{"id":36061,"date":"2025-04-16T08:19:19","date_gmt":"2025-04-16T08:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/36061\/"},"modified":"2025-04-16T08:19:19","modified_gmt":"2025-04-16T08:19:19","slug":"zur-ankurbelung-des-binnenkonsums-will-china-ueberstunden-vermeiden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/36061\/","title":{"rendered":"Zur Ankurbelung des Binnenkonsums will China \u00dcberstunden vermeiden"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 15.04.2025 10:30 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Arbeitszeiten um die zw\u00f6lf Stunden: In China bisher ganz normal. Wegen des Zollstreits mit den USA soll nun der Binnenmarkt gest\u00e4rkt werden. B\u00fcrger, die mehr Freizeit haben, geben mehr Geld aus, so der Plan. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Carolin Voigt, ARD Shanghai\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKurz vor 21 Uhr in Shanghais High-Tech-Viertel Pudong. Seit einigen Wochen gehen in der Forschungsabteilung des chinesischen Drohnenherstellers DJI punkt neun Uhr die Lichter aus. Die Besch\u00e4ftigten werden f\u00f6rmlich aus der Firma gekehrt und arbeiten nicht bis 22 oder 23 Uhr weiter.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHintergrund ist die Aufforderung der Staats- und Parteif\u00fchrung Chinas Besch\u00e4ftigten ihre wohlverdienten Ruhezeiten zukommen zu lassen. Das soll dazu f\u00fchren, dass die Menschen mehr Geld ausgeben. Eine Anfrage der ARD an DJI blieb unbeantwortet.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer 27-j\u00e4hrige Xiao Hua ist bei DJI angestellt und findet die neue Regelung gut. Fr\u00fcher habe seine Familie schon geschlafen, wenn er nach Hause kam. Jetzt k\u00f6nne er noch mit seinen Kindern spielen. Er meint, es k\u00f6nne schon sein, dass er k\u00fcnftig etwas mehr Geld ausgebe, denn er sei jetzt besser drauf durch mehr Familienzeit.<\/p>\n<p>    Lieber ausruhen als shoppen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin anderer Angestellter will anonym bleiben. Er sagt, er m\u00fcsse nun nicht mehr direkt ins Bett, wenn er nach Hause komme. Mehr shoppen durch mehr Freizeit? Das glaubt er nicht. Es sei ja schlie\u00dflich noch immer sp\u00e4t abends und er ruhe sich lieber aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEine 28-J\u00e4hrige, die ihren Namen ebenfalls lieber nicht preisgeben m\u00f6chte, sagt sie schaue mehr fern oder sei auf der Social Media Plattform Xiaohongshu. Vielleicht, so schr\u00e4nkt sie ein, sollte sie die Zeit aber auch mit Sinnvollerem f\u00fcllen. Ein weiterer Mitarbeiter erkl\u00e4rt, jetzt mehr Sport zu machen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin paar Stimmen, die nicht repr\u00e4sentativ sind, aber doch deutlich machen: Nur weil sich die Arbeitszeit pro Tag um ein bis zwei Stunden verringert, erh\u00f6ht sich nicht zwangsl\u00e4ufig der Konsum.<\/p>\n<p>    Aktionsplan zur Anregung der Binnennachfrage<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas ist aber die Hoffnung der kommunistischen Staats- und Parteif\u00fchrung. Die hat im M\u00e4rz einen sogenannten Aktionsplan vorgelegt, um die Binnennachfrage anzuregen. Ein Punkt, der vor dem Hintergrund des Zoll- und Handelsstreits mit den USA noch wichtiger geworden ist. Denn was nicht in den Export geht, soll auf dem Heimatmarkt abgesetzt werden. Im Aktionsplan steht, wozu man die Unternehmen anh\u00e4lt:<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    Gew\u00e4hrleistung der Rechte und Interessen der Arbeitnehmer auf Erholung und Urlaub gem\u00e4\u00df den gesetzlichen Bestimmungen und Vermeidung unzul\u00e4ssiger Arbeitszeitverl\u00e4ngerungen.&#8220;<\/p>\n<p>Aktionsplan Staats- und Parteif\u00fchrung China<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        N\u00e4herinnen in einer Fabrik f\u00fcr M\u00fctzen in Suqian, China. Die Regierung hofft mittels k\u00fcrzerer Arbeitszeiten die Binnennachfrage anzukurbeln.\n                    <\/p>\n<p>    Gesetze sehen Acht-Stunden-Tage vor<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEigentlich verr\u00fcckt, bedenkt man, dass Chinas Arbeitsgesetz einen Acht-Stunden-Tag bzw. durchschnittlich 44 Arbeitsstunden pro Woche festlegt. Wieso halten sich viele nicht dran? Zum einen, weil es nicht geahndet wird. Kulturell gibt es daf\u00fcr verschiedene Gr\u00fcnde, erkl\u00e4rt Katja Drinhausen, Expertin f\u00fcr Chinas Innenpolitik beim Think-Tank Merics in Berlin. Vor allem bei Start-ups und jungen Unternehmen sei es eine Frage des Stolzes, sich einzubringen und hart zu arbeiten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZum anderen sei es gerade im produzierenden Gewerbe so, dass Arbeitsmigranten auf \u00dcberstunden angewiesen waren oder sie machen wollten und wollen. Je l\u00e4nger man arbeitet, desto h\u00f6her am Ende der Verdienst. Da sei das Arbeitsrecht in der Vergangenheit stark unterminiert worden von den Unternehmen, aber zum Teil auch von den Mitarbeitern selbst.<\/p>\n<p>    Mentalit\u00e4t sich einzubringen hat Tradition<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Mentalit\u00e4t, sich einzubringen und das Land aufzubauen, habe Tradition sagt Drinhausen, und werde auch von Staats- und Parteichef Xi Jinping bedient. Sie k\u00f6nnte jetzt, wo Chinas Wirtschaft durch den Handelskrieg mit den USA noch mehr unter Druck ger\u00e4t, wieder verst\u00e4rkt zum Tragen kommen.<\/p>\n<blockquote class=\"zitat\">\n<p>                    So gro\u00df, wie die angek\u00fcndigten Z\u00f6lle ausfallen werden, so gro\u00df wie jetzt schon die Verwerfungen an den M\u00e4rkten und im Unternehmensbereich sind, ist es eigentlich zu erwarten, dass sich das auch auf Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in China auswirken wird.&#8220;<\/p>\n<p>Katja Drinhausen, Mercator Institute for China Studies<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nF\u00fcr Katja Drinhausen stellt sich vor allem die Frage, wie konsequent die neuen Regeln umgesetzt werden. Zum einen bleibe abzuwarten, ob es wirklich einen nachhaltigen Kulturwandel geben werde, so die China-Expertin. Au\u00dferdem bedeute es nicht, dass Arbeitnehmer, die etwas mehr Freizeit haben, ihr Geld sofort in Konsum, Kino oder Neuanschaffungen investierten<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die Chinesinnen und Chinesen verfolgten die Weltlage und hielten ihr Geld jetzt zusammen, so Drinhausen. Das machen sie ohnehin schon, da das soziale Netz viel weniger umfangreich ist als in Deutschland. Wer nicht spart f\u00fcr Krankheit oder Arbeitslosigkeit, steht im schlimmsten Fall ohne Geld da.<\/p>\n<p>    Zahlreiche Firmen halten sich an neue Vorgaben<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDJI ist nicht die einzige Firma in China, die zumindest den Anschein erweckt, sich an die Vorgabe der Partei zu halten. Bereits im Januar hatte der Haushaltsger\u00e4te-Hersteller Midea verf\u00fcgt: Keine Besprechungen nach Feierabend und keine \u00dcberstunden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Industriekonzern Haier verbot es seinen Mitarbeitenden einer Mitteilung vom Februar zufolge, samstags und sonntags in die Firma zu kommen. \u00dcberstunden m\u00fcssten eine Woche im Voraus genehmigt werden.<\/p>\n<p>    Wer keine Lust mehr hat, macht zehn Tage frei<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSchlagzeilen gemacht hat in China zuletzt die Mall- und Lebensmittel-Kette Pangdonglai. Deren Gr\u00fcnder Yu Donglai f\u00fchrte eine Spezialregelung ein: wer die Nase voll hat vom Job, kann in seiner Firma bis zu zehn Tage frei machen, ohne das besonders begr\u00fcnden zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch die Unternehmenskultur bei Pangdonglai sticht hervor: Sieben-Stunden-Tage, 30-40 Tage Urlaub im Jahr und keine Wochenendarbeit. Konditionen, von denen die meisten Chinesinnen und Chinesen noch immer nur tr\u00e4umen k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 15.04.2025 10:30 Uhr Arbeitszeiten um die zw\u00f6lf Stunden: In China bisher ganz normal. Wegen des Zollstreits mit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":36062,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1141,227,13,8230,14,15,12,10,8,9,11,103,104,211],"class_list":{"0":"post-36061","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-welt","8":"tag-arbeitszeit","9":"tag-china","10":"tag-headlines","11":"tag-konsum","12":"tag-nachrichten","13":"tag-news","14":"tag-schlagzeilen","15":"tag-top-news","16":"tag-top-meldungen","17":"tag-topmeldungen","18":"tag-topnews","19":"tag-welt","20":"tag-world","21":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114346666465703614","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36061","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=36061"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/36061\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/36062"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=36061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=36061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=36061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}