{"id":359725,"date":"2025-08-20T16:35:13","date_gmt":"2025-08-20T16:35:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359725\/"},"modified":"2025-08-20T16:35:13","modified_gmt":"2025-08-20T16:35:13","slug":"25-jahre-c-o-berlin-wo-schoenes-gegen-das-boese-kaempft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359725\/","title":{"rendered":"25 Jahre C\/O Berlin \u2013 Wo Sch\u00f6nes gegen das B\u00f6se k\u00e4mpft"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_kultur\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kultur<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/kultur\/kunst\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"3_kunst\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kunst<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 20.08.2025, 16:19 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/ingeborg-ruthe-os8phckev.html\" title=\"Zur Autorenseite von Ingeborg Ruthe\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" ruthe=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ingeborg Ruthe<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/39386673-vernissagetrubel-vorm-eingang-1lfe.jpg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"Vernissagetrubel vorm Eingang.\"\/>Vernissagetrubel vorm Eingang. \u00a9\u00a0David von Becker<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Das C\/O Berlin ist in 25 Jahren <br \/>zur international gefragten Foto-Instanz geworden.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Dreimal umgezogen ist wie einmal abgebrannt\u201c, hei\u00dft es sarkastisch, wenn jemand die Adresse mehrmals wechselt. Sei es nun aus freien St\u00fccken oder dem Zwang der Vermieter gehorchend. F\u00fcrs C\/O Berlin wurde, mal freiwillig, mal gezwungen, aus der Not eine Tugend. Und zwar ohne Crashs und Verluste, daf\u00fcr mit Nervenst\u00e4rke, Langmut und schlie\u00dflich mit Gewinn an Zuspruch und Renommee.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Im Sommer des Jahres 2000 gr\u00fcndete der aus Wuppertal geb\u00fcrtige Fotograf Stephan Erfurt mit Verb\u00fcndeten die private Instanz f\u00fcr Fotografie und visuelle Medien. Erfurt, bis 1990 Fotoassistent in einem namhaften New Yorker Studio, dann Bildreporter vor allem f\u00fcr \u201eFAZ\u201c-Magazin, \u201eGeo\u201c und \u201eNew York Times\u201c, kam ins frisch mauerlose Berlin, wo alles m\u00f6glich schien, und wollte einen Pflock f\u00fcr die Fotografie einschlagen. Ausgestattet mit Gelassenheit, Begeisterung und Humor mietet er das marode Alte Postfuhramt Mitte. Und er holt 400 Bilder von 56 Magnum-Mitgliedern aus Paris und New York in den Achteck-Kuppelbau aus roten Klinkern von 1827. Massenandrang! <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">So wurde vor 25 Jahren das C\/O Berlin aus der Taufe gehoben, ein idealer Ort, hatten sich doch l\u00e4ngst in der Mitte-Nachbarschaft das KW Institute for Contemporary Art und eine Menge Galerien angesiedelt. Damals wie heute sagt Gr\u00fcnder Erfurt: \u201eBerlin ist f\u00fcr mich Kaleidoskop der Kulturen, eine Stadt voller Kontraste und Inspiration.\u201c Zu dieser Inspiration addiert er zum Beispiel die Talente-Shows, eine Retrospektive der New Yorker Starfotografin Annie Leibovitz, die gro\u00dfe Schau der Agentur Ostkreuz, deretwegen vor lauter Andrang die alten Pforten des Hauptgeb\u00e4udes fast barsten.<\/p>\n<p>Umzug Nr. 3  wird zum Gl\u00fccksfall<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Damals war immer nur die Rede von \u201eZwischennutzung\u201c. Es gab viel Begehr nach dem imposanten Bau an der Oranienburger Stra\u00dfe. Die Besitzerin des Komplexes, die Deutsche Post, wollte das denkmalgesch\u00fctzte Ensemble verkaufen. Doch Stadt und Stadtbezirk reagierten nicht, obwohl der Preis damals noch recht kulant war. Wegen der z\u00e4hen Situation residierte das C\/O 2001 bis 2005 in der Linienstra\u00dfe. Dann k\u00fcndigte das Bezirksamt Mitte den \u201eNutzungsvertrag\u201c aus unerkl\u00e4rlichen Gr\u00fcnden. Auf einmal hie\u00df es: Retour ins alte Postfuhramt, denn das hatte die Deutsche Post noch immer nicht verkauft. Abermals war es nur eine \u201eZwischennutzung\u201c. Der neue Besitzer, Biotronik, pochte auf den Auszug 2011.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der Umzug Nr. 3 wurde zum Gl\u00fccksfall: Das Amerika-Haus am Bahnhof Zoo, einst Kultur- und Informationszentrum der USA und seit 2006 Eigentum des Landes Berlin, war vakant. Im Oktober 2014 er\u00f6ffnete C\/O Berlin da sein Dauerdomizil als privates Ausstellungshaus. Der C\/O-Mitgr\u00fcnder und Architekt Ingo Pott leitete die Sanierung samt neuem Dach, Mitgr\u00fcnder Marc Narosca sorgte f\u00fcr das wiedererkennbare Design der Fotoinstanz.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die Vernissage von \u201eMagnum. Contact Sheets\u201c im (hoffentlich!) Dauerdomizil kn\u00fcpfte an die erste C\/O-Pr\u00e4sentation von 2000 an und markierte den Beginn einer neuen Phase. Seit 2013 als gemeinn\u00fctzige Stiftung organisiert, erweiterte C\/O Berlin mit dem Umzug nicht nur seine r\u00e4umlichen, sondern auch strukturellen M\u00f6glichkeiten f\u00fcr kuratorische Konzepte, Vermittlungsformate, Workshops. Nun war es m\u00f6glich, zusammen mit dem benachbarten Museum f\u00fcr Fotografie und der Newton-Stiftung einen ins Stadtleben hineinwirkenden Hotspot f\u00fcr Fotografie zu bilden. 180 C\/O-Ausstellungen mit Besuchermassen aus aller Welt geh\u00f6ren heute zur Bilanz. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Das C\/O Berlin blieb dabei der Idee treu, Fotografie nicht nur auszustellen, sondern gesellschaftlich zu verhandeln. Das Haus, so Stephan Erfurt, stehe exemplarisch f\u00fcr den Willen, das Blickfeld zu weiten, das gro\u00dfe Spektrum fotografischer Ausdrucksformen zu zeigen. Seit 2020 f\u00f6rdert der Kultursenat Berlin das C\/O. In diesem Jahr aber werden die 250\u2009000 Euro empfindlich um 150\u2009000 gek\u00fcrzt. Erfurt spricht von Solidarit\u00e4t, denn alle Kulturbereiche leiden unterm Sparzwang. Man m\u00fcsse \u201ekreativ sein, das M\u00f6gliche draus machen, statt zu jammern\u201c, so das Rezept des C\/O-Gr\u00fcnders. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ende September er\u00f6ffnet eine weitere Schau der legend\u00e4ren Agentur Magnum, diesmal von zw\u00f6lf weiblichen \u201eNachkommen\u201c der Klassiker. Fotografie, die tief hinein fasst in die konfliktbeladene Welt. Stephan Erfurt wird an diesen Vernissagenabend \u2212 wie gehabt seit 25 Jahren \u2212 jeden Gast pers\u00f6nlich an der T\u00fcr begr\u00fc\u00dfen. Als selbstverst\u00e4ndliche Gastgeber-Geste. Selbstredend eingeladen ist auch das Team der \u201eFotografiska\u201c, Oranienburger Stra\u00dfe, der Ort, wo f\u00fcrs C\/O alles begann. Als schn\u00f6de Konkurrenz sieht Erfurt das von sehr potenten Geldgebern ausgestattete Fotohaus im einstigen Tacheles indes nicht. Sondern, ganz kollegial, als Beitrag, Berlin zu einem Welt-Ort der fotografischen Kunst zu machen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/39385946-rudi-meisel-QqBG.jpg\" loading=\"lazy\"   height=\"736\" width=\"1100\" alt=\"Gr&#xFC;nder Stephan Erfurt (r.) mit den Mitstreitern Marc Naroska und Ingo Pott.\"\/>Gr\u00fcnder Stephan Erfurt (r.) mit den Mitstreitern Marc Naroska und Ingo Pott. \u00a9\u00a0Rudi Meisel<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Aktuell sind mit \u201eNothing is original\u201c die seit Jahren entstandenen popkulturellen Film\/Foto-Installationen des M\u00fcnchners Julian Rosefeldt zu sehen. Man taucht da ein in ein aufwendiges Szenario vom Kampf des Guten und Sch\u00f6nen mit dem B\u00f6sen in der Welt, in die Vertracktheiten und Fallstricke des Alltags, die L\u00e4cherlichkeit von Pathos und Sentiment. Ein Labyrinth aus Schein und Sein. Die Dekonstruktion der Mythenmaschine Kino, das Spiel mit Stereotypen, das Zitieren aus Kultur- und Filmgeschichte als roter Faden durchs Werk.<\/p>\n<p>Eidinger und fast ein Kettens\u00e4genmassaker<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Rosefeldt sagt von sich (und seiner Kamera), er klaue alles, was die Fantasie befl\u00fcgele. Dokumentation, Fiktion, Inszenierung, Analyse plus bei\u00dfende Ironie st\u00f6ren gewohnte Sehmuster unter anderem durch Dialoge, in denen es pl\u00f6tzlich um aktuelle Politik, um Ideologie geht. In \u201eManifesto\u201c l\u00e4sst er Hollywood-Mimin Cate Blanchett als Lehrerin auftreten, die ihren Sch\u00fclern vortr\u00e4gt, dass man sich fremde Ideen bedenkenlos aneignen d\u00fcrfe, schlie\u00dflich sei nichts mehr \u201eoriginal\u201c.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Rosefeldts Werk besteht aus Kritik an der Medienwelt, den L\u00fcgen der Politik, an der Migrationspolitik, es persifliert zudem die (deutsche) Erinnerungskultur. In der Filmserie \u201eHeimat \u201c liest man Romantiker-Verweise: m\u00e4nnliche R\u00fcckenansichten im Nebel \u00fcberm Wasser. Daneben ein Typ im Blaumann, der auf einem Felsplateau in der AfD-Gegend Elbsandsteingebirge das aus der Fremde herangewehte Laub wegfegt, derweil ein anderer im Schutzanzug das mythenschwere Gestein k\u00e4rchert.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Dann erstarrt man fast wegen eines angek\u00fcndigten Kettens\u00e4gen-Massakers, das Schauspieler Lars Eidinger auf einer Opernb\u00fchne anzurichten gedenkt, bis er dann doch den Motor erstmal ausschaltet. Rosefeldt zieht einen hinein in ein b\u00fchnenartig inszeniertes mystisches Delirium von Bild\/Sound-Schnipseln aus Gangsterfilmen und kultigen Science-Fiction-Drehs wie zu \u201e2001-Odyssee im Weltraum\u201c.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Und er bringt uns zum Lachen und fast zum Heulen in seiner meisterlich sinnwidrigen, allem Perfektionswahn entgegenlaufenden \u201eTrilogie des Scheiterns\u201c: Loops, aus denen man nicht mehr rauskommt. Es sei denn, man akzeptiert die Realit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\"><strong>Das C\/O Berlin <\/strong>im Amerika-Haus, Berlin: <a href=\"https:\/\/co-berlin.org\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\" class=\"id-import-Link id-pageApi-Link--externalDomain\" data-id-ec=\"{&quot;sht&quot;:&quot;Container&quot;,&quot;shn&quot;:&quot;Story&quot;,&quot;p&quot;:{&quot;containerType&quot;:&quot;Paragraph&quot;,&quot;displayType&quot;:&quot;Paragraph InlineLink&quot;,&quot;type&quot;:&quot;INLINE_LINK&quot;,&quot;value&quot;:&quot;co-berlin.org&quot;,&quot;variant&quot;:&quot;standardLink&quot;,&quot;sponsored&quot;:false,&quot;linkHref&quot;:&quot;https:\/\/co-berlin.org\/&quot;,&quot;storyElementPosition&quot;:31,&quot;storyElementCount&quot;:31}}\">co-berlin.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Kultur Kunst Stand: 20.08.2025, 16:19 Uhr Von: Ingeborg Ruthe DruckenTeilen Vernissagetrubel vorm Eingang. \u00a9\u00a0David von Becker Das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":359726,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-359725","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115062068171513278","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/359725","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=359725"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/359725\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/359726"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=359725"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=359725"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=359725"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}