{"id":358316,"date":"2025-08-20T03:31:13","date_gmt":"2025-08-20T03:31:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358316\/"},"modified":"2025-08-20T03:31:13","modified_gmt":"2025-08-20T03:31:13","slug":"was-wimbledon-ueber-land-und-royals-verraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358316\/","title":{"rendered":"Was Wimbledon \u00fcber Land und Royals verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"headline__lead\">Was ein Besuch am \u00e4ltesten Tennisturnier der Welt in Wimbledon \u00fcber das britische Gemeinwesen, das Klassensystem und die K\u00f6nigsfamilie verr\u00e4t.<\/p>\n<p>   <img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" alt=\"Die Mitglieder der K\u00f6nigsfamilie sitzen in Wimbledon in der ersten Reihe, wie hier Prinz William mit seinem Sohn, Prinz George.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"3317\" height=\"2211\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/34b6cdcf-2e5a-460b-b56b-66fd4dbca360.jpg\" loading=\"eager\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Die Mitglieder der K\u00f6nigsfamilie sitzen in Wimbledon in der ersten Reihe, wie hier Prinz William mit seinem Sohn, Prinz George. <\/p>\n<p>Stephanie Lecocq \/ Reuters<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v351\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text\">Das Tennisturnier in Wimbledon geh\u00f6rt zu den prestigetr\u00e4chtigsten Sportanl\u00e4ssen der Welt \u2013 und ist gleichzeitig eine durch und durch britische Angelegenheit. Wimbledon ist viel mehr als ein Turnier. W\u00e4hrend zweier Wochen werden auf der pr\u00e4chtigen Anlage im S\u00fcdwesten Londons Traditionsbewusstsein und Eleganz zelebriert.<\/p>\n<p> Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen <\/p>\n<p>\n        NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.\n      <\/p>\n<p>Bitte passen Sie die Einstellungen an.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v352\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Es gibt wenig Werbung, die Spielerinnen und Spieler d\u00fcrfen nur ganz in Weiss antreten, das Publikum erscheint in Anz\u00fcgen und Sommerkleidern und stilvollen H\u00fcten. Man verk\u00f6stigt sich mit Erdbeeren und Rahm und trinkt Pimm&#8217;s \u2013 ein alkoholisches Getr\u00e4nk, das aus einer geheimen Mischung aus Gin, Kr\u00e4utern, caramelisierter Orange und Gew\u00fcrzen besteht.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v353\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Teil des Spektakels ist die obsessive Beobachtung des britischen Sommerwetters. Zieht Regen auf, was jederzeit der Fall sein kann, treten die gut organisierten Balljungen und Ballm\u00e4dchen auf den Plan. Sie ziehen in atemberaubender Geschwindigkeit Blachen \u00fcber die Tennispl\u00e4tze, um den Rasen zu sch\u00fctzen. Erfasst eine Hitzewelle die Stadt, was immer \u00f6fter der Fall ist, fallen die Zuschauer reihenweise in Ohnmacht \u2013 wobei jeweils unklar bleibt, ob dies nur auf die Hitze oder auch auf allzu freiz\u00fcgigen Pimm&#8217;s- und Champagner-Konsum zur\u00fcckzuf\u00fchren ist.<\/p>\n<p>Die Mittelklasse steht Schlange<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v355\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Anders als beim US Open in New York oder beim French Open in Paris ist es f\u00fcr Normalsterbliche nicht leicht, Tickets f\u00fcr Wimbledon zu erwerben. Ein Teil der Pl\u00e4tze wird zwar \u00fcber eine Lotterie vergeben, doch sind die Erfolgschancen nicht riesig. Daher bleibt als aussichtsreichste Option die vielleicht britischste aller Besch\u00e4ftigungen: das Schlangestehen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Schlangestehen gilt in Grossbritannien als zivilisiertester Mechanismus zur Verteilung knapper G\u00fcter, etwa einem Ticket f\u00fcr Wimbledon.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6000\" height=\"4000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Schlangestehen gilt in Grossbritannien als zivilisiertester Mechanismus zur Verteilung knapper G\u00fcter, etwa einem Ticket f\u00fcr Wimbledon. <\/p>\n<p>Tolga Akmen \/ EPA<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v360\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Wer einen der begehrten Tagesp\u00e4sse ergattern will, muss fr\u00fch aufstehen. Bereits im Morgengrauen versammeln sich im Wimbledon Park die Wartenden, etliche haben die Nacht vor Ort in Zelten verbracht. Zuerst erh\u00e4lt man ein Ticket, das einem eine Position innerhalb der Schlange zuordnet. Damit ist es m\u00f6glich, kurz auf die Toilette zu gehen oder Proviant zu besorgen, ohne seinen Platz in der Schlange aufgeben zu m\u00fcssen. Die meisten haben ohnehin vorgesorgt und f\u00fcr die gut und gerne sechs- bis achtst\u00fcndige Wartezeit Camping-St\u00fchle, Tee und Sandwiches mitgebracht \u2013 und f\u00fcr alle F\u00e4lle einen Regenschirm.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v361\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Schlangestehen gilt in Grossbritannien als fairster und zivilisiertester Mechanismus zur Verteilung knapper G\u00fcter. Nicht Geld oder Einfluss z\u00e4hlen, sondern Durchhaltewille, Standhaftigkeit und stoische Geduld. Zudem besteht Chancengleichheit, weil es ja theoretisch allen freigestanden w\u00e4re, noch fr\u00fcher mit dem Anstehen zu beginnen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v362\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Um K\u00f6nigin Elizabeth\u00a0II. die letzte Ehre zu erweisen, standen die Britinnen und Briten im Herbst 2022 teilweise 24 Stunden lang Schlange, bevor sie ersch\u00f6pft zum Sarg der Queen im Westminster Palast vorgelassen wurden. <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/schweiz\/schauermaerchen-aus-dem-britischen-gesundheitswesen-woran-der-nhs-krankt-und-was-trotz-allem-besser-laeuft-als-in-der-schweiz-ld.1888357\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Geduld braucht man auch als Patient des Nationalen Gesundheitsdiensts (NHS)<\/a>. Anstatt die Kapazit\u00e4ten zu erh\u00f6hen oder die Nachfrage mit mehr Eigenverantwortung f\u00fcr die Patienten zu drosseln, l\u00e4sst man in Grossbritannien 7,4 Millionen Personen, 11 Prozent der Gesamtbev\u00f6lkerung, auf einer Warteliste verharren. Wer einen Termin bei gewissen Fach\u00e4rzten oder Physiotherapeuten ben\u00f6tigt, wartet mitunter ein halbes Jahr oder l\u00e4nger, bis er mit der Behandlung beginnen kann.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v363\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die \u00abqueue\u00bb steht f\u00fcr Ordnungssinn. \u00abJumping the queue\u00bb, wie das Vordr\u00e4ngeln genannt wird, ist gesellschaftlich ge\u00e4chtet. Dies ist mit ein Grund daf\u00fcr, dass sich viele Britinnen und Briten masslos \u00fcber die im Vergleich zur gesamten Zuwanderung wenigen Migranten \u00e4rgern, die irregul\u00e4r \u00fcber den \u00c4rmelkanal von Frankreich nach Grossbritannien gelangen. Das Botschaftsasyl gibt es im britischen Recht seit Jahren nicht mehr. Doch k\u00e4me die gleiche Anzahl Fl\u00fcchtlinge nicht unkontrolliert mit Booten ins Land, sondern nachdem sie in einer britischen Botschaft im Ausland geordnet in einer Schlange gewartet h\u00e4tten, w\u00e4re die Akzeptanz wom\u00f6glich deutlich h\u00f6her.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Wimbledon ist kein Ort f\u00fcr arme Leute. Nur Reiche erhalten Zugang zu exklusiven Lounges, Bars und Terrassen.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"5826\" height=\"3913\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Wimbledon ist kein Ort f\u00fcr arme Leute. Nur Reiche erhalten Zugang zu exklusiven Lounges, Bars und Terrassen. <\/p>\n<p>Peter van den Berg \/ Imago<\/p>\n<p> Einteilen statt durchmischen<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v365\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Fussball gilt als Sport der Arbeiterklasse, Wimbledon hingegen ist kein Ort f\u00fcr arme Leute. W\u00e4hrend sich vornehmlich Angeh\u00f6rige der Mittelklasse in die Schlange stellen, stehen der Oberklasse andere Zugangsm\u00f6glichkeiten offen. Ein betr\u00e4chtlicher Teil der Pl\u00e4tze im Centre-Court ist f\u00fcr sogenannte Debenture Holders reserviert. Diese kaufen f\u00fcr die Kleinigkeit von umgerechnet 125\u00a0000 Franken eine Obligation des All England Lawn Tennis Clubs und sichern sich f\u00fcr die Dauer des Turniers einen Sitz im Centre-Court.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v366\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Da die wenigsten Obligation\u00e4re jeden Tag pers\u00f6nlich nach Wimbledon fahren, verkaufen sie Tageskarten f\u00fcr ihren Sitz f\u00fcr erkleckliche Summen weiter. Wer im Besitz eines Debenture Tickets ist, erh\u00e4lt Zugang zu exklusiven Lounges, Bars und Terrassen, zu denen das Fussvolk nicht zugelassen ist. F\u00fcr viele ist es wichtiger, im elit\u00e4ren Restaurant \u00abThe Champions\u2019 Room\u00bb gesichtet zu werden, als einem guten Tennis-Match beizuwohnen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v367\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Eine allgemein akzeptierte Definition von Ober-, Mittel- und Arbeiterklasse gibt es in Grossbritannien nicht. Und doch k\u00f6nnen sich Britinnen und Briten gegenseitig sehr rasch und akkurat einteilen. Den wichtigsten Anhaltspunkt geben der Akzent und die Sprechweise. Doch lassen sich adlige oder besonders wohlhabende Angeh\u00f6rige der Oberklasse etwa auch an Statussymbolen oder am Besuch von Eliteschulen wie Eton oder Harrow und Universit\u00e4ten wie Oxford oder Cambridge erkennen. Die Mitgliedschaft in einem Private Members\u2019 Club, in denen man sich unter Gleichgesinnten trifft, gibt ebenfalls Aufschluss \u00fcber die gesellschaftliche Gruppenzugeh\u00f6rigkeit.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v368\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gem\u00e4ss der im Jahr 2021 durchgef\u00fchrten Volksz\u00e4hlung geh\u00f6ren 23 Prozent der Bev\u00f6lkerung der Upper Class oder der Upper Middle Class an. 33 Prozent werden der Middle Class zugerechnet, w\u00e4hrend 44 Prozent zur Working Class z\u00e4hlen. Bei der Volksz\u00e4hlung werden die Britinnen und Briten auch detailliert nach ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechtsidentit\u00e4t und ethnischen Zugeh\u00f6rigkeit befragt und kategorisiert. Als weisse Person muss man zwischen \u00abBritish white\u00bb, \u00abIrish white\u00bb, \u00abGipsy or Irish Traveler\u00bb, \u00abRoma\u00bb oder \u00abOther White\u00bb ausw\u00e4hlen. Als Schwarzer kann man sich als \u00abBlack African\u00bb, \u00abBlack Caribbean\u00bb oder \u00abOther Black\u00bb bezeichnen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v369\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Manche Sozialwissenschafter <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/full\/10.1080\/13504630.2024.2371345\" rel=\"nofollow noopener\">argumentieren<\/a>, die Tendenz, die Bev\u00f6lkerung in Gruppen einzuteilen, anstatt zu durchmischen, habe bereits die britische Kolonialherrschaft gepr\u00e4gt und \u00e4ussere sich bis heute in der Tendenz zu ethnisch homogenen Quartieren. Als nach dem Zweiten Weltkrieg die Einwanderung aus dem British Empire zunahm, liessen sich Afrikaner und Kariben im \u00e4rmeren S\u00fcden Londons und Pakistaner und Bangalen im industriellen Osten nieder. Weisse wohnten mit Vorliebe im nobleren Westen.<\/p>\n<p>Die Royals in der Loge<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3611\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">In Wimbledon ist zuoberst auf der Treppe der sozialen Hierarchie angelangt, wer die Tennisspiele auf dem Centre-Court von der Royal Box aus mitverfolgt. Die exklusive Loge der K\u00f6nigsfamilie darf man nur auf Einladung hin betreten. Eine solche erhalten etwa Schauspielerinnen wie Nicole Kidman, K\u00f6nig Frederik von D\u00e4nemark, der mehrfache Wimbledon-Champion Roger Federer oder die Mode-Ikone und Verlegerin Anna Wintour.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3612\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die besten Pl\u00e4tze in der ersten Reihe sind f\u00fcr die Mitglieder der K\u00f6nigsfamilie reserviert. K\u00f6nigin Camilla f\u00e4hrt gerne nach Wimbledon. Ebenso Prinz William und seine Gemahlin Kate, die als Schirmherrin des Turniers fungiert und die Pokale \u00fcbergibt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Auch Prinz Williams Frau Kate besucht im Juli mit der Tochter Charlotte den M\u00e4nner-Final in Wimbledon.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"4160\" height=\"2784\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Auch Prinz Williams Frau Kate besucht im Juli mit der Tochter Charlotte den M\u00e4nner-Final in Wimbledon. <\/p>\n<p>Stephanie Lecocq \/ Reuters<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3613\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Die Erbmonarchie steht an der Spitze des Klassensystems und h\u00e4lt es gleichzeitig zusammen. K\u00f6nig Charles ist Oberhaupt der anglikanischen Kirche, doch bezeichnet er sich in Anerkennung der religi\u00f6sen Vielfalt im Land als \u00abVerteidiger aller Glaubensrichtungen\u00bb. \u00dcber Schirmherrschaften, milit\u00e4rische Ehrentitel und wohlt\u00e4tige Stiftungen wirkt die K\u00f6nigsfamilie tief in die Gesellschaft hinein.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3614\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Jeden Sommer werden Britinnen und Briten, die sich in ihrem beruflichen oder privaten Leben um den sozialen Zusammenhalt verdient gemacht haben, an eine <a href=\"https:\/\/www.nzz.ch\/panorama\/tee-mit-den-royals-koenigliche-gartenparty-im-buckingham-palast-ld.1683995\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Gartenparty in den Buckingham Palace<\/a> eingeladen. Direkt mit den Mitgliedern der K\u00f6nigsfamilie Tee trinken d\u00fcrfen dann aber doch nur ausgew\u00e4hlte Ehreng\u00e4ste und W\u00fcrdentr\u00e4ger \u2013 in einem separierten Zelt.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3615\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch nach dem Tod der Queen ist die Monarchie als Staatsform unbestritten. Die Monarchie stellt eine lineare Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart dar. Eine ausl\u00e4ndische Besetzung hat Grossbritannien seit dem normannischen Eroberungszug von 1066 nicht erdulden m\u00fcssen. Eine kurze republikanische Episode im 17.\u00a0Jahrhundert endete im Fiasko und in der raschen Restauration der Monarchie.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3616\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Grossbritannien hat zwar sein Empire verloren, doch im Inneren hat das Land nie einen politischen Bruch wie die Franz\u00f6sische Revolution oder die Naziherrschaft erlebt. Eine schriftliche Verfassung gibt es nicht. Rechtskraft entfalten im Land eine historisch gewachsene Mischung von im Parlament verabschiedeten Gesetzen, Richterspr\u00fcchen (Common Law) und ungeschriebenen Konventionen.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3617\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Gem\u00e4ss der Konvention kam nach dem Tod von K\u00f6nigin Elizabeth\u00a0II. ein altert\u00fcmlicher Rat zusammen, um Charles\u00a0III. zum neuen K\u00f6nig auszurufen. Das auf das <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/privycouncil.independent.gov.uk\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/2025-07-21-Members-of-the-Privy-Council.pdf\" rel=\"nofollow noopener\">Mittelalter zur\u00fcckgehende Gremium setzt sich aus der versammelten britischen Machtelite zusammen<\/a>, bestehend aus rund 700 aktiven und pensionierten Politikern, Klerikern und Richtern.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3618\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Bis heute werden imperiale Masseinheiten genutzt, auch wenn das napoleonische Dezimalsystem praktischer w\u00e4re. Bis heute gelten Gesetze aus viktorianischen Zeiten. Im House of Lords wirken ungew\u00e4hlte Adlige und Bisch\u00f6fe an der Gesetzgebung mit, was in jedem anderen Land Fragen zur demokratischen Legitimation und zur Trennung von Kirche und Staat aufwerfen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Armut in der Peripherie<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3620\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Dass es in Grossbritannien nie eine Revolution gab, mag mit ein Grund sein f\u00fcr das Brexit-Votum von 2016. Denn abseits von Wimbledon und den privaten Members\u2019 Clubs liegt im zentralistischen K\u00f6nigreich vieles im Argen. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.unicef.org\/innocenti\/media\/3301\/file\/UNICEF-Innocenti-Report-Card-18-Child-Poverty-Amidst-Wealth-Exec-Summary-2023.pdf?utm_source=chatgpt.com\" rel=\"nofollow noopener\">Die Kinderarmut ist im europ\u00e4ischen Vergleich sehr hoch<\/a>, manche Rentner k\u00f6nnen die Heizkosten nicht bezahlen. In Touristenorten an der englischen West- und Ostk\u00fcste, die vor dem Aufkommen der Billigfluggesellschaften noch boomten, konzentrieren sich heute Armut sowie Alkohol- und Drogenprobleme.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"In Grossbritannien gab es nie eine Revolution. Vielleicht mit ein Grund, warum der Brexit zu Beginn so beliebt war.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"7233\" height=\"4827\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    In Grossbritannien gab es nie eine Revolution. Vielleicht mit ein Grund, warum der Brexit zu Beginn so beliebt war. <\/p>\n<p>John Keeble \/ Getty<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3621\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Vielen ehemaligen Industriest\u00e4dten in Mittelengland fehlt seit der von Margaret Thatcher vorangetriebenen Deindustrialisierung eine glaubw\u00fcrdige wirtschaftliche Perspektive. Die Working Class, die ihre soziale Zugeh\u00f6rigkeit in der Fabrik, im Pub oder im Fussballstadion einst mit Stolz zelebrierte, hat den Glauben an die Zukunft verloren.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3622\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Auch darum begehrte die Bev\u00f6lkerung in den vernachl\u00e4ssigten Gebieten auf und stimmte wuchtig f\u00fcr den Brexit. Doch die erhoffte Verbesserung der Lebensumst\u00e4nde l\u00e4sst noch immer auf sich warten. Nun entl\u00e4dt sich die Wut an den etablierten Parteien und an den Bootsmigranten, die in Hotels untergebracht werden, w\u00e4hrend den Einheimischen das Geld f\u00fcr Ferien fehlt. Wieder erscheint Nigel Farage als Heilsbringer. Nachdem der Brexit-Vork\u00e4mpfer die verkorkste Umsetzung des EU-Austritts Boris Johnson und der Konservativen Partei anlasten konnte, <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.spectator.co.uk\/podcast\/spectator-awards-nigel-farage-promises-a-political-revolution\/\" rel=\"nofollow noopener\">verspricht er mit seiner Partei Reform UK erneut eine \u00abpolitische Revolution\u00bb<\/a>.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3623\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Reformen sind im ver\u00e4stelten und historisch gewachsenen britischen Gemeinwesen schwierig, aber nicht unm\u00f6glich. Selbst der All England Lawn Tennis Club setzt in Wimbledon mitunter Neuerungen durch. So wurden dieses Jahr die eleganten Linienrichter durch ein elektronisches System ersetzt, das ohne menschliche Fehleranf\u00e4lligkeit feststellt, ob ein Ball im Aus war oder nicht. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.telegraph.co.uk\/tennis\/2025\/07\/12\/line-judges-complain-wimbledon-atmosphere-worse-automation\/\" rel=\"nofollow noopener\">Traditionalisten beklagen<\/a>, das Turnier habe seinen Zauber verloren und sei in eine Diktatur der Technologie abgedriftet.<\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" id=\"id-doc-1j2u95v3624\" content=\"\" pagetype=\"Article\" componenttype=\"p\" is-new-line-child=\"true\" class=\"articlecomponent text nzzinteraction\">Immerhin bleibt Wimbledon der letzte grosse Tennis-Wettkampf, bei dem auf fein s\u00e4uberlich geschnittenem und gepflegtem Rasen gespielt wird. Der Sport entstand im 18.\u00a0Jahrhundert als Lawn Tennis, selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4lt das \u00e4lteste Tennisturnier der Welt an der urspr\u00fcnglichen Unterlage fest. \u00dcber Sandpl\u00e4tze wie jene in Paris w\u00fcrden die Briten als Volk von G\u00e4rtnern die Nase r\u00fcmpfen. Am einfachsten und billigsten zu pflegen w\u00e4ren Hartpl\u00e4tze wie jene in New York oder Melbourne. Doch solch neumodische Unterlagen \u00fcberl\u00e4sst man in London lieber den Tennisturnieren in der Neuen Welt.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Eine Zuschauerin am Turnier im All England Lawn Tennis Club in Wimbledon 2025.\" data-nzz-tid=\"article-image\" width=\"6000\" height=\"4000\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAAAAACH5BAEKAAEALAAAAAABAAEAAAICTAEAOw==\" loading=\"lazy\"   class=\"image-placeholder__image\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1);\"\/>    Eine Zuschauerin am Turnier im All England Lawn Tennis Club in Wimbledon 2025. <\/p>\n<p>John Walton \/ PA Images \/ Getty<\/p>\n<p> Von London nach Z\u00fcrich  <\/p>\n<p data-team-paragraph=\"\" class=\"articlecomponent infobox__text\">nbe.\u2002\u00b7\u2002F\u00fcnf Jahre\u00a0lang hat Niklaus Nuspliger (nn.) die britische Lebensart, Politik und Wirtschaft des Landes beobachtet und beschrieben. Mit diesem Artikel endet nicht nur seine Korrespondentent\u00e4tigkeit\u00a0f\u00fcr Grossbritannien und Irland, sondern auch eine lange Zeit im Ausland. Seit 2010 hat Nuspliger f\u00fcr die NZZ aus den USA, aus Br\u00fcssel und zuletzt aus London berichtet. nn. wird nach einer Auszeit auf die Redaktion in Z\u00fcrich zur\u00fcckkehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was ein Besuch am \u00e4ltesten Tennisturnier der Welt in Wimbledon \u00fcber das britische Gemeinwesen, das Klassensystem und die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":358317,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,13,14,15,12,3992,3993,3994,3995,3996,3997],"class_list":{"0":"post-358316","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-uk","15":"tag-united-kingdom","16":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","17":"tag-vereinigtes-koenigreich","18":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","19":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115058985335680616","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358316","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=358316"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/358316\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/358317"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=358316"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=358316"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=358316"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}