{"id":361727,"date":"2025-08-21T11:30:13","date_gmt":"2025-08-21T11:30:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361727\/"},"modified":"2025-08-21T11:30:13","modified_gmt":"2025-08-21T11:30:13","slug":"mit-der-genschere-virale-atemwegserkrankungen-bekaempfen-wirtschaft-wissenschaft-2025-aktuelles-hannover-de-presse-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361727\/","title":{"rendered":"Mit der Genschere virale Atemwegserkrankungen bek\u00e4mpfen | Wirtschaft &#038; Wissenschaft 2025 | Aktuelles | Hannover.de | Presse &#038; Medien"},"content":{"rendered":"<p class=\"emark\">Weltweit erkranken jedes Jahr mehr als 17 Milliarden Menschen an Atemwegserkrankungen, die durch Viren verursacht werden. Etwa 2,4 Millionen Infizierte sterben daran. Weil Viren rasch mutieren und in ihrer ver\u00e4nderten Form f\u00fcr die Immunabwehr nicht mehr erkennbar sind, ist es schwierig, die \u00dcbertragung der Krankheitserreger zu kontrollieren oder gar zu verhindern. Zudem stellen neu auftretende Viren eine enorme Herausforderung f\u00fcr das Immunsystem dar. Die Behandlungsm\u00f6glichkeiten sind begrenzt und auch der Einsatz bereits gegen andere Viren zugelassener Medikamente zeigt oft nur eine geringe Wirkung. Ein Forschungsteam um Dr. Dr. Simon Krooss, Arzt und Naturwissenschaftler an der Klinik f\u00fcr Gastroenterologie, Hepatologie, Infektiologie und Endokrinologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) verfolgt einen ganz anderen Ansatz. Die Forschenden wollen die Viren im K\u00f6rper nicht einfach nur aufhalten, sondern komplett zerst\u00f6ren. Das geschieht mit Hilfe der sogenannten CRISPR-Cas13-Technologie. Die spezielle Genschere soll nur die virale RNA-Erbinformation zerschneiden. Die menschliche mRNA, die als Bauanleitung f\u00fcr verschiedene Proteine die Information unserer Gene umsetzt, bleibt unversehrt. Das Forschungsvorhaben erfolgt in Kooperation mit dem Fraunhofer-Institut f\u00fcr Toxikologie und Experimentelle Medizin ITEM und wird von der VolkswagenStiftung \u00fcber zwei Jahre mit rund einer Million Euro gef\u00f6rdert.<\/p>\n<p>RNA-Genschere erfolgreich am Coronavirus getestet<\/p>\n<p class=\"emark\">Dass dieser Ansatz Erfolg verspricht, hat das Forschungsteam im Rahmen des Projektes \u201eInnovative Ans\u00e4tze zur Entwicklung antiviraler Medikamente\u201c bereits im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 erfolgreich in Zellkultur nachgewiesen. \u201eDie Genschere funktioniert sehr gut und konnte in unseren Untersuchungen bis zu 90 Prozent des viralen Erbguts zerschneiden\u201c, sagt Dr. Dr. Krooss. Im Anschlussprojekt widmen sich die Forschenden nun dem humanen Parainfluenzavirus 3 (HPIV3). Dieses Virus verursacht grippe\u00e4hnliche Symptome und kann bei S\u00e4uglingen und immungeschw\u00e4chten Menschen zu einer schweren Sch\u00e4digung der Lunge f\u00fchren. Bislang gibt es weder eine Behandlung noch einen Impfstoff. Ziel ist es, per Inhalation die Genschere direkt in die Atemwege zu verabreichen und dort die Virusausbreitung zu stoppen.<\/p>\n<p>Biologisches Navigationssystem leitet Cas13<\/p>\n<p>\u201eWir nutzen das CRISPR-Cas13-System, um gezielt Regionen der viralen RNA anzugreifen, die \u00fcber verschiedene Virusvarianten hinweg konserviert sind, sich also nicht oder nur wenig ver\u00e4ndern und so die Immunabwehr auch nicht austricksen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt der Wissenschaftler. Herzst\u00fcck des Ganzen ist Cas13, ein Protein, das normalerweise Bakterien nutzen, um sich gegen den Angriff bestimmter Viren zu wehren. Hier soll das Enzym nun gegen HPIV3 eingesetzt werden. Damit die Cas13 auch wirklich an der gew\u00fcnschten Stelle schneidet, suchen die Forschenden zun\u00e4chst nach geeigneten CRISPR-Guide-RNAs (crRNAs) gegen HPIV3. Diese leiten das Enzym wie ein biologisches Navigationssystem zu der Stelle, an der es den Virus-RNA-Strang zerst\u00f6ren soll.<\/p>\n<p>Lipid-Bl\u00e4schen als neues Transportmittel\u00a0<\/p>\n<p>Um die Genschere \u00fcberhaupt in die infizierten Zellen zu bringen, wurden zun\u00e4chst sogenannte virale Vektoren genutzt, auch als Genf\u00e4hre oder Gentaxi bekannt. Mittlerweile setzen die Forschenden allerdings auf eine andere Verpackung: Lipid-Nanopartikel. Das sind winzige, rundliche Fettstoff-Bl\u00e4schen, die f\u00fcr eine Reihe medizinischer Anwendungen als Transportmittel genutzt werden, etwa f\u00fcr therapeutische Impfstoffe. Gemeinsam mit Unterst\u00fctzung aus der Industrie wird nach Mischungen gesucht, die einer Verneblung und den damit verbundenen Scherkr\u00e4ften standhalten, um somit den Bauplan f\u00fcr die Genschere tief in die betroffenen Lungenareale zu bringen. In Zellkultur und im Tiermodell wollen die Forschenden die antivirale Aktivit\u00e4t und Sicherheit des Lipid-Nanopartikel-Systems \u00fcberpr\u00fcfen, um daraus ein brauchbares Arzneimittel f\u00fcr die klinische Umsetzung zu entwickeln. Auch m\u00fcssen sie noch untersuchen, wie lange die Genschere in den Atemwegen \u00fcberdauert und die Virusvermehrung eind\u00e4mmen kann.\u00a0<\/p>\n<p>Spray oder Inhalierger\u00e4t als Ziel<\/p>\n<p class=\"emark\">Am Ende soll dann ein Medikament stehen, das \u00fcber ein Spray oder Inhalierger\u00e4t schnell und gezielt in die betroffenen Atemwege gelangt und dort die Virusinfektion stoppt. Weil das System wie ein Baukasten funktioniert und sich die crRNA beliebig neu anpassen und austauschen l\u00e4sst, kann die Genschere auch gegen andere virale Krankheitserreger eingesetzt werden. \u201eIn unseren Experimenten lie\u00df sich zudem die Replikation anderer hochgef\u00e4hrlicher Viren, darunter das Nipah-Virus und das Masernvirus, sehr gut eind\u00e4mmen\u201c, berichtet der Arzt und Wissenschaftler. \u201eCRISPR-Cas13 ist ein hervorragendes Werkzeug, um die Vermehrung verschiedener RNA-Viren zu hemmen, die beim Menschen schwere Infektionen verursachen.\u201c<\/p>\n<p>Videos        <\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" class=\"fullwidth\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/MHH-Stele.jpg\" alt=\"Eine S\u00e4ule mit den Buchstaben &quot;MHH&quot;, im Hintergrund Geb\u00e4ude.\" data-copyright-text=\"\u00a9 Karin Kaiser\/MHH\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                            \u00a9                                 Karin Kaiser\/MHH<\/p>\n<p>                                    Medizinische \u00adHochschule \u00adauf wissen.hannover.de<\/p>\n<p>\n                                                                Videos der Medizinische \u00adHochschule \u00adHannover auf der Mediathek der Initiative Wissenschaft Hannover.<\/p>\n<p>                                    <a href=\"https:\/\/wissen.hannover.de\/Einrichtungen\/Medizinische-%C2%ADHochschule-%C2%ADHannover\" class=\"content__read-more\" aria-label=\"Medizinische \u00adHochschule \u00adauf wissen.hannover.de\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        lesen<br \/>\n                    <\/a><\/p>\n<p class=\"PITextbaustein\">(Ver\u00f6ffentlicht am 21. August\u00a02025)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Weltweit erkranken jedes Jahr mehr als 17 Milliarden Menschen an Atemwegserkrankungen, die durch Viren verursacht werden. 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