{"id":359749,"date":"2025-08-20T16:48:19","date_gmt":"2025-08-20T16:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359749\/"},"modified":"2025-08-20T16:48:19","modified_gmt":"2025-08-20T16:48:19","slug":"zum-schutz-gegen-russland-koennte-die-ukraine-eine-eigene-atombombe-bauen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359749\/","title":{"rendered":"Zum Schutz gegen Russland: K\u00f6nnte die Ukraine eine eigene Atombombe bauen?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Ukraine will in Zukunft sicher vor russischen Angriffen sein. Eine Nato-Mitgliedschaft scheint ungewiss. K\u00f6nnte das Land eine eigene Atombombe bauen? Ein Experte hat in einer Analyse durchgespielt, ob das machbar w\u00e4re &#8211; und welche Folgen es h\u00e4tte.<\/strong><\/p>\n<p>Der fr\u00fchere US-Pr\u00e4sident Bill Clinton bedauert heute, dass er der Ukraine die Atomwaffen ausgeredet hat. &#8222;Ich f\u00fchle mich mitverantwortlich, weil ich sie [die Ukraine] dazu gebracht habe, ihre Atomwaffen aufzugeben&#8220;, sagte er in einem <a href=\"https:\/\/www.rte.ie\/news\/primetime\/2023\/0404\/1374162-clinton-ukraine\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Interview<\/a> ein Jahr nach Beginn der russischen Invasion. Clinton hatte das <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/politik\/Selenskyj-Haben-Atomwaffen-fuer-den-Krieg-getauscht-article25519561.html\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Budapester Memorandum von 1994<\/a> ausgehandelt, bei dem Kiew im Tausch gegen Sicherheitsgarantien seine Atomwaffen an Russland \u00fcbergab. H\u00e4tte die Ukraine sie behalten, so Clinton, h\u00e4tte Russland niemals angegriffen.<\/p>\n<p>Was die Frage aufwirft: K\u00f6nnte sich die Ukraine nicht einfach Atomwaffen zulegen, um sich in Zukunft vor weiteren russischen Angriffen zu sch\u00fctzen? Schlie\u00dflich sind Atomm\u00e4chte von gro\u00dfangelegten Invasionen st\u00e4rkerer Gegner bisher verschont geblieben. Auch der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj <a href=\"https:\/\/www.politico.eu\/article\/nato-nukes-volodymyr-zelenskyy-war-ukraine-aid-russia\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">betonte in der Vergangenheit<\/a>, dass nur zwei Dinge der Ukraine auf Dauer Sicherheit verschaffen k\u00f6nnten: eine Nato-Mitgliedschaft oder Atomwaffen.<\/p>\n<p>Der Milit\u00e4rexperte Alexander Bollfrass vom britischen Thinktank International Institute for Strategic Studies hat in einer detaillierten <a href=\"https:\/\/www.iiss.org\/online-analysis\/online-analysis\/2025\/02\/are-nuclear-weapons-an-option-for-ukraine\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">Analyse<\/a> durchgespielt, wie der Weg zu einer ukrainischen Bombe aussehen k\u00f6nnte. Kurzfazit: Theoretisch sei die Ukraine dazu in der Lage. Doch sie s\u00e4he sich bei der Umsetzung mit gewaltigen technischen und politischen Herausforderungen konfrontiert.<\/p>\n<p><b>Das Material:<\/b> Die Ukraine verf\u00fcge im Kernkraftwerk Tschernobyl \u00fcber reichlich abgebrannte Brennst\u00e4be, die waffenf\u00e4higes Plutonium enthalten, schreibt der Experte. Daraus k\u00f6nne innerhalb eines Jahres genug Material f\u00fcr die Herstellung einer einzigen Waffe gewonnen werden. Allerdings sei daf\u00fcr der Aufbau von Aufbereitungsanlagen im industriellen Ma\u00dfstab notwendig. Sollte die Ukraine statt auf Plutonium auf die Anreicherung von Uran setzen, m\u00fcssten noch umfangreichere und damit teurere Anlagen gebaut werden.<\/p>\n<p><b>Geheimhaltung:<\/b> Der Ukraine werde es nicht m\u00f6glich sein, im Verborgenen eine Atomwaffe zu entwickeln, urteilt Bollfrass. Die daf\u00fcr n\u00f6tigen Industrieanlagen lie\u00dfen sich kaum verstecken. Zudem st\u00fcnden alle auf ukrainischem Territorium vorhandenen spaltbaren Materialien derzeit unter strenger Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA), sagte er dem Magazin &#8222;Forbes&#8220;. Grund daf\u00fcr sind die Verpflichtungen aus dem Atomwaffensperrvertrag. Das Abzweigen von Reaktorbrennstoff oder Plutonium f\u00fcr ein Atomwaffenprogramm w\u00fcrden die IAEA-Inspektoren sofort entdecken, was auch Russland alarmieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p><b>N\u00f6tige Tr\u00e4gersysteme: <\/b>Aus Sicht von Sicherheitsexperte Bollfrass m\u00fcsste die Ukraine f\u00fcr eine nukleare Abschreckung neben Sprengk\u00f6pfen \u00fcber &#8222;glaubw\u00fcrdige&#8220; Tr\u00e4gersysteme wie Raketen, Marschflugk\u00f6rper oder Flugzeuge verf\u00fcgen. Daf\u00fcr k\u00f6nnte Kiew zwar auf Know-how fr\u00fcherer ballistischer Raketenprogramme aufbauen: Das Unternehmen Juschmasch in der Stadt Dnipro hatte bis vor Kurzem Tr\u00e4gerraketen f\u00fcr Satelliten hergestellt und fr\u00fcher auch atomar best\u00fcckbare Interkontinentalraketen. Dennoch seien weitere Jahre der Entwicklung und erhebliche Investitionen notwendig.<\/p>\n<p>Eine Alternative w\u00e4re die Anpassung bestehender Marschflugk\u00f6rper, wie die R-360 Neptun, so Bollfrass. F\u00fcr den Einsatz von Flugzeugen k\u00e4men nur hochmoderne Typen in Betracht, die in der Lage seien, der russischen Flugabwehr zu trotzen. Der Experte vermutet daher, dass die Entwicklung eines zuverl\u00e4ssigen Tr\u00e4gersystems f\u00fcr Atombomben derzeit die &#8222;technologischen und finanziellen Grenzen&#8220; der Ukraine sprenge.<\/p>\n<p><b>Politische Rahmenbedingungen:<\/b> Um spaltbares Material zu Atomsprengk\u00f6pfen verarbeiten zu k\u00f6nnen, m\u00fcsste die Ukraine den Atomwaffensperrvertrag verlassen (wie Nordkorea 2003) und die IAEA-Inspektoren ausweisen, so Bollfrass. Das wiederum d\u00fcrfte aus seiner Sicht internationale Reaktionen provozieren. Diplomatische Isolation und sogar wirtschaftliche Sanktionen w\u00e4ren m\u00f6gliche Folgen. Die Unterst\u00fctzung der Nato-Partne , die mit Blick auf Mitglieder wie Ungarn, die Slowakei und zuletzt auch die USA derzeit ohnehin auf wackeligen F\u00fc\u00dfen steht, k\u00f6nnte br\u00f6ckeln.<\/p>\n<p><b>Russische Gegenma\u00dfnahmen:<\/b> Nach Bollfrass&#8216; \u00dcberzeugung w\u00fcrde Russland nicht einfach tatenlos zusehen, wenn die Ukraine nach Atomwaffen strebt. Infrastruktur wie Anreicherungs- oder Aufbereitungsanlagen w\u00fcrden mit Sicherheit ein Ziel von russischen Angriffen, ist der Milit\u00e4rexperte \u00fcberzeugt. Auch k\u00f6nnte sich Moskau angesichts ukrainischer Atombomben-Bem\u00fchungen f\u00fcr einen nuklearen Erstschlag entscheiden, bevor die Ukraine selbst \u00fcber ein ausreichend gro\u00dfes Arsenal verf\u00fcgt.<\/p>\n<p><b>Fazit des Experten: <\/b>&#8222;Die industriellen Anforderungen f\u00fcr die Herstellung von spaltbarem Material und die Montage eines Sprengkopfes auf Tr\u00e4gersystemen \u00fcbersteigen die derzeitigen Kapazit\u00e4ten der Ukraine.&#8220; Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nne die Umleitung von Ressourcen in die nukleare Entwicklung die konventionellen milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten schw\u00e4chen und das Land kurzfristig noch st\u00e4rker gef\u00e4hrden. <\/p>\n<p>Andere Experten hatten sich in der Vergangenheit \u00e4hnlich zu einer ukrainischen Atombombe ge\u00e4u\u00dfert: technisch machbar, jedoch teuer und zeitintensiv, so lautet etwa der Tenor mehrerer Experten, welche von der Zeitung <a href=\"https:\/\/kyivindependent.com\/with-trump-back-in-white-house-can-ukraine-opt-for-nuclear-deterrence\/\" rel=\"Follow noopener\" target=\"_blank\">&#8222;Kyiv Independent&#8220;<\/a> befragt worden waren. Zudem w\u00fcrde Russland wohl alles versuchen, um eine nuklear bewaffnete Ukraine zu verhindern. Dennoch \u00e4u\u00dferte Bollfrass gegen\u00fcber Forbes die Vermutung, dass die Ukraine ohne glaubw\u00fcrdige Sicherheitsgarantien, wie sie eine Nato-Mitgliedschaft b\u00f6te, langfristig tats\u00e4chlich versucht sein k\u00f6nnte, zu &#8222;nuklearer Selbsthilfe&#8220; zu greifen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Ukraine will in Zukunft sicher vor russischen Angriffen sein. Eine Nato-Mitgliedschaft scheint ungewiss. 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