{"id":364742,"date":"2025-08-22T15:50:13","date_gmt":"2025-08-22T15:50:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/364742\/"},"modified":"2025-08-22T15:50:13","modified_gmt":"2025-08-22T15:50:13","slug":"m-strassen-debatte-in-berlin-der-furor-der-ewiggestrigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/364742\/","title":{"rendered":"M-Stra\u00dfen-Debatte in Berlin: Der Furor der Ewiggestrigen"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext paragraph first  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-1\" pos=\"1\">D ie Stra\u00dfenschilder in der \u201eMohrenstra\u00dfe\u201c in Berlin-Mitte waren schon abgeklebt, ebenso der Schriftzug am gleichnamigen U-Bahnhof. Alles war f\u00fcr das Fest am Samstag zur Umbenennung in <a href=\"https:\/\/taz.de\/M-Strasse-wird-Amo-Strasse\/!6104943\/\" target=\"_self\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">Anton-Wilhelm-Amo-Stra\u00dfe vorbereitet<\/a>. Ein jahrzehntelanger Kampf der afrodiasporischen Community und ihrer Unterst\u00fctzer w\u00e4re zu Ende gegangen. Wenn nicht in letzter Minute das Verwaltungsgericht Berlin am Freitag dem Eilantrag eines Kl\u00e4gers stattgegeben <a href=\"https:\/\/taz.de\/Koloniale-Spuren-in-Berlin\/!6108655\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">und die Umbenennung gestoppt h\u00e4tte<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-2\" pos=\"2\">So bitter die Entscheidung ist: Diese erneute Volte passt zur Vorgeschichte. 30 Jahre w\u00e4hrte die Debatte um die Frage, ob das Wort \u201eMohr\u201c heute noch sag- und zumutbar ist, alle m\u00f6glichen Argumente wurden ausgetauscht. Doch noch immer gibt es Leute, die glauben, am Althergebrachten festhalten zu m\u00fcssen. F\u00fcr die die Ver\u00e4nderung eines Stra\u00dfennamens ein Kulturkampf ist, den sie unbedingt gewinnen m\u00fcssen, weil sonst offenbar die Welt zusammenbricht.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-4\" pos=\"3\">Nat\u00fcrlich war klar, dass es Berlinerinnen und Berliner gibt, die nicht von der Umbenennung \u00fcberzeugt sind. In einem RBB-Beitrag kamen k\u00fcrzlich mehrere Anwohner zu Wort, die sich f\u00fcr den alten Namen aussprachen. Mit den bekannten Argumenten: Die Umbenennung koste Geld, der alte Name sei bekannt und die M-Stra\u00dfe ein St\u00fcck Berliner Geschichte.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-5\" pos=\"4\">Und nat\u00fcrlich: Das M-Wort sei ja zu seiner Zeit gar nicht abwertend oder gar rassistisch gemeint gewesen. Mehrere Stimmen behaupteten gar, die Entscheidung sei \u00fcber die K\u00f6pfe der B\u00fcrger hinweg gef\u00e4llt worden, sprich: \u201eDie da oben\u201c haben mal wieder woken Quatsch gemacht.<\/p>\n<p>      Verharmlosende Vorstellungen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-7\" pos=\"6\">An alldem ist wenig bis nichts richtig. Die realen Kosten f\u00fcr Anwohner d\u00fcrften sich in engen Grenzen bewegen. Zwar stimmt es, dass der Name alt ist, genauer: von 1706. Aber das kann kein Grund sein, <a href=\"https:\/\/taz.de\/Berliner-Strassenumbenennung\/!5980172\/\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">an dem kolonial-rassistischen Begriff festzuhalten<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-8\" pos=\"7\">Die \u201eMohren\u201c, die dort untergebracht wurden, um bei Hofe zu musizieren, waren verschleppte Sklaven \u2013 und die preu\u00dfischen Herrscher aktiv in Sklavenhandel und Ausbeutung involviert. Doch bis heute scheinen in der Auseinandersetzung um den deutschen Kolonialismus, die hinter der M-Stra\u00dfen-Debatte mitschwang, solche verharmlosenden Vorstellungen durch.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-10\" pos=\"8\">Schlie\u00dflich ist es auch nicht zutreffend, dass \u201edie Politik\u201c hier selbstherrlich entschieden habe. Der Bezirk hat die B\u00fcrger an vielen Stellen einbezogen, nicht zuletzt bei der Frage nach einem neuen Namen. Auch weil es nach dem Beschluss des Bezirksamts zur Umbenennung vor f\u00fcnf Jahren \u00fcber 1.000 Einwendungen gab, hat sich die Umbenennung bis heute hingezogen.<\/p>\n<p>\n\ue80f\n<\/p>\n<p>\n            Der Bezirk hat die B\u00fcrger an vielen Stellen einbezogen<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-12\" pos=\"9\">Erst k\u00fcrzlich hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eine Klage abgeschmettert und erkl\u00e4rt, dass hier keine \u201ewillk\u00fcrliche\u201c Entscheidung vorlag, sondern ein sachlicher Grund \u201emit dem Hinweis auf die negative Konnotation, die auch mit dem Begriff Mohr verbunden ist\u201c, wie ein Gerichtssprecher erkl\u00e4rte. Dass dies in heutiger Zeit vielen nicht gef\u00e4llt, weil konservativ-rechter Furor gegen die offene plurale Gesellschaft gerade Hochkonjunktur hat: Damit muss man wohl leben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/taz.de\/!112039\/#matomo:pk_campaign=standard_wot-only&amp;pk_source=Online&amp;pk_medium=taz.de&amp;pk_kwd=textbox-wot-texte\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/wochentaz-kennzeichen-3zu2-klein-1.png\" loading=\"lazy\" height=\"363\" type=\"image\/png\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>wochentaz<\/p>\n<p class=\"bodytext first paragraph last\">Dieser Text stammt aus der <strong>wochentaz<\/strong>. Unserer Wochenzeitung von links! In der wochentaz geht es jede Woche um die Welt, wie sie ist \u2013 und wie sie sein k\u00f6nnte. Eine linke Wochenzeitung mit Stimme, Haltung und dem besonderen taz-Blick auf die Welt. Jeden Samstag neu am Kiosk und <a href=\"https:\/\/taz.de\/!112039\/#matomo:pk_campaign=standard_wot-only&amp;pk_source=Online&amp;pk_medium=taz.de&amp;pk_kwd=textbox-wot-texte\" target=\"_blank\" class=\"link in-text-link\" rel=\"nofollow noopener\">nat\u00fcrlich im Abo<\/a>.<\/p>\n<p class=\"bodytext paragraph last  typo-bodytext is-block column pv-0 is-8-tablet mgh-auto-tablet mobile-order-14\" pos=\"10\">An der grunds\u00e4tzlichen Richtung wird voraussichtlich auch die nun revitalisierte Klage nichts \u00e4ndern, sie schiebt den Prozess nur erneut auf. Es w\u00e4re ein Treppenwitz der Geschichte, w\u00fcrden Jahrzehnte der Diskussion wegen ewiggestriger Hinterw\u00e4ldler in die Tonne getreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"D ie Stra\u00dfenschilder in der \u201eMohrenstra\u00dfe\u201c in Berlin-Mitte waren schon abgeklebt, ebenso der Schriftzug am gleichnamigen U-Bahnhof. 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