{"id":358116,"date":"2025-08-20T01:41:12","date_gmt":"2025-08-20T01:41:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358116\/"},"modified":"2025-08-20T01:41:12","modified_gmt":"2025-08-20T01:41:12","slug":"aus-dem-paradies-der-ungeliebten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358116\/","title":{"rendered":"Aus dem Paradies der Ungeliebten"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspATif\">Als Alfred Hilsberg in Hamburg noch sein Label \u201eWhat\u00b4s so funny about\u201c betrieb, rief er Journalistinnen und Journalisten oft h\u00f6chstselbst in ihren Redaktionen und zu Hause an, um ihnen eine seiner neuen Bands zu verkaufen. \u201eHallo, hier ist Alfred\u201c, brummelte er ins Telefon, tat so, als w\u00e4re man ewig bekannt, kam zur Sache, und man f\u00fchlte sich geschmeichelt. Obwohl seine Bands in den sp\u00e4ten neunziger und fr\u00fchen nuller Jahren schon nicht mehr so die allerinteressantesten waren, h\u00f6rte man sich Alfreds Elogen auf sie gern an und die Alben der Bands dann auch.  <\/p>\n<p> Lieber zuviel als zu wenig <\/p>\n<p class=\"tspATif\">Schlie\u00dflich war Hilsberg selbst eine Legende, der Mann, der den Punk in Deutschland quasi mit aus der Taufe hob mit seinem \u201eZickZack\u201c-Label, zu einer Zeit, Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre, als popmusikalisch viel ging und auch Genre-Grenzen sich mehr und mehr verwischten.<\/p>\n<p>Tagesspiegel Checkpoint: Berlins beliebtester Newsletter<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/cp-icon.png\" alt=\"\" class=\"tspBIie\"\/><\/p>\n<p class=\"tspBIlc\"> Der schnellste Berlin-\u00dcberblick von Montag bis Samstag. <\/p>\n<p class=\"tspATif\">Bei \u201eZickZack\u201c erschienen 1981 die erste Single und <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/potsdam\/potsdam-kultur\/einsturzende-neubauten-im-potsdamer-waschhaus-renaissance-of-the-einkaufswagen-12315347.html?icid=in-text-link_14199347\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">das erste Album der Einst\u00fcrzenden Neubauten,<\/a> \u201eKollaps\u201c, und auf einem Sampler mit dem Titel \u201eLieber zuviel als zu wenig\u201c fanden sich Bands wie die Neubauten oder X-Mal Deutschland, aber eben auch Palais Schaumburg und Andreas Dorau. Hilsberg wurde irrt\u00fcmlicherweise gern f\u00fcr den Erfinder und als Ikone der Neuen Deutschen Welle gehalten. Das aber passte allein \u00f6konomisch nicht. <\/p>\n<blockquote class=\"tspBWmw\">\n<p>ZickZack war das beste Label der Welt mit der schlechtesten Zahlungsmoral der Welt war.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"tspBWmx\"><strong>Xao Seffcheque<\/strong>, Musiker von Family Five<\/p>\n<p class=\"tspATif\">Mit Marketingstrategien, Bandpflege und Imageproduktionen hatte er es nicht so. Was da war, sollte raus, und das sollte bitte sch\u00f6n quer zum Markt liegen, echter Punk und Noise halt. In<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/arbeit-und-erlebnis-3539995.html?icid=in-text-link_14199347\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> J\u00fcrgen Teipels Film \u201eVerschwende Deine Jugend\u201c <\/a>erz\u00e4hlt ein Musiker im R\u00fcckblick, wie das bei Hilsberg zuging: \u201eAlfred zog auf Anfrage einen Schuhkarton unterm Bett hervor und gab ein paar Hunderter heraus\u201c. Und auch in <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/im-paradies-der-unangepassten-3716782.html?icid=in-text-link_14199347\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Christoph Meuelers<\/a> 2016 ver\u00f6ffentlichter, unautorisierter Hilsberg-Biografie \u201eDas ZickZack-Prinzip\u201c erinnert sich der Family-Five-Musiker Xao Seffcheque, dass \u201eZickZack\u201c \u201edas beste Label der Welt mit der schlechtesten Zahlungsmoral der Welt war.\u201c<\/p>\n<p> Lieber Punk als Alt-68er <\/p>\n<p class=\"tspATif\">1947 in Wolfsburg geboren, geriet Hilsberg mitten in den 68er-Aufbruch. Er arbeitete in Hamburg bei Vertrieben f\u00fcr linke, experimentelle Filme, unterrichtete an Kunsthochschulen die Geschichte des Dokumentarfilms und begann dann Mitte, Ende der siebziger Jahre f\u00fcr die \u201eSounds\u201c zu schreiben und Konzerte zu organisieren. Nach der Gr\u00fcndung des \u201eZickZack\u201c-Labels ver\u00f6ffentlichte er allein in den ersten f\u00fcnf Jahren \u00fcber hundert Singles, Maxi-Singles und Alben. Ein Output, der nat\u00fcrlich nicht durchzuhalten war, zumal Geld Hilsbergs kleinste Sorge war. <\/p>\n<p class=\"tspATif\">Mit \u201eWhat\u2019s so funny about\u201c gelang Hilsberg es in den fr\u00fchen neunziger Jahren ein weiteres Mal, Taktgeber f\u00fcr den vor allem deutschen Underground zu werden, mit Bands wie Mutter (eine Wolfsburg-Connection), Cpt. Kirk und insbesondere Blumfeld. Deren Deb\u00fctalbum \u201eIch-Maschine\u201c erschien auf \u201eWhat\u00b4s So Funny About\u201c, und f\u00fcr die Blumfeld-Singles \u201eZeitlupe\u201c und \u201eTraum 2\u201c revitalisierte Hilsberg auch sein \u201eZick-Zack\u201c-Label. Blumfeld landeten jedoch schnell bei einem gr\u00f6\u00dferen Label, da war Hilsberg nur noch eine Art Mentor.<\/p>\n<p> Mehr Pop auf Tagesspiegel Plus <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/bessere-zeiten-klingt-immer-noch-gut-zum-tod-des-musikers-und-autors-kristof-schreuf-8865967.html?icid=topic-list_14199347___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBUmp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Bessere Zeiten klingen immer noch gut Zum Tod des Musikers und Autors Kristof Schreuf <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/schiffbruch-in-der-odyssee-6107656.html?icid=topic-list_14199347___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBUmp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Otis&#8220; von Jochen Distelmeyer Schiffbruch in der Odyssee <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/im-paradies-der-unangepassten-3716782.html?icid=topic-list_14199347___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBUmp\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alfred Hilsberg und sein Leben Im Paradies der Unangepassten <\/a><\/p>\n<p class=\"tspATif\">\u201eParadies der Ungeliebten\u201c hie\u00df noch einmal ein viel beachteter Sampler aus dem Hause Hilsberg, mit Songs von Tilman Rosmy, Christiane R\u00f6singer oder Tom Liwa. Doch mit dem Anderssein, dem paradiesischen Nichteinverstandensein hatte es sich in den nuller Jahren. <\/p>\n<p class=\"tspATif\">Auf \u201eWhat\u00b4s so funny about\u201c gab es weiter Alben wie etwa von Parole Trixi, der ersten deutschen Riot-Girl-Band, aber Hilsbergs Legendenstatus dominierte da lange schon seine aktuellen Ver\u00f6ffentlichungen. Nun ist Alfred Hilsberg, nach einem wahrlich bewegten Indie- und Underground-Leben, in Hamburg gestorben. Er wurde 77 Jahre alt.       <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Alfred Hilsberg in Hamburg noch sein Label \u201eWhat\u00b4s so funny about\u201c betrieb, rief er Journalistinnen und Journalisten&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":358117,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[155],"tags":[29,214,30,692,1635,17001,7196,17002,2271,215],"class_list":{"0":"post-358116","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-unterhaltung","8":"tag-deutschland","9":"tag-entertainment","10":"tag-germany","11":"tag-hamburg","12":"tag-jugend","13":"tag-musikgruppe","14":"tag-nachruf","15":"tag-rock-pop","16":"tag-u-musik","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115058552920900671","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358116","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=358116"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358116\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/358117"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=358116"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=358116"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=358116"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}