{"id":361277,"date":"2025-08-21T07:05:33","date_gmt":"2025-08-21T07:05:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361277\/"},"modified":"2025-08-21T07:05:33","modified_gmt":"2025-08-21T07:05:33","slug":"ein-neuer-lyrik-band-von-axel-goerlach-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361277\/","title":{"rendered":"Ein neuer Lyrik-Band von Axel G\u00f6rlach &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Axel G\u00f6rlachs neue Gedichte \u2013 immer ohne Titel, immer klein geschrieben \u2013 sind eingebettet in Naturerlebnisse. Wasser spielt darin f\u00fcr ihn eine zentrale Rolle. Vordergr\u00fcndig zum Schwimmen und Surfen. Vor allem aber, um als genauer Beobachter der Umgebung mit dem nassen Element zu verschmelzen. Im ersten Gedicht spricht er von schwimmenden Augen, die \u201efriedlich algengefunkel abweiden\u201c, im vorletzten tastet die \u201eschuppenlichthaut\u201c so lange eine Steilk\u00fcste ab, bis die Sonne am Horizont verschwindet. Das typographisch sehr ansprechend gesetzte B\u00e4ndchen endet mit den Worten: \u201evertraue sand\/f\u00fcrchte nicht mich.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Die Natur, das Wasser, schlie\u00dflich die Mutmacherzeile am Schluss von G\u00f6rlachs mittlerweile viertem Lyrikband mit dem h\u00fcbsch geheimnisvollen Titel \u201ehalsermohnz\u201c geben der Person, die hier in rund zwei Dutzend Gedichten ihren Alltag bestreitet und sich dabei von Medien umstellt und von staatlichen Vorgaben geg\u00e4ngelt sieht, Halt. Der ist dringend geboten, denn das vorherrschende Gef\u00fchl in ihrem Leben ist Angst: Vor dem Chef, der Armut, dem Krebs. Und dem \u201evaterurteil\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Das Wort ist eine Anspielung auf Kafkas Novelle \u201eDas Urteil\u201c, die mit dem Sturz der Hauptfigur Georg Bendemann in den Fluss endet. Das lyrische Ich, dem man bei G\u00f6rlach begegnet, f\u00e4llt zwar nicht ins Wasser, aber aufs Trottoir. M\u00f6glicherweise niedergestreckt von Schwindel oder einer Panikattacke: \u201emich dreht was, welle jagt heran, steht \u2013 steht\/bricht zehn meter \u00fcber mir.\u201c In einem vorangegangen Gedicht sa\u00df man bereits mit ihm im Wartezimmer eines Arztes, sp\u00e4ter werden dann \u201epfleger\u201c erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Axel G\u00f6rlach, 1966 in Kaufbeuren geboren, lebt heute als Fotograf und Lyriker in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/N%C3%BCrnberg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">N\u00fcrnberg<\/a>. Zuvor studierte er P\u00e4dagogik, Literaturwissenschaft und Philosophie, sp\u00e4ter noch Deutsch als Zweitsprache. Die Interessengebiete flie\u00dfen in seine schon mehrfach preisgekr\u00f6nten Gedichte ein, die nicht selten auch die Gegenwart durchleuchten, Gesellschaftskritik \u00fcben. Zum Beispiel wenn die Rede davon ist, dass \u201ebildungsministeriales grinsen von greisen\u201c \u00fcber Wohl und Wehe des Nachwuchses entscheidet, der in \u201eklassenzellen\u201c zu \u201eempf\u00e4ngern\u201c geformt wird. Weniger plakativ die Auseinandersetzung mit rechtem Gedankengut. Mit dem Sprachspiel \u201epommes rotwei\u00df statt schwarze flagge wei\u00dfrot\u201c gibt er es kurz und b\u00fcndig der L\u00e4cherlichkeit preis. Nichts f\u00fcrchten die Rechten schlie\u00dflich mehr als Humor!<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Im Mittelpunkt von \u201ehalserzmohnz\u201c steht aber das schwer angez\u00e4hlte Ich auf der Suche nach sich selbst. Die gestaltet sich im \u00a0Zeitalter von Digitalisierung und Deepfakes immer schwieriger: \u201ewinke einem leben, hey bist meins du?\u201c H\u00f6chstens gelingt eine Ann\u00e4herung, die aber auch nur stammelnd, wie man an G\u00f6rlachs Sprache sieht. Aufm\u00fcpfig verzichtet er auf Artikel, scheut den Kalauer nicht, und korrekten Satzbau hebelt er durch Wortumstellungen aus. So wird Sinn multipliziert oder geht gleich fl\u00f6ten: \u201ealles liegt am wort traue mich und ihm und nie.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Seinen philosophischen Hintergrund verschweigt G\u00f6rlach nicht. En passant nennt er Adorno, spielt mit dem Begriff vom \u201erasenden stillstand\u201c auf einen Essay des Franzosen Paul Virilio an und betrachtet eingehend eine Schwarzwei\u00df-Fotografie des starken Rauchers und Existenzialisten Camus. Dieser taucht mit seiner ber\u00fchmten Interpretation des Sisyphos-Mythos gegen Ende noch einmal auf. Danach m\u00fcssen wir uns den schlauen Sisyphos als gl\u00fccklichen Menschen vorstellen und damit allen Krisenbeschreibungen zum Trotz auch: Axel G\u00f6rlach.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\"><strong>Axel G\u00f6rlach, halsermohnz. Gedichte. Vogel &amp; Fitzpatrick Verlag GbR Black Ink, Scheuring 2025. 36 Seiten geheftet, 8 Euro.<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Axel G\u00f6rlachs neue Gedichte \u2013 immer ohne Titel, immer klein geschrieben \u2013 sind eingebettet in Naturerlebnisse. 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