{"id":368405,"date":"2025-08-24T02:15:23","date_gmt":"2025-08-24T02:15:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/368405\/"},"modified":"2025-08-24T02:15:23","modified_gmt":"2025-08-24T02:15:23","slug":"srf-moderatorin-angelique-beldner-ueber-neues-persoenliches-buch-meine-geschichte-sollte-gar-nicht-noetig-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/368405\/","title":{"rendered":"SRF-Moderatorin Ang\u00e9lique Beldner \u00fcber neues pers\u00f6nliches Buch: \u00abMeine Geschichte sollte gar nicht n\u00f6tig sein\u00bb"},"content":{"rendered":"<p>  <img decoding=\"async\" class=\"m-image-and-caption__image lazyload\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/13800962-965f-4506-80db-5b97373163d7.jpeg\"  data- alt=\"Zehn Jahre lang moderierte Ang\u00e9lique Beldner die \u00abTagesschau\u00bb. Heute ist sie noch als Moderatorin der Quizshow \u00ab1 gegen 100\u00bb im Fernsehen zu sehen.\"\/><\/p>\n<p>      Zehn Jahre lang moderierte Ang\u00e9lique Beldner die \u00abTagesschau\u00bb. Heute ist sie noch als Moderatorin der Quizshow \u00ab1 gegen 100\u00bb im Fernsehen zu sehen.<\/p>\n<p>        Ayse Yavas\n      <\/p>\n<p class=\"a-paragraph a-paragraph--lead\" data-t-name=\"Paragraph\">Ang\u00e9lique Beldner erlebt schon ihr ganzes Leben Rassismus. Doch lange fehlten ihr die Worte daf\u00fcr. Jetzt erz\u00e4hlt die SRF-Moderatorin in ihrem neuen Buch offen ihre Erfahrungen \u2013 und zwingt zum Hinschauen.<\/p>\n<p>  Keine Zeit? blue News fasst f\u00fcr dich zusammen<\/p>\n<ul class=\"m-list m-list--content-list\">\n<li class=\"m-list__element\">SRF-Moderatorin Ang\u00e9lique Beldner erz\u00e4hlt in ihrem neuen Buch von pers\u00f6nlichen Rassismuserfahrungen und wie sie diese lange nicht benennen konnte, sondern oft herunterspielte oder entschuldigte.<\/li>\n<li class=\"m-list__element\">Erst durch die Black-Lives-Matter-Bewegung 2020 fand sie Worte, begann \u00fcber ihr Schwarzsein zu sprechen und stellte sich \u00f6ffentlich der Diskussion.<\/li>\n<li class=\"m-list__element\">Mit ihrem zweiten Buch will sie nicht anprangern, sondern mit ihrer pers\u00f6nlichen Geschichte den Dialog \u00fcber Rassismus weiterf\u00fchren.<\/li>\n<\/ul>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Als Kind stiess Ang\u00e9lique Beldner in B\u00fcchern auf stereotype Darstellungen von Schwarzen Menschen. Als Jugendliche wurde sie in den Ferien auf dem Weg vom Strand zur\u00fcck zum Hotel von einem Mann f\u00fcr eine Prostituierte gehalten. Als junge Erwachsene lobten Fremde ihr Berndeutsch. Und wenn sie heute im Zug in der ersten Klasse sitzt, weisen sie andere Reisende manchmal explizit darauf hin.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Das sind Beispiele f\u00fcr den Rassismus, von dem Ang\u00e9lique Beldner in ihrem neuen Buch \u00abRassismus im R\u00fcckspiegel\u00bb erz\u00e4hlt. \u00abIch erlebe Rassismus, seit ich denken kann\u00bb, erz\u00e4hlt Beldner im Gespr\u00e4ch mit blue News. \u00abIch habe schon immer gemerkt, dass ich Erfahrungen mache, die mit meinem \u00c4usseren zu tun haben.\u00bb<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Doch Beldner erz\u00e4hlt in ihrem Buch auch davon, wie sie lange keine Worte f\u00fcr den Rassismus hatte, den sie erlebt. Und wie sie geschwiegen hat. \u00dcber 40 Jahre lang.\u00a0\u00abWenn ich mal \u00fcber Rassismus gesprochen habe, dann hatte ich das Gef\u00fchl, das sei eher schlecht, wenn man dem zu viel Gewicht gibt\u00bb, erz\u00e4hlt Beldner. In einem Interview mit der <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.srf.ch\/play\/tv\/glanz--gloria\/video\/gg-mit-emotionalen-und-stilsicheren-protagonisten?urn=urn:srf:video:0d44e28a-9d99-42d7-9101-f01a10a351f1\">SRF-Sendung \u00abGlanz &amp; Gloria\u00bb<\/a> sagte sie 2018 sogar: \u00abNat\u00fcrlich gibt es manchmal Kritiken, die man als Rassismus interpretieren k\u00f6nnte. Aber dann versuche ich es nicht so zu interpretieren.\u00bb<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Racial Gaslighting nennt sich das auch. Das Absprechen von rassistischen Erfahrungen. \u00abH\u00f6re ich dauernd, dass ich mir etwas nur einbilde oder dass ich \u00fcbertreibe, wenn ich mich durch eine Aussage oder Handlung verletzt f\u00fchle, glaube ich es irgendwann\u00bb, schreibt Beldner im Buch. Sie entschuldigte den Rassismus, indem sie sagte, das sei sicher nicht b\u00f6se gemeint.<\/p>\n<p>Beldner wollte in weissem Umfeld nicht auffallen<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Ihre ersten Lebensjahre lebte Beldner in Frutigen mit ihrer alleinerziehenden Mutter, bald zog sie nach Bern, wurde Journalistin, dann Radiomoderatorin und kam schliesslich zum Fernsehen. Zehn Jahre lang moderierte sie die Tagesschau, diesen Sommer hatte sie ihre letzte Sendung, weiterhin macht sie die Quizshow \u00ab1 gegen 100\u00bb.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">R\u00fcckblickend schreibt Beldner in \u00abRassismus im R\u00fcckspiegel\u00bb, sie w\u00e4re wohl nie auf die Idee gekommen, Fernsehmoderatorin zu werden, h\u00e4tte sie sich nicht mehr als weisse denn als Schwarze Frau verstanden. Sie h\u00e4tte es nicht f\u00fcr m\u00f6glich gehalten. \u00abIch bin in einem weissen Umfeld aufgewachsen. In der Familie, in der Schule, in der Ausbildung hatte ich nur weisse Menschen um mich herum\u00bb, erz\u00e4hlt sie im Gespr\u00e4ch. Also sei es ihr wichtig gewesen, in diesem weissen Umfeld m\u00f6glichst nicht aufzufallen. \u00abDass ich den Job bekommen habe, war f\u00fcr mich wie eine Best\u00e4tigung, dass die Anpassung gegl\u00fcckt war\u00bb, sagt sie.<\/p>\n<blockquote class=\"a-quote\">\n<p class=\"a-quote__text\">\u00abIch habe angefangen, anderen zuzuh\u00f6ren und merkte, dass sie dieselben Geschichten erz\u00e4hlen\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"a-author a-author--large\">Ang\u00e9lique Beldner<\/p>\n<p class=\"a-personal\">Autorin und Moderatorin<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Dann kam der Sommer 2020. Und die Ermordung von George Floyd in den USA durch weisse Polizisten. Weltweit gingen Menschen auf die Strasse, machten auf den Rassismus aufmerksam, den People of Colour erleben.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">F\u00fcr Beldner war es eine Best\u00e4tigung von all dem, was sie schon immer gesp\u00fcrt hat. \u00abIch habe angefangen, anderen zuzuh\u00f6ren und merkte, dass sie dieselben Geschichten erz\u00e4hlen. Damit wurde mir bewusster, dass ich mir nicht einbilde, was ich erlebe, sondern dass es wirklich so ist.\u00bb Was sie vorher leise mit sich alleine ausgemacht hat, wurde pl\u00f6tzlich laut in der \u00d6ffentlichkeit diskutiert.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Beldner begann daraufhin, sich mit ihrem eigenen Schwarzsein auseinanderzusetzen. Sie machte f\u00fcr <a target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=9t92aF1w3zY&amp;ab_channel=SRFDokus%26Reportagen\">SRF Reporter einen Film,<\/a> ging nach Frutigen, um mit Stammtischbesuchern \u00fcber das N-Wort zu diskutieren. Und sie sprach in Paris zum ersten Mal mit ihrem Vater und ihrer Schwester wirklich \u00fcber Rassismus. 2021 schrieb sie ihr erstes Buch. In \u00abDer Sommer, in dem ich Schwarz wurde\u00bb unterh\u00e4lt sie sich mit Schriftsteller Martin R. Dean \u00fcber ihre Rassismuserfahrungen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Dass sie jetzt ein weiteres\u00a0Buch schreibt, war nicht von Anfang an klar. \u00abIch habe mich gefragt, kann ich und will ich nochmal die Kraft aufbringen, mich in die \u00d6ffentlichkeit zu stellen und solche Diskussionen zu f\u00fchren?\u00bb, sagt Beldner. Darauf wusste sie auch bald die Antwort: \u00abJa, ich muss es. Es ist mir zu wichtig.\u00bb<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Eigentlich habe sie diesmal weniger \u00fcber ihre eigenen Erfahrungen schreiben wollen, weil Rassismus ja nichts Individuelles sei. Doch je l\u00e4nger sie am Buch gearbeitet habe, desto mehr habe sie erkannt, \u00abdass wenn ich mehr Pers\u00f6nliches einbetten kann, die Menschen wahrscheinlich eher bereit sind, hinzusehen und hinzuh\u00f6ren.\u00bb<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Gleichzeitig sagt sie auch: \u00abEs geht mir nicht um meine Geschichte. Eigentlich sollte meine Geschichte gar nicht n\u00f6tig sein.\u00bb Ihre eigenen Rassismuserfahrungen zu erz\u00e4hlen, sei vielmehr Mittel zum Zweck, um zu verstehen, was Rassismus ist und macht. \u00abIch gebe meine Geschichte sozusagen her\u00bb, meint sie.<\/p>\n<blockquote class=\"a-quote\">\n<p class=\"a-quote__text\">\u00abDas Buch soll kein Anprangern sein\u00bb<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"a-author a-author--large\">Ang\u00e9lique Beldner<\/p>\n<p class=\"a-personal\">Autorin und Moderatorin<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Denn was Betroffene von Rassismus erz\u00e4hlen, sei sich oft \u00e4hnlich. \u00abEs ist egal, mit wem du sprichst. Du wirst immer wieder auf gleiche Geschichten stossen\u00bb. Und auch Beldners Beispiele \u2013 ob sie aus ihrer Kindheit in den 1970ern erz\u00e4hlt oder aus der Gegenwart \u2013 haben schlussendlich alle den gleichen Kern: Es war und ist Rassismus.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Beldner k\u00f6nnte w\u00fctend sein, vielen Menschen Vorw\u00fcrfe machen. Denen, von denen sie im Buch erz\u00e4hlt, die sie rassistisch beleidigt und stereotypisiert haben. Aufs SRF, das ihr bei ihrer ersten Bewerbung als Tagesschaumoderatorin sagte, die Schweiz sei noch nicht bereit f\u00fcr eine Schwarze Moderatorin. Auf weisse Menschen allgemein.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">\u00abDas Buch soll kein Anprangern sein\u00bb, sagt Beldner aber. \u00abIch glaube, es bringt uns weiter, wenn ich sage, was ist und was ich empfinde, ohne gleichzeitig alle zu kritisieren.\u00bb Sie entschuldigt Rassismus nicht mehr, sondern sagt: Das ist ein gesellschaftliches Problem. \u00abWenn wir weiterkommen wollen, m\u00fcssen wir das benennen\u00bb, meint Beldner.<\/p>\n<p>Ehrlich und klar, aber auch geduldig<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Gleichzeitig h\u00e4lt sie fest: \u00abIch merke, dass beim Thema Rassismus sehr viel Unsicherheit da ist. Und Unsicherheit f\u00fchrt dazu, dass man sich zur\u00fcckzieht und lieber gar nichts mehr sagt als etwas Falsches. Das m\u00f6chte ich verhindern.\u00bb Mit ihrem zweiten Buch macht sie so weiter, was sie mit dem Film und dem ersten Buch begonnen hat. Sie tritt in einen Dialog.<\/p>\n<p class=\"a-paragraph\" data-t-name=\"Paragraph\">Sie erz\u00e4hlt ehrlich und klar, aber auch geduldig von Rassismus. Sie sagt: Schau, das passiert mir. So f\u00fchlt es sich an. Dann zoomt sie raus, bringt Beispiele anderer People of Colour oder Entwicklungen in der Gesellschaft rein. Und \u00fcberl\u00e4sst es so den Leser*innen selbst, dar\u00fcber nachzudenken,\u00a0was das f\u00fcr ihr eigenes Handeln bedeutet. Nur das Schweigen \u00fcber Rassismus, das l\u00e4sst das Buch nicht mehr zu.<\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" class=\"m-image-and-caption__image lazyload\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/def241e0-a64d-4bc6-bb7f-a92be98aeea7.png\"  data- alt=\"Ang\u00e9lique Beldner: \u00abRassismus im R\u00fcckspiegel\u00bb. 192 Seiten. Limmat Verlag, 2025.\"\/><\/p>\n<p>      Ang\u00e9lique Beldner: \u00abRassismus im R\u00fcckspiegel\u00bb. 192 Seiten. Limmat Verlag, 2025.<\/p>\n<p>  Mehr aus dem Ressort<\/p>\n<p>      SRF z\u00fcgelt \u00abRundschau\u00bb nach Sommerferien in neues Studio<\/p>\n<p class=\"m-teaser__text js-m-teaser__text\">Die \u00abRundschau\u00bb zeigt sich ab dem 20. August in neuem Studio-Look. Inhaltlich bleibt die SRF-Sendung aber beim Bew\u00e4hrten.<\/p>\n<p class=\"m-teaser__lead\">10.07.2025<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zehn Jahre lang moderierte Ang\u00e9lique Beldner die \u00abTagesschau\u00bb. 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