{"id":358681,"date":"2025-08-20T07:06:19","date_gmt":"2025-08-20T07:06:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358681\/"},"modified":"2025-08-20T07:06:19","modified_gmt":"2025-08-20T07:06:19","slug":"bangkok-berlin-orang-utans-schuetzen-vom-fruehstueck-bis-zur-fernreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/358681\/","title":{"rendered":"Bangkok\/Berlin | Orang-Utans sch\u00fctzen \u2013 vom Fr\u00fchst\u00fcck bis zur Fernreise"},"content":{"rendered":"<p>Bangkok\/Berlin (dpa) &#8211; Ob Schokocreme auf dem Fr\u00fchst\u00fccksbrot oder Shampoo im Badezimmerregal \u2013 viele Alltagsprodukte enthalten Palm\u00f6l. Was bei den meisten hierzulande zum Alltag geh\u00f6rt, hat am anderen Ende der Welt dramatische Folgen \u2013 speziell f\u00fcr bedrohte Menschenaffen. Auch in Deutschland kann aber jeder etwas tun, um den intelligenten Tieren, die 97 Prozent ihres Erbguts mit den Menschen teilen, zu helfen.<\/p>\n<p>Am 19. August ist Welt-Orang-Utan-Tag. Die faszinierenden \u00abWaldmenschen\u00bb mit dem rotbraunen Fell leben in der Wildnis nur noch auf Borneo und Sumatra \u2013 und verlieren jeden Tag ein St\u00fcck mehr ihres Dschungelreichs. Gerodet wird f\u00fcr Palm\u00f6lplantagen, Papier und seltene Erden. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) stuft Orang-Utans mittlerweile als \u00abvom Aussterben bedroht\u00bb ein.\u00a0<\/p>\n<p>Geldspenden sind gut \u2013 aber man kann noch mehr tun. Tierschutzorganisationen erinnern daran, dass schon kleine Entscheidungen \u2013 vom bewussten Einkauf bis zur Wahl der Urlaubsaktivit\u00e4ten \u2013 mit dar\u00fcber entscheiden, ob Orang-Utans noch eine Zukunft haben.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDen individuellen Konsum zu hinterfragen, hat nichts mit Verzicht zu tun, sondern verbessert die Lebensqualit\u00e4t\u00bb, sagt Daniel Merdes, Deutschland-Chef der bekannten Stiftung BOS (Borneo Orangutan Survival). \u00abDamit bestimmen wir mit.\u00bb Hier sechs Tipps:<\/p>\n<p>1) Nur nachhaltiges Palm\u00f6l kaufen<\/p>\n<p>Palm\u00f6l steckt in unz\u00e4hligen Produkten \u2013 von Brotaufstrichen \u00fcber Schokolade, Babynahrung und Margarine bis hin zu Kosmetika. F\u00fcr konventionelles Palm\u00f6l werden riesige Regenwaldfl\u00e4chen vernichtet \u2013 und mehr als 85 Prozent des weltweiten Palm\u00f6langebots stammen aus Indonesien und Malaysia, wo die letzten Orang-Utans leben, wie die Organisation \u00abSumatran Orangutan Society\u00bb (SOS) vorrechnet.<\/p>\n<p>Immer wieder sorgen Fotos und Videoclips von Orang-Utans in sozialen Netzwerken f\u00fcr Aufsehen, die sich nach dem Kahlschlag der Bagger v\u00f6llig verst\u00f6rt an einen toten Baumstumpf klammern. Von einem Moment auf den anderen sind sie heimatlos geworden \u2013 denn Orang-Utans sind Baumbewohner und schlafen auch nachts in selbstgebauten gro\u00dfen Nestern in den Baumkronen.<\/p>\n<p>Beim Einkauf k\u00f6nnen Verbraucher aufs Kleingedruckte achten: Palm\u00f6l wird oft gut getarnt und verbirgt sich auch hinter Bezeichnungen wie \u00abSodium Lauryl Sulfoacetate\u00bb, \u00abCetyl Palmitate\u00bb oder einfach nur \u00abPflanzen\u00f6l\u00bb oder \u00abpflanzliches \u00d6l\u00bb, wie Merdes erkl\u00e4rt. Nachhaltiges Palm\u00f6l mit dem RSPO-Siegel unterliegt hingegen strengen Standards und Kriterien. Unter anderem: Es darf kein Wald f\u00fcr neue Plantagen abgeholzt oder Torfmoore f\u00fcr den Anbau genutzt werden. \u00abEs ist entscheidend, nachhaltiges Palm\u00f6l zu unterst\u00fctzen, anstatt Palm\u00f6l g\u00e4nzlich zu boykottieren\u00bb, schreibt auch SOS auf seiner Webseite.<\/p>\n<p>2) Frisch kochen statt Fertigpizza<\/p>\n<p>Palm\u00f6l steckt auch in Tiefk\u00fchlgerichten und Backwaren. Wer frisch kocht, umgeht nicht nur versteckte Palm\u00f6lquellen, sondern spart auch Verpackungsm\u00fcll \u2013 und unterst\u00fctzt zudem noch regionale Produzenten. Noch wichtiger: In Deutschland flie\u00dft der gr\u00f6\u00dfte Teil des importierten Palm\u00f6ls gar nicht in Nahrungsmittel, sondern in den Tank \u2013 als Beimischung zu Biodiesel. Wer das Auto \u00f6fter stehen l\u00e4sst, Rad oder Bahn nutzt, sch\u00fctzt also gleich doppelt: weniger Palm\u00f6lkonsum und weniger CO2-Emissionen. Also am besten zum Wochenmarkt radeln \u2013 der wohl leckerste Artenschutz, den es gibt.<\/p>\n<p>3) Kein \u00abKuscheln\u00bb im Netz<\/p>\n<p>Im Internet verbreitete Fotos von Influencern, die Orang-Utan-Babys im Arm halten oder Bilder von vermenschlichten Affenkindern in bunten Kleidchen sind keineswegs harmlos. Sie zeigen meist Tiere, die aus der Wildnis gerissen wurden \u2013 oft, nachdem ihre M\u00fctter get\u00f6tet wurden. Likes und Herzchen f\u00f6rdern ungewollt den illegalen Handel. Besser: Solche Inhalte weder liken noch teilen, sondern direkt bei der Plattform melden. Organisationen wie BOS dokumentieren Missbrauch und setzen sich f\u00fcr die Rettung der Tiere ein.<\/p>\n<p>4) Im Urlaub keine Orang-Utan-Show besuchen<\/p>\n<p>In Thailand und Kambodscha werden oft Shows mit \u00abboxenden\u00bb oder als \u00abShowgirls\u00bb verkleideten Orang-Utans angeboten. Solche Touristen-Attraktionen sollten unbedingt gemieden werden. Es hilft auch, auf Plattformen wie Tripadvisor auf das Problem aufmerksam zu machen.<\/p>\n<p>\u00abDiese widerlichen Boxing-Shows hinterlassen v\u00f6llig traumatisierte Orang-Utans. Nur mittels Bestrafung durch Schmerz werden sie zu solch einem unnat\u00fcrlichem Verhalten getrieben\u00bb, sagt Merdes. Leider sei das Modell aber sehr erfolgreich: In Kambodscha habe bereits ein weiterer Safari-Park ge\u00f6ffnet, und China zeige gro\u00dfes Interesse an einer Kette von Parks, erz\u00e4hlt er. \u00abJeder Tourist ist somit Teil des Problems und macht sich wissentlich oder unwissentlich mitschuldig.\u00bb<\/p>\n<p>5) Nur seri\u00f6se Tour-Angebote<\/p>\n<p>In Indonesien und Malaysia gibt es viele M\u00f6glichkeiten, Orang-Utans in freier Wildbahn zu beobachten \u2013 doch nur wenige Anbieter arbeiten BOS zufolge wirklich tiergerecht. Seri\u00f6se Touren folgen strikten Richtlinien: kein direkter Kontakt, klare r\u00e4umliche Trennung, begrenzte Besucherzahlen und ein Teil der Einnahmen flie\u00dft an Schutzprojekte und lokale Gemeinden. Fehlen solche Standards oder werden Tiere f\u00fcr Fotoszenen dressiert, sollte man das Angebot meiden.<\/p>\n<p>6) CO2-Ausgleich mit K\u00f6pfchen<\/p>\n<p>Fliegen schadet dem Klima. Wer es trotzdem tut und seinen \u00f6kologischen Fu\u00dfabdruck verbessern will, setzt teils auf CO2-Kompensation. Doch die tats\u00e4chliche Klimawirkung vieler solcher Angebote ist umstritten.<\/p>\n<p>WWF Deutschland r\u00e4t, f\u00fcr den CO2-Ausgleich nur Klimaschutzprojekte zu w\u00e4hlen, die mit dem Gold-Standard ausgezeichnet wurden \u2013 die also Emissionsreduktionen mit den UN-Nachhaltigkeitszielen vereinen.\u00a0<\/p>\n<p>BOS hat derweil das Projekt \u00abWaldflieger\u00bb ins Leben gerufen. \u00abAnstelle eines modernen Ablasshandels werden konkret Palm\u00f6lplantagen in Regenwald umgewandelt\u00bb, erl\u00e4utert Merdes. So wird nicht nur CO2 gebunden, sondern auch Lebensraum f\u00fcr viele Arten geschaffen. Der Umwelt- und Artenschutzbeitrag eines Waldfliegers orientiert sich am CO2 \u2011Aussto\u00df, den der Flug verursacht und wird anhand der aktuellen Preise f\u00fcr CO2-Kompensationen in die genaue Fl\u00e4che Aufforstungsgebiet umgerechnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bangkok\/Berlin (dpa) &#8211; Ob Schokocreme auf dem Fr\u00fchst\u00fccksbrot oder Shampoo im Badezimmerregal \u2013 viele Alltagsprodukte enthalten Palm\u00f6l. 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