{"id":362005,"date":"2025-08-21T14:02:12","date_gmt":"2025-08-21T14:02:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/362005\/"},"modified":"2025-08-21T14:02:12","modified_gmt":"2025-08-21T14:02:12","slug":"nachwuchsjurist-radelt-durch-grossbritannien-500-kilometer-zum-bar-exam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/362005\/","title":{"rendered":"Nachwuchsjurist radelt durch Gro\u00dfbritannien: 500 Kilometer zum Bar-Exam"},"content":{"rendered":"<p>Der Oxford- und Cambridge-Absolvent Harry Camp ist am 21. Juli zu einer knapp 500 Kilometer langen Radtour durch Gro\u00dfbritannien aufgebrochen. Begleitet wird die Tour von einer GoFundMe-Kampagne, mit welcher der angehende Anwalt 12.858 Pfund sammeln will. Das Geld ben\u00f6tigt er nach eigenen Angaben, um seine Lebenshaltungskosten w\u00e4hrend des einj\u00e4hrigen Bar-Kurses in London zu finanzieren.<\/p>\n<p>In England und Wales ist der Berufsstand der Rechtsanw\u00e4lte in zwei Hauptgruppen unterteilt: Barristers und Solicitors. Ein Solicitor befasst sich in erster Linie mit au\u00dfergerichtlichen Rechtsangelegenheiten, wie der Beratung und dem Formulieren von Dokumenten. Ein Barrister ist unterdessen auf die Vertretung von Mandantinnen und Mandanten vor Gericht und die Erstellung von Rechtsgutachten spezialisiert, h\u00e4ufig in komplexeren Angelegenheiten. Hierf\u00fcr ist ein Bar-Transfer-Test n\u00f6tig, um zugelassen zu werden. Dazu m\u00fcssen angehende Barrister zun\u00e4chst einen entsprechenden Kurs belegen.<\/p>\n<p>&#8222;Bar2Bar&#8220; \u2013 von Barsham nach Barmouth<\/p>\n<p>Die Route der &#8222;Bar2Bar&#8220;-Kampagne von Camp verl\u00e4uft von Barsham in Suffolk, dem \u00f6stlichsten Ort in England, bis nach Barmouth in Gwynedd, dem westlichsten Ort in Wales mit gleichem Namensbeginn. Damit ist die Route nicht nur geografisch ambitioniert, sondern auch symbolisch aufgeladen: Sie steht stellvertretend f\u00fcr Camps englisch-walisisches Erbe sowie f\u00fcr die beiden Rechtssysteme, in denen er sp\u00e4ter als Barrister praktizieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Die Wahl eines solchen Formats ist kein Zufall: &#8222;Diese Reise ist eine Hommage an die beiden Nationen, die unsere Gerichtsbarkeit bilden \u2013 und an mein eigenes englisch-walisisches Erbe&#8220;, schreibt Camp auf der <a href=\"https:\/\/www.gofundme.com\/f\/bar2bar-cycle-help-an-aspiring-barrister-achieve-his-dream\" data-sf-ec-immutable=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spendenplattform GoFundMe<\/a>. Die Route soll dabei auch die gesellschaftlichen H\u00fcrden symbolisieren, die ihm auf dem Weg zu seinem Traumjob begegnet sind.<\/p>\n<p>Soziale Herkunft: Arbeiterklasse statt Privilegien<\/p>\n<p>Camp ist der Erste seiner Familie mit Universit\u00e4tsabschluss. Seine Kindheit verbrachte er in drei unterschiedlichen Arbeitergemeinden. Seine Eltern stehen stellvertretend f\u00fcr eine Lebensrealit\u00e4t, die in der juristischen Welt noch immer unterrepr\u00e4sentiert ist: Sein Vater ist selbstst\u00e4ndiger Zimmermann, seine Mutter arbeitete bis vor Kurzem als Gemeindeschwester und Physiotherapie-Assistentin. &#8222;Mein Vater hat mir den Wert harter Arbeit und Durchhalteverm\u00f6gen vermittelt. Meine Mutter hat mir ihr tiefes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Hilfsbereitschaft und F\u00fcrsorge f\u00fcr andere vorgelebt&#8220;, schreibt Camp.<\/p>\n<p>Trotz finanzieller Herausforderungen erarbeitete sich Camp einen erstklassigen Bachelor-Abschluss an der Universit\u00e4t Cambridge sowie einen herausragenden Masterabschluss an der Universit\u00e4t Oxford \u2013 allerdings in englischer Literatur. Zur Finanzierung seines Studiums jobbte Camp stets nebenher. Auch w\u00e4hrend seiner einj\u00e4hrigen Vorbereitung auf das Anwaltsexamen will Camp weiterhin nebenher arbeiten.<\/p>\n<p>Mit seiner Radtour will er auch Mut machen: &#8222;Ich hoffe, anderen jungen Menschen mit \u00e4hnlichem Hintergrund zu zeigen, dass ihre Umst\u00e4nde, seien sie finanzieller oder anderer Art, sie nicht dabei einschr\u00e4nken, was sie im Leben erreichen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>Finanzierungsl\u00fccke trotz Stipendium<\/p>\n<p>Den Platz f\u00fcr den Bar-Kurs an der St George\u2019s University of London hat sich Camp bereits gesichert. Auch erh\u00e4lt er ein leistungsbezogenes Stipendium des Lincoln\u2019s Inn, einer der vier renommierten Rechtsanwaltskammern f\u00fcr Barrister in London, das seine Studiengeb\u00fchren und einen Teil der Mietkosten abdeckt. Das Problem: Der Finanzbedarf f\u00fcr ein ganzes Jahr Vollzeitstudium in London \u00fcbersteige das Stipendium, erkl\u00e4rt Camp. <\/p>\n<p>Zun\u00e4chst hatte er deswegen traditionellere Finanzierungsm\u00f6glichkeiten in Erw\u00e4gung gezogen. Doch f\u00fcr ein Bankdarlehen konnte er sich nicht qualifizieren. Und auch auf staatliche Hilfe kann der angehende Anwalt nicht setzen. Zwar gebe es grunds\u00e4tzlich die M\u00f6glichkeit, auch f\u00fcr einen Bar-Kurs einen staatlichen Postgraduierten-Kredit in Anspruch zu nehmen. Diesen habe er allerdings schon f\u00fcr sein Masterstudium in Oxford verbraucht. Ein erneuter Kredit sei nicht m\u00f6glich. <\/p>\n<p>Daher entschied sich Camp zu einer Crowdfunding-Initiative und koppelte diese mit der \u00f6ffentlichkeitswirksamen Fahrradtour. Die angepeilte Summe von exakt 12.858 Pfund entspricht dabei der Summe des staatlichen Postgraduierten-Kredits.<\/p>\n<p>Camp will zur\u00fcckgeben: 15.000 Pfund f\u00fcr \u201eBridging the Bar\u201c<\/p>\n<p>Mit seiner Kampagne will Camp auch auf die strukturellen H\u00fcrden im juristischen Berufsweg aufmerksam machen. Besonders Menschen aus nicht-akademischen und einkommensschwachen Haushalten bleiben in der juristischen Ausbildung weiterhin stark unterrepr\u00e4sentiert. Camp setzt sich deshalb nicht nur f\u00fcr sich selbst ein, sondern auch f\u00fcr andere: Camp ist Mitgr\u00fcnder des 93% Clubs. Das Netzwerk f\u00f6rdert Studierende aus staatlichen Schulen und ist im Vereinigten K\u00f6nigreich inzwischen landesweit aktiv.<\/p>\n<p>\u00dcber das pers\u00f6nliche Spendenziel hinaus will Camp alle weiteren Einnahmen seiner Kampagne an den 93% Club spenden. Zus\u00e4tzlich hat er \u00f6ffentlich zugesagt, im Verlauf seiner Karriere mindestens 15.000 Pfund an \u201eBridging the Bar\u201c zu spenden. Dabei handelt es sich um eine Organisation, die durch Mentoring, Praktika und Kompetenzaufbau den Zugang zum Anwaltsberuf f\u00fcr unterrepr\u00e4sentierte Gruppen f\u00f6rdert.<\/p>\n<p>Auch auf die Frage, wieso er sich nach zwei Abschl\u00fcssen doch f\u00fcr eine Karriere als Anwalt entschieden hat, hat Camp auf GoFundMe eine Antwort parat: &#8222;Einer der Hauptgr\u00fcnde, warum ich mich entschlossen habe, Anwalt zu werden, war, dass ich meine juristische Ausbildung nutzen will, um mich f\u00fcr andere einzusetzen und damit etwas Positives zu bewirken.&#8220;<\/p>\n<p>Die Resonanz auf die Spendenaktion ist beachtlich. Auf der GoFundMe-Seite wurden bereits \u00fcber 13.000 Pfund gesammelt \u2013 der Zielbetrag ist damit sogar schon \u00fcberschritten.<\/p>\n<p>Redaktion beck-aktuell, Dr. Jannina Sch\u00e4ffer, 21. August 2025.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Oxford- und Cambridge-Absolvent Harry Camp ist am 21. 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