{"id":364967,"date":"2025-08-22T17:48:15","date_gmt":"2025-08-22T17:48:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/364967\/"},"modified":"2025-08-22T17:48:15","modified_gmt":"2025-08-22T17:48:15","slug":"die-macht-der-britischen-scharia-raete-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/364967\/","title":{"rendered":"Die Macht der britischen Scharia-R\u00e4te \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Die Debatte \u00fcber \u201eScharia-Gerichte\u201c in Gro\u00dfbritannien flammt immer wieder auf. Vor zehn Jahren behauptete <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/nigel-farage?ref=article_a\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" eventaction=\"\" click=\"\" article=\"\" auf=\"\" muslimisch:=\"\" die=\"\" macht=\"\" der=\"\" britischen=\"\" scharia-r=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Nigel Farage<\/a>, heute Chef der Rechtspartei Reform UK, dass es muslimische \u201eGhettos\u201c gebe, die ge\u00adm\u00e4\u00df Scharia-Gesetzen regiert w\u00fcr\u00adden. \u00c4hnlich beunruhigend war die Schlagzeile, die im Dezember die Runde machte: Gro\u00dfbritannien sei die \u201eHauptstadt der Scharia-Gerichte\u201c, berichteten Medien. <\/p>\n<p>Diese Institutionen w\u00fcrden Polygamie normalisieren und daf\u00fcr sorgen, dass Frauen nur halb so viel erben wie M\u00e4nner, hie\u00df es. Die Gerichte seien auch \u201ezunehmend einflussreich\u201c: Aus Kontinentaleuropa und den USA w\u00fcrden Muslime nach Gro\u00dfbritannien reisen, um ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. <\/p>\n<p>Bei n\u00e4herem Hinsehen erscheint die Situation deutlich weniger dramatisch. Sogenannte Scharia-R\u00e4te gibt es in Gro\u00dfbritannien seit den fr\u00fchen 1980er-Jahren. Sie befassen sich vornehmlich mit famili\u00e4ren Angelegenheiten, in erster Linie mit Scheidungen nach islamischem Recht \u2013 deshalb werden sie auch als \u201eIslamic divorce services\u201c bezeichnet. <\/p>\n<p>Heirat ohne Standesamt<\/p>\n<p>Viele muslimische Paare registrieren ihre Heirat nicht beim Standesamt, sondern beschr\u00e4nken sich auf eine religi\u00f6se Zeremonie. Das bedeutet aber auch, dass ihnen die rechtliche Scheidung verwehrt bleibt\u2009\u2013 stattdessen m\u00fcssen sie sich an einen Scharia-Rat wenden, damit die Trennung vollzogen werden kann. Entscheidend ist, dass Scharia-R\u00e4te keinen rechtlichen Status haben: Sie sind keine Gerichte, stel\u00adlen kein paralleles Rechtssystem dar und k\u00f6nnen Entscheide englischer Gerichte nicht aufheben. Polygamie etwa ist nach britischem Recht verboten, also darf sie auch von Scharia-R\u00e4ten nicht bewilligt werden. <\/p>\n<p>Die Councils besch\u00e4ftigen sich ausschlie\u00dflich mit religi\u00f6sen Fragen. Wie viele solche R\u00e4te in Gro\u00dfbritannien existieren, dar\u00fcber gibt es keine verl\u00e4sslichen Statistiken; Sch\u00e4tzun\u00adgen reichen von 30 bis 80. <\/p>\n<p>Frauen benachteiligt<\/p>\n<p>2016 gab die damalige Innenministerin, <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/theresa-may?ref=article_a\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" eventaction=\"\" click=\"\" article=\"\" auf=\"\" muslimisch:=\"\" die=\"\" macht=\"\" der=\"\" britischen=\"\" scharia-r=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Theresa May<\/a>, eine unabh\u00e4ngi\u00adge Untersuchung in Auftrag, um festzustellen, wie Scharia-Recht in England angewandt wird und ob es missbraucht wird. Die Autoren des 2018 ver\u00f6ffentlichten Berichts halten fest, dass rund 90% der Menschen, die sich an einen Scharia-Rat wenden, Frauen sind, die eine islamische Scheidung beantragen. Der Grund ist, dass sich Ehem\u00e4nner nach islamischem Recht problemlos unilateral scheiden lassen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend diese Option Frauen verwehrt bleibt. <\/p>\n<p>Laut dem Untersuchungsbericht gibt es an der Arbeit vieler Scharia-R\u00e4te wenig auszusetzen, aber es werden auch Probleme genannt: Manche Frauen werden auf unangemessene Weise befragt, andere gedr\u00e4ngt, ihrem Ehemann bei Scheidungen Zugest\u00e4ndnisse zu machen, etwa finanzielle. Auch gebe es unter den Ratsmitgliedern sehr wenige Frauen. Die Autoren empfehlen Reformen. So soll sichergestellt wer\u00adden, dass parallel zur religi\u00f6sen Heirat stets eine Ziviltrauung stattfindet, um die Eheschlie\u00dfung rechtlich zu verankern. Zudem brauche es Aufkl\u00e4rung: Muslimische Communitys m\u00fcssen Frauenrechte, die im Zivilrecht festgeschrieben sind, anerkennen, besonders in Fragen von Heirat und Scheidung. <\/p>\n<p>Aufkl\u00e4rungskampagnen n\u00f6tig<\/p>\n<p>Dazu brauche es Bildungsprogramme und Aufkl\u00e4rungskampagnen, damit Frauen \u00fcber ihre Rechte Bescheid wissen. So soll nach und nach daf\u00fcr gesorgt werden, dass Scharia-R\u00e4te am Ende gar nicht mehr n\u00f6tig sind.\u00a0<\/p>\n<p>\u00c4hnlich \u00e4u\u00dferte sich auch Shaista Gohir, eine Frauenrechtlerin und Mitglied im britischen Oberhaus, die dem Muslim Women\u2019s Network UK vorsteht. \u201eViele Frauen erz\u00e4hlen uns, dass sie sich ungerecht behandelt f\u00fchlen, besonders wenn es um h\u00e4usliche Gewalt geht\u201c, sagte Gohir vor einigen Monaten in einem Radiointerview. <\/p>\n<p>Fortschritte seit 2015<\/p>\n<p>Allerdings habe es in den vergangenen zehn Jahren Fortschritte gegeben. Viele der Scharia-R\u00e4te haben einen Verhaltenskodex eingef\u00fchrt, es gebe mehr Informationen \u00fcber die Zusammensetzung der R\u00e4te, sagte Gohir.<\/p>\n<p>\u201eAber es gibt noch immer viel Arbeit zu tun\u201c, f\u00fcgte Gohir hinzu. Dass Gro\u00dfbritannien jedoch die \u201eHauptstadt der Scharia-Gerichte\u201c geworden sei und \u201emuslimische Ghettos\u201c dulde, daf\u00fcr gebe es keine Hinweise.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Debatte \u00fcber \u201eScharia-Gerichte\u201c in Gro\u00dfbritannien flammt immer wieder auf. 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