bezahlung zu finden, scheint fast unm\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnz\u00e4hlige Bewerbungen hat sie geschrieben. Das Ergebnis ist ern\u00fcchternd: Sie bekomme nur Absagen, in den meisten F\u00e4llen sogar \u00fcberhaupt keine Antwort. Dabei w\u00fcrde sie lieber arbeiten und auf B\u00fcrgergeld und Wohngeld verzichten. &#8222;Es gibt einen gro\u00dfen Unterschied zwischen Geld bekommen und Geld verdienen. Ich m\u00f6chte mein Geld verdienen&#8220;, sagt Brynenko. Sie hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben, eine Stelle zu finden und k\u00fcnftig nicht mehr von staatlichen Zahlungen wie dem B\u00fcrgergeld abh\u00e4ngig zu sein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 18.08.2025 11:05 Uhr Zu hohe Sozialleistungen, zu wenig Anreiz zum Arbeiten? \u00dcber die Versorgung ukrainischer Fl\u00fcchtlinge mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":354051,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,384,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-354050","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-buergergeld","11":"tag-headlines","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115049516650560238","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354050","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=354050"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354050\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/354051"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=354050"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=354050"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=354050"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}