{"id":359890,"date":"2025-08-20T18:02:11","date_gmt":"2025-08-20T18:02:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359890\/"},"modified":"2025-08-20T18:02:11","modified_gmt":"2025-08-20T18:02:11","slug":"dieser-film-ist-nichts-fuer-schwache-nerven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359890\/","title":{"rendered":"Dieser Film ist nichts f\u00fcr schwache Nerven"},"content":{"rendered":"<p>Was als netter Vater-Sohn-Roadtrip durch Marokko beginnt, wird bald zur radikalen Ausnahmeerfahrung: Der Cannes-Gewinner \u201eSirat\u201c verletzt schonungslos Grenzen \u2013 die des Genres, des Anstands und des guten Geschmacks.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">\u00dcber diesen Geheimtipp aus Cannes sollte man am besten so wenig wie m\u00f6glich lesen, bevor man ins Kino geht. Was man ruhig vorher wissen kann: dass \u201eSir\u0101t\u201c, eine franz\u00f6sisch-spanische Co-Produktion von unter anderem Pedro Almod\u00f3var, beim diesj\u00e4hrigen Filmfestival mit dem Preis der Jury ausgezeichnet wurde. Und dass der Roadtrip Luis (Sergi L\u00f3pez), seinen zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Sohn Esteban (Bruno N\u00fa\u00f1ez) und ihren Hund bei der Suche nach Luis\u2019 verschwundener Tochter durch Marokko begleitet.<\/p>\n<p>Ger\u00fcchten zufolge soll die Tochter sich auf einem Rave befinden, weshalb das Trio sich an eine Gruppe t\u00e4towiert-verst\u00fcmmelter Aussteiger dranh\u00e4ngt und ihnen auf einem hindernisreichen Weg durch die W\u00fcste folgt: Das Milit\u00e4r verbietet die Weiterfahrt, sp\u00e4ter muss ein Fluss mit dem Gel\u00e4ndewagen \u00fcberquert werden, und schlie\u00dflich erkrankt der Hund, nachdem er Menschenkot mit Drogenr\u00fcckst\u00e4nden gefressen hat. Kameramann Mauro Herce schafft mit 16-mm-Film eine surreale, flimmernde Bildkulisse; Komponist Kangding Ray l\u00e4sst mitrei\u00dfende Techno-Beats von den schroffen Felsw\u00e4nden prallen.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnte man mit dem Lesen aufh\u00f6ren und darauf vertrauen, dass man es \u2013 trotz der konventionell klingenden Handlung \u2013 mit gro\u00dfem Kino zu tun hat. Beinahe widerwillig sei noch Folgendes verraten: Der franz\u00f6sische Regisseur \u00d3liver Laxe, der das Drehbuch gemeinsam mit Santiago Fillol schrieb, unterl\u00e4uft die anf\u00e4nglich etablierte Roadtrip-Pr\u00e4misse so radikal und \u00fcberraschend, dass einem erst der Mund offen steht und man dann nicht wei\u00df, wohin mit den H\u00e4nden: sich die Augen zuhalten, fest im Kinosessel verkrallen oder panisch nach dem Arm des Sitznachbarn greifen.<\/p>\n<p>Schon die erste Szene, die in beinahe dokumentarischer Ausf\u00fchrlichkeit den Aufbau des Festivals mitten im Nirgendwo verfolgt, setzt einen gleichzeitig verh\u00e4ngnis- und verhei\u00dfungsvollen Ton. Die Ahnung, dass diese Utopie des gemeinsamen Feierns jederzeit in die Dystopie eines Angriffs auf die Lebensfreude umschlagen k\u00f6nnte, liegt in der Luft. Nur wann und wie \u00d3liver Laxe die tr\u00e4ge Idylle zu zerst\u00f6ren bereit ist, damit h\u00e4tte man nicht gerechnet. <\/p>\n<p>Ein Film wie kein anderer<\/p>\n<p>Als er mitten im Film pl\u00f6tzlich und fast ohne Vorwarnung zwei liebgewonnene Hauptfiguren auf einmal \u00fcber die Klinge springen l\u00e4sst, ist klar: Dieser Regisseur schreckt vor nichts zur\u00fcck, kennt keine Grenzen, weder die des Genres noch die des Anstands oder des guten Geschmacks. Das einstige Ziel \u2013 die Suche nach der Tochter \u2013 ger\u00e4t zunehmend aus dem Blick. Aus dem Buddy-Roadtrip wird ein Trauerverarbeitungs-Drogen-Trip. Luis tanzt und weint und leidet, w\u00e4hrend er den Rausch seines Lebens erlebt.<\/p>\n<p>Als der Film vermeintlich endlich eine klare Richtung erkennen l\u00e4sst, wirft der Regisseur in einem unvorhersehbaren Moment noch einmal alles um und verwandelt die Story in einen packenden Survival-Escape-Thriller: Eine Hauptfigur nach der anderen geht in die Luft und damit verschwindet endg\u00fcltig jede Gewissheit.<\/p>\n<p>\u201eSir\u0101t\u201c ist ein Film wie kein anderer. Eine wilde Mischung aus <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/editorial.one\/editor\/welt\/article\/67e8304c0c29c51f391e3f6f\/edit\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/editorial.one\/editor\/welt\/article\/67e8304c0c29c51f391e3f6f\/edit&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eMad Max: Fury Road\u201c<\/a>, \u201eMidsommar\u201c, \u201eThelma &amp; Louise\u201c und \u201eZabriskie Point\u201c. F\u00fcr solch einen schonungslos schockierenden Regelbrecher wenig \u00fcberraschend, reichen die Kritiken von Totalverriss bis Begeisterung. Wer genug hat von Brandenburger Hitze-See-Fahrrad-Dramen \u00e0 la <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/editorial.one\/editor\/welt\/article\/68547c97d89474609437b9a0\/edit\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/editorial.one\/editor\/welt\/article\/68547c97d89474609437b9a0\/edit&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eZikaden\u201c<\/a>, <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article256122786\/Cannes-Favoritin-Mascha-Schilinski-Wenn-das-die-Hoelle-ist-dann-nehme-ich-sie.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article256122786\/Cannes-Favoritin-Mascha-Schilinski-Wenn-das-die-Hoelle-ist-dann-nehme-ich-sie.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u201eIn die Sonne schauen\u201c<\/a> (der sich mit \u201eSir\u0101t\u201c in Cannes den Preis der Jury teilte) und \u201eMiroirs No. 3\u201c, kann mit dieser missgl\u00fcckten Heldenreise durch postapokalyptische D\u00fcrre und seelische sowie reale Minenfelder ein Wunder erleben. \u00a0<\/p>\n<p>\u201eSir\u0101t\u201c l\u00e4uft ab dem 14. August im Kino.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was als netter Vater-Sohn-Roadtrip durch Marokko beginnt, wird bald zur radikalen Ausnahmeerfahrung: Der Cannes-Gewinner \u201eSirat\u201c verletzt schonungslos Grenzen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":359891,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1771],"tags":[20934,1778,29,214,92,99168,30,95,1777,215],"class_list":{"0":"post-359890","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kino","8":"tag-cannes","9":"tag-cinema","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-film","13":"tag-filmfestspiele-ks","14":"tag-germany","15":"tag-kino","16":"tag-movie","17":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115062410143418212","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/359890","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=359890"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/359890\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/359891"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=359890"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=359890"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=359890"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}