{"id":357277,"date":"2025-08-19T18:04:10","date_gmt":"2025-08-19T18:04:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/357277\/"},"modified":"2025-08-19T18:04:10","modified_gmt":"2025-08-19T18:04:10","slug":"rumaenien-die-wutbuerger-im-donaudelta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/357277\/","title":{"rendered":"Rum\u00e4nien: Die Wutb\u00fcrger im Donaudelta"},"content":{"rendered":"<p><a name=\"sprung2\" class=\"jumpLabel\"><strong>Rum\u00e4nien bei Ukraine-Hilfen im Mittelfeld<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nLaut Statistik des Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) liegt Rum\u00e4nien bei der finanziellen Hilfe f\u00fcr den kriegsgebeutelten Nachbarn im Mittelfeld aller 41 L\u00e4nder, die der Ukraine feste Unterst\u00fctzung zugesagt haben: Bis 2023 flossen rund 487 Millionen Euro an den Nachbarn. Polen, das ungef\u00e4h doppelt so viele Einwohner wie Rum\u00e4nien hat, unterst\u00fctzte die Ukraine im selben Zeitraum mit deutlich mehr Geld: mit gut 5,1 Milliarden Euro. Wenngleich die Zahlen im <a href=\"https:\/\/app.23degrees.io\/view\/gv4IITRqHV77xpXh-atlas-slideshow_v4-atlantic\/vzU9L2Sw7IaofPpZ-choro-ukraine-aid-tracker-final-data\" title=\"Ukraine-Support-Tracker vom Kiel Institut f\u00fcr Weltwirtschaft\" data-ctrl-link=\"{&#039;id&#039;: &#039;3e9d2b68-4c7f-47a6-9d91-22c8abf41d02&#039;,&#039;type&#039;:&#039;external&#039;,&#039;window&#039;:{&#039;type&#039;:&#039;blank&#039;,&#039;config&#039;:{&#039;title&#039;:&#039;Ukraine-Support-Tracker vom Kiel Institut f\u00fcr Weltwirtschaft&#039;,&#039;top&#039;:&#039;0&#039;,&#039;left&#039;:&#039;0&#039;,&#039;width&#039;:&#039;0&#039;,&#039;height&#039;:&#039;0&#039;,&#039;status&#039;:&#039;0&#039;,&#039;menubar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;location&#039;:&#039;0&#039;,&#039;scroll&#039;:&#039;0&#039;,&#039;toolbar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;resizable&#039;:&#039;0&#039;}}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine Support Tracker des IfW Kiel <\/a>\u00f6ffentlich zug\u00e4nglich sind, h\u00fcllt sich die Bukarester Regierung \u00fcber ihre Unterst\u00fctzung in Schweigen.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie zur\u00fcckhaltende Kommunikation h\u00e4lt <a href=\"https:\/\/www.kas.de\/documents\/278807\/278856\/Freedom+of+navigation+and+the+Danube+-+NSC+study.pdf\/27a4c653-7f9c-faaf-fca5-6ffa3a70b4c1?version=1.0&amp;t=1710841495221\" title=\"Studie zu den Perpektiven der Donauschifffahrt\" data-ctrl-link=\"{&#039;id&#039;: &#039;0732168c-4d71-457a-816e-7bd6071c1e99&#039;,&#039;type&#039;:&#039;external&#039;,&#039;window&#039;:{&#039;type&#039;:&#039;blank&#039;,&#039;config&#039;:{&#039;title&#039;:&#039;Studie zu den Perpektiven der Donauschifffahrt&#039;,&#039;top&#039;:&#039;0&#039;,&#039;left&#039;:&#039;0&#039;,&#039;width&#039;:&#039;0&#039;,&#039;height&#039;:&#039;0&#039;,&#039;status&#039;:&#039;0&#039;,&#039;menubar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;location&#039;:&#039;0&#039;,&#039;scroll&#039;:&#039;0&#039;,&#039;toolbar&#039;:&#039;0&#039;,&#039;resizable&#039;:&#039;0&#039;}}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die rum\u00e4nische Politikanalystin Antonia Colibasanu<\/a> &#8222;f\u00fcr \u00e4u\u00dferst sch\u00e4dlich, weil sie Raum f\u00fcr Interpretationen l\u00e4sst&#8220;. In den rum\u00e4nischen Grenzorten h\u00f6rt man mittlerweile nur noch wenig Kritik am russischen Aggressor, vielmehr herrscht Argwohn dar\u00fcber vor, dass sich die benachbarte Ukraine so ausdauernd verteidigt. Das w\u00fcrde den Krieg nur unn\u00f6tig verl\u00e4ngern, glauben viele. &#8222;Dieses kreml-freundliche Narrativ hat den rechtspopulistischen Parteien zuletzt viel Zulauf beschert&#8220;, sagt die Bukarester Wissenschaftlerin Colibasanu.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung3\" class=\"jumpLabel\"><strong>Lebensmittel in Grenzorten besonders teuer<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDoch nicht nur der Ukraine-Krieg beschert den Rechtspopulisten in den rum\u00e4nischen Grenzorten Zulauf, sondern auch der Unmut \u00fcber die wechselnden Bukarester Regierungen, die viele ihrer Investitionsversprechen in den letzten Jahren nicht eingel\u00f6st haben. Man kann nach Chilia Veche per F\u00e4hre \u00fcber die Donau kommen oder \u00fcber eine Schotterpiste \u2013 beides dauert Stunden. Wegen der zeitaufwendigen Anfahrt sind die Lebensmittel, die die Tante-Emma-L\u00e4den im Ort verkaufen, bis zu 30 Prozent teurer als anderswo, erz\u00e4hlt Rentner Constantin Coicoi.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nHinzu kommen die Preissteigerungen durch den Ukraine-Krieg, die Inflation stieg im Juli erneut auf \u00fcber sieben Prozent. Dass die gut 1.700 Einwohner im Ort frustriert seien, verstehe er, sagt Coicoi, nicht aber, dass seine Landsleute f\u00fcr die Rechtspopulisten gestimmt h\u00e4tten, die gegen die Ukraine wetterten, aber auch gegen die EU-Beh\u00f6rden: &#8222;Ohne EU-Gelder h\u00e4tten wir bis heute kein flie\u00dfend Wasser im Ort, keine Stra\u00dfenbeleuchtung, keine frisch sanierte Kirche. Wie konnten die W\u00e4hler all das vergessen?&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung4\" class=\"jumpLabel\"><strong>Seit Jahrzehnten mangelhafte Infrastruktur<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nCoicoi, fr\u00fcher Beamter in einem Strafvollzug, hat, wie er sagt eine &#8222;ausk\u00f6mmliche Rente&#8220;. Mit seinen 57 Jahren betreibt er mit anderen Freiwilligen im Ort den Verein &#8222;Gemeinsam f\u00fcr Chilia&#8220;: Mal geht es ihnen um Umweltschutz, mal um Sozialprojekte, mal darum, sich bei den Zentralbeh\u00f6rden mehr Geh\u00f6r zu verschaffen. Dass bis heute keine asphaltierte Stra\u00dfe nach Chilia Veche f\u00fchrt, macht Coicoi ratlos: &#8222;Wir haben bei den Beh\u00f6rden Petitionen eingereicht und zu h\u00f6ren bekommen, dass wir lieber den Esel nehmen sollten statt das Auto.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAls der Krieg in der Ukraine ausbrach, dachten viele, dass der an der EU- und Nato-Au\u00dfengrenze gelegene Ort nun zu einem strategisch wichtigen Gebiet erkl\u00e4rt werden w\u00fcrde, zu dem im Ernstfall schnell Truppen und Panzer verlagert werden k\u00f6nnten. Doch auch die dreieinhalb Jahre Krieg beim Nachbarn haben den Bau einer asphaltierten Zufahrt nicht vorangebracht.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung5\" class=\"jumpLabel\">Donaudelta stark von Abwanderung gepr\u00e4gt <\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nWegen der mangelnden Infrastruktur kommt der Hausarzt nur einmal die Woche in den Ort, der Zahnarzt ebenso. An den anderen Wochentagen muss man sich selbst zu helfen wissen. Die Bukarester Journalistin Sabina Fati hat ein Buch \u00fcber die Grenzorte im Donaudelta geschrieben. Es sind bis heute Multikulti-Hotspots, in denen Rum\u00e4nen, Russen und Ukrainer friedlich zusammenleben. Dass sie mehrheitlich extrem rechts gew\u00e4hlt haben, verwundert die Journalistin nicht. Viele f\u00fchlten sich wirtschaftlich und sozial abgeh\u00e4ngt, die Einwohnerzahl schrumpfe seit Jahrzehnten kontinuierlich. Allein Chilia Veche hat in den vergangenen Jahren gut die H\u00e4lfte seiner Einwohner verloren. &#8222;Die wenigsten Menschen in diesen Orten interessiert das gro\u00dfe Weltgeschehen. Sie wollen einfach nur, dass der Krieg endet, die Preise wieder sinken und, dass sie zu ihrem gewohnten Alltag zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen. Wer ihnen das verspricht, den w\u00e4hlen sie&#8220;, sagt Fati.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung6\" class=\"jumpLabel\"><strong>Neue Regierung verordnet Rum\u00e4nien harten Sparkurs<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nRentner Constantin Coicoi ist pessimistisch, was die Zukunft angeht. &#8222;Die Wut der Leute wird noch zunehmen, nicht nur in Chilia Veche&#8220;, sagt er. Seit Juni regiert in Rum\u00e4nien eine pro-europ\u00e4ische Koalition aus vier Parteien, die in den vergangenen Jahren die Macht inne hatten \u2013 wenngleich in unterschiedlichen Regierungsb\u00fcndnissen. Mit ihrer Haushaltspolitik haben sie das Land in eine prek\u00e4re Situation gebracht: Rum\u00e4nien verzeichnet derzeit mit 9,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts das h\u00f6chste Haushaltsdefizit in der EU.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDer jetzt amtierenden Vierer-Koalition bleibt nichts anderes \u00fcbrig, als dem Land einen harten Sparkurs zu verordnen. Der Mehrwertsteuersatz wurde zu Monatsbeginn erh\u00f6ht, staatliche Investitionen sollen allerorten gek\u00fcrzt, tausende Beamtenstellen abgebaut werden. &#8222;Die extrem rechte Opposition muss im Parlament eigentlich nur abwarten und zuschauen, bis die Koalition zerbricht, um ans Ruder kommen&#8220;, meint Rentner Constantin Coicoi.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rum\u00e4nien bei Ukraine-Hilfen im Mittelfeld Laut Statistik des Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft Kiel (IfW Kiel) liegt Rum\u00e4nien bei der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":357278,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,18983,98599,98598,98600,35712,13,81,451,14,15,12024,307,859,860,12,861,317,1250,103],"class_list":{"0":"post-357277","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-angriffskrieg","11":"tag-aur-partei","12":"tag-donaudelta","13":"tag-extrem-rechts","14":"tag-george-simion","15":"tag-headlines","16":"tag-mdr","17":"tag-militaer","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-rumaenien","21":"tag-russland","22":"tag-sachsen","23":"tag-sachsen-anhalt","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-thueringen","26":"tag-ukraine","27":"tag-unterstuetzung","28":"tag-welt"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115056755587061739","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357277","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=357277"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357277\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/357278"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=357277"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=357277"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=357277"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}