{"id":359942,"date":"2025-08-20T18:32:11","date_gmt":"2025-08-20T18:32:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359942\/"},"modified":"2025-08-20T18:32:11","modified_gmt":"2025-08-20T18:32:11","slug":"druck-auf-putin-muss-steigen-die-diskussion-um-bodentruppen-fuehrt-in-die-irre","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/359942\/","title":{"rendered":"Druck auf Putin muss steigen: &#8222;Die Diskussion um Bodentruppen f\u00fchrt in die Irre&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>                    Druck auf Putin muss steigen<br \/>\n                &#8222;Die Diskussion um Bodentruppen f\u00fchrt in die Irre&#8220;<\/p>\n<p>\t\t\t\t              20.08.2025, 18:52 Uhr<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t       Artikel anh\u00f6ren<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t\tDiese Audioversion wurde k\u00fcnstlich generiert. <a href=\"https:\/\/www.n-tv.de\/23249898\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mehr Infos<\/a><\/p>\n<p>Zehn europ\u00e4ische L\u00e4nder sind wohl offen f\u00fcr eine Truppenentsendung in die Ukraine. Die Diskussion k\u00f6nnte jedoch eine Scheindebatte werden, sagt Sicherheitsexperte Nico Lange. Zuerst m\u00fcsse Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin zu einem Waffenstillstand bewegt werden &#8211; daf\u00fcr gebe es M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><b>ntv.de: Zehn Staaten sollen laut Bloomberg bereit sein, Bodentruppen zur Friedenssicherung in die Ukraine zu schicken, allen voran Frankreich und Gro\u00dfbritannien. Wird Deutschland mitziehen?<\/b><\/p>\n<p>Nico Lange: Bodentruppen ist ein Begriff, den man vor allen Dingen nutzt, um Leute zu erschrecken. Bei Sicherheitsgarantien geht es zuvorderst darum, die Streitkr\u00e4fte der Ukraine zu unterst\u00fctzen, denn die machen das meiste. Eine europ\u00e4ische Milit\u00e4rpr\u00e4senz sollte ein Teil der Sicherheitsgarantien sein. Die politische Logik dahinter aus meiner Sicht: Wenn es nach einem Waffenstillstand zu solchen Sicherheitsgarantien kommt, zu denen eine europ\u00e4ische Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Ukraine geh\u00f6rt, kann Deutschland nicht im Abseits stehen.<\/p>\n<p>  <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240912-edr-kyiv-518.jpg\">     <img decoding=\"async\" alt=\"Nico Lange ist Senior Fellow f\u00fcr Transatlantic Security and Defense bei CEPA in Washington D.C.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/20240912-edr-kyiv-518.jpg\" class=\"lazyload\"\/>  <\/a>  <\/p>\n<p class=\"article__aside__caption\">Nico Lange ist Senior Fellow f\u00fcr Transatlantic Security and Defense bei CEPA in Washington D.C.<\/p>\n<p><b>Ist diese Diskussion \u00fcber die Entsendung von Truppen verfr\u00fcht, solange es keinen Waffenstillstand in der Ukraine gibt?<\/b><\/p>\n<p>Diese Formulierung &#8222;Entsendung von Truppen&#8220; impliziert, man m\u00fcsse jetzt hingehen und die Ukraine besch\u00fctzen. Das ist Unsinn. Wir reden von etwas, das relevant w\u00fcrde, wenn es einen Waffenstillstand gibt, den es nicht gibt &#8211; und den Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin auch nicht will. Man muss aufpassen, dass man jetzt keine Trocken\u00fcbungen veranstaltet. Und man muss aufpassen, keine Scheindebatte anzusto\u00dfen, die am Ende nicht dazu f\u00fchrt, dass ein Waffenstillstand kommt in der Ukraine.<\/p>\n<p><b>Trump teilte Selenskyj und den europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs am Montag pers\u00f6nlich mit, dass die Ukraine unter einen \u00e4hnlichen Schutz wie Artikel 5 der Nato fallen werde, lie\u00df jedoch Einzelheiten offen. Der Nato beitreten soll die Ukraine aber nicht. Wie k\u00f6nnten Trumps Sicherheitsgarantien denn aussehen?<\/b><\/p>\n<p>Kein Mensch wei\u00df, was Sicherheitsgarantien \u00e4hnlich zu Artikel 5 hei\u00dfen soll. Ich bin mir auch nicht sicher, ob Trump oder sein Sondergesandter Steve Witkoff wissen, was das hei\u00dft. Da wird viel hineininterpretiert in \u00c4u\u00dferungen, als w\u00e4re da ein gro\u00dfes Konzept dahinter. Das gibt es aber gar nicht. US-Au\u00dfenminister Marco Rubio ist erst damit beauftragt worden, etwas zu entwickeln. Bei Sicherheitsgarantien muss man die Frage beantworten, wie man Russland nach einem Waffenstillstand von einem erneuten Angriff auf die Ukraine abhalten will. Da geh\u00f6ren verschiedene Elemente dazu.<\/p>\n<p><b>Welche?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt mindestens f\u00fcnf. Erstens die Streitkr\u00e4fte der Ukraine, die leistungsf\u00e4hig bleiben m\u00fcssen. Wenn Russland weiter aufr\u00fcstet, muss auch die milit\u00e4rische Leistungsf\u00e4higkeit der Ukraine steigen. Die Ukrainer machen bei der Verteidigung ihres Landes das meiste, sie stehen vorne. Es geht nicht darum, dass sich irgendein europ\u00e4ischer Soldat vor die Streitkr\u00e4fte der Ukraine stellen soll. Um die Ukraine anderweitig zu unterst\u00fctzen, braucht es dennoch eine europ\u00e4ische und amerikanische Milit\u00e4rpr\u00e4senz.<\/p>\n<p><b>Haben Sie ein Beispiel?<\/b><\/p>\n<p>Die Streitkr\u00e4fte der Ukraine haben zum Beispiel bisher wenig Kampfflugzeuge. Aber zur Luftraum\u00fcberwachung und zur Luftverteidigung br\u00e4uchte man eine gr\u00f6\u00dfere Luftwaffe. Das k\u00f6nnte durch Partner geleistet werden &#8211; das ist das zweite Element der Abschreckung. Der dritte Punkt ist die maritime \u00dcberwachung und der K\u00fcstenschutz. Da gilt die Vereinbarung von Montreux, wonach nur die Anrainerstaaten des Schwarzen Meeres dies leisten d\u00fcrfen &#8211; also etwa die T\u00fcrkei, Bulgarien, Rum\u00e4nien. Viertens braucht man eine glaubhafte konventionelle Abschreckung, zum Beispiel mit Marschflugk\u00f6rpern wie Tomahawk. \u00dcber diese Marschflugk\u00f6rper verf\u00fcgen nur die USA. Das f\u00fcnfte Element ist die politische Koordinierung der Abschreckung.<\/p>\n<p><b>Wie meinen Sie das?<\/b><\/p>\n<p>Internationale Absprachen, die kl\u00e4ren: Wenn Russland nach einem Waffenstillstand die Ukraine \u00fcberfallen sollte, wer redet dann mit wem? Was geschieht genau? Was hat man einge\u00fcbt, was hat man geplant? Der Beistand nach Artikel 5 in der Nato ist klar geregelt, da gibt es Institutionen und Verfahren. Aber Trump spricht von einer anderen Art von Sicherheitsgarantien. Da stellt sich die Frage, wie man das dann macht.<\/p>\n<p><b>Was w\u00e4re m\u00f6glich?<\/b><\/p>\n<p>Es werden verschiedene Beispiele herangezogen, etwa die Situation in Nord- und S\u00fcdkorea 1953, wo der Konflikt nach z\u00e4hen Verhandlungen eingefroren wurde. Diese historischen Beispiele passen aber nicht f\u00fcr die Ukraine. Jetzt ist entscheidend, \u00fcber die Architektur von Sicherheitsgarantien zu diskutieren. Aber wenn man das auf diese flache Art und Weise macht, indem man \u00fcber die Entsendung von Bodentruppen diskutiert, besch\u00e4ftigt man sich ohne Erfolg mit sich selbst. Am wichtigsten ist die Antwort auf die Frage: Wie kriegt man Putin zu einem Waffenstillstand.<\/p>\n<p><b>Wie kriegt man ihn dazu?<\/b><\/p>\n<p>Die M\u00f6glichkeiten sind lange bekannt. Aber es mangelt am Willen, das N\u00f6tige zu tun. Die Ukraine m\u00fcsste mit milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten ausgestattet werden, die so weit reichen, dass sie Russland milit\u00e4risch unter Druck setzen kann. Dass das geht, haben ukrainische Soldaten etwa bei Kiew, bei Cherson und bei Charkiw immer wieder gezeigt. Aber wenn die Europ\u00e4er tr\u00f6pfchenweise Dinge liefern, wenn Deutschland den Marschflugk\u00f6rper Taurus nicht liefert, wenn man vieles andere ausschlie\u00dft und nur wartet, dass sich das Ganze von allein festf\u00e4hrt, dann wird das nicht funktionieren. Der andere Weg, um Druck auf Putin aufzubauen, ist die finanzielle Perspektive.<\/p>\n<p><b>Die da w\u00e4re?<\/b><\/p>\n<p>Es gibt immer noch eingefrorenes russisches Verm\u00f6gen in Europa, das man nutzen k\u00f6nnte. Zudem bleiben die Europ\u00e4er unglaubw\u00fcrdig, wenn sie weiterhin \u00d6l, Gas, Uran und Brennstoffe aus Russland kaufen &#8211; und damit Putins Kriegskasse f\u00fcllen. Es wirkt abstrus, wenn die Europ\u00e4er dann Trump auffordern, er soll mit Sanktionen oder Sekund\u00e4rz\u00f6llen mehr Druck auf Moskau machen. <\/p>\n<p><b>Wenn es irgendwann Sicherheitsgarantien mit Beteiligung der Europ\u00e4er geben sollte &#8211; wo sollen dann wie viele europ\u00e4ische Soldaten eingesetzt werden?<\/b><\/p>\n<p>Niemand will gegen Russland in den Krieg ziehen in dieser Debatte um Sicherheitsgarantien. Die Diskussion um Bodentruppen f\u00fchrt in die Irre &#8211; wir besch\u00e4ftigen uns mit unseren Gef\u00fchlen, aber nicht mit der Frage: Wie l\u00f6sen wir das Problem der europ\u00e4ischen Sicherheit? Es geht bei einer m\u00f6glichen Milit\u00e4rpr\u00e4senz in der Ukraine innerhalb von Sicherheitsgarantien nicht darum, an einer Kontaktlinie zu patrouillieren oder, wie im Kalten Krieg, Auge in Auge mit den Russen an irgendeiner Front zu stehen. Die Ukrainer k\u00f6nnen ihre Frontlinie ehrlicherweise besser verteidigen als wir. Das sieht man jeden Tag.<\/p>\n<p>Mit Nico Lange sprach Lea Verstl<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Druck auf Putin muss steigen &#8222;Die Diskussion um Bodentruppen f\u00fchrt in die Irre&#8220; 20.08.2025, 18:52 Uhr Artikel anh\u00f6ren&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":359943,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,661,10566,106,548,663,13,14,15,16,4043,4044,850,307,12,317,3081,64,306,107],"class_list":{"0":"post-359942","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-angriff-auf-die-ukraine","11":"tag-deutsche-verteidigungspolitik","12":"tag-donald-trump","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-politik","19":"tag-russia","20":"tag-russian-federation","21":"tag-russische-foederation","22":"tag-russland","23":"tag-schlagzeilen","24":"tag-ukraine","25":"tag-ukraine-konflikt","26":"tag-usa","27":"tag-wladimir-putin","28":"tag-wolodymyr-selenskyj"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115062528119840247","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/359942","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=359942"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/359942\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/359943"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=359942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=359942"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=359942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}