{"id":36656,"date":"2025-04-16T14:03:12","date_gmt":"2025-04-16T14:03:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/36656\/"},"modified":"2025-04-16T14:03:12","modified_gmt":"2025-04-16T14:03:12","slug":"europaeische-kulturhauptstadt-2025-chemnitz-setzt-auf-buergerbeteiligung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/36656\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ische Kulturhauptstadt 2025: Chemnitz setzt auf B\u00fcrgerbeteiligung"},"content":{"rendered":"<p>Im Osten Deutschlands liegt eine Gro\u00dfstadt, von der viele Europ\u00e4er noch nie geh\u00f6rt haben: Chemnitz. Jetzt ist Chemnitz Europ\u00e4ische Kulturhauptstadt. Das hat viele \u00fcberrascht. Verlust von Industrie, Abwanderung, \u00dcberalterung, Rechtsextremismus\u2026 Chemnitz hat viele Probleme. Als Kulturhauptstadt sucht die Stadt nun nach ihren St\u00e4rken.<\/p>\n<p>Zur Zeit des DDR-Regimes wurde Chemnitz umbenannt in Karl-Marx-Stadt. Heute hat die Stadt mit langer Industriegeschichte ihren alten Namen zur\u00fcck. Das Chemnitzer Kulturhauptstadt-Motto: \u201eDas Ungesehene sichtbar machen!\u201c<\/p>\n<p>Was bedeutet \u201cKulturhauptstadt\u201d? Vor 40 Jahren kam eine Idee aus Griechenland: Allj\u00e4hrlich wird eine \u201cKulturstadt Europas\u201d gek\u00fcrt. Anfangs ging es darum, sich des gemeinsamen Kulturerbes zu versichern: Der Titel ging an St\u00e4dte mit viel alter Kultur, beispielsweise Athen, Paris, Amsterdam und Florenz.<\/p>\n<p>Das hat sich seit Glasgow 1990 ge\u00e4ndert: Heute geht es auch um Stadtentwicklung, B\u00fcrgerbeteiligung und kulturelle Vielfalt. Immer h\u00e4ufiger bewerben sich St\u00e4dte mit wirtschaftlichen und sozialen Problemen. Der Titel \u201cKulturhauptstadt\u201d soll dabei helfen, einen Neuanfang zu starten. Die Europ\u00e4ische Union unterst\u00fctzt den Transformationsprozess mit F\u00f6rdergeldern. F\u00fcr 2025 gewann Chemnitz den Titel &#8211; zusammen mit Nova Gorica in Slowenien und Gorizia in Italien.<\/p>\n<p>Sophie und Cathleen sind zwei von \u00fcber tausend freiwilligen Helfern der Kulturhauptstadt Chemnitz. \u201cEs gibt ja viele, die meckern\u201d, bemerkt Sophie, \u201cdie sagen, es \u00e4ndert sich hier ja sowieso nichts. Aber gerade da muss man eben einsteigen und sagen: Doch, man kann schon was \u00e4ndern, indem man selbst mit anpackt.\u201d<\/p>\n<p>Ein Drittel der Chemnitzer ist \u00fcber 60. Sophie hilft beim Projekt \u201cTanzende Nachbarn.\u201d Alexandra Takats leitet als Projektmanagerin das \u201cTeam Generation\u201d. Die Kulturhauptstadtmacher bem\u00fchen sich, alle Bev\u00f6lkerungsschichten zu aktivieren \u2013 egal ob jung oder alt, hier geboren oder anderswo: \u201cWir haben viele soziokulturelle Projekte, wo es darum geht, die Nachbarschaften zusammenzubringen, so dass neu zugezogene Menschen mit Migrationshintergrund sich mit Menschen, die schon lange hier leben vermischen.\u201d<\/p>\n<p>Das muss man vor dem Hintergrund der Ausschreitungen 2018 sehen. Damals machte Chemnitz Schlagzeilen. Nach einer Messerstecherei mit Todesfolge verpr\u00fcgelte ein rechtsradikaler Mob Menschen mit ausl\u00e4ndischem Aussehen. Die ultrarechte Szene ist bis heute pr\u00e4sent in der Region.<\/p>\n<p>Chemnitz ist auch eine Hochburg der AfD &#8211; einer euroskeptischen Partei mit starkem Zulauf \u2013 und kritischer Einstellung zum Kulturhauptstadtprojekt. AfD-Stadtrat Ronny Licht: \u201cChemnitz ist eine geteilte Stadt: Man suggeriert, dass \u2018die B\u00f6sen\u2019 am rechten Rand nicht zur Gesellschaft geh\u00f6ren. Dann redet man immer wieder von einer \u2018Zivilgesellschaft\u2019, die laut werden muss. Das verbindet nicht, das spaltet.\u201d<\/p>\n<p>Bei den Machern der Kulturhauptstadt sieht man das anders. Kulturmanager Pascal Anselmi: \u201eWenn Sie versuchen, sich aktiv in ihre Nachbarschaft einzubringen, das ist f\u00fcr mich Kultur. Der Wille, etwas zu bewegen, etwas zu ver\u00e4ndern, etwas neu zu schaffen. Nicht passiv sein \u2013 sondern sagen: Das ist meine Stadt, da bringe ich mich ein, da mache ich mit. Und das ist nat\u00fcrlich Demokratie im besten Sinne des Wortes.\u201d<\/p>\n<p>So sieht das auch der Soziologe Ulf Bohmann von der TU Chemnitz: \u201cDie Chemnitzer Kulturhauptstadtbewerbung hat einen klaren Fokus auf das Soziale gelegt. Das kann die Stadt wirklich nachhaltig ver\u00e4ndern &#8211; durch gemeinsames Zusammenwirken. Man kann \u00fcber Kultur das demokratische Zusammenleben ausprobieren, widerstandsf\u00e4higer machen gegen Rechtsextremismus.\u201d<\/p>\n<p>Eines der wichtigsten Kulturhauptstadtprojekte nennt sich \u201cGelebte Nachbarschaft\u201d. Da gibt es Feste in Garagen und Parks, Geld f\u00fcr B\u00fcrgerprojekte, bei denen die Menschen ihr Stadtviertel nach eigenen Vorstellungen neu gestalten k\u00f6nnen\u2026 Das Chemnitzer Kultur-Rezept ist einfach: Nah ran an die Menschen, mitmachen &#8211; und Kultur im Alltag entdecken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Im Osten Deutschlands liegt eine Gro\u00dfstadt, von der viele Europ\u00e4er noch nie geh\u00f6rt haben: Chemnitz. 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