{"id":361254,"date":"2025-08-21T06:52:18","date_gmt":"2025-08-21T06:52:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361254\/"},"modified":"2025-08-21T06:52:18","modified_gmt":"2025-08-21T06:52:18","slug":"ukraine-gipfel-in-washington-die-dritte-demuetigung-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361254\/","title":{"rendered":"Ukraine-Gipfel in Washington: Die dritte Dem\u00fctigung f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Innerhalb weniger Wochen hat Donald Trump gleich dreimal f\u00fchrende Vertreter <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-id=\"39e7f7fa764abfffb19d8f1651d69023170e7664\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/europa\" title=\"Europa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europas<\/a> vor den Augen der Welt\u00f6ffentlichkeit gedem\u00fctigt: zuerst auf dem NATO-Gipfel Ende Juni in Den Haag, dann w\u00e4hrend der Handelsgespr\u00e4che mit der Europ\u00e4ischen Union Ende Juli in Schottland und nun in den Gespr\u00e4chen \u00fcber die Ukraine in Washington. Wie versch\u00fcchterte Sch\u00fcler, die in fr\u00fcheren Zeiten Angst vor Stockschl\u00e4gen eines cholerischen Direktors hatten, sa\u00dfen die Europ\u00e4er im Oval Office vor dem Schreibtisch Trumps. \u00dcber europ\u00e4ische Souver\u00e4nit\u00e4t oder ein Europa als selbstbewusster Machtblock in einer multipolaren Welt braucht auf absehbare Zeit niemand reden, der sich nicht \u00adl\u00e4cherlich machen will.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Manche Kritiker klagen, Europa mache sich im Konzert der Gro\u00dfen unn\u00f6tig klein; schlie\u00dflich sei Europa doch eine erstrangige Wirtschafts- und Handelsmacht, die ihr Gewicht selbstbewusst in Verhandlungen einbringen solle. Wer so argumentiert, untersch\u00e4tzt die Abh\u00e4ngigkeit des Gewichts wirtschaftlicher Macht von der jeweiligen geopolitischen Ordnung. Wirtschaftliche Macht wirkt vor allem in einer Welt ohne geopolitische Spannungen, in der ein wohlmeinender Hegemon aus eigenem Interesse eine friedliche Welt sichert. Dem amerikanischen Wirtschafts\u00adhistoriker Charles Kindleberger folgend, st\u00fctzt sich eine leistungsf\u00e4hige Weltwirtschaft auf die Existenz eines Hegemonen. Nach dieser Interpretation beruhte die Globalisierung des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts auf einer Pax Britannica und die Globalisierung des sp\u00e4ten 20. und fr\u00fchen 21. Jahrhunderts auf einer Pax Americana.<\/p>\n<p>Europ\u00e4er verlie\u00dfen sich auf \u201eSoft Power\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In der Pax Americana der vergangenen Jahrzehnte konnten sich die Europ\u00e4er auf der Grundlage ihrer wirtschaftlichen Macht auf Mittel beschr\u00e4nken, die der amerikanische Politikwissenschaftler Joseph Nye unter dem Begriff \u201eSoft Power\u201c zusammengefasst hat: Diplomatie, Kooperation, materielle Anreize und Demokratief\u00f6rderung. Viele Jahre zogen gerade deutsche Politiker mit Floskeln wie \u201eWandel durch Handel\u201c oder \u201eWer redet, schie\u00dft nicht\u201c gl\u00fcckselig-moralisierend \u00fcber den Planeten, w\u00e4hrend die Europ\u00e4ische Union in Handelsabkommen Partnern Klimapolitik und Sozialstandards vorschreiben wollte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die \u00e4u\u00dfere Sicherheit schoben die Europ\u00e4er als Relikt einer fernen Vergangenheit auf die Amerikaner ab, \u00fcber die man ansonsten gerne schimpfte. Amerika hatte zwar schon zu Zeiten des in Europa verkl\u00e4rten Barack Obama gewarnt, dass dies so nicht weitergehen k\u00f6nne. Als Antwort setzten die Europ\u00e4er ihre Ohrensch\u00fctzer auf und machten weiter wie zuvor.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"DSGVO Platzhalter\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/gdpr-layer.webp.webp\" loading=\"lazy\" class=\"absolute w-full\"\/> Externe Inhalte aktivieren <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Phasen hegemonialer Stabilit\u00e4t sind in der Geschichte der vergangenen Jahrhunderte die Ausnahme gewesen. Die Regel waren Rivalit\u00e4ten zwischen gro\u00dfen M\u00e4chten in Abwesenheit eines Frieden garantierenden Hegemonen. In einer solchen Welt reicht \u201eSoft Power\u201c nicht aus; stattdessen geht es nicht ohne traditionelle \u201eHard Power\u201c, zu der vor allem \u00admilit\u00e4rische Macht z\u00e4hlt. Aggressive Autokratien messen das Gewicht ihrer Kontrahenten nicht an weisen Worten von deren Vertretern, sondern an der Zahl von Bomben und Granaten in den Milit\u00e4rarsenalen. Wirtschaftliche Macht allein ist in einer Welt rivalisierender gro\u00dfer M\u00e4chte unzureichend, da sie ein Defizit in der F\u00e4higkeit zur milit\u00e4rischen Verteidigung nicht ersetzen kann. Diese bittere, aber im Grunde sehr alte Erkenntnis bleibt der wichtigste Grund, warum Europa den Dem\u00fctigungen Trumps jetzt und auf absehbare Zeit hilflos ausgesetzt bleibt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Jahrzehntelange Vers\u00e4umnisse als Folge geopolitischer Ignoranz lassen sich nicht in kurzer Zeit ungeschehen machen. Europa bleibt auf lange Zeit von den <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/usa\" title=\"USA\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vereinigten Staaten<\/a> abh\u00e4ngig, die ihrerseits aus geopolitischen Gr\u00fcnden kein Interesse daran haben k\u00f6nnen, Europa im Regen stehen zu lassen. F\u00fcr diese Unterst\u00fctzung wird Europa noch viele Jahre zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Da helfen weder gro\u00dfe Worte noch ewiges Lamentieren, sondern nur harte Arbeit und Entschlossenheit. Den europ\u00e4ischen Bekundungen zu einem neuen Verteidigungswillen m\u00fcssen \u00fcberzeugende, von einem langen Atem begleitete Taten folgen. Zur Finanzierung dieser Anstrengungen wie zur Abwehr eines politischen Extremismus bedarf Europa, dessen wirtschaftliches Fundament seit Langem erodiert, neuen Schub. Eine Vollendung des Binnenmarkts und eine tatkr\u00e4ftige Deregulierung und Entb\u00fcrokratisierung, vor allem aber der Mut, die Chancen moderner Technologie zu ergreifen, geh\u00f6ren ins europ\u00e4ische Pflichtenheft. Europa muss sich den Respekt der Welt erst wieder erarbeiten, wenn es k\u00fcnftig ernst genommen werden will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Innerhalb weniger Wochen hat Donald Trump gleich dreimal f\u00fchrende Vertreter Europas vor den Augen der Welt\u00f6ffentlichkeit gedem\u00fctigt: zuerst&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":361255,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-361254","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115065437949445674","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/361254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=361254"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/361254\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/361255"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=361254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=361254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=361254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}