{"id":357585,"date":"2025-08-19T20:52:16","date_gmt":"2025-08-19T20:52:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/357585\/"},"modified":"2025-08-19T20:52:16","modified_gmt":"2025-08-19T20:52:16","slug":"ab-2027-wird-heizen-und-tanken-teurer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/357585\/","title":{"rendered":"Ab 2027 wird Heizen und Tanken teurer"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Ein Tankr\u00fcssel steckt w\u00e4hrend eines Tankvorgangs in einem Verbrenner an einer Zapfs\u00e4ule einer Tankstelle.\" alt=\"Ein Tankr\u00fcssel steckt w\u00e4hrend eines Tankvorgangs in einem Verbrenner an einer Zapfs\u00e4ule einer Tankstelle.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/tanken-auto-verbrenner-benzin-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Ab 2027 macht der neue EU-Emissionshandel auch fossile Kraftstoffe teurer (picture alliance \/ dpa \/ Silas Stein)<\/p>\n<p>Mit dem neuen Emissionshandelssystem ETS2 will die EU ab 2027 auch Heizen und Tanken mit fossilen Energien teurer machen: Unternehmen, die Benzin, Diesel oder Gas verkaufen, m\u00fcssen f\u00fcr den CO2-Aussto\u00df Zertifikate kaufen und geben die Kosten weiter. F\u00fcr Haushalte mit wenig Geld kann das zur Belastung werden. Schon jetzt gibt es Streit \u00fcber soziale Gerechtigkeit, steigende Kosten und die Frage, ob das System die EU eher einen oder spalten wird.<\/p>\n<p>Das ETS2, das \u201eEmissions Trading System\u201c f\u00fcr Geb\u00e4ude und Verkehr, soll 2027 europaweit starten. Seit 2025 wird es in einer Vorbereitungsphase getestet: Unternehmen m\u00fcssen ihre Emissionen erfassen und berichten, bevor der eigentliche Handel mit Zertifikaten beginnt. Geplant ist, dass Unternehmen, die Benzin, Heiz\u00f6l oder Erdgas verkaufen, CO2-Zertifikate in Auktionen kaufen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Die EU bestimmt eine Gesamtmenge an Zertifikaten. Diese berechtigen Unternehmen, Emissionen auszusto\u00dfen und k\u00f6nnen zwischen ihnen gehandelt werden. \u201eAlso wenn eine Firma sehr viele Zertifikate hat, aber nur sehr wenig ausst\u00f6\u00dft, verkauft sie sie an eine Firma, bei der das Gegenteil der Fall ist. Und je nachdem, was diese Firma bereit ist zu zahlen, bildet sich dann der Preis am Markt\u201c, erkl\u00e4rt Michael Pahle vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung. F\u00fcr jede ausgesto\u00dfene Tonne CO2 m\u00fcssen die Unternehmen zahlen und geben diese Kosten \u00fcber h\u00f6here Preise an die Kundinnen und Kunden weiter. Fossile Energien werden so Schritt f\u00fcr Schritt teurer.<\/p>\n<p>Die Einnahmen aus diesem europaweiten Handel flie\u00dfen zum Teil in den EU-weiten Sozialfonds, der besonders betroffene Haushalte unterst\u00fctzen soll. Der gr\u00f6\u00dfere Teil verbleibt bei den Mitgliedstaaten f\u00fcr eigene Klimaschutz- und Ausgleichsma\u00dfnahmen.\u00a0<\/p>\n<p>                Beschlossen wurde das ETS2 im Rahmen des <a title=\"Link auf: Erkl\u00e4rtext des Europ\u00e4ischen Rats zum Programm &quot;Fit f\u00fcr 55&quot;\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/fit-for-55\/\" class=\"click-tracking-paragraph\" data-tracking=\"{&quot;name&quot;:&quot;Link in Beitrag&quot;,&quot;chapter1&quot;:&quot;https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/policies\/fit-for-55\/&quot;,&quot;chapter2&quot;:&quot;\u201eFit for 55\u201c-Pakets&quot;,&quot;chapter3&quot;:&quot;EU-Emissionshandel - Teurer heizen, teurer tanken&quot;,&quot;level2&quot;:1}\" rel=\"noopener\">\u201eFit for 55\u201c-Pakets<\/a>, mit dem die EU ihre Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegen\u00fcber 1990 senken will. <\/p>\n<p>Den europ\u00e4ischen Emissionshandel ETS1 gibt es seit 20 Jahren. Er gilt f\u00fcr Industrieanlagen, Kraftwerke, die Luftfahrt und seit 2024 auch die Schifffahrt. Unternehmen brauchen f\u00fcr jede ausgesto\u00dfene Tonne CO2 ein Zertifikat und weil deren Zahl immer weiter sinkt, wird klimasch\u00e4dliches Produzieren zunehmend teurer.<\/p>\n<p>Im Energiesektor wirkt der ETS1: Kohlestrom wird teurer und verschwindet langsam vom Markt. Seit seiner Einf\u00fchrung haben Industrieanlagen und Kraftwerke ihre CO2-Emissionen in Deutschland um 47 Prozent, europaweit sogar um 51 Prozent gesenkt, so das Umweltbundesamt (UBA).<\/p>\n<p>                Daneben gibt es in Deutschland seit 2021 einen nationalen CO2-Preis f\u00fcr Verkehr und W\u00e4rme: Nicht die Verbraucher zahlen direkt, sondern die Unternehmen, die Benzin, Diesel oder Gas verkaufen. Sie geben die Kosten \u00fcber h\u00f6here Preise weiter. Der nationale CO2-Preis deckt laut UBA zusammen mit dem EU-Emissionshandel rund 85 Prozent der deutschen Emissionen ab. Die Einnahmen \u2013 2024 waren es etwa 18,5 Milliarden Euro \u2013 seien eine zentrale Finanzierungsquelle des Klima- und Transformationsfonds, so <a title=\"Link auf: UBA-Pr\u00e4sident Dirk Messner\" target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/presse\/pressemitteilungen\/20-jahre-europaeischer-emissionshandel-deutsche\" class=\"click-tracking-paragraph\" data-tracking=\"{&quot;name&quot;:&quot;Link in Beitrag&quot;,&quot;chapter1&quot;:&quot;https:\/\/www.umweltbundesamt.de\/presse\/pressemitteilungen\/20-jahre-europaeischer-emissionshandel-deutsche&quot;,&quot;chapter2&quot;:&quot;UBA-Pr\u00e4sident Dirk Messner&quot;,&quot;chapter3&quot;:&quot;EU-Emissionshandel - Teurer heizen, teurer tanken&quot;,&quot;level2&quot;:1}\" rel=\"noopener\">UBA-Pr\u00e4sident Dirk Messner<\/a>. <\/p>\n<p>Aktuell liegt der CO2-Preis in Deutschland bei 55 Euro pro Tonne. Ab 2026 Jahr werden die Zertifikate erstmals versteigert, der Preis soll dann nicht \u00fcber 65 Euro steigen. Wahrscheinlich wird das auch der Startpreis f\u00fcr den europ\u00e4ischen Handel sein, erkl\u00e4rt Michael Pahle vom Potsdam-Institut f\u00fcr Klimafolgenforschung.<\/p>\n<p>\u201eMenschen mit wenig Geld sind am st\u00e4rksten von der Frage des Klimawandels betroffen. Aber eben auch von steigenden Energiekosten\u201c, sagt SPD-Politiker Esra Limbacher. Viele von ihnen lebten in schlecht ged\u00e4mmten H\u00e4usern und h\u00e4tten hohe Heizkosten. Deshalb warnt auch Sylwia Andralojc-Bodych von Germanwatch: ETS2 funktioniere nur dann richtig, \u201ewenn dieses Instrument effektiv und sozial vertr\u00e4glich eingef\u00fchrt wird\u201c. Gemeinsam mit Caritas und Diakonie fordert Germanwatch, den ETS2 sozial- und klimagerecht zu gestalten.\u00a0<\/p>\n<p>In der Vergangenheit war Klimaschutz in Deutschland oft nicht sozial gerecht. Einnahmen aus der CO2-Bepreisung flossen etwa in die F\u00f6rderung von E-Autos \u2013 wovon vor allem Menschen mit h\u00f6herem Einkommen profitierten. \u201eWenn ich nat\u00fcrlich jetzt eine W\u00e4rmepumpe kaufen oder ein Elektrofahrzeug, dann kann es mir mehr oder weniger egal sein, wie hoch der Preis dann ist, weil ich mich sozusagen aus der Regulierung, der Bepreisung heraus investiert habe\u201c, erkl\u00e4rt Michael Pahle. Wer wenig Geld hat, kann das nicht.<\/p>\n<p>                <strong>Klimafonds, Preisobergrenzen, Akzeptanz<\/strong><\/p>\n<p>Um solche Ungleichheiten abzufedern, hat die EU den Klimasozialfonds eingerichtet. Deutschland soll daraus 5,3 Milliarden Euro erhalten, Polen sogar \u00fcber 11 Milliarden. Die Mitgliedsstaaten m\u00fcssen daf\u00fcr festlegen, wer Unterst\u00fctzung bekommt. <\/p>\n<p>Gr\u00fcnen-Politikerin Julia Verlinden verweist auf die Heizungsf\u00f6rderung: Haushalte mit wenig Einkommen erhalten bis zu 70 Prozent Zusch\u00fcsse f\u00fcr eine neue klimafreundliche Heizung. Ein Modell, das auch in anderen Bereichen als Vorbild dienen k\u00f6nne. <\/p>\n<p>Auch Esra Limbacher sieht zus\u00e4tzliche soziale Abfederungen als n\u00f6tig an, durch F\u00f6rderprogramme, ein Klimageld, also eine Pauschalauszahlung der Einnahmen an alle B\u00fcrger, sowie durch zeitlich befristete Preisobergrenzen, um einen zu starken Preisanstieg zu verhindern. Und nat\u00fcrlich lassen sich Preise auch durch wirksamen Klimaschutz senken, wenn Deutschland fr\u00fchzeitig Emissionen reduziert.<\/p>\n<p>Am Ende geht es auch um Akzeptanz f\u00fcr Instrumente wie das ETS2. \u201eUnd die werden nur dann akzeptiert, wenn wir die Bev\u00f6lkerung richtig \u00fcber das bestimmte Vorhaben informieren\u201c, sagt Sylwia Andralojc-Bodych. Dazu geh\u00f6re auch der Hinweis, dass die Einnahmen, \u201ewenn sie richtig verwendet werden, viel Gutes machen k\u00f6nnen, sowohl f\u00fcr Klimapolitik als auch f\u00fcr Sozialpolitik\u201c. <\/p>\n<p>Deutschland spielt im ETS2 eine besonders wichtige Rolle, weil hier etwa ein Viertel aller Emissionen anf\u00e4llt, die in das neue Handelssystem einbezogen werden. Was Deutschland also an Klimaschutzma\u00dfnahmen beschlie\u00dft oder auch nicht beschlie\u00dft, wirkt sich direkt auf andere L\u00e4nder aus und wird am Ende den Preis in anderen Mitgliedstaaten bestimmen. Die deutsche Politik kann die Kosten im ETS2 also sowohl nach oben als auch nach unten treiben. <\/p>\n<p>\u201eWenn man jetzt sehr viel in Klimaschutz investiert, zieht man diese Vermeidung, die eigentlich \u00fcber den Emissionshandel gesteuert werden w\u00fcrde, vor und dr\u00fcckt damit auch die Preise\u201c, sagt Michael Pahle. <\/p>\n<p>                Deutschlands Klimapolitik bestimmt den Preis f\u00fcr ganz Europa<\/p>\n<p>Damit macht der ETS2 die Mitgliedstaaten noch st\u00e4rker voneinander abh\u00e4ngig. Wenn Deutschland schw\u00e4chelt, wird es f\u00fcr die Nachbarn teurer, wenn Deutschland ehrgeizig vorangeht, profitieren alle. <\/p>\n<p>Viele der anderen europ\u00e4ischen L\u00e4nder sind oft schlechter vorbereitet, weil sie zum Beispiel keine CO2-Bepreisung f\u00fcrs Tanken und Heizen haben. Wenn die europ\u00e4isch kommt, wird es auf einen Schlag teurer. <\/p>\n<p>                Belastungsprobe f\u00fcr den europ\u00e4ischen Zusammenhalt<\/p>\n<p>Polen versuchte deshalb bereits, den Start des ETS2 zu verschieben. \u201eDa muss man einfach auch zur Kenntnis nehmen, dass Europa in dieser Hinsicht, was die Beheizung der Geb\u00e4ude und die energetische Qualit\u00e4t der Geb\u00e4ude anbelangt, nicht einheitlich ist. Und deswegen glaube ich, muss man hier politisch sehr behutsam mit umgehen, denn es kann dann schnell zu Verwerfungen f\u00fchren oder zu Frust bei den B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrgern\u201c, sagt Markus Staudt vom Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie.<\/p>\n<p>In einer EU, in der viele Regierungen ohnehin auf Distanz zu Br\u00fcssel gehen und nationalistische Stimmen lauter werden, zwingt das System zu R\u00fccksichtnahme und Kompromissen. Statt jeder f\u00fcr sich entscheidet k\u00fcnftig die Gemeinschaft, und ein Land kann das andere direkt teurer machen. Gerade in Zeiten, in denen viele Mitgliedsstaaten weniger Europa und weniger Klimaschutz wollen, wird das zu einer harten Belastungsprobe. Michael Pahle warnt, dass eine Abschw\u00e4chung des ETS2 den bestehenden Emissionshandel untergraben und damit den Kern der europ\u00e4ischen Klimapolitik schw\u00e4chen w\u00fcrde, weil beide Systeme eng miteinander verbunden sind. <\/p>\n<p>ema<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ab 2027 macht der neue EU-Emissionshandel auch fossile Kraftstoffe teurer (picture alliance \/ dpa \/ Silas Stein) Mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":357586,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[47338,331,332,42883,98659,98658,548,663,158,3934,3935,13,98660,1548,14,15,12,601],"class_list":{"0":"post-357585","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-co2-preis","9":"tag-aktuelle-nachrichten","10":"tag-aktuelle-news","11":"tag-emissionshandel","12":"tag-ets1","13":"tag-ets2","14":"tag-eu","15":"tag-europa","16":"tag-europaeische-union","17":"tag-europe","18":"tag-european-union","19":"tag-headlines","20":"tag-klimageld","21":"tag-klimaschutz","22":"tag-nachrichten","23":"tag-news","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-verkehr"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115057416280431313","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=357585"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/357585\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/357586"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=357585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=357585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=357585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}