{"id":360175,"date":"2025-08-20T20:45:27","date_gmt":"2025-08-20T20:45:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/360175\/"},"modified":"2025-08-20T20:45:27","modified_gmt":"2025-08-20T20:45:27","slug":"bevoelkerungsentwicklung-in-berlin-sag-mir-wo-die-kinder-sind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/360175\/","title":{"rendered":"Bev\u00f6lkerungsentwicklung in Berlin: Sag mir, wo die Kinder sind?"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">Berlin taz | Ewig lange Wartelisten, Anmeldung des Kindes am besten schon ein Jahr vor der Geburt: <a href=\"https:\/\/taz.de\/Mangel-an-Kitaplaetzen-in-Berlin\/!5903170\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die beschwerliche Suche nach einem Kitaplatz<\/a> ist l\u00e4ngst Teil der Berlin-Folklore. Doch das Klischee der verzweifelten Eltern, die das Land verklagen, geh\u00f6rt mittlerweile der Vergangenheit an. Denn seit einigen Jahren gehen die Geburtenraten zur\u00fcck und es gibt erstmals deutlich mehr Kitapl\u00e4tze als Kinder. Was f\u00fcr Eltern erfreulich ist, bereitet den Tr\u00e4gern Sorge. Dabei bietet der Kinderschwund die Chance, die Qualit\u00e4t der Betreuung nachhaltig zu verbessern.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">Auf den ersten Blick scheint die Entwicklung paradox. Berlins Bev\u00f6lkerung w\u00e4chst, aber die Zahl der Kinder nimmt ab. Woran liegt das? Zum einen ist da die Geburtenrate, die stetig sinkt. Im bundesweiten Vergleich ist sie in Berlin mit 1,2 Kindern pro Frau sogar am niedrigsten. Dass die Stadt trotzdem w\u00e4chst, liegt am starken Zuzug. Besonders junge Menschen zieht es in die Hauptstadt. Doch wenn sie \u00e4lter werden, verlassen sie Berlin wieder. \u201eViele junge Familien ziehen in den Speckg\u00fcrtel von Gro\u00dfst\u00e4dten\u201c, sagt Katharina Spie\u00df, Direktorin des Bundesinstituts f\u00fcr Bev\u00f6lkerungsforschung.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Entscheidend f\u00fcr die Bev\u00f6lkerungsbewegung ist auch die Verf\u00fcgbarkeit von g\u00fcnstigem Wohnraum. Und den gab es in der Vergangenheit vor allem im Speckg\u00fcrtel und den Ostbezirken au\u00dferhalb des S-Bahn-Rings. Genau diese Gebiete weisen heute auch den h\u00f6chsten Anteil an unter Sechsj\u00e4hrigen auf, w\u00e4hrend es in den Innenstadtbezirken immer weniger Kleinkinder gibt. Die <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ode-an-Prenzlauer-Berg\/!5802175\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">vielzitierten Prenzlauer-Berg-Eltern<\/a> bleiben also im Kiez, ihre Kinder werden \u00e4lter \u2013 aber eine neue Kohorte kommt nicht nach, da es so gut wie keine freien Wohnungen gibt.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Trotz teils erheblicher Unterschiede werde die Kinderzahl in allen Bezirken sinken, prognostiziert die Bev\u00f6lkerungsforscherin Spie\u00df: \u201eDie Entwicklung ist wenig \u00fcberraschend\u201c. Geburten, Sterbef\u00e4lle, Zu- und Wegz\u00fcge, all diese Faktoren lie\u00dfen sich in einem gewissen Rahmen gut vorhersagen, erkl\u00e4rt sie. Internationale Migrationsbewegungen, wie zuletzt infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine, sind es dagegen nicht, sie sorgen f\u00fcr statistische Ausrei\u00dfer.<\/p>\n<p class=\"typo-teaser-text mgt-xsmall\">\nWir w\u00fcrden Ihnen hier gerne einen externen Inhalt zeigen. Sie entscheiden,<br \/>\nob Sie dieses Element auch sehen wollen:\n<\/p>\n<\/p>\n<p>      Gut f\u00fcr Eltern<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"6\">Die Auswirkungen des demografischen Wandels machen sich zuerst am Kitasystem bemerkbar. Nach Jahren des Mangels gibt es auf einmal einen \u00dcberhang an Kitapl\u00e4tzen. Viele Einrichtungen haben Schwierigkeiten, gen\u00fcgend Anmeldungen f\u00fcr ihre Gruppen zu finden. Die Auslastungsquote der Berliner Kitas lag im vergangenen Jahr bei nur 88,5 Prozent \u2013 ein historisches Tief. Berlinweit gibt es derzeit 19.000 freie Kitapl\u00e4tze.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-9\" pos=\"7\">F\u00fcr Eltern ist die Entwicklung erfreulich. Lange Wartelisten sind, bis auf Ausnahmen in Bezirken wie Lichtenberg oder Spandau, weitestgehend pass\u00e9. Zum ersten Mal seit Jahren k\u00f6nnen Eltern den Kitaplatz f\u00fcr ihr Kind auch nach Lage und p\u00e4dagogischem Konzept w\u00e4hlen, und nicht nur nach Verf\u00fcgbarkeit.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-11\" pos=\"8\">Doch die f\u00fcr die Kitatr\u00e4ger ist die Situation teilweise dramatisch. Kitas werden in Berlin pro Kind finanziert, aber die Kosten f\u00fcr Miete, Nebenkosten und Personal bleiben gleich \u2013 und gro\u00dfe R\u00fccklagen hat kaum ein Tr\u00e4ger.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">\u201eInnerst\u00e4dtisch findet gerade eine massive Bereinigung statt\u201c, sagt Lars B\u00e9k\u00e9si, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Verbands der kleinen und mittelgro\u00dfen Kitatr\u00e4ger in Berlin, \u201eViele Einrichtungen m\u00fcssen schlie\u00dfen, einige Tr\u00e4ger gehen sogar insolvent\u201c. Jahrelang seien p\u00e4dagogische Fachkr\u00e4fte h\u00e4nderingend gesucht worden. Nun m\u00fcssten Tr\u00e4ger Personal entlassen, auch Auszubildende k\u00f6nne teilweise keine \u00dcbernahmegarantie mehr gew\u00e4hrleistet werden, berichtet B\u00e9k\u00e9si.<\/p>\n<p>      Fachkr\u00e4fte weiter knapp<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-15\" pos=\"11\">Doch sp\u00e4testens mit der Renteneintrittswelle der Baby-Boomer-Generation zum Ende des Jahrzehnts wird sich der Fachkr\u00e4ftemangel wieder drastisch versch\u00e4rfen. Daher ist es wichtig, trotz zur\u00fcckgehender Kinderzahlen Er\u00adzie\u00adhe\u00adr:in\u00adnen im Kitasystem zu halten. \u201eMan darf weder R\u00e4ume noch Personal abbauen\u201c, sagt Franziska Brychcy, bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Abgeordnetenhaus.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-16\" pos=\"12\">Diesen Fehler habe die Stadt in den 1990er Jahren gemacht. Als die Bev\u00f6lkerungszahl dann wieder wuchs, mussten Kitapl\u00e4tze erst m\u00fchsam wieder aufgebaut werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-17\" pos=\"13\">Eine naheliegende L\u00f6sung, ist, den Betreuungsschl\u00fcssel zu verbessern. Mit der Novelle des Kita-F\u00f6rdergesetzes sollen ab n\u00e4chstem Jahr im Bereich der unter Dreij\u00e4hrigen eine Erzieherin vier statt f\u00fcnf Kinder betreuen. Mit dem Schritt verbleiben laut Angaben des Senats 180 von 270 Millionen Euro, die aufgrund der zur\u00fcckgehenden Kinderzahlen freiwerden, im Kitasystem.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-18\" pos=\"14\">Geht es nach den freien Tr\u00e4gern und der Linken, sollen auch die restlichen 90 Millionen zur\u00fcckflie\u00dfen. Sie sollen f\u00fcr eine weitere Verbesserung der Betreuungsqualit\u00e4t verwendet werden, gerade auch bei den \u00fcber Dreij\u00e4hrigen. \u201eDie Zahl der Kinder mit Problemen geht durch die Decke\u201c, sagt Tr\u00e4ger-Vertreter Lars B\u00e9k\u00e9si. Der Anteil an Kindern mit Integrationsstatus hat in den letzten Jahren stark zugenommen.<\/p>\n<p>      Kitas vor dem Kollaps<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-20\" pos=\"16\">Auch die Gewerkschaften fordern seit Jahren eine deutliche Verbesserung des Betreuungsschl\u00fcssels, um die katastrophalen Arbeitsbedingungen in dem Bereich zu verbessern. Bundesweit weisen Berliner Er\u00adzie\u00adhe\u00adr:in\u00adnen laut einer <a href=\"https:\/\/www.bertelsmann-stiftung.de\/en\/themen\/aktuelle-meldungen\/2024\/august\/dramatisch-hohe-krankheitsausfaelle-beim-kita-personal-erfordern-antwort-der-politik\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Studie der Bertelsmann-Stiftung<\/a> aus dem Jahr 2024 mit 36 Krankheitstagen die h\u00f6chsten Ausfallraten auf.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-21\" pos=\"17\">Der Durchschnitt in anderen Branchen betr\u00e4gt rund 20 Tage. Die hohen Krankenst\u00e4nde sorgen daf\u00fcr, dass die selbst auf dem Papier ungen\u00fcgenden Betreuungsschl\u00fcssel st\u00e4ndig unterschritten werden, kritisiert die Gewerkschaft Verdi.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-22\" pos=\"18\">Eine fachgerechte Kindbetreuung sei unter diesen Umst\u00e4nden kaum noch m\u00f6glich. Eine im Juli ver\u00f6ffentlichte <a href=\"https:\/\/taz.de\/Ueberlastete-Erzieherinnen\/!6102050\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Umfrage unter Kita-Besch\u00e4ftigten<\/a> ergab, dass 98 Prozent aller Befragten das Gef\u00fchl haben, nicht den eigenen Anspr\u00fcchen bei der Betreuung gerecht zu werden. Verdi spricht daher von einem \u201eKita-Kollaps\u201c.<\/p>\n<p>      Eine Frage des Geldes<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-24\" pos=\"20\">Die in der Streikbewegung im vergangenen Jahr vorgetragene Forderung der Gewerkschaft watschte der Senat auch mit dem Argument ab, dass gar nicht gen\u00fcgend Fachkr\u00e4fte vorhanden seien, um den Betreuungsschl\u00fcssel merklich zu verbessern. \u201eInzwischen haben wir eine ganz an der Situation. Die Fachkr\u00e4fte sind da\u201c, widersprach Verdi-Expertin Ele Alsago bei der Vorstellung der Umfrage im Juli.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-25\" pos=\"21\">Doch am Ende bleibt es eine Frage des Geldes, ob Berlin die Chance nutzt, die Betreuungsqualit\u00e4t im Kitasystem nachhaltig zu verbessern \u2013 wie immer in dieser Stadt. Als \u201ebemerkenswerte Ma\u00dfnahme\u201c bezeichnete etwa eine Sprecherin der Bildungsverwaltung die erk\u00e4mpfte Verbesserung des Betreuungsschl\u00fcssels im U3-Bereich: \u201egerade unter den Bedingungen der notwendigen und bereits bekannten berlinweiten Einsparma\u00dfnahmen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin taz | Ewig lange Wartelisten, Anmeldung des Kindes am besten schon ein Jahr vor der Geburt: Die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":360176,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30],"class_list":{"0":"post-360175","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115063051096917244","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=360175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/360175\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/360176"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=360175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=360175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=360175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}