{"id":363855,"date":"2025-08-22T07:39:12","date_gmt":"2025-08-22T07:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/363855\/"},"modified":"2025-08-22T07:39:12","modified_gmt":"2025-08-22T07:39:12","slug":"rezessionsindikator-wie-die-schlechte-auftragslage-designerinnen-trifft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/363855\/","title":{"rendered":"Rezessionsindikator: Wie die schlechte Auftragslage Designer:innen trifft"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber Recession Indicators und<\/strong> <strong>die deutsche Kreativbranche.<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt einen Spruch, den Kreativschaffende gerne zur Urlaubszeit in den sozialen Medien teilen: Creative people need time to sit around and do nothing. Aber was ist, wenn man nicht freiwillig inneh\u00e4lt, sondern eine Zwangspause einlegt, weil es derzeit einfach nicht gen\u00fcgend zu tun gibt?<\/p>\n<p>Es geht der deutschen Kreativbranche nicht gut, das ist nun wirklich kein Geheimnis. Die Rechnung ist leicht: Wenn die Wirtschaft schw\u00e4chelt, werden Investitionen in Kunst und Kultur zur\u00fcckgefahren, weil diese nun einmal nicht lebensnotwendig sind. 2025 d\u00fcrfte das dritte Jahr in Folge werden, in dem die deutsche Wirtschaft wom\u00f6glich noch weiter schrumpft, hat die Bundeszentrale f\u00fcr politische Bildung j\u00fcngst bemerkt: \u201eDeutschland steckt in der l\u00e4ngsten wirtschaftlichen Schw\u00e4chephase seit Gr\u00fcndung der Bundesrepublik.\u201c<\/p>\n<p>Die schlechte Auftragslage trifft alle kreativen Branchen<\/p>\n<p>Die schlechte Auftragslage trifft alle kreativen Branchen \u2013 nat\u00fcrlich auch das Interiordesign, das in der Leiter der Luxusg\u00fcter ganz oben steht. Das abgenutzte <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/sofa-stile-klassiker-inspiration\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sofa<\/a>? Macht noch ein Jahr. Die K\u00fcche? Wird doch selbst geplant. Und der Umbau des Gro\u00dfraumb\u00fcros? Kann geschoben werden. Ob es sich um den Umbau von Privath\u00e4usern oder um Gro\u00dfbauprojekte handelt: \u00dcberall wird derzeit gespart. Das liegt an einer langen Kette von Faktoren \u2013 darunter der anhaltende Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine, der\u00a0steigende Rohstoffpreise\u00a0zur Folge hat und die Baubranche ins Straucheln bringt. Die Tagesschau berichtete k\u00fcrzlich, dass der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie dieses Jahr erneut mit einem Umsatzr\u00fcckgang von einem Prozent rechnet, im Wohnungsbau k\u00f6nnte sich der Einbruch auf vier Prozent belaufen.<\/p>\n<p>Wenn nicht gebaut wird, gibt es f\u00fcr Architekt:innen, Designer:innen und Interiordesigner:innen weniger zu tun. Auftr\u00e4ge werden geschoben oder storniert. Das ist frustrierend. \u201eDerzeit erleben wir auf Bauherrenseite nur Z\u00f6gern und Zaudern\u201c, schrieb mir eine Stimme aus der Branche. Einige Designer:innen erz\u00e4hlten mir, dass sie gerade vor allem Consulting anbieten, also ihre Kund:innen beratend dabei unterst\u00fctzen, ihre <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/interior\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Innenr\u00e4ume<\/a> neu zu arrangieren. Das ist eine gute Idee, weil sie die Menschen wertsch\u00e4tzen l\u00e4sst, was sie bereits zu Hause haben, und das deutsche Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Interiordesign sch\u00e4rfen k\u00f6nnte, das hierzulande oft noch Mangelware ist. Viele aber berichten von so schlechter Auftragslage, dass Kurzarbeit in Betracht gezogen oder Stellen abgebaut werden m\u00fcssen \u2013 und dass die Krise sich dieses Mal viel l\u00e4nger zieht. Verlieh die Zeit w\u00e4hrend der Pandemie dem Produkt- und Interiordesign Auftrieb, ist gerade Flaute angesagt. Ein schwacher Silberfaden am Horizont: Dass die Schwarz-Rote Regierung 500 Milliarden Euro in die Infrastruktur investieren will, wird sich im kommenden Jahr auf die Branche auswirken, so der Hauptverband der Deutschen Bauindustrie.<\/p>\n<p>Auf dieses Jahr blicken wohl aber nur die wenigsten deutschen B\u00fcros zufrieden. Auch junge Produktdesigner:innen haben es schwieriger, ihre Entw\u00fcrfe zu platzieren, weil man sich lieber auf die gro\u00dfen Namen verl\u00e4sst. Das kann man \u00fcbrigens auch international beobachten: Ist Ihnen aufgefallen, dass fast alle gro\u00dfen Brands gerade mit <a href=\"https:\/\/www.ad-magazin.de\/artikel\/nostalgie-im-interior\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Archivst\u00fccken<\/a> arbeiten oder ausschlie\u00dflich mit etablierten Designstars, von denen man sich erhofft, dass sie den Verkauf antreiben?<\/p>\n<p>Recession Indicators im Produkt- und Interiordesign<\/p>\n<p>In der Mode spricht man derzeit andauernd \u00fcber Recession Indicators. Die Low-Rise-Jeans ist zur\u00fcck? Recession Indicator. Die N\u00e4gel werden wieder kurz getragen, um kein Geld bei der Manik\u00fcre zu lassen? Ein Anzeichen der Rezession. Einiges davon mag stimmen, anderes taugt vor allem als klickstarke \u00dcberschrift, das meiste ist schlicht der humorvolle Weg einer Konsum-liebenden Gesellschaft, die steigenden Preise zu verarbeiten. Altbekannt ist der sogenannte \u201eLippenstift-Effekt\u201c, der besagt, dass Verbraucher in wirtschaftlich unsicheren Zeiten eher zu g\u00fcnstigeren Luxusg\u00fctern greifen, also statt der Handtasche zum Lippenstift greifen, um sich weiterhin kleine Luxusfreuden zu leisten.<\/p>\n<p>Lassen sich solche Indikatoren auch im Produkt- und Interiordesign finden? Wenn pl\u00f6tzlich wieder nur die \u00fcblichen M\u00e4nner Produkte entwerfen d\u00fcrfen, dann ist das kein Recession Indicator, sondern die ewige Zur\u00fcckhaltung der deutschen M\u00f6belunternehmen, junge Talente zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Wir erinnern uns: Eine Rezession ist definitionsgem\u00e4\u00df eine Konjunkturphase, in der Nachfrage und Produktion zur\u00fcckgehen, Einkommen und Gewinne sinken, weniger investiert wird und die Zahl der Arbeitslosen sowie Kurzarbeiter:innen langsam steigt. Vielleicht hilft es Kreativschaffenden, die gerade k\u00e4mpfen, sich auf das Wort Phase zu konzentrieren und sich vor Augen zu f\u00fchren, dass die Ursache nicht die eigene Leistung, sondern die kriselnde Wirtschaft ist. Vielen Designer:innen geht es gerade \u00e4hnlich. Wenn die Welt anderer auf Social Media gl\u00e4nzend erscheint, lohnt es sich, die Instagram-App f\u00fcr ein paar Tage zu l\u00f6schen \u2013 oder sie zumindest mit dem Bewusstsein zu nutzen, dass die meisten Menschen die Plattform als Portfolio verstehen und deshalb so tun, als w\u00e4ren sie ununterbrochen\u00a0booked and busy. Die Wirtschaft verl\u00e4uft in Wellen. Auf jeden Abschwung folgt ein Aufschwung. Es geht bald wieder bergauf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00dcber Recession Indicators und die deutsche Kreativbranche. 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