{"id":356298,"date":"2025-08-19T09:10:15","date_gmt":"2025-08-19T09:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/356298\/"},"modified":"2025-08-19T09:10:15","modified_gmt":"2025-08-19T09:10:15","slug":"s-bahn-netz-s-bahn-berlin-abenteuerlich-langes-vergabeverfahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/356298\/","title":{"rendered":"S-Bahn-Netz \u2013 S-Bahn Berlin: \u00bbAbenteuerlich langes Vergabeverfahren\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img310158\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/310158.jpeg\" alt=\"Seit 2016 sucht Berlin nach einem neuen Lieferanten und Betreiber von S-Bahnz\u00fcgen f\u00fcr die Stadtbahn. Nun steht selbst das aktuell avisierte Jahr 2031 auf Kipp.\"\/><\/p>\n<p>Seit 2016 sucht Berlin nach einem neuen Lieferanten und Betreiber von S-Bahnz\u00fcgen f\u00fcr die Stadtbahn. Nun steht selbst das aktuell avisierte Jahr 2031 auf Kipp.<\/p>\n<p>Foto: dpa\/Soeren Stache<\/p>\n<p>Sehr bald wird klar sein, wer k\u00fcnftig zwei Drittel des <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1193333.s-bahn-berlin-berlin-dauerstoerung-auf-der-stadtbahn.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berliner S-Bahn<\/a>-Netzes betreiben soll und wer die neuen Fahrzeuge daf\u00fcr liefern und unterhalten wird. Bis sp\u00e4testens 1. September m\u00fcssen die L\u00e4nder Berlin und Brandenburg die Bewerber informiert haben, wer in dem bereits viele Jahre <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186409.oepnv-berliner-s-bahn-betriebsqualitaet-ist-weiterhin-unbefriedigend.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1186409.oepnv-berliner-s-bahn-betriebsqualitaet-ist-weiterhin-unbefriedigend.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">laufenden Vergabeverfahren<\/a> erfolgreich war. Denn nur noch bis 11. September sind die Unternehmen, die sich daf\u00fcr beworben haben, an ihre Angebote gebunden.<\/p>\n<p>Die zehn Tage, die zwischen den beiden Daten liegen, sind die sogenannte Stillhaltefrist. In dieser Zeit d\u00fcrfen noch keine Vertr\u00e4ge geschlossen werden, damit unterlegene Bieter die M\u00f6glichkeit haben, die juristische Nachpr\u00fcfung der Entscheidung zu beantragen.<\/p>\n<p>Es ist auch kein gro\u00dfes Geheimnis, dass der k\u00fcnftige Betreiber der Nord-S\u00fcd-Linien durch den Innenstadttunnel und der Ost-West-Linien \u00fcber die Stadtbahn der bisherige sein soll: Die DB-Tochter S-Bahn Berlin GmbH. Auch der Lieferant der bis zu 1400 Wagen f\u00fcr die zehn Linien d\u00fcrfte wieder das Konsortium der Bahntechnikunternehmen Siemens und Stadler Rail sein; sie hatten bereits die Z\u00fcge f\u00fcr die Ringbahnlinien geliefert.<\/p>\n<p>\u00bbWir werden diese Frist nicht rei\u00dfen, das kann ich versichern\u00ab, sagt Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU) zu \u00bbnd\u00ab. \u00bbUnd nat\u00fcrlich haben wir die Hinweise der Vergabekammer ber\u00fccksichtigt\u00ab, so Bonde weiter. Neben den juristischen Schwierigkeiten, die das \u00fcberkomplexe Verfahren schon lange begleiten, haben sich in letzter Zeit die Haushaltsprobleme beider beteiligter Bundesl\u00e4nder als neue Bedrohung f\u00fcr die Auftragsvergabe herauskristallisiert.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/310229.jpeg\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>Es ist auch relativ klar, dass es nur einen unterlegenen Bieter geben wird. N\u00e4mlich den franz\u00f6sischen Bahntechnikkonzern Alstom, der dem Vernehmen nach ebenfalls ein Angebot gemacht hat, allerdings nur f\u00fcr die Lieferung der Fahrzeuge. Und jeder, mit dem man im Umfeld von Alstom spricht, k\u00fcndigt an, dass der Konzern in dem Verfahren das machen wird, was er bisher immer gemacht hat: den Rechtsweg beschreiten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst d\u00fcrfte also Beschwerde bei der Vergabekammer eingelegt werden. Dieses der Senatswirtschaftsverwaltung unterstellte Organ ist die erste Instanz f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung von Vergabeentscheidungen der \u00f6ffentlichen Hand in Berlin. Wenn Alstom das nach einigen bis vielen Monaten vorliegende Ergebnis der Beschwerde bei der Vergabekammer nicht gef\u00e4llt, kann der Konzern auch noch vor das Berliner Kammergericht ziehen.<\/p>\n<p>\u00bbVielleicht verz\u00f6gert das den Prozess um ein weiteres halbes Jahr, vielleicht aber auch um zwei Jahre, erfuhr ich von Experten\u00ab, sagt Robert Seifert zu \u00bbnd\u00ab. Er ist Vizechef der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG.<\/p>\n<p>Man rechne 2023 mit den ersten einsatzf\u00e4higen Z\u00fcgen, hatte es 2016 zu Beginn der Ausschreibung in einer der \u00fcblichen Vorabinformationen gehei\u00dfen. Mittlerweile wird das Jahr 2031 in Aussicht gestellt. Ein eh schon sportliches Zeitfenster, um die Z\u00fcge zu entwickeln, zu bauen und abnehmen zu lassen. Nimmt man die fast schon sichere Verz\u00f6gerung durch den sich fortsetzenden Rechtsweg von Alstom dazu, ist der Plan schier unrealistisch.<\/p>\n<p>\u00bbWenn die neuen Fahrzeuge wirklich erst nach Abschluss des juristischen Verfahrens in Auftrag gegeben werden k\u00f6nnen, wird es wirklich eng mit der Lebensdauer von Teilen der Bestandsflotte. Dann k\u00f6nnte es passieren, dass weniger Fahrten angeboten werden k\u00f6nnen als geplant\u00ab, so Seifert weiter. Statt der lange versprochenen Verbesserungen beim S-Bahn-Angebot k\u00f6nnte es also ab Anfang der 2030er Jahre erst mal Ausd\u00fcnnungen geben.<\/p>\n<p>\u00bbUnd das alles durch das langwierige und komplexe Verfahren, welches politisch so organisiert wurde und durch uns von Beginn an kritisiert wird\u00ab, sagt Gewerkschafter Seifert.<\/p>\n<p>Die Vertr\u00e4ge f\u00fcr die Teilnetze bestehen je aus drei Komponenten: dem Kauf der neuen S-Bahn-Wagen durch das Land Berlin zu derzeit gesch\u00e4tzten Kosten von 5,6\u2005Milliarden Euro, der Instandhaltung dieser Flotte f\u00fcr 30\u2005Jahre sowie dem Betrieb der Z\u00fcge f\u00fcr 15\u2005Jahre \u2013 l\u00e4nger laufende Vertr\u00e4ge f\u00fcr die Verkehrsleistung sind nicht zul\u00e4ssig.<\/p>\n<p>\u00dcber zwei Dutzend Male sind Termine f\u00fcr einzelne Etappen der Ausschreibung seit deren Start im Mai 2016 verschoben worden. Allein der Termin f\u00fcr die nun erfolgte Abgabe der verbindlichen Angebote wurde siebenmal nach hinten korrigiert.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich galt das Verfahren ob seiner Komplexit\u00e4t schon <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1125889.s-bahn-berlin-drohendes-zustaendigkeitschaos-bei-der-s-bahn.html\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1125889.s-bahn-berlin-drohendes-zustaendigkeitschaos-bei-der-s-bahn.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">bei seiner Konzeption unter Rot-Rot-Gr\u00fcn<\/a> als schwer juristisch beherrschbar. Denn die Vorstellungen der Gr\u00fcnen auf der einen Seite sowie SPD und Linke auf der anderen Seite waren nur schwer unter einen Hut zu bringen.<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcnen hofften auf m\u00f6glichst viel Wettbewerb und Konkurrenz f\u00fcr die DB-Tochter S-Bahn Berlin GmbH. SPD und Linke wollten einen einheitlichen Betreiber f\u00fcr das S-Bahn-Netz, wof\u00fcr bei den Themen Betriebsabwicklung und somit auch Stabilit\u00e4t einiges spricht. Nicht zuletzt ging es den roten Parteien auch um Sicherheit f\u00fcr die derzeit bei der S-Bahn besch\u00e4ftigten Menschen.<\/p>\n<p>Der schlie\u00dflich gefundene politische Kompromiss machte die f\u00fcr ein rechtssicheres Verfahren n\u00f6tige Vergleichbarkeit der Angebote zumindest sehr schwierig. Der franz\u00f6sische Bahntechnikkonzern Alstom f\u00fchlte sich auch prompt benachteiligt, strengte zun\u00e4chst ein Verfahren bei der Vergabekammer des Landes Berlin an und schlie\u00dflich auch vor dem Kammergericht Berlin.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\">\n<p>\u00bbEs ist abenteuerlich, wie lange das Vergabeverfahren schon l\u00e4uft und wie viele Senatorinnen dabei schon verschlissen wurden.\u00ab<\/p>\n<p>Robert Seifert\u2003Gewerkschaft EVG<\/p><\/blockquote>\n<p>Vor wenigen Tagen zeigte sich Werner Graf, der Berliner Gr\u00fcnen-Spitzenkandidat f\u00fcr die Abgeordnetenhauswahl 2026, in dem Punkt durchaus selbstkritisch. \u00bbEs stimmt, da gab es Probleme in der Koalition und wir haben uns damals verhakt. Ich hoffe, dass wir das in Zukunft besser hinbekommen. Ausschreibungen gehen einfacher, auch f\u00fcr die S-Bahn\u00ab, sagte er der \u00bbBerliner Morgenpost\u00ab im Interview.<\/p>\n<p>\u00bbEs ist abenteuerlich, wie lange das Vergabeverfahren schon l\u00e4uft und wie viele Senatorinnen dabei schon verschlissen wurden. Das zerrt nat\u00fcrlich auch an den Nerven der Besch\u00e4ftigten\u00ab, sagt Robert Seifert von der EVG.<\/p>\n<p>Dass Alstom mit seinem Fahrzeugangebot unterliegen d\u00fcrfte, liegt vor allem daran, dass in dem seit bald einem Jahrzehnt laufenden Verfahren der Betreiber als Partner abhanden kam. Selbst wenn es aus Konzernkreisen hei\u00dft, dass man 20 Prozent g\u00fcnstiger liefern w\u00fcrde als die Konkurrenz. Wie realistisch das ohne enge Abstimmung mit einem Betreiber ist, bleibt offen.<\/p>\n<p>Zu Beginn gab es zahlreiche Interessenten sowohl f\u00fcr Fahrzeuglieferung als auch den Betrieb. Allerdings ist seitdem viel passiert. Zinsen stiegen, Lieferanten tun sich immer schwerer, Fahrzeuge p\u00fcnktlich geliefert und zugelassen zu bekommen, es gibt gro\u00dfen Personalmangel in allen Bereichen, insbesondere bei Lokf\u00fchrern. Das marode Bahnnetz provoziert viele Ausf\u00e4lle, Versp\u00e4tungen oder f\u00fchrt dazu, dass teurer Schienenersatzverkehr gefahren werden muss.<\/p>\n<p>Mehrere Eisenbahn-Verkehrsunternehmen gingen pleite oder gaben ihre Auftr\u00e4ge zur\u00fcck, bei anderen Ausschreibungen gibt es nur einen Bieter \u2013 oder gar keinen.<\/p>\n<p>Immerhin ist die schwarz-rote Koalition mit dem Regierenden B\u00fcrgermeister Kai Wegner (CDU) an der Spitze bem\u00fcht, das leidige Thema S-Bahn-Vergabe vor der n\u00e4chsten Abgeordnetenhauswahl endlich abgeschlossen zu haben. Bei aller Unabh\u00e4ngigkeit von Vergabekammer und Justiz k\u00f6nnte das immerhin dazu f\u00fchren, dass die Verfahren z\u00fcgiger als bisher abgeschlossen werden.<\/p>\n<p>Zumindest ernsthafte Personalprobleme gibt es bei der S-Bahn Berlin bisher nicht. \u00bbTrotz aller Unsicherheiten haben wir eine sehr treue Belegschaft\u00ab, sagt Robert Seifert von der EVG. Aus dem Werkstattbereich seien nach Er\u00f6ffnung des Tesla-Autowerks ein paar abgewandert. \u00bbDie meisten waren allerdings relativ schnell wieder zur\u00fcck.\u00ab Es gebe auch viele junge Leute, die nachkommen und die altersbedingten Abg\u00e4nge ausgleichen.<\/p>\n<p>\u00bbDie S-Bahn Berlin GmbH ist eines der wenigen Verkehrsunternehmen in Deutschland, das einen ausgeglichenen Personalbestand hat\u00ab, sagt Seifert. \u00bbWeil die Inbetriebnahme der S15 zum Hauptbahnhof sich immer wieder verz\u00f6gert hat, haben wir sogar ein paar Lokf\u00fchrer zu viel, die beispielsweise zur Unterst\u00fctzung bei DB Regio nach Frankfurt am Main auf freiwilliger Basis verliehen worden sind\u00ab, berichtet er.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit 2016 sucht Berlin nach einem neuen Lieferanten und Betreiber von S-Bahnz\u00fcgen f\u00fcr die Stadtbahn. 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