{"id":362528,"date":"2025-08-21T18:43:12","date_gmt":"2025-08-21T18:43:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/362528\/"},"modified":"2025-08-21T18:43:12","modified_gmt":"2025-08-21T18:43:12","slug":"berlin-fanartikel-lieblingsandenken-oder-zu-teures-luxusgut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/362528\/","title":{"rendered":"Berlin | Fanartikel: Lieblingsandenken oder (zu) teures Luxusgut?"},"content":{"rendered":"<p>Berlin (dpa) &#8211; Ein Nachtlicht f\u00fcr 40 Euro, ein Miniatur-Golfschl\u00e4ger f\u00fcr den Weihnachtsbaum (20 Euro), eine Schreibtischuhr (70 Euro) und nat\u00fcrlich unz\u00e4hlige Shirts und Pullis. Das alles findet sich im Online-Shop von Taylor Swift, teils schon nicht mehr verf\u00fcgbar. Der US-Megastar hat das Thema Fanartikel auf ein neues Level gehoben.<\/p>\n<p>Die \u00abSwifties\u00bb greifen f\u00fcr die Produkte manchmal tief in die Tasche. Doch nicht nur hier. R&amp;B-S\u00e4ngerin Sza verkauft im Zuge ihrer Tour mit Rap-Superstar Kendrick Lamar eine stylishe, neongelbe Warnweste. Preis: 108 Euro. Bei S\u00e4ngerin Adele kann man online eine Collegejacke f\u00fcr 200 Euro bestellen.<\/p>\n<p>Bestimmtes Merchandise (kurz: \u00abMerch\u00bb) kostet bei gro\u00dfen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern mittlerweile teilweise fast so viel wie ein Konzertticket. Woran liegt das? Und warum sind die Produkte bei Fans so beliebt?<\/p>\n<p>Darum werden Produkte teurer<\/p>\n<p>Der Begriff \u00abMerchandising-Artikel\u00bb\u00a0wird oft als Sammelbegriff f\u00fcr s\u00e4mtliche\u00a0Lizenz- und Merch-Produkte\u00a0verwendet. Das Gesch\u00e4ft laufe zu 90\u00a0Prozent entweder \u00fcber Lizenzgeber oder \u00fcber Agenturen, also Firmen, die sich darauf spezialisiert haben, die Rechte an Produkten zu vermarkten. Das erkl\u00e4rt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin vom Verband Licensing International Deutschland, Ute Stauss. K\u00fcnstler, die sich durch diese Agenturen vertreten lassen, h\u00e4tten ein Interesse daran, dass sie ihren fairen Anteil bekommen.<\/p>\n<p>\u00abNat\u00fcrlich wird der Merch teurer, weil sich aufgrund der ganzen Problematik in der Welt die Lieferketten ge\u00e4ndert haben\u00bb, so Stauss weiter. Denn die meisten Artikel k\u00e4men mittlerweile aus Asien und dort seien die Rohstoffpreise nach oben geklettert. Die Lieferketten seien wegen des Lieferkettengesetzes, das in Deutschland seit 2023 gilt und Auswirkungen auf die globalen Produktionen hat, noch mal komplexer geworden.<\/p>\n<p>Musik ist ein gro\u00dfer und wachsender Bereich<\/p>\n<p>Aus Veranstaltersicht k\u00f6nne man aktuell keine \u00absignifikanten Preisanstiege im Bereich Merchandising\u00bb beobachten, die das \u00fcbliche Ma\u00df allgemeiner Preissteigerungen \u00fcbertr\u00e4fen, sagt der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV), Johannes Everke.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abDa es durch allgemeine Produktionskostensteigerungen und Inflation zu Preisanstiegen in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen gekommen ist, ist anzunehmen, dass davon auch der Bereich des Merchandisings ber\u00fchrt ist.\u00bb Hei\u00dft: Produkte werden insgesamt teurer &#8211; und in diesem Rahmen eben auch Merchandise.<\/p>\n<p>Dass sich mit Musikprodukten und Konzerten gute Gesch\u00e4fte machen lassen, beobachtet auch Expertin Stauss, Dozentin an der Popakademie Baden-W\u00fcrttemberg. \u00abMusik ist ein sehr gro\u00dfer und wachsender Bereich, auch in Deutschland. Sicherlich auch getrieben durch den Konzertsommer 2024, als Adele, Taylor Swift und Coldplay in Deutschland Konzerte gespielt haben\u00bb.<\/p>\n<p>Adele hatte in M\u00fcnchen mit einem eigens errichteten Pop-Up-Stadion und einer Art Volksfest neue Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt. Swift mit ihrer monumentalen \u00abEras\u00bb-Tour sowieso. Merch sei dabei f\u00fcr die K\u00fcnstler eine wichtige zus\u00e4tzliche Einnahmequelle, so Stauss.\u00a0<\/p>\n<p>Merch geh\u00f6rt zum Lifestyle<\/p>\n<p>Aus ihrer Sicht liegt der Haupteinnahme-Part aber sicherlich noch bei Konzerten, Gagen, Ticketverk\u00e4ufen und teils bei Streaming-Eink\u00fcnften. Das zeigt auch eine Studie zur Musikwirtschaft in Deutschland 2024.<\/p>\n<p>Demnach verdienen K\u00fcnstler rund die H\u00e4lfte mit Live-Auftritten und Studioaufnahmen, aus dem Streaming oder dem Verkauf von Tontr\u00e4gern erzielen sie hingegen nur knapp f\u00fcnf Prozent ihres Einkommens. \u00abNeben Konzerten als wichtigster Einkommensquelle k\u00f6nnen durch Merchandising weitere Eink\u00fcnfte erzielt werden\u00bb, erkl\u00e4rt der BDKV.<\/p>\n<p>L\u00e4ngst geh\u00f6rt der Merch bei vielen Fans zum Lifestyle und Konzertgang dazu. Tour-Shirts, Caps mit dem Albumtitel und Pullis bedruckt mit dem Gesicht der Stars sieht man immer wieder modisch im Alltag.\u00a0<\/p>\n<p>Oft haben K\u00fcnstler einige Standardprodukte wie Tassen oder T-Shirts im Angebot. Superstar Swift ist mit ihrem ausufernden Shop ein Extrembeispiel. Als die Popikone 2020 ihr Album \u00abFolklore\u00bb mit der Single \u00abCardigan\u00bb herausbrachte, konnten Fans auf ihrer Webseite sogar einen passenden \u00abCardigan\u00bb, also eine Strickjacke kaufen.<\/p>\n<p>Heutzutage z\u00e4hle der Community-Gedanke, sagt Stauss. \u00abViele Fans nutzen Merch heute auch als Ausdruck von Zugeh\u00f6rigkeit und Identifikation\u00bb. Zudem h\u00e4tten viele, sicherlich getrieben durch die Pandemie, einen \u00abwahnsinnigen Nachholbedarf\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Bei Events wie Konzerten gebe der Verbraucher gerne Geld aus. \u00abEr ist da spendierfreudig, vielleicht spielen Preise hier auch nicht unbedingt eine Rolle, weil er in einer tollen Stimmung ist und einfach mehr Geld ausgibt.\u00bb<\/p>\n<p>Manche Fans finden andere Wege<\/p>\n<p>Manche Fans finden aber auch eigene Wege. Beim Konzert von Tokio Hotel k\u00fcrzlich in Berlin sah man einige, die sich ihre Fan-Shirts einfach selbst bastelten. Auch, um etwas Eigenes zu haben, was sich von anderen abhebt. \u00abDas hat keiner\u00bb, erz\u00e4hlte eine Frau.\u00a0<\/p>\n<p>Fanartikel gibt es schon seit Langem. Bei manchen hingen fr\u00fcher vielleicht Poster des Kinofilms \u00abTitanic\u00bb im Kinderzimmer, andere schliefen in Bettw\u00e4sche einer Boyband oder eines Fu\u00dfballvereins. Man k\u00f6nnte in der Geschichte der Menschheit sogar noch weiter zur\u00fcckgehen, wie der Fanforscher Harald Lange von der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg sagt.\u00a0<\/p>\n<p>Fr\u00fcher habe man etwa schon Heilige in der Kirche mit Reliquien gew\u00fcrdigt. So gesehen seien heutige Fanartikel gewisserma\u00dfen eine moderne Interpretation dessen, sagt der Sportwissenschaftler, der in seiner Arbeit ein besonderes Augenmerk auf Fankultur im Sport legt.\u00a0<\/p>\n<p>N\u00e4he zu Idolen aufbauen<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich sammelten Fans Gegenst\u00e4nde von Menschen, die sie in einer besonderen Art und Weise verehren. Viele seien bereit, f\u00fcr Merch tiefer in die Tasche zu greifen, um ihren Idolen n\u00e4her zu sein oder um eine Bindung aufzubauen, sagt Lange.<\/p>\n<p>Wenn sie das Geld habe, dann kaufe sie auch gerne mal etwas, erz\u00e4hlt eine Frau in Berlin am Rande des Tokio-Hotel-Konzerts. Und dann gebe sie daf\u00fcr auch mal etwas mehr Geld aus. Aber es stimme nat\u00fcrlich, dass solche Artikel allgemein heute teurer seien. \u00abKann sich auf jeden Fall auch nicht mehr jeder leisten, leider.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Ein Nachtlicht f\u00fcr 40 Euro, ein Miniatur-Golfschl\u00e4ger f\u00fcr den Weihnachtsbaum (20 Euro), eine Schreibtischuhr (70&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":362529,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[1941,1939,296,1937,29,30,1724,810,1940,1938],"class_list":{"0":"post-362528","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-aktuelle-nachrichten-aus-berlin","9":"tag-aktuelle-news-aus-berlin","10":"tag-berlin","11":"tag-berlin-news","12":"tag-deutschland","13":"tag-germany","14":"tag-gesellschaft","15":"tag-musik","16":"tag-nachrichten-aus-berlin","17":"tag-news-aus-berlin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115068233681281869","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=362528"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/362528\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/362529"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=362528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=362528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=362528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}