{"id":358104,"date":"2025-08-20T01:35:20","date_gmt":"2025-08-20T01:35:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358104\/"},"modified":"2025-08-20T01:35:20","modified_gmt":"2025-08-20T01:35:20","slug":"was-steckt-hinter-der-neuen-lust-am-lesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358104\/","title":{"rendered":"Was steckt hinter der neuen Lust am Lesen?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Deckel an der Thermoskanne mit Yogitee wird noch einmal fest zugedreht. Das Pfeifen st\u00f6rt die Ruhe im Salon der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/berlins-einzelhandelschef-provoziert-schenkt-doch-trump-die-amerika-gedenkbibliothek-li.2347520\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Amerika-Gedenkbibliothek (AGB)<\/a>. Dann ergreift Sara Piazza das Wort. Die Leseleiterin, oder wie es beim Shared Reading hei\u00dft \u201ethe fascillitator\u201c, also die Moderatorin, liest die ersten beiden Seiten aus <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/berlinale-gala-special-roberto-benigni-pinocchio-das-kind-das-entkommt-li.76622\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Italo Calvinos<\/a> Roman \u201eDer Baron auf den B\u00e4umen\u201c von 1957 vor. Und es passiert ein kleines Wunder.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u201eEs war der 15. Juni 1767, als Cosimo Piovasco di Rond\u00f2, mein Bruder, zum letzten Male in unserer Mitte sa\u00df\u201c, lautet der erste Satz des Romans. Beim Durchlesen der selben Textstelle einige Tage sp\u00e4ter wirkt der Auftakt der Erz\u00e4hlung wie ein Rausschmei\u00dfer. Altert\u00fcmlicher Stil, Familiengeschichte, vielleicht eine italienische Version der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/literatur\/lesetipp-rezension-luebeck-unsereins-von-inger-maria-mahlke-eine-zarte-kuehle-buddenbrooks-variante-li.2170183\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Buddenbrooks<\/a>, nur noch ein Jahrhundert fr\u00fcher, warum sollte sich ein Leser das antun?<\/p>\n<p>Das Vorlesen weckt Neugier<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bei den Zuh\u00f6rern der Lesung Piazzas wecken dieselben Worte gespannte Erwartung. Was passiert als N\u00e4chstes? Sie werden mit Schilderungen eines \u00fcppigen <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/literatur\/lesetipp-rezension-luebeck-unsereins-von-inger-maria-mahlke-eine-zarte-kuehle-buddenbrooks-variante-li.2170183\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">mediterranen Essen<\/a>s im Schatten einer Steineiche belohnt, vorgetragen mit dem leichten italienischen Akzent Sara Piazzas. Schnell schl\u00e4gt die Italien-Sehnsucht zu. Fast zirpen die Zikaden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Doch zur\u00fcck in den Salon der AGB. Die Berliner Shared-Reading-Gruppe versammelt sich jeden Sonntag um einen Tisch in einer ruhigen Ecke. Die Teilnehmer greifen zu Tee und Haferkeksen. Dann erhalten sie die Ausdrucke der ihnen unbekannten Textstelle. Sara Piazza l\u00fcftet das Geheimnis, aus welchem Roman in den n\u00e4chsten 90 Minuten gelesen wird, und liest selbst die ersten beiden Seiten vor. Dann gibt es eine Pause, in der sie die Zuh\u00f6rer nach Eindr\u00fccken und Empfindungen fragt. Danach lesen Teilnehmer weiter.<\/p>\n<p>Am Ende wird ein Gedicht gelesen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Text wird in H\u00e4ppchen vorgelesen und von den Teilnehmern interpretiert. Sara Piazza ist am Ende der Sitzung noch einmal an der Reihe. Sie liest das Gedicht \u201eEin Gleiches\u201c von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/berliner-studenten-frischen-goethes-kuenstler-wg-auf-li.353680\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Johann Wolfgang Goethe<\/a> vor. Die Teilnehmer entr\u00e4tseln in den letzten Minuten, welchen Bezug das von Piazza ausgew\u00e4hlte Gedicht zu dem Auszug aus Calvinos Roman haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ein Teilnehmer fasst nach dem Ende der Sitzung seine Begeisterung f\u00fcr das Goethe-Gedicht in einem Satz zusammen. \u201eEs ist schon unglaublich, wie einen wenige W\u00f6rter emotional total flashen k\u00f6nnen\u201c, sagt er. Auch die Textstelle aus Calvinos Roman hat ihn ber\u00fchrt. Er schilderte wie andere Teilnehmer Erlebnisse aus seiner Kindheit. Calvino beschrieb in seinem Roman \u201eDer Baron auf den B\u00e4umen\u201c aus den 50ern die Dressur der adligen Jugend im <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/odeuropa-wie-geschichte-riecht-duftet-und-stinkt-li.130086\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">18. Jahrhundert<\/a>. Die b\u00fcrgerliche Erziehung unterschied sich bis in die zweite H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts kaum davon.<\/p>\n<p>Andere Meinungen bereichern<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Kindheit als Wechselspiel aus Magie einerseits und dem Biegen und Brechen durch die Erwachsenen, das bewegt die Teilnehmer des Shared Reading an diesem Sonntagmorgen. Sie kommen sich beim Austausch \u00fcber Worte und Metaphern nahe. Dabei sind sie sich vielleicht erst beim Reichen der Teekanne oder der Keksdose zum ersten Mal begegnet. Nicht immer sind sie sich bei ihren Interpretationen einig. Aber die Teilnehmer h\u00f6ren einander zu und denken nach. Die andere Meinung scheint zu bereichern. Wo passiert das heute noch?<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das laute Vorlesen in der Gruppe ist f\u00fcr Carsten Sommerfeldt von der Berliner Shared-Reading-Initiative der Schl\u00fcssel zum unmittelbaren Erleben von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/literatur\/die-schwestern-von-jonas-hassen-khemiri-li.2346675\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Literatur.<\/a> \u201eDas unterscheidet uns von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/panorama\/james-joyce-finnegans-wake-buchklub-liest-28-jahre-an-einem-buch-und-faengt-jetzt-wieder-von-vorn-an-li.2159346\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Buchklubs<\/a> oder Literaturzirkeln\u201c, sagt Sommerfeldt. Er kennt sich im Literaturbetrieb der Hauptstadt gut aus. Sommerfeldt war erst Pressechef beim Berlin Verlag und dann einige Jahre beim Droemer-Verlag.<\/p>\n<p>Es gibt Unterschiede zum Buchklub<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das \u201e\u00dcberraschungsei\u201c eines f\u00fcr die Teilnehmer unbekannten Textes sei ein weiterer Unterschied zu \u00fcblichen Buchklubs. Deren Teilnehmer lesen ein vorab ein ausgesuchtes Buch, um es bei dem Treffen gemeinsam zu besprechen. Das unmittelbare Erleben beim Shared Reading erm\u00f6gliche auch literarisch eher Unbeleckten die intuitive Auseinandersetzung, erkl\u00e4rt Sommerfeldt.<\/p>\n<p><img alt=\"Buchklubs und Shared Reading: Was steckt hinter der neuen Lust am Lesen?\" loading=\"lazy\" width=\"3378\" height=\"2252\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/e049d974-957c-489d-88a1-f12eb56b2911.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Buchklubs und Shared Reading: Was steckt hinter der neuen Lust am Lesen?Cedric Rehman<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das Shared Reading geht auf die britische Organisation The Reader zur\u00fcck, die mit einem Literaturmagazin gleichen Namens verbunden ist. Die Literaturwissenschaftlerin Jane Davis veranstaltete Ende der 90er-Jahre an der Universit\u00e4t in <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/sport-leidenschaft\/klopp-glaubt-an-erfolgreiche-liverpool-zukunft-li.2216692\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Liverpool<\/a> Kurse, bei denen die Kommunikation zwischen Lesern und der Dialog \u00fcber das Gelesene statt literaturwissenschaftlicher Theorien im Mittelpunkt standen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Erfahrungen in den Kursen wurden 2002 mit dem Projekt \u201eGet into reading\u201c um Teilnehmer aus der \u00d6ffentlichkeit erweitert. Inzwischen gibt es 400 Shared-Reading-Gruppen in Gro\u00dfbritannien. Carsten Sommerfeldt gr\u00fcndete gemeinsam mit dem Literaturvermittler\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/buecherfrage-der-woche-thomas-boehm-was-erwarten-sie-von-der-begegnung-mit-colson-whitehead--li.186291\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Thomas B\u00f6hm<\/a> 2016 auf der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/literatur\/andrang-auf-der-leipziger-buchmesse-pessimismus-ist-zeitverschwendung-li.2311909\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Leipziger Buchmesse<\/a> ein deutsches Shared-Reading-Projekt. Sommerfeldt bietet Seminare zur Ausbildung als Fascilitator an. Die Berliner Shared-Reading-Gruppe trifft sich seit 2016 regelm\u00e4\u00dfig in der AGB.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Eine Teilnehmerzahl von zehn sei eigentlich ideal bei einer Sitzung, sagt Sommerfeldt. Doch inzwischen kommen mehr als dreimal so viele Berliner zu den Veranstaltungen. \u201eIn den letzten Wochen und Monaten ist es deutlich mehr geworden\u201c, berichtet er.<\/p>\n<p>Buchbranche steigert Ums\u00e4tze<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Etwas scheint gerade im Gange zu sein im Umgang der Gesellschaft mit B\u00fcchern. Es scheint, als suchten immer mehr Menschen einen Schutzraum im Rauschen der Zeit. Der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/friedenspreis-des-deutschen-buchhandels-geht-an-anne-applebaum-li.2228358\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00f6rsenverein des Deutschen Buchhandels<\/a> geh\u00f6rt zu den wenigen Branchenverb\u00e4nden, die in der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/wirtschaft-verantwortung\/berlins-aelteste-fleischerei-zerlegt-merz-regierung-das-land-geht-vor-die-hunde-li.2340102\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Wirtschaftsflaute<\/a> Zuw\u00e4chse verk\u00fcnden k\u00f6nnen. Der Gesamtumsatz stieg auf 9,88 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Branche ein Plus von 1,8 Prozent. Sowohl der station\u00e4re als auch der digitale Vertriebsweg konnte den Umsatz steigern.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Zahlen verk\u00fcnden kein Feuerwerk, und es regnet mitnichten Manna auf die H\u00e4upter der deutschen Verlage. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/junge-menschen-spater-in-kontakt-mit-lesen-von-buchern-li.2198822\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peter Kraus vom Cleff<\/a>, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer des B\u00f6rsenvereins des Deutschen Buchhandels, stellt klar, dass auch die Buchbranche in einem Klima der Konsumzur\u00fcckhaltung in einem schwierigen Fahrwasser navigiere. Doch ausgerechnet eine Branche, die schon oft totgesagt wurde, weil angeblich niemand mehr lese, h\u00e4lt im Moment den Kopf \u00fcber Wasser. Und trotz Geldsorgen kaufen Deutsche offenbar noch gerne B\u00fccher und sparen lieber bei anderen Konsumg\u00fctern.<\/p>\n<p><img alt=\"Sascha Lobo  ist ein deutscher Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter. Thematisch befassen sich Lobos Texte meist mit dem Internet, vermischter Realit\u00e4t und digitalen Technologien und behandeln deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung.\" loading=\"lazy\" width=\"2400\" height=\"1600\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/ffce1b0e-72a6-46d5-9cfe-7c8d0d642c1e.jpeg\"\/><\/p>\n<p>Sascha Lobo  ist ein deutscher Blogger, Buchautor, Journalist und Werbetexter. Thematisch befassen sich Lobos Texte meist mit dem Internet, vermischter Realit\u00e4t und digitalen Technologien und behandeln deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Entwicklung.Mike Fr\u00f6hling\/Berliner Zeitung<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Publizist <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/emma-sascha-lobo-ist-sexist-man-alive-2022-huschke-mau-ndr-deep-deutlich-ndr-prostitution-li.279790\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sascha Lobo<\/a> verfasste 2016 eine Kolumne im Magazin Spiegel, die er \u201eAnleitung zur Netzangst\u201c betitelte. Darin ging er auf den Internetausdruck tl;dr ein. Das K\u00fcrzel steht auf Deutsch \u00fcbersetzt f\u00fcr \u201ezu lang, um gelesen zu werden\u201c.\u00a0 Algorithmen und erst recht die KI reduzieren in Sekundenschnelle vielschichtige Inhalte auf das Wesentliche. Das zeichnet sie aus. Lobo bef\u00fcrchtete, dass wir die F\u00e4higkeiten f\u00fcr das Entziffern vielschichtiger Inhalte verlernen \u2013 und vor allem die Geduld.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Aber offenbar sch\u00e4tzen Leser die zeitverschlingende Komplexit\u00e4t von Literatur.  Peter Kraus vom Cleff verweist auf den Freizeitmonitor der Hamburger Stiftung f\u00fcr Zukunftsfragen. \u201eSeit 15 Jahren stabil ist die Beobachtung, dass 35 Prozent aller Bundesb\u00fcrger regelm\u00e4\u00dfig zum Buch greifen. B\u00fccher und Lesen sind ungeachtet der wachsenden Medienkonkurrenz beliebte Freizeitbesch\u00e4ftigungen\u201c, erkl\u00e4rt er.<\/p>\n<p>Schwindende Lesef\u00e4higkeit besorgt B\u00f6rsenverein<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die von Sascha Lobo bef\u00fcrchtete Lesekrise betreffe eher Zeitungen und Zeitschriften. Kraus vom Cleff r\u00e4umt ein, dass der B\u00f6rsenverein dennoch nicht frei von Zukunftssorgen ist. Die Sorgen hinsichtlich einer abnehmenden Lesekompetenz j\u00fcngerer Menschen teilt er. Wobei es sich nur um einen Teil der Jugend handelt. \u201eJedes dritte Kind bis 8 Jahre bekommt nicht vorgelesen, jedes vierte Kind verl\u00e4sst die Grundschule, ohne sinnentnehmend lesen zu k\u00f6nnen. Mit der heute schon messbaren Folge, dass jeder f\u00fcnfte in Deutschland lebende Erwachsene die Lesef\u00e4higkeit eines zehnj\u00e4hrigen Kindes hat\u201c, fasst Kraus vom Cleff die Malaise zusammen. Er spricht von einem \u201ebildungspolitischen Disaster\u201c.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Buchbranche wirbt mit Nachdruck auf die Mehrheit der jungen Menschen in Deutschland, die nicht bildungsfern aufwachsen und \u00fcber eine gute Lesekompetenz verf\u00fcgen. Erfolg hat sie ausgerechnet in den sozialen Medien. Auf der Videoplattform <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/panorama\/wenn-der-algorithmus-das-liebesleben-bestimmt-das-fatale-dating-junger-menschen-li.2348433\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">TikTok<\/a> macht die Community BookTok\u00a0Furore. Besprochen wird Jugendliteratur, und die Empfehlungen von BookTok gehen bei den H\u00e4ndlern durch die Decke. Buch-Influencer beeinflussen zunehmend den Lesegeschmack in Deutschland.<\/p>\n<p>Auch Stars betreiben Buchklubs<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Internationale Starts wie die britisch-kosovarische S\u00e4ngerin <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/musik\/dua-lipa-gibt-berlin-tipps-welche-orte-in-unserer-stadt-liebt-die-barbie-disco-queen-li.2234498\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dua Lipa<\/a> oder die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/reese-witherspoon-produziert-naturlich-blond-prequel-li.2215136\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hollywood-Schauspielerin Reese Witherspoon<\/a> machten es mit ihren digitalen Buchklubs vor. Und auch in Deutschland boomen die Kan\u00e4le der Buch-Influencer. 24.000 Follower registriert der Kanal der Lektorin Mona Lang. Die 38-J\u00e4hrige wurde 2024 Programmleiterin internationale Literatur beim Verlag <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/kiepenheuer-and-witsch-trennt-sich-von-till-lindemann-li.355114\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kiepenheuer &amp; Witsch<\/a> und Mitglied der Gesch\u00e4ftsleitung. Das erscheint als kluger Schachzug. Lang wei\u00df, wie sich die digitalen Medien nutzen lassen, um Reichweite zu erzielen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sie beantwortet am Telefon Fragen zu einer paradoxen Erkenntnis. Anders als von Sascha Lobo bef\u00fcrchtet, hat die Digitalisierung nicht den Spa\u00df am Lesen vernichtet. Stattdessen geht eine neue Leselust viral, die sich aber von den Bed\u00fcrfnissen fr\u00fcherer Generationen unterscheidet. \u201eJunge Menschen lesen heute anders als ich in meiner Jugend. Es geht ihnen um das verbindende Lesen\u201c, sagt Lang. F\u00fcr die Lektorin nahm der Prozess w\u00e4hrend der Pandemie Fahrt auf. Junge Menschen hockten alleine in ihren Zimmern und suchten ein Hobby. Was sie vermissten, war Verbundenheit und Gemeinschaftsgef\u00fchl. Der einzig verbliebene Weg, sie zu herstellen, war das Internet. Nur: Welcher Inhalt konnte das neue Wirgef\u00fchl schaffen? Die zum Stubenhocken Verdammten entschieden sich f\u00fcr das altbew\u00e4hrte Buch.<\/p>\n<p><img alt=\"Mona Lang, Programmleitung internationale Literatur beim Verlag &lt;a href=&quot;https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/kiepenheuer-and-witsch-trennt-sich-von-till-lindemann-li.355114&quot;&gt;Kiepenheuer &amp; Witsch&lt;\/a&gt;\" loading=\"lazy\" width=\"6000\" height=\"4000\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/2377b2ac-3151-4d57-b66b-26b48b813945.jpeg\"\/>Mona Lang, Programmleitung internationale Literatur beim Verlag <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/kiepenheuer-and-witsch-trennt-sich-von-till-lindemann-li.355114\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kiepenheuer &amp; Witsch<\/a>Verlag Kiepenheuer &amp; Witsch<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die sozialen Medien erlaubten einen niedrigschwelligen Zugang zu Information rund ums Lesen und Tipps zur B\u00fccherwahl, sagt Lang. Digitale Buchklubs erm\u00f6glichen ein Gruppengef\u00fchl schon beim Verteilen von Likes. Das n\u00e4chste Buch, das zum Lesen empfohlen wird, wird zum Event. Und auch Mona Lang stellt fest, dass die User unterschiedliche Ansichten in den Kommentarleisten respektvoll austauschen. Leser der Online-Ausgaben von Zeitungen und Magazinen k\u00f6nnen da nur staunen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Carsten Sommerfeldt von der Berliner Initiative Shared Reading ist sich sicher, dass immer mehr Menschen Angst vor einer Gesellschaft haben, in der kein Austausch \u00fcber Worte und ihre Bedeutung mehr m\u00f6glich ist. \u201eSie erkennen, was uns immer mehr abhanden kommt: das Aushalten unterschiedlicher Perspektiven\u201c, sagt er. Die Sehnsucht nach dem Buch und das neue Bed\u00fcrfnis nach gemeinsamen Leseformen erscheint ihm als instinktiver Griff zu einem Gegengift gegen immer mehr Dampf im Kessel des gesellschaftlichen Miteinanders.<\/p>\n<p>Luxusmarken inszenieren B\u00fccher<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die neue Lust am Lesen k\u00f6nnte aber auch die Spaltung verst\u00e4rken. Sie verbindet die einen enger miteinander, erreicht aber die anderen mangels erworbener Kompetenzen im Lesen von B\u00fcchern gar nicht. Luxusmarken wie <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/stil-individualitaet\/street-style-von-der-paris-fashion-week-im-september-2024-der-stil-der-pariserin-li.2258706\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dior<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/stil-individualitaet\/fashionfouvintage-in-der-torstrasse-chanel-taschen-zum-greifen-nahe-li.2329118\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Chanel<\/a> inszenieren B\u00fccher als Lifestyle-Accessoires in ihren Marketingstrategien.\u00a0<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/kultur-vergnuegen\/vip-news\/grober-undank-der-chef-der-welfen-zuernt-gegen-den-sohn-li.217925\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Caroline von Monacos<\/a> Tochter <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/stil-individualitaet\/jetzt-wirds-literarisch-fashion-nach-der-zeitenwende-li.252996\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Charlotte Casiraghi<\/a> ist Chanel-Botschafterin und bewirbt ihre eigenen exklusiven Buchklubs. Die Botschaft scheint klar: Wer liest, hat Stil, und wer Stil hat, hat auch das Geld, um nach Chanel zu riechen. Lesen wird wie ein Duft oder eine Kleidermarke ein Mittel zu Abgrenzung.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Mona Lang h\u00e4lt es f\u00fcr eine \u201eberechtige Frage\u201c, wie bildungsferne Schichten f\u00fcr das Lesen erschlossen werden k\u00f6nnen. Mehr Werbung von Chanel d\u00fcrfte kaum weiterhelfen. \u201eIch sehe das im Moment nicht, aber ich hoffe, dass wir das schaffen werden\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Carsten Sommerfeldt tr\u00e4gt das Shared Reading auch an Schulen, die nicht nur Kinder aus dem Bildungsb\u00fcrgertum besuchen. \u201eMir wurde am Anfang gesagt, ich solle meine Erwartungen herunterschrauben. Die Sch\u00fcler h\u00e4tten nicht mehr die Aufmerksamkeit f\u00fcr einen zehnseitigen Text. Aber es stimmte nicht\u201c, sagt er. Vielleicht ist die Lust am Lesen wie eine Schatztruhe. Manchmal muss einem jemand helfen, den Schl\u00fcssel zu finden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Deckel an der Thermoskanne mit Yogitee wird noch einmal fest zugedreht. 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