{"id":367479,"date":"2025-08-23T17:11:11","date_gmt":"2025-08-23T17:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/367479\/"},"modified":"2025-08-23T17:11:11","modified_gmt":"2025-08-23T17:11:11","slug":"ohne-europaeischen-frieden-droht-ein-europaeischer-krieg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/367479\/","title":{"rendered":"Ohne europ\u00e4ischen Frieden droht ein europ\u00e4ischer Krieg"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Eine Woche und gef\u00fchlte eintausend Spekulationen nach dem <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/treffen-zwischen-trump-und-putin-diese-5-erkenntnisse-brachte-der-alaska-gipfel-li.2349689\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Alaskagipfel<\/a> der Pr\u00e4sidenten <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/donald-trump\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Donald Trump<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/wladimir-putin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Wladimir Putin<\/a> h\u00e4lt die Welt nicht viel mehr als einen Strau\u00df alternativer Szenarien in der Hand. Ein Ende des <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kriegs in der Ukraine<\/a> ist weder absehbar noch ausgeschlossen, entsprechend klaffen die Szenarien auseinander.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Selbst der Best Case der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/europa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europ\u00e4er<\/a> ist (theoretisch) nicht vom Tisch: Ein wirtschaftlicher Zusammenbruch oder ein Machtwechsel in Moskau zwingt Russland zum R\u00fcckzug \u2013 vielleicht darf es die Krim behalten, die gute alte Ordnung w\u00e4re wiederhergestellt. Voraussetzung einer solchen Kriegsstrategie \u00fcber die lange Distanz ist allerdings, dass Landdrohnen es verm\u00f6gen, die fehlenden ukrainischen M\u00e4nner zu ersetzen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wahrscheinlicher zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt ist ein Kompromiss. Doch bis es soweit ist, gehen vielleicht Monate ins Land. Zwei Themen stehen im Mittelpunkt: Gebietsabtretungen und Sicherheitsgarantien. Zu beiden ist das Verst\u00e4ndnis der russischen Position hilfreich. Ein Beispiel: Was meint man in Moskau mit \u201eGebietstausch\u201c? Die paar hundert Quadratkilometer russisch okkupiertes Territorium in der nichtannektierten Oblast Charkiw gegen rund 20 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets? Wohl kaum.<\/p>\n<p>Russland will den Nordwesten Donezks<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Laut Putins Selbstverst\u00e4ndnis geh\u00f6ren seit Herbst 2022 vier ukrainische Gebiete zur Russischen F\u00f6deration: Cherson, Donezk, Luhansk und Saporischschja. Davon hat die russische Armee nur Luhansk komplett erobert. Im Donezker Gebiet steht der Nordwesten, mindestens 7000 Quadratkilometer, weiterhin unter ukrainischer Kontrolle. In den westlicher gelegenen Gebieten Cherson und Saporischschja kontrollieren die Russen nur den jeweiligen S\u00fcden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wenn russischerseits von Gebietstausch die Rede ist, d\u00fcrfte es um den bislang nicht okkupierten Nordwesten der Region Donezk gehen \u2013 f\u00fcr den ist Russland gro\u00dfz\u00fcgig bereit, auf den annektierten (aber nie eroberten) Norden der Gebiete Cherson und Saporischschja zu verzichten. Taschenspielertricks, m\u00f6chte man meinen, doch wer mit Russland verhandelt, muss mit solchen Tricks rechnen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">F\u00fcr die Ukrainer w\u00e4re die Hergabe des restlichen Donezk eine Kr\u00f6te erster Ordnung. Dort erstreckt sich der Schwerpunkt ihrer Verteidigungslinien, ihr Ostwall gewisserma\u00dfen. Dem entsagen sie nur, wenn sie westliche Sicherheitsgarantien von einer Qualit\u00e4t erhalten, die jeden k\u00fcnftigen russischen Angriff so gut wie unm\u00f6glich macht.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Stichwort Sicherheitsgarantien. Die kamen bereits bei den Verhandlungen in Istanbul im Fr\u00fchjahr 2022 zur Sprache. Damals legte Russland Wert auf eine gemischte, westlich-nichtwestliche Truppenpr\u00e4senz; die Rede war von der T\u00fcrkei und Belarus. Wichtiger noch: Russland wollte mitbestimmen, ob und wann diese Truppe zum Einsatz kommt. F\u00fcr die Ukraine und ihre westlichen Verb\u00fcndeten bleibt das inakzeptabel. Kein Angegriffener r\u00e4umt dem Angreifer ein Vetorecht bei seiner Verteidigung ein.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Pikant sind die Sicherheitsgarantien auch aus russischer Perspektive. Was geschieht, wenn mitten im Waffenstillstand ukrainische Freikorps oder Freisch\u00e4rler zur R\u00fcckeroberung der v\u00f6lkerrechtlich immer noch ukrainischen Gebiete ansetzen? Im Westen wird man mit den Achseln zucken: Das hat der Russe nun davon. Wom\u00f6glich wird man den ukrainischen K\u00e4mpfern auch Waffen liefern oder anderweitig helfen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Das beiderseitige Misstrauen verkompliziert auch den Einsatz ausl\u00e4ndischer Bodentruppen. Werden die nur auf Russen schie\u00dfen oder auch auf Ukrainer, wenn jene den Waffenstillstand brechen? Werden sie \u00fcberhaupt schie\u00dfen oder durch die Finger schauen wie die niederl\u00e4ndischen Blauhelm-Soldaten beim Massaker von Srebrenica 1995? Das Thema Sicherheitsgarantien ist geeignet, jeden Vermittler verzweifeln zu lassen.<\/p>\n<p>Misstrauen zwischen Russland und dem Westen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Dabei w\u00e4re ein Kompromissfriede durchaus m\u00f6glich, sogar die perspektivische Wiederaufnahme russisch-ukrainischer Wirtschaftsbeziehungen und mehr. Beide Seiten sind abgek\u00e4mpft, beide wissen, dass sie ihre Maximalziele nicht erreichen. Was einen solchen Frieden trotzdem so unwahrscheinlich macht, ist das abgrundtiefe gegenseitige Misstrauen \u2013 nicht so sehr zwischen Ukrainern und Russen als vielmehr zwischen Russland und dem Westen. Beide unterstellen sich gegenseitig, die Ukraine zum Vasallenstaat und zum Aufmarschgebiet f\u00fcr den jeweils n\u00e4chsten Expansionsschritt machen zu wollen: Russland Richtung Westen, der Westen Richtung Russland.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es ist dieses gegenseitige Unterstellen b\u00f6ser Absichten, das einen geopolitischen Konflikt, der bereits im 19. Jahrhundert zwischen dem \u201eliberalen\u201c Westen und dem \u201edespotischen\u201c Osten aufbrach, auch im postsowjetischen und inzwischen sogar postwestlichen 21. Jahrhundert am K\u00f6cheln h\u00e4lt. Das Tauwetter nach dem Ende des Kalten Kriegs um 1990 hat daran nichts ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Pessimisten, die von der Unm\u00f6glichkeit eines kurzfristigen Waffenstillstands sprechen, haben insofern recht, als ein Waffenstillstand das Grundproblem \u2013 Putins root causes \u2013 nicht aus der Welt schaffen w\u00fcrde. Dennoch irren beide, Putin und die Pessimisten. Nur nach einem Waffenstillstand als Schritt eins wird es m\u00f6glich sein, den Fokus auf Schritt zwei zu lenken: eine Friedensl\u00f6sung in Gestalt einer reformierten europ\u00e4ischen Sicherheitsarchitektur.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wird diese Aufgabe nicht angegangen, ger\u00e4t die Welt vor die Wahl zwischen einem aussichtslosen Krieg und einem aussichtslosen Nichtkrieg. Eben weil der Konflikt durch Russland und die Ukraine allein nicht l\u00f6sbar ist, droht mittelfristig die Gefahr eines europ\u00e4ischen Krieges, in den Polen und andere hineingezogen werden. Vielleicht auch Deutschland. Wie immer dieser Krieg ausgehen w\u00fcrde, wir k\u00f6nnen ihn nicht wollen.<\/p>\n<p>Der Donbass spielt keine Rolle<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Mit Abschottung, Aufr\u00fcstung und Abschreckung allein wird der Knoten nicht zu l\u00f6sen sein \u2013 jeder vergleichbar tief verwurzelte Konflikt, der in Friedenszeiten nicht beigelegt wurde, ist noch in Gewalt ausgeufert. Immerhin hat die Trump-Administration seine Bedeutung verstanden. Es geht nicht mehr um die zerst\u00f6rte westliche Ordnung, es geht um die Welt im Werden: China und Indien, der Pazifik, Russlands geopolitische Zukunft, der Globale S\u00fcden, Amerikas k\u00fcnftige Machtposition. Der Donbass spielt da keine Rolle.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Anders als es die Europ\u00e4er glauben, w\u00e4re eine russische Niederlage auch nicht ihr Best Case. Eine Niederlage w\u00fcrde den Moskauer Revanchismus nur prolongieren. Viel wichtiger wird sein, nach dem Ende des sinnlosen Kriegs die europ\u00e4ische Welt \u2013 unter Einschluss Russlands \u2013 in eine neue Zeit zu \u00fcberf\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Falken werden jetzt h\u00f6hnisch lachen. F\u00fcr sie w\u00e4re schon das Kriegsende in der Ukraine gleichbedeutend mit M\u00fcnchen 1938; sie sehen die Russen an Weichsel, Elbe und Rhein. H\u00f6hnisch gelacht haben 1970, als Willy Brandt die Ostvertr\u00e4ge unterschrieb, auch die Kommunistenhasser und Vertriebenenpolitiker. Doch ohne Entspannungspolitik und KSZE-Schlussakte kein Ende des sowjetischen Imperiums \u2013 da waren nicht nur Ronald Reagans Mittelstreckenraketen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Die Zukunft des europ\u00e4ischen Friedens h\u00e4ngt davon ab, ob und wie rasch es gelingen wird, die Falken \u2013 allseits! \u2013 von der Macht zu distanzieren. Die zwei Worst-Case-Szenarien sind ein unabsehbar fortgesetzter Krieg und ein missratener Waffenstillstand. Beide bergen die Gefahr einer gr\u00f6\u00dferen europ\u00e4ischen Auseinandersetzung. Unter den Falken, allseits, sind leider nicht wenige, die bereit sind, diese Auseinandersetzung zu riskieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Woche und gef\u00fchlte eintausend Spekulationen nach dem Alaskagipfel der Pr\u00e4sidenten Donald Trump und Wladimir Putin h\u00e4lt die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":367480,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-367479","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115079196642617068","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367479","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=367479"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367479\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/367480"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=367479"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=367479"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=367479"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}