{"id":354196,"date":"2025-08-18T12:47:14","date_gmt":"2025-08-18T12:47:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/354196\/"},"modified":"2025-08-18T12:47:14","modified_gmt":"2025-08-18T12:47:14","slug":"der-trump-putin-gipfel-in-alaska-und-der-richtungswechsel-der-us-geostrategie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/354196\/","title":{"rendered":"Der Trump-Putin-Gipfel in Alaska und der Richtungswechsel der US-Geostrategie"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/05089c63-9bb1-46f9-9fec-9c93f1af2e9c\" style=\"max-height:100%\"\/>US-Pr\u00e4sident Donald Trump trifft den russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin am 15.08.2025 auf der Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska. [AP Photo\/Julia Demaree Nikhinson]<\/p>\n<p>Nach dem Gipfeltreffen von US-Pr\u00e4sident Trump mit dem russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin reisen heute die Staatsoberh\u00e4upter aller gro\u00dfen europ\u00e4ischen M\u00e4chte nach Washington, um an Krisensitzungen mit Trump und dem ukrainischen Pr\u00e4sidenten Wolodymyr Selenskyj teilzunehmen. Das Gipfeltreffen in Alaska, bei dem Trump Putin \u00fcberschw\u00e4nglich umarmte und sich f\u00fcr einen Verhandlungsfrieden in der Ukraine aussprach, hat eine politische Krise in ganz Europa ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p>An den Gespr\u00e4chen in Washington nehmen der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz, der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident Emmanuel Macron, der britische Premierminister Keir Starmer, NATO-Generalsekret\u00e4r Mark Rutte, der finnische Pr\u00e4sident Alexander Stubb, die italienische Ministerpr\u00e4sidentin Giorgia Meloni und die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, Ursula von der Leyen, teil. Sie wollen mit vereinten Kr\u00e4ften gegen die Folgen von Trumps Strategiewechsel im Ukraine-Krieg vorgehen \u2013 in der Hoffnung, ihn davon abzuhalten, ihrer gesamten Operation abrupt den Stecker zu ziehen.<\/p>\n<p>Im Vorfeld der Gespr\u00e4che am Montag drehte sich die Debatte in den Medien und unter Regierungsvertretern in den Vereinigten Staaten und Europa um die Frage, ob eine Einigung verbindliche \u201eSicherheitsgarantien\u201d f\u00fcr die Ukraine beinhalten und diese gleichzeitig dazu zwingen werde, Territorium an Russland abzutreten.<\/p>\n<p>Am Sonntag erkl\u00e4rte der US-Sonderbeauftragte Steve Witkoff gegen\u00fcber CNN, Russland habe zum ersten Mal zugestimmt, dass die Vereinigten Staaten und die europ\u00e4ischen M\u00e4chte der Ukraine einen \u201eArtikel\u20115 \u00e4hnlichen Schutz\u201c gew\u00e4hren \u2013 ein Verweis auf die gegenseitige Beistandsklausel der NATO.<\/p>\n<p>Selenskyj bezeichnete dies als \u201ehistorische Entscheidung\u201c und schrieb auf X, die Garantien m\u00fcssten \u201eSchutz zu Lande, in der Luft und zur See\u201c mit voller Beteiligung Europas bieten. Gleichzeitig vertritt Trump jedoch eine andere Haltung als die Ukraine und die f\u00fchrenden europ\u00e4ischen M\u00e4chte, wenn er Putins Forderung unterst\u00fctzt, dass Kiew Territorium abtritt \u2013 einschlie\u00dflich Teilen der Donbass-Region, die derzeit nicht unter russischer Kontrolle stehen.<\/p>\n<p>Dass eine solche Wende bevorstand, war schon seit einiger Zeit absehbar. Der Alaska-Gipfel machte sie offiziell, und die Reaktion in den europ\u00e4ischen Hauptst\u00e4dten grenzt an Hysterie \u2013 die noch dadurch verst\u00e4rkt wird, dass die Ukraine eine Reihe milit\u00e4rischer Niederlagen erlitten hat. Was auch immer die Europ\u00e4er \u00f6ffentlich erkl\u00e4ren, die Realit\u00e4t ist: Ohne R\u00fcckendeckung der USA wird die Fortf\u00fchrung des Kriegs in der Ukraine unhaltbar. Das NATO-B\u00fcndnis wurde bislang durch Washingtons erbitterte Feindschaft gegen Russland zusammengehalten \u2013 eine Politik, die von der demokratischen Biden-Regierung verfolgt wurde.<\/p>\n<p>Trump, der die Tradition der ultrarechten \u201eAmerica First\u201d-Bewegung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wiederbelebt, spricht f\u00fcr Schichten der amerikanischen herrschenden Klasse, die sich auf den Krieg im Pazifik und die Konfrontation mit China ausrichten. Diese Perspektive hat er mit Zoll- und Handelskriegsma\u00dfnahmen gegen die europ\u00e4ischen M\u00e4chte gekoppelt. F\u00fcr diese Fraktion bietet der R\u00fcckzug aus dem Russland-Ukraine-Konflikt potenzielle Vorteile: die Sicherung des Zugangs zu lebenswichtigen Ressourcen in Russland und der Ukraine, die Lockerung von Moskaus B\u00fcndnis mit Peking und die Schw\u00e4chung des europ\u00e4ischen Imperialismus.<\/p>\n<p>Insbesondere seit der Wiederwahl Trumps diskutiert das au\u00dfenpolitische Establishment der USA eine \u201eReverse-Kissinger\u201c-Strategie. Angesichts des wirtschaftlichen Aufstiegs Chinas streben sie eine Umkehrung der Politik an, die in den 1970er Jahren von Henry Kissinger, dem Au\u00dfenminister von US-Pr\u00e4sident Richard Nixon, vertreten wurde: eine Allianz mit China gegen die Sowjetunion. In einem Artikel mit dem Titel \u201eA \u201aReverse Kissinger\u2018?\u201c bef\u00fcrwortet die Denkfabrik American Enterprise Institute Bem\u00fchungen, sich mit Russland gegen China zu verb\u00fcnden. Sie stellt jedoch auch fest, dass der Ukraine-Krieg ein Hindernis sei, um Putin zu gewinnen. In dem Artikel hei\u00dft es:<\/p>\n<blockquote>\n<p>Moskau und Peking sind durch den Krieg in der Ukraine aneinandergebunden worden. Ein Ende dieses Krieges und das erneute Ankn\u00fcpfen von Beziehungen zu Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin k\u00f6nnten die sino-russische Ann\u00e4herung verlangsamen \u2013 und Moskau vielleicht sogar zu einem Partner bei der Eind\u00e4mmung Pekings machen. Dieses Streben ist bewundernswert. &#8230; Es funktionierte jedoch nicht, da Putin weniger an Stabilit\u00e4t als daran interessiert war, die Ukraine zu verschlingen.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Gleichzeitig provoziert jeder Kurswechsel von Washingtons Politik gegen\u00fcber Russland erbitterte Konflikte innerhalb des amerikanischen Staatsapparats. F\u00fcr m\u00e4chtige Teile der herrschenden Klasse bleibt das Ziel einer russischen Niederlage nicht verhandelbar \u2013 um die Glaubw\u00fcrdigkeit des amerikanischen Imperialismus zu retten, nachdem gewaltige Summen in den Ukraine-Krieg investiert wurden, und weil sie Zugest\u00e4ndnisse an Moskau als Schw\u00e4chung des Konfrontationskurses gegen China betrachten.<\/p>\n<p>Die Vertreter des europ\u00e4ischen Imperialismus, die in Washington zusammenkommen, versuchen nicht nur, Trump unter Druck zu setzen \u2013 in der Hoffnung, Zeit zu gewinnen oder einen Kurswechsel herbeizuf\u00fchren \u2013, sondern auch Verb\u00fcndete innerhalb des amerikanischen politischen Establishments zu gewinnen, um einen R\u00fcckzug vom Kriegskurs der NATO zu verhindern.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie sich die Lage weiterentwickelt, m\u00fcssen bestimmte Grundsatzfragen angesprochen werden.<\/p>\n<p>Erstens ist Trumps Kurswechsel in der Ukraine keine \u201eFriedenspolitik\u201c. Seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Genozid in Gaza und die Bombardierung des Iran machen dies mehr als deutlich. Die Spaltungen innerhalb der amerikanischen herrschenden Klasse drehen sich um taktische Fragen innerhalb eines gemeinsamen Projekts der globalen Vorherrschaft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/north-30-jahre-krieg\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/19b71883-5de1-401a-8f7f-7226c4b24a37\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North<\/p>\n<p>30 Jahre Krieg: Amerikas Griff nach der Weltherrschaft 1990\u20132020<\/p>\n<p>Seit dem ersten Golfkrieg 1990\u20131991 f\u00fchren die Vereinigten Staaten ununterbrochen Krieg.\u00a0Gest\u00fctzt auf ein marxistisches Verst\u00e4ndnis der Widerspr\u00fcche des US- und des Weltimperialismus analysiert David North die Milit\u00e4rinterventionen und geopolitischen Krisen der letzten 30 Jahre.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Zweitens vollzieht sich Trumps Man\u00f6ver im Rahmen eines eskalierenden globalen Kriegs und sich versch\u00e4rfender Konflikte zwischen den Vereinigten Staaten und den europ\u00e4ischen imperialistischen M\u00e4chten. Die Kosten dieses Konflikts werden durch massive Angriffe auf die Arbeiterklasse abgew\u00e4lzt.<\/p>\n<p>In ganz Europa verfolgen die Regierungen ein umfassendes Remilitarisierungsprogramm, das nur durch den Abbau der verbliebenen Sozialleistungen und die Umleitung von Billionen in die milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung finanziert werden kann. In den Vereinigten Staaten treibt Trump eine soziale Konterrevolution und eine Diktatur gegen die Arbeiterklasse voran, indem er alle Schranken f\u00fcr die Bereicherung der Reichen niederrei\u00dft. Ein Element seiner Kalkulationen ist zweifellos die Notwendigkeit, milit\u00e4rische Ressourcen f\u00fcr das \u201enahe Ausland\u201c in Lateinamerika und gegen die eigenen Arbeiter in den USA freizumachen.<\/p>\n<p>Drittens unterstreicht Putins unterw\u00fcrfiges Lob f\u00fcr Trump auf dem Gipfel am Freitag den durch und durch reaktion\u00e4ren Charakter der russischen Regierung. Putins l\u00e4cherliche Schmeichelei erinnert an Stalins ber\u00fcchtigten Trinkspruch auf Hitler im August 1939, als der Hitler-Stalin-Nichtangriffspakt geschlossen wurde: \u201eIch wei\u00df, wie sehr das deutsche Volk seinen F\u00fchrer liebt; ich m\u00f6chte deshalb auf seine Gesundheit trinken.\u201c Binnen einer Woche brach der Zweite Weltkrieg aus, und zwei Jahre sp\u00e4ter begann Hitler seinen \u00dcberfall auf die Sowjetunion, der 27 Millionen sowjetische Leben forderte.<\/p>\n<p>Wie Stalin sucht auch Putin Abkommen mit dem Imperialismus, die f\u00fcr die Arbeiterklasse nur in einem Desaster enden k\u00f6nnen. Die russische Invasion in der Ukraine im Februar 2022 wurde von den US- und europ\u00e4ischen imperialistischen M\u00e4chten durch die unabl\u00e4ssige Osterweiterung der NATO und die Weigerung, \u00fcber die Ukraine zu verhandeln, provoziert. Der Einmarsch war jedoch das Vorgehen eines b\u00fcrgerlichen Staates, der seine eigenen Interessen verteidigt. Sie hatte nichts mit einer unabh\u00e4ngigen Mobilisierung der russischen oder ukrainischen Arbeiterklasse gegen den Imperialismus zu tun.<\/p>\n<p>Der reaktion\u00e4re Charakter von Putins Herrschaft wird durch seine Ausrichtung auf rechtsextreme Kr\u00e4fte in ganz Europa und den USA unterstrichen, zu denen Viktor Orb\u00e1n in Ungarn, Marine Le Pens Rassemblement National in Frankreich und die Alternative f\u00fcr Deutschland geh\u00f6ren. Sie werden durch die nun stattfindende Neuorientierung gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Das Ergebnis der heutigen Gespr\u00e4che in Washington bleibt ungewiss, doch eines steht au\u00dfer Frage: Die grundlegenden Tendenzen, die die Welt in die Katastrophe treiben, bleiben bestehen. Ohne die unabh\u00e4ngige Intervention der internationalen Arbeiterklasse wird es keine fortschrittliche L\u00f6sung dieser Krise geben.<\/p>\n<p>Die trotzkistische Bewegung lehnt das opportunistische Mantra \u201eDer Feind meines Feindes ist mein Freund\u201c vollst\u00e4ndig ab. Weder die Man\u00f6ver Trumps, noch die Intrigen der europ\u00e4ischen M\u00e4chte, noch die reaktion\u00e4ren Berechnungen Putins bieten einen Weg nach vorn. Der Kampf gegen V\u00f6lkermord, Austerit\u00e4t, Diktatur und Krieg erfordert den Aufbau einer bewussten internationalen sozialistischen Bewegung der Arbeiterklasse, die unvers\u00f6hnlich gegen alle kapitalistischen Regierungen und ihre politischen Handlanger k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>Werde aktiver Unterst\u00fctzer der Sozialistischen Gleichheitspartei<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"US-Pr\u00e4sident Donald Trump trifft den russischen Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin am 15.08.2025 auf der Joint Base Elmendorf-Richardson in Alaska.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":354197,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,106,13,14,15,12,97994,4017,4018,4016,64,4019,4020,306,107],"class_list":{"0":"post-354196","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-donald-trump","11":"tag-headlines","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-trump-putin-gipfel-alaska-2025","16":"tag-united-states","17":"tag-united-states-of-america","18":"tag-us","19":"tag-usa","20":"tag-vereinigte-staaten","21":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika","22":"tag-wladimir-putin","23":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115049847607996187","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354196","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=354196"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/354196\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/354197"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=354196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=354196"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=354196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}