{"id":361743,"date":"2025-08-21T11:43:17","date_gmt":"2025-08-21T11:43:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361743\/"},"modified":"2025-08-21T11:43:17","modified_gmt":"2025-08-21T11:43:17","slug":"endet-die-waffenverbotszone-an-der-eisenbahnstrasse-wirklich-das-ost-passage-theater-baut-schon-mal-die-schilder-ab-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/361743\/","title":{"rendered":"Endet die Waffenverbotszone an der Eisenbahnstra\u00dfe wirklich? Das Ost-Passage-Theater baut schon mal die Schilder ab \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Es rumort im Ost-Passage Theater. Wie jedes Jahr im August. Die Vorbereitungen f\u00fcr die mittlerweile 8. Spielzeit laufen auf Hochtouren. Er\u00f6ffnet wurde die Nachbarschaftsb\u00fchne direkt zwischen Eisenbahnstra\u00dfe und Rabet 2018, im selben Jahr also, als auch die Waffenverbotszone rund um die Eisenbahnstra\u00dfe ausgerufen wurde. Damals noch unter Innenminister Roland W\u00f6ller, der damit den Wahlkampf der CDU um den S\u00e4chsischen Landtag f\u00fcr 2019 er\u00f6ffnete.<\/p>\n<p>Mir kam es damals so vor, als h\u00e4tte Herr Ulbig, dessen Idee die sogenannte Waffenverbotszone ja noch war, seinen Zirkel direkt an der Stelle des Ost-Passage Theaters eingestochen und einen Bannkreis um unsere neue Nachbarschaftsb\u00fchne gezogen. Als Vorstand in dem gemeinn\u00fctzigen Verein, der den jungen Kulturbetrieb tr\u00e4gt, blicke ich nachdenklich zur\u00fcck. Es f\u00fchlte sich damals wie Sabotage an. Wir wollten ja vor allem die Au\u00dfenwahrnehmung der Viertel verbessern, ihre Vielfalt und Kreativit\u00e4t sichtbar machen.<\/p>\n<p>Neben der zweifelhaften Wirksamkeit und Sinnhaftigkeit der \u201eWaffenverbotszone\u201c hatten die lokalen Akteure damals in einem Offenen Brief vor allem die pauschale Stigmatisierung der Stadtbev\u00f6lkerung in den Vierteln kritisiert. Aufzuhalten war die Einf\u00fchrung der Sonderzone jedoch nicht mehr.<\/p>\n<p>Eine peinliche Einweihung<\/p>\n<p>Am 5. November 2018 weihten OBM Jung, Polizeipr\u00e4sident Merbitz und Innenminister W\u00f6ller die neuen Verbotsschilder ein. Zwanzig Minuten Vor-Ort-Termin, H\u00e4ndesch\u00fctteln, Enth\u00fcllung eines Schildes, ein inszenierter Kurz-Spaziergang \u00fcber die Eisenbahnstra\u00dfe, gestellte Gespr\u00e4che mit Ans\u00e4ssigen: Medienwirksame Pressefotos und eine eigens daf\u00fcr eingerichtete Internetseite versuchten die mittelm\u00e4\u00dfige Propaganda abzurunden. Ein kleiner Akt mit gro\u00dfer Wirkung, also bester Theaterstoff, so dachten zumindest einige K\u00fcnstler\/-innen vom Ost-Passage Theater und machten sich direkt an die Aktion.<\/p>\n<p>\u201eDie Idee zum Reenactment der Szene hatten wir, nachdem wir die Presseaufnahmen der Einweihung sahen: Die offenbarten das Top-Down-Verst\u00e4ndnis der Politiker. Begleitet von Presseteams begaben sich die Herrschaften in die von ihnen als gef\u00e4hrlich deklarierte Zone, ohne mit den Menschen vor Ort, die von ihren Erlassen betroffen sind, in Kontakt zu kommen. Dem wollten wir als Bewohner\/-innen des Viertels unsere subversive Kunstaktion von unten aus der Mitte der Gesellschaft und ohne Ausschluss von \u00d6ffentlichkeit entgegensetzen\u201c, erinnert sich Daniel Maier.<\/p>\n<p>Gemeinsam hatten er, Lea Fandrey und der bildende K\u00fcnstler Felix Almes die Idee einer \u00f6ffentlichen Kunstinstallation und performativen Einweihung entwickelt und u.a. in Kooperation mit den Performer\/-innen Karolin S\u00fc\u00dfmann, Verena Zucker, Karl Gierth und Christopher Brandt in Szene gesetzt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Verbotenschilder-mit-Frontansicht_copyright-by-Felix-Almes.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-631872 size-full\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/Verbotenschilder-mit-Frontansicht_copyright-by-Felix-Almes.jpg\" alt=\"So sah das Kunstprojekt vorm Ost-Passage-Theater aus. Foto: Felix Almes\" width=\"2250\" height=\"1500\"  \/><\/a>So sah das Kunstprojekt vorm Ost-Passage Theater aus. Foto: Felix Almes<\/p>\n<p>\u201eDie Installation und Performance sollte den autorit\u00e4ren, diskriminierenden Charakter der Verbotszone blo\u00dfstellen. Immerhin bestand neben dem von staatlicher Stelle beabsichtigten medialen Imageschaden nun auch die M\u00f6glichkeit Passant\/-innen beliebig f\u00fcr einen \u201atragbaren Gegenstand, welcher ohne daf\u00fcr bestimmt zu sein die Abwehrf\u00e4higkeit von Menschen herabsetzen kann\u2018 mit einer Geldbu\u00dfe von bis zu 10.000,00 EUR zu belegen.<\/p>\n<p>So war beispielsweise selbst das Mitf\u00fchren eines schweren Buches verboten. Wir wollten dies alles zugespitzt in die \u00d6ffentlichkeit zur\u00fcckspiegeln, deswegen haben wir die Bildsprache der Schilder bis auf das Wesentlichste entleert und im Vorhof des Ost-Passage Theaters aufgestellt, die Internetseite der Verbotszone nachgestellt und unsere eigene Version des Er\u00f6ffnungsaktes medienwirksam in einem TV-Beitrag platziert\u201c, erkl\u00e4rt Felix Almes das k\u00fcnstlerische Konzept der drei \u00fcberhohen gelben Verboten-Schilder auf dem Vorhof des Ost-Passage Theaters, die man schon von weitem sehen kann.<\/p>\n<p>Eingeweiht wurde die Installation dann zum Ende der 1. Spielzeit, am 20. Juli 2019 vor gut 40 G\u00e4sten.<\/p>\n<p>Mahnmale einer gescheiterten Ordnungsma\u00dfnahme<\/p>\n<p>Heute, sieben Jahre sp\u00e4ter, stehen die Verbotsschilder rund um die Eisenbahnstra\u00dfe wie Mahnmale einer gescheiterten Ordnungsma\u00dfnahme, vandaliert und von den Beh\u00f6rden eingek\u00fcrzt auf das, was nach dem letzten Gerichtsentscheid noch blieb: Auch mit Waffenschein darf in der Sonderzone keine Waffe einsatzbereit mitgef\u00fchrt werden. Ok, aber wozu dann eine Sonderzone? Das k\u00f6nnte doch auch gleich f\u00fcr das gesamte Stadtgebiet gelten?<\/p>\n<p>Lassen wir das ganze Wunderwaffendenken und die missratene Sonderverbotszone hinter uns und konzentrieren wir uns auf Pr\u00e4vention und sozial wirksame Ma\u00dfnahmen.<\/p>\n<p>Ich sitze auch mit in der Lenkungsrunde, welche die Stadt Leipzig bei der Umsetzung eines erarbeiteten Ma\u00dfnahmenplanes durch die Koordinierungsstelle Pr\u00e4vention ber\u00e4t. Es gibt einen langen Katalog von Dingen, die verbessert werden m\u00fcssen. Vieles davon ist aber leider weder finanziell noch personell richtig untersetzt. Hier wird die Kommunalpolitik nochmal nachsch\u00e4rfen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Zu dem damals beschlossenen Paket geh\u00f6rte au\u00dferdem ein Aktionsfonds \u00fcber 100.000 Euro. Der muss jetzt endlich kommen, nach dem ganzen Haushalts-Hickack zu Lasten der vielen kleinen lokalen Mikro-Akteure.<\/p>\n<p>Zumindest f\u00fcr die neue Polizeiwache an der Ecke Hermann-Liebmann-Stra\u00dfe hat man keine Kosten und M\u00fchen gespart. Ihre Einrichtung war die zentrale Forderung aus Dresden gewesen, um die Waffenverbotszone endg\u00fcltig aufzuheben. Nach der Er\u00f6ffnung am 25. Juni hatte Innenminister Armin Schuster die Aufhebung der Sonderzone zum 21. August in Aussicht gestellt.<\/p>\n<p>An dieses Versprechen wollen die K\u00fcnstler\/-innen vom Ost-Passage Theater den Politiker nun erinnern, indem sie die Kunstschilder vorbildlich abbauen. Wir hatten immer gesagt, sp\u00e4testens mit der Abschaffung der Waffenverbotszone endet auch dieses Kunstprojekt. Lang genug gedauert hat es.<\/p>\n<p>Zur neuen Spielzeit d\u00fcrfen sich die G\u00e4ste des Ost-Passage Theaters wieder auf viele Highlights freuen, wie das Festival Politik im Theater und den Literarischen Herbst im Oktober, oder die Lange Nacht des Zirkus im November. Neben vielen tollen Theaterinszenierungen wird es auch wieder ausgew\u00e4hlte Konzerte, Angebote f\u00fcr Kinder und Jugendliche, spannenden Diskussionsabende und jeden Mittwoch Kino in Originalsprache geben.<\/p>\n<p><strong>Zum Autor:<\/strong> Daniel Schade, Jahrgang 1978, studierte Philosophie, Theaterwissenschaften und Soziologie in Leipzig. Seit 1996 arbeitet er als Assistent, Regisseur, Dramaturg und Autor. Im Team des Ost-Passage Theaters ist er f\u00fcr \u00d6ffentlichkeitsarbeit, Administration und k\u00fcnstlerische Prozesse zust\u00e4ndig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es rumort im Ost-Passage Theater. Wie jedes Jahr im August. Die Vorbereitungen f\u00fcr die mittlerweile 8. 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