{"id":363329,"date":"2025-08-22T02:38:36","date_gmt":"2025-08-22T02:38:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/363329\/"},"modified":"2025-08-22T02:38:36","modified_gmt":"2025-08-22T02:38:36","slug":"die-geschichte-der-konsumgenossenschaft-vorwaerts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/363329\/","title":{"rendered":"Die Geschichte der Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-sans font-medium\">Wuppertal. Die Genossenschaft versorgte einst 40 Prozent der Wuppertaler Arbeiterfamilien mit Lebensmitteln. Heute erz\u00e4hlt sie 125 Jahre Wuppertaler Stadtgeschichte.<\/p>\n<p class=\"\">Der Aufzug ist das Detail, das Stefan K\u00fchn besonders am Herzen liegt. Als die Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts 1904 ihr neues Geb\u00e4ude in Barmen bezog, lie\u00dfen die Arbeiter einen Lastenaufzug einbauen, der die schweren Mehls\u00e4cke in die oberste Etage transportierte. \u201eDamals wurde das eigentlich durch Muskelkraft erledigt\u201c, erkl\u00e4rt K\u00fchn, Vorstand des F\u00f6rdervereins. \u201eAber hier legte man von Anfang an Wert auf Arbeitsschutz und Arbeitnehmerfreundlichkeit.\u201c<\/p>\n<p class=\"\">Es ist ein kleines Detail, das viel \u00fcber den Geist dieser besonderen Genossenschaft verr\u00e4t. Was 1899 als Zusammenschluss von 40 Gewerkschaftern begann, entwickelte sich binnen weniger Jahre zu einem der erfolgreichsten genossenschaftlichen Unternehmen im Deutschen Reich. Bis zu einer Million Brote wurden hier pro Jahr gebacken, 40 Prozent aller Menschen in Barmen und Umgebung mit Lebensmitteln versorgt.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/409505744_1752477581_v1_1_200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[1\/1] \" alt=\"So k\u00f6nnte Wuppertal aussehen, wenn es eine erfolgreiche Textil-Metropole geblieben w\u00e4re.\" title=\"So k\u00f6nnte Wuppertal aussehen, wenn es eine erfolgreiche Textil-Metropole geblieben w\u00e4re.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/409573492_1753183414_v1_1_200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[1\/1] \" alt=\"Gina Althoff sitzt im Schwebebahnwagen des Schwebodroms und zeigt das Fotoalbum in die Kamera.\" title=\"Gina Althoff ist die Enkelin von Franz Althoff, dem Zirkusdirektor, der Tuffi damals mit in die Schwebebahn nahm.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>  Eine Million Brote pro Jahr: So erfolgreich war die Genossenschaft in Barmen<\/p>\n<p class=\"\">Die Idee war simpel: Gemeinsam einkaufen, um bessere Qualit\u00e4t f\u00fcr weniger Geld zu bekommen. \u201eDie Lebenswirklichkeit damals war gepr\u00e4gt durch Armut, durch Hunger, durch Krankheit, Wohnungsnot\u201c, erkl\u00e4rt Stefan K\u00fchn. \u201eSo kam man auf die Idee: Wenn wir uns zusammenschlie\u00dfen, wenn wir gemeinschaftlich einkaufen, wird es f\u00fcr uns billiger.\u201c<\/p>\n<p class=\"\">Doch dabei blieb es nicht. Schnell entstand die Idee, nicht nur gemeinsam einzukaufen, sondern auch gemeinschaftlich zu produzieren. Die gro\u00dfe B\u00e4ckerei sollte die Arbeiterinnen und Arbeiter mit dem wichtigsten Grundnahrungsmittel versorgen \u2013 und das so erfolgreich, dass die Brote bis nach Ronsdorf, in den Ennepe-Ruhr-Kreis und sogar bis Hagen geliefert wurden.<\/p>\n<p>\n      Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts in Barmen<\/p>\n<p class=\"\">Das Erfolgsrezept war durchdacht: Wer sein Brot \u00fcber die Genossenschaft kaufen wollte, musste Mitglied werden. Ende des Jahres wurden alle Mitglieder an den Gewinnen beteiligt, die direkt in der genossenschaftlich organisierten Bank gutgeschrieben werden konnten. So entstand ein Kreislauf, der es den Arbeitern erm\u00f6glichte, einen Notgroschen f\u00fcr harte Zeiten anzusparen.<\/p>\n<p>  In zehn Jahren versorgte die Konsumgenossenschaft 40.000 Mitglieder<\/p>\n<p class=\"\">Der Erfolg war \u00fcberw\u00e4ltigend. \u201eIn den ersten Jahren wurden jedes Jahr 1000 neue Mitglieder aufgenommen, wobei hinter jedem Mitglied eine ganze Familie stand\u201c, berichtet K\u00fchn. Nach nur zehn Jahren wurden bereits 40.000 Menschen versorgt. Anfang der 1930er-Jahre waren 40 Prozent aller Menschen in Barmen und dem benachbarten Elberfeld Mitglied einer Konsumgenossenschaft.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/409804693_1755787080_v16_9_1200.jpeg\" class=\"block w-full object-cover relative z-10 aspect-[16\/9] \" alt=\"Der Vorsitzendes des F\u00f6rdervereins der ehemaligen Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts, Stefan K\u00fchn.\" title=\"Der Vorsitzendes des F\u00f6rdervereins der ehemaligen Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts, Stefan K\u00fchn.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Der Vorsitzendes des F\u00f6rdervereins der ehemaligen Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts, Stefan K\u00fchn.<br \/>\n      \u00a9 Benedikt Dahlmann\n    <\/p>\n<p class=\"\">1924 entschieden die Genossenschaften aus Barmen und Elberfeld, sich zusammenzuschlie\u00dfen. Es entstand das damals gr\u00f6\u00dfte Geb\u00e4ude einer Konsumgenossenschaft im gesamten Deutschen Reich.<\/p>\n<p>        Chronik der Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1899:<\/strong> Gr\u00fcndung der Konsumgenossenschaft Vorw\u00e4rts durch 40 Arbeiter<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1904:<\/strong> Bau des Geb\u00e4udekomplexes in Barmen<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1924:<\/strong> Zusammenschluss der Genossenschaften Barmen und Elberfeld, Bau des gr\u00f6\u00dften Genossenschaftsgeb\u00e4udes im Deutschen Reich<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1933:<\/strong> Aufl\u00f6sung der Genossenschaft durch das NS-Regime<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1933-1936:<\/strong> Nutzung als Gefangenenlager und Folterkammer<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1936-1943:<\/strong> Wehrmachtskaserne<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1943-1953:<\/strong> Lebensmittelgro\u00dfhandel<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1953-1961:<\/strong> Erste Nutzung als Fl\u00fcchtlingsunterkunft<\/p>\n<p class=\"\"><strong>1991-1998:<\/strong> Fl\u00fcchtlingsunterkunft w\u00e4hrend der post-jugoslawischen Kriege<\/p>\n<p class=\"\"><strong>2015-2018:<\/strong> Fl\u00fcchtlingsunterkunft f\u00fcr syrische Gefl\u00fcchtete<\/p>\n<p class=\"\">Doch der Erfolg weckte auch Widerstand. \u201eEinerseits gab es eine ganz gro\u00dfe Begeisterung der arbeitenden Menschen\u201c, erkl\u00e4rt K\u00fchn, \u201eaber das stie\u00df auf Widerstand der Unternehmer und auch des Staates.\u201c <\/p>\n<p class=\"\">Denn hinter der praktischen Idee steckte eine politische Vision: Die Genossenschaftsbewegung sah ihr Modell als Instrument, den Kapitalismus zu \u00fcberwinden. Ein Dorn im Auge der herrschenden Klasse. Doch wegen ihrer sozialen Funktion wurde die Genossenschaft geduldet.<\/p>\n<p>  Von der Folterkammer zur Fl\u00fcchtlingsunterkunft<\/p>\n<p class=\"\">Bis 1933. Die Nationalsozialisten zerschlugen die Genossenschaften, weil sie den Prinzipien ihrer Ideologie widersprach. \u201eGenossenschaftler wurden verhaftet, gefoltert und ermordet\u201c, sagt K\u00fchn. Das Geb\u00e4ude selbst wurde von 1933 bis 1936 als Gefangenenlager und Folterkammer missbraucht, danach bis 1943 als Wehrmachtskaserne genutzt.<\/p>\n<p class=\"\">Nach dem Krieg begann ein neues Kapitel. Bis 1953 diente das Geb\u00e4ude als Lebensmittelgro\u00dfhandel, sp\u00e4ter wurde es zur Fl\u00fcchtlingsunterkunft. Gleich drei Mal erf\u00fcllte es diese Funktion: von 1953 bis 1961, w\u00e4hrend der post-jugoslawischen Kriege von 1991 bis 1998 und von 2015 bis 2018 f\u00fcr Gefl\u00fcchtete aus Syrien.<\/p>\n<p class=\"\">\u201eNicht nur deswegen ist es seit 1899 ein Ort der Stadtgeschichte, der Sozialgeschichte, der Wirtschafts- und der politischen Geschichte\u201c, fasst Stefan K\u00fchn zusammen. \u201eEin einzigartiger Ort.\u201c Heute zeigt der F\u00f6rderverein in dem historischen Geb\u00e4udekomplex eine Dauerausstellung, damit diese Geschichte nicht vergessen wird.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Weitere Themen aus Wuppertal<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wuppertal. Die Genossenschaft versorgte einst 40 Prozent der Wuppertaler Arbeiterfamilien mit Lebensmitteln. 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