{"id":367610,"date":"2025-08-23T18:28:12","date_gmt":"2025-08-23T18:28:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/367610\/"},"modified":"2025-08-23T18:28:12","modified_gmt":"2025-08-23T18:28:12","slug":"usa-schalten-klimasatelliten-ab-blackout-am-himmel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/367610\/","title":{"rendered":"USA schalten Klimasatelliten ab: Blackout am Himmel"},"content":{"rendered":"<ol class=\"id-DonaldBreadcrumb lp_west_breadcrumb id-DonaldBreadcrumb--default\" data-k5a-pos=\"west_breadcrumb\">\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"1_startseite\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Startseite<\/a><\/li>\n<li class=\"id-Breadcrumb-item\"><a href=\"https:\/\/www.fr.de\/politik\/\" class=\"id-Breadcrumb-link\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" textlink=\"\" data-k5a-pos=\"2_politik\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Politik<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<p class=\"id-Story-timestamp id-Story-timestamp--default\">Stand: 23.08.2025, 18:56 Uhr<\/p>\n<p class=\"id-Story-authors id-Story-authors--default\">Von: <a class=\"id-Story-authors-link lp_west_author\" href=\"https:\/\/www.fr.de\/autor\/joachim-wille-n8ie8m4yo.html\" title=\"Zur Autorenseite von Joachim Wille\" data-id-ec=\"{\" shn=\"\" author-link=\"\" wille=\"\" data-k5a-pos=\"west_author\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Joachim Wille<\/a><\/p>\n<p class=\"id-Story-interactionBar id-Story-interactionBar--default\">DruckenTeilen<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"id-RatioPlaceholder-element wv_story_el_image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/39409554-handout-die-undatierte-darstellung-zeigt-den-nasa-satelliten-orbiting-carbon-observatory-oc.jpeg\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\"   height=\"619\" width=\"1100\" alt=\"HANDOUT - Die undatierte Darstellung zeigt den Nasa-Satelliten &#x201E;Orbiting Carbon Observatory-2&#x201C; (OCO). Die US-Raumfahrtbeh&#xF6;rde Nasa schickt 2014 f&#xFC;nf Missionen zur Erforschung der Erde ins Weltall. Foto:&#xA0;NASA\/dpa (zu dpa &#x201E;Nasa startet in diesem Jahr f&#xFC;nf Missionen zur Erderforschung&#x201C; vom 23.01.2014 - ACHTUNG:&#xA0;Verwendung nur zu redaktionellen Zwecken und nur bei vollst&#xE4;ndiger Quellenangabe &#x201E;Foto: NASA\/dpa&#x201C;) +++(c) dpa - Bildfunk+++\"\/>Der Nasa-Satellit \u201eOrbiting Carbon Observatory-2\u201c (OCO) zieht seit 2014 seine Bahnen um die Erde.  \u00a9\u00a0Nasa\/dpa<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-leadText\">Die Trump-USA wollen zwei der wichtigsten Klimasatelliten abschalten. US-Forschergruppen versuchen, Wissen vor der L\u00f6schung retten. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Es ist eine bisher wenig beachtete, aber folgenreiche Entscheidung: Die US-Regierung unter Donald Trump will zwei der weltweit wichtigsten Satelliten zur Beobachtung der Erderw\u00e4rmung abschalten. Die Missionen OCO-2 und OCO-3, die seit Jahren die Zunahme des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosph\u00e4re vermessen, sollen nach den Pl\u00e4nen des Wei\u00dfen Hauses beendet werden.  Forschende warnen, es drohe damit ein \u201eBlindflug\u201c im Kampf gegen die Klimakrise \u2013 und versuchen zugleich, gef\u00e4hrdetes Wissen \u00fcber das Klima zu sichern, bevor es getilgt wird.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die beiden Satelliten gelten als Kernst\u00fcck der globalen Klimabeobachtung. OCO-2, gestartet 2014, liefert Daten zur CO2-Konzentration in der Atmosph\u00e4re mit einer Genauigkeit, die kein anderes System erreicht. OCO-3, anno 2019 an der Internationalen Raumstation ISS installiert, erg\u00e4nzt diese Messungen mit flexiblen Kartierungen, die etwa urbane Ballungsr\u00e4ume, die Vegetation oder Abholzungsgebiete im Detail erfassen. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Gemeinsam bilden sie die Grundlage f\u00fcr das Monitoring von Emissionen, das Verifizieren internationaler Klimazusagen und die Verbesserung von Klimamodellen. Die Betriebskosten der Satelliten sind dabei vergleichsweise gering \u2013 rund 15 Millionen Dollar (12,9 Milliarden Euro) pro Jahr.<\/p>\n<p>OCO-Missionen<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Die Nasa-Satelliten<\/strong> OCO-2 und OCO-3 gelten als Herzst\u00fccke der globalen Kohlendioxid-Beobachtung. OCO-2, gestartet 2014 in eine polare Umlaufbahn, misst die atmosph\u00e4rische CO\u2082-Verteilung mit hoher Genauigkeit und liefert Hinweise auf die Photosyntheseaktivit\u00e4t von Pflanzen. OCO-3, seit 2019 an der Internationalen Raumstation ISS installiert, nutzt ein baugleiches Spektrometer, erg\u00e4nzt um einen beweglichen Spiegel. Damit sind flexible Zielbeobachtungen m\u00f6glich, etwa das \u201eSnapshot Area Mapping\u201c, das urbane R\u00e4ume, Industriezentren oder \u00d6kosysteme in hoher r\u00e4umlicher Aufl\u00f6sung erfasst. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-factBox-paragraph\"><strong>Die Daten<\/strong> beider Missionen sind weltweit frei zug\u00e4nglich, werden zur Kalibrierung anderer Satelliten genutzt und bilden eine Grundlage f\u00fcr die \u00dcberpr\u00fcfung internationaler Klimazusagen; auch Europas Copernicus-Programm zum Klimawandel greift darauf zu. jw<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Doch im US-Haushalt f\u00fcr 2026 sind keine Mittel f\u00fcr die OCOs mehr vorgesehen. Nach Recherchen mehrerer US-Medien wurden Nasa-Mitarbeitende angewiesen, sogenannte Termination Plans zu erarbeiten. F\u00fcr OCO-2 bedeutet das die Vorbereitung eines kontrollierten Absturzes des Satelliten \u00fcber dem Pazifik. OCO-3 soll an der ISS schlicht abgeschaltet werden.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eAus rein wirtschaftlicher Sicht macht es keinen Sinn, Nasa-Missionen zu beenden, die unglaublich wertvolle Daten liefern\u201c, zitiert die Fachplattform \u201eEos\u201c David Crisp, einen ehemaligen Projektleiter der Mission. Doch auch in Europa w\u00e4chst die Sorge: Die OCO-Daten werden seit Jahren f\u00fcr das europ\u00e4ische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus genutzt. Fiele die Quelle weg, w\u00fcrde ein zentrales Element der globalen Klimaberichterstattung wegbrechen.<\/p>\n<p>Sch\u00e4rfere Angriffe auf Klimaforschung<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Hinter dem Schritt steht nicht die Notwendigkeit von Einsparungen, sondern offenkundig politische Absicht. Trump hat in seiner zweiten Amtszeit die Angriffe auf die Klimaforschung versch\u00e4rft. Erst im Juli ver\u00f6ffentlichte das Washingtoner Energieministerium einen Bericht, der den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel infrage stellte. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Parallel dazu versucht die Regierung, das sogenannte Gef\u00e4hrdungfeststellung (\u201eendangerment finding\u201c) der US-Umweltbeh\u00f6rde EPA \u2013 die juristische Grundlage f\u00fcr die Regulierung von CO2-Emissionen \u2013 r\u00fcckg\u00e4ngig zu machen. Satelliten passen da nicht ins Bild, die jene Daten liefern, die die Notwendigkeit des Klimaschutzes untermauern. Der renommierte US-Klimaforscher Michael Mann sagte: \u201eDas Prinzip scheint zu sein, dass, wenn wir mit Messen des Klimawandels aufh\u00f6ren, dieser dann aus dem amerikanischen Bewusstsein verschwindet.\u201c<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Die Folgen eines OCO-Abschaltens w\u00e4ren gravierend. Die Technologie der Satelliten hat das Verst\u00e4ndnis des globalen Kohlenstoffkreislaufs revolutioniert. Erstmals konnte gezeigt werden, dass der Amazonas-Regenwald in der Trockenzeit seine CO2-Aufnahme drastisch reduziert, dass nordische W\u00e4lder im Fr\u00fchjahr explosionsartig CO2 aufnehmen oder dass Agrarfl\u00e4chen in China w\u00e4hrend der Wachstumsperiode zu gewaltigen CO2-Speichern werden. <\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Ohne die Messungen der Satelliten w\u00e4re es viel schwieriger, regionale Emissionsquellen zuverl\u00e4ssig zu erfassen. Weder die Abholzung im Amazonas noch der CO2-Aussto\u00df von Metropolen wie Los Angeles oder Peking k\u00f6nnten dann so pr\u00e4zise wie bisher \u00fcberwacht werden, erschwert w\u00fcrden zudem Prognosen von Ernteertr\u00e4gen. Auch die F\u00e4higkeit, Fortschritte oder R\u00fcckschritte bei Klimazusagen einzelner Staaten zu \u00fcberpr\u00fcfen, w\u00fcrde erheblich leiden. Gerade f\u00fcr Entwicklungsl\u00e4nder, die auf frei verf\u00fcgbare Daten angewiesen sind, w\u00e4re der Verlust fatal. Sie nutzen die Informationen, um Strategien zur Klimaanpassung zu entwickeln und Klimafinanzierungen zu beantragen.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">In den USA gibt es Versuche, die OCO-Satelliten unabh\u00e4ngig weiterzubetreiben. Laut US-Medienberichten bem\u00fchen sich Universit\u00e4ten und private Stiftungen, Mittel bereitzustellen, um zumindest OCO-3 am Leben zu halten. Auch europ\u00e4ische Forschungskonsortien pr\u00fcfen, ob sie einspringen k\u00f6nnen. Doch es ist fraglich, ob das klappt. Ohne eine Zugang zur internen Daten-Infrastruktur der Weltraumbeh\u00f6rde Nasa sind die Erfolgsaussichten daf\u00fcr begrenzt.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Noch wehrt sich die Fachwelt gegen Trumps Tabula Rasa. In den USA formieren sich Forschergruppen, um das Klimawissen gegen politische Eingriffe zu verteidigen. Die nationalen Wissenschaftsakademien (National Academies of Sciences) haben ein Schnellverfahren gestartet, um die Gefahren von Treibhausgasen f\u00fcr Gesundheit und Umwelt noch einmal umfassend zu dokumentieren \u2013 rechtzeitig, bevor die Trump-gesteuerte EPA dar\u00fcber entscheidet. <\/p>\n<p>Klassische Methoden autorit\u00e4rer Regimes<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">\u201eEs ist von entscheidender Bedeutung, dass die Politikgestaltung auf Bundesebene auf den besten verf\u00fcgbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basiert\u201c, sagte Akademien-Pr\u00e4sidentin Marcia McNutt. Parallel dazu archivieren Initiativen wie das \u201ePublic Environmental Data Project\u201c und die \u201eCornerstone Sustainability Data Initiative\u201c massenhaft Regierungsdaten, die in Gefahr sind, gel\u00f6scht zu werden. Denn Washington hat bereits einen Gro\u00dfteil der Websites und Datenbanken entfernt oder ver\u00e4ndert, darunter die nationalen Klimaberichte (National Climate Assessment), die bisher \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich waren.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der Rechtswissenschaftler Peter\u202fShane von der\u00a0New York University wies laut dem britischen \u201eGuardian\u201c darauf hin, dass die Sabotage unabh\u00e4ngiger Datenquellen und das \u00dcberschwemmen der \u00d6ffentlichkeit mit Desinformation klassische Methoden seien, um Kontrolle \u00fcber den Diskurs zu erlangen. Dass eine Regierung nun ausgerechnet im Land der \u201eApollo\u201c-Missionen zu dieser Strategie greift, alarmiert die Wissenschaftsgemeinschaft weltweit.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Das Vorgehen Washingtons wirft freilich auch geopolitische Fragen auf. China investiert massiv in eigene Klimasatelliten, etwa die TanSat-Mission zur CO2-Messung. Sollten die USA ihre Pionierrolle aufgeben, k\u00f6nnte Peking in die L\u00fccke sto\u00dfen,  mit allen Folgen f\u00fcr internationale Machtverh\u00e4ltnisse. Europa wiederum m\u00fcsste kurzfristig vergleichbare Kapazit\u00e4ten aufbauen, um erneut nicht abh\u00e4ngig zu werden. Doch solche Missionen kosten Zeit und Geld \u2013 Jahre, die die Welt im Kampf gegen die Erderhitzung nicht hat.<\/p>\n<p class=\"id-StoryElement-paragraph\">Der Streit um OCO-2 und OCO-3 ist ein Symbol f\u00fcr den Umgang einer Regierung mit wissenschaftlichen Fakten, die politisch unbequem sind. Werden die Satelliten zerst\u00f6rt, w\u00e4re das ein R\u00fcckschlag f\u00fcr die Weltgemeinschaft. Doch die Gegenbewegung zeigt, dass sich die Wissenschaft nicht kampflos verdr\u00e4ngen l\u00e4sst. Forschende sichern Daten, vernetzen sich, suchen Geldquellen. Noch senden OCO-2 und OCO-3 ihre Daten. Noch ist Zeit, die Abwrackpl\u00e4ne zu stoppen. Doch die Uhr tickt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Startseite Politik Stand: 23.08.2025, 18:56 Uhr Von: Joachim Wille DruckenTeilen Der Nasa-Satellit \u201eOrbiting Carbon Observatory-2\u201c (OCO) zieht seit&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":367611,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-367610","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115079499161763116","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367610","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=367610"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/367610\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/367611"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=367610"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=367610"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=367610"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}