{"id":368781,"date":"2025-08-24T06:00:20","date_gmt":"2025-08-24T06:00:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/368781\/"},"modified":"2025-08-24T06:00:20","modified_gmt":"2025-08-24T06:00:20","slug":"leipzigs-kulturbuergermeisterin-skadi-jennicke-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/368781\/","title":{"rendered":"Leipzigs Kulturb\u00fcrgermeisterin Skadi Jennicke im Interview"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Leipzig. Haushaltskrise, <a href=\"https:\/\/www.lvz.de\/kultur\/regional\/aufruhr-in-leipzigs-kulturszene-stadt-friert-projektfoerdergelder-ein-AEIQELJ35JEC7DPIKA7UDHXQTU.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.lvz.de\/kultur\/regional\/aufruhr-in-leipzigs-kulturszene-stadt-friert-projektfoerdergelder-ein-AEIQELJ35JEC7DPIKA7UDHXQTU.html\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/www.lvz.de\/kultur\/regional\/aufruhr-in-leipzigs-kulturszene-stadt-friert-projektfoerdergelder-ein-AEIQELJ35JEC7DPIKA7UDHXQTU.html\">Projektf\u00f6rder-Stopp<\/a>, steigende Kosten: Die Kultur scheint nach der Corona-Pandemie direkt in die n\u00e4chste Krise zu schlittern. Woher r\u00fchren die Probleme, und was kommt in den n\u00e4chsten Jahren auf die Leipziger Kultur zu? Kulturb\u00fcrgermeisterin Skadi Jennicke (Linke) sprach dar\u00fcber mit der LVZ.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Corona, Inflation, Haushaltskrise: Als Sie 2016 Ihr Amt als Leipzigs Kulturb\u00fcrgermeisterin antraten, h\u00e4tten Sie da geahnt, dass Sie in so kurzer Zeit so viele Krisen w\u00fcrden bew\u00e4ltigen m\u00fcssen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nein, nat\u00fcrlich kann man weder Corona noch eine derart heftige Haushaltskrise konkret vorhersehen. Aber dass man immer um die Kultur k\u00e4mpfen muss und auf ihr ein hoher Legitimationsdruck lastet, das ist nichts Neues. Corona mal ausgeklammert, waren das seit 2016 allerdings gute Jahre f\u00fcr die Kultur, Budgeterh\u00f6hungen und Investitionen waren m\u00f6glich. Zwar nie im gew\u00fcnschten Umfang, denn am Ende ist es immer zu wenig. Aber es gab viele substanzielle Verbesserungen vor der Pandemie und zum Teil auch in den Monaten danach. Das wird nun aufs Spiel gesetzt. Einerseits durch den Druck der \u00f6ffentlichen Haushalte, andererseits nehme ich wahr, dass dieser Druck von einigen politisch genutzt wird.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Hatten Sie schon vorher Erfahrung als Krisenmanagerin?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Na ja, ich bin Mutter von drei Kindern (lacht). Man w\u00e4chst mit seinen Aufgaben. Man hat ja ein Ethos in einem solchen Amt: man will etwas f\u00fcr den Bereich, den man verantwortet, erreichen. Das ist mal mit gr\u00f6\u00dferen und mal mit kleineren Widerst\u00e4nden verbunden. Aber der Wille und der Auftrag ist ja immer derselbe: gegen die Widerst\u00e4nde anzuk\u00e4mpfen und das Bestm\u00f6gliche zu erreichen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Wie hat sich die Wahrnehmung des Wertes von Kultur ver\u00e4ndert, politisch und gesellschaftlich?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Vor Corona konnten wir in Leipzig aufgrund der wirtschaftlich stabilen Lage viel f\u00fcr die Kultur tun. Gerade im Schulterschluss mit dem Stadtrat lie\u00df der Druck, sich f\u00fcr die h\u00f6heren Kosten rechtfertigen zu m\u00fcssen, in dieser Zeit nach. Wir hatten ein gutes, vertrauensvolles Miteinander. Und auch gesellschaftlich, so mein Eindruck, sa\u00df die Kultur sehr fest im Sattel. Zu Beginn von Corona, da erinnern sich sicher alle schmerzhaft dran, wurde die Kultur dann oft vergessen. Im Verlauf der Pandemie nahm die Wertsch\u00e4tzung wieder zu, weil es so viel Protest und Gegenwehr gab und die Politik bald einsah, dass Kultur gerade in solch einer Situation Stabilit\u00e4t schaffen kann und identit\u00e4tsstiftend wirkt. Jetzt aber sind wir wieder in einer neuen Phase, in der ich mich manchmal an das Murmeltier erinnert f\u00fchle: Der Legitimationsdruck, den man glaubte, \u00fcberwunden zu haben, entsteht aufgrund des Haushaltsdrucks mit voller Wucht neu. Die Diskursgr\u00e4ben rei\u00dfen erneut auf.<\/p>\n<p>\u201eEs steht viel auf dem Spiel.\u201c<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ist Leipzigs Status als Kulturstadt in Gefahr?<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nein. Aber es steht viel auf dem Spiel. Bundesweit und international haben wir einen sehr guten Ruf. Es \u00fcberrascht mich selbst immer wieder: Egal, wo man hinkommt, Leipzig zaubert jedem, der etwas mit der Stadt verbindet, ein L\u00e4cheln ins Gesicht, und das in der Regel im Zusammenhang mit der Kultur, mit ihrer Qualit\u00e4t und dem Lebensgef\u00fchl, das durch sie entsteht.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Trotzdem muss gespart werden. Wie sehr betrifft das die st\u00e4dtischen Eigenbetriebe?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Stadt muss insgesamt 100 Millionen Euro bis 2027 einsparen. F\u00fcr das Kulturdezernat bedeutet das 2025 eine halbe Million Euro, 1,4 Millionen im Jahr 2026 und 1,7 Millionen im Jahr 2027. Da muss jeder seinen Beitrag bringen, auch die Eigenbetriebe. Zugleich sind die Kosten bei Energie und allen Drittdienstleistungen wie Bewachung, IT, Reinigung und Besucherdienst enorm gestiegen. Diese Steigerungen haben alle innerhalb des Wirtschaftsplans kompensiert. Das macht allein 5 Millionen Euro im Jahr 2025 aus, die die Eigenbetriebe intern bereits eingespart haben \u2013 schmerzhaft erkauft, beispielsweise dadurch, dass eine sp\u00fcrbare Anzahl von Stellen nicht besetzt ist. Zum Teil im zweistelligen Bereich. Das kann kein Dauerzustand bleiben, ist aber eben eine Folge der derzeitigen Haushaltssituation.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Und wird Folgen f\u00fcrs Programm haben?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Es wird nicht ohne Auswirkungen aufs Programm bleiben, etwa auf die Inszenierungsbudgets, auf die Vielzahl der Formate, auch aufs Marketing. Aber alle bem\u00fchen sich wahnsinnig intensiv, das Optimum zu finden, so dass keine Substanz verlorengeht. Aber es tut weh.<\/p>\n<p>Zur Person<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 kEnWSL Infoboxstyled__InfoText-sc-1l4p3ie-1 frXoXc\">Skadi Jennicke wurde 1977 in Leipzig geboren. Sie studierte Dramaturgie an der Leipziger Hochschule f\u00fcr Musik und Theater und promovierte 2009 an der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg. Ab 1997 arbeitete sie unter anderem als Dramaturgie- und Regieassistentin sowie als Dramaturgin am Neuen Theater Halle\/Saale und am Schauspiel Leipzig. Von 2009 bis 2016 war sie stellvertretende Vorsitzende und kulturpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion im Leipziger Stadtrat. Seit 2016 ist sie Leipzigs Kulturb\u00fcrgermeisterin.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Wo genau wird es schmerzen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ganz ohne Einschr\u00e4nkungen wird es nicht gehen. Wir stellen gerade die Wirtschaftspl\u00e4ne f\u00fcr 2026 auf. Da stehen erneut harte Verhandlungen an, wie wir das hinbekommen. Wir sind mittendrin, dem kann und will ich deshalb nicht vorgreifen. Aber wir haben eine gute kollegiale Situation, alle Eigenbetriebsleiter sitzen an einem Tisch und wissen von den anderen \u2013 das hat es auch nicht immer gegeben. Es gibt ein sehr wertsch\u00e4tzendes Miteinander, und das ist in so einer Situation sehr viel wert.<\/p>\n<p>Auch Leipzigs Freie Szene ist von Einschnitten betroffen<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Und inwiefern werden die Einsparungen die Freie Szene betreffen?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Da versuchen wir, die Einschnitte moderat zu halten, und fahren auf Sicht. In diesem Jahr haben wir die Arbeitsstipendien in H\u00f6he von 250.000 Euro, die nicht produktionsgebunden sind, ausgesetzt. Das ist nicht sch\u00f6n, weil wir sie erst letztes Jahr eingef\u00fchrt haben. Ich bin dankbar, dass die Szene hier so hartn\u00e4ckig war. Der Plan ist, sie n\u00e4chstes Jahr wieder einzusetzen, wenn auch vielleicht nicht in der vollen H\u00f6he. Das ist ein junges, neues F\u00f6rderinstrument, und ich m\u00f6chte das nicht gef\u00e4hrden. Auch an der neuen <a href=\"https:\/\/www.lvz.de\/kultur\/regional\/leipzigs-freie-szene-profitiert-stadt-will-kulturfoerderung-neu-ausrichten-NA4A7Y2HOBCA7MHRV222V46EGI.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer nofollow noopener\" title=\"https:\/\/www.lvz.de\/kultur\/regional\/leipzigs-freie-szene-profitiert-stadt-will-kulturfoerderung-neu-ausrichten-NA4A7Y2HOBCA7MHRV222V46EGI.html\" data-vars-event-category=\"intext_link\" data-vars-event-action=\"click\" data-vars-event-label=\"https:\/\/www.lvz.de\/kultur\/regional\/leipzigs-freie-szene-profitiert-stadt-will-kulturfoerderung-neu-ausrichten-NA4A7Y2HOBCA7MHRV222V46EGI.html\">Basisf\u00f6rderung<\/a> in H\u00f6he von 500.000 Euro, die jetzt ausgeschrieben ist, w\u00fcrde ich gern festhalten. Das kann nat\u00fcrlich bedeuten, dass wir an anderer Stelle einen Beitrag zur Gesamtkonsolidierung bringen m\u00fcssen, doch so weit sind wir noch nicht. Wir haben jetzt erstmal ausgehandelt, dass wir ab 2026 auf die zweite Projektf\u00f6rdermittel-Vergaberunde verzichten. Das Geld bleibt im Topf, aber wir machen kein zweites Verfahren im M\u00e4rz. Das spart Verwaltungskapazit\u00e4t, die wir f\u00fcr die Basisf\u00f6rderung einsetzen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ende Juni sorgte das vorl\u00e4ufige Aussetzen der Projektf\u00f6rdermittel f\u00fcr einen Schock in der Freien Szene.<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Verst\u00e4ndlicherweise. Eigentlich d\u00fcrfen im Rahmen der vorl\u00e4ufigen Haushaltsf\u00fchrung gar keine Projektf\u00f6rdermittel ausgereicht werden. Das haben wir trotzdem gemacht mit dem Hinweis, dass das unter Vorbehalt geschieht und es im schlimmsten Fall R\u00fcckforderungen gibt. Das m\u00f6chte niemand, aber das stand auf jedem Bescheid.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Kam so etwas schon mal vor?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nein, meines Wissens nicht. Zweiter wichtiger Punkt dabei: Bei der vorl\u00e4ufigen Haushaltsf\u00fchrung, also wenn noch keine Genehmigung von der Landesdirektion vorliegt, d\u00fcrfen alle Budgets nur zu maximal 40 Prozent freigegeben werden. Das war im ersten Jahr eines Doppelhaushalts schon immer so. Nur war die Genehmigung meist sp\u00e4testens im Juni da. Dieses Jahr nicht, und im Juni waren die 40 Prozent ausgesch\u00f6pft, so dass keine Projektmittel mehr ausgereicht werden konnten. Die Kolleginnen im Kulturamt haben reagiert und allen Betroffenen umgehend Gespr\u00e4che angeboten, wovon es dann mehr als 70 gab, um H\u00e4rtef\u00e4lle zu pr\u00fcfen, falls jemand schon vertragliche Verpflichtungen eingegangen ist. In wenigen Einzelf\u00e4llen wurden auch Mittel ausgereicht. Aber sicher: Das hat viel Frust und Entt\u00e4uschung verursacht.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Aus welchem Topf kamen diese Mittel?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Aus dem gleichen, \u00fcber die 40 Prozent hinaus. Aber eben nur auf Einzelantrag, und das liegt dann auch in der Hoheit der K\u00e4mmerei.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Es gab also einen Notfallplan?<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Den haben wir beim Laufen erfunden. Die gesamte Stadtverwaltung operiert ja in der Erwartung, dass die Genehmigung kommt. Aber wir haben jetzt zwei Drittel des Jahres um und durften bislang trotzdem nur 40 Prozent der Budgets nutzen.<\/p>\n<p>\u201eDie strukturelle Krise der kommunalen Haushalte ist bundespolitisch verursacht\u201c <\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ist Leipzig da ein Einzelfall?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Nein, das sind die Regeln des kommunalen Haushaltsgesetzes. Die gelten in ganz Sachsen. Der Konsolidierungsdruck ist \u00fcberall enorm, noch viel st\u00e4rker im l\u00e4ndlichen Raum. Chemnitz hat \u2013 gerade im Kulturhauptstadt-Jahr \u2013 ebenfalls massive Einsparungen vorgenommen. Soweit ich es \u00fcberblicke, ist jede gr\u00f6\u00dfere deutsche Kulturstadt betroffen. Hamburg ist eine Ausnahme. Wir haben eine strukturelle Krise der kommunalen Haushalte, und die ist bundespolitisch verursacht. In Sachsen kommt, im Gegensatz zu anderen Bundesl\u00e4ndern, noch hinzu, dass die Regierung einen sehr restriktiven Haushaltskurs f\u00e4hrt. Das Mantra, keine neuen Schulden aufzunehmen, schl\u00e4gt sich unmittelbar auf die Kommunen nieder. Man l\u00e4sst uns damit gnadenlos allein.<\/p>\n<blockquote><p>Das Mantra, keine neuen Schulden aufzunehmen, schl\u00e4gt sich unmittelbar auf die Kommunen nieder.<\/p><\/blockquote>\n<p class=\"Quotestyled__Author-sc-q277fq-1 hfNZxo\">Skadi Jennicke, Leipzigs Kulturb\u00fcrgermeisterin<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Manche fordern, das Geld solle statt in die Kultur eher in Stra\u00dfen oder andere Infrastruktur gesteckt werden. Was entgegnen Sie dem?<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ich habe Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr, dass eine Stadt in ihrer Grundkonstitution funktional sein muss \u2013 aber dazu geh\u00f6rt eben genauso die Kultur. Man gewinnt nichts, wenn man eine Sache nach vorne stellt und die andere nach hinten.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Verbunden ist das oft mit der Forderung, Kultur m\u00fcsse sich wirtschaftlich selbst tragen k\u00f6nnen.<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Das zeugt von frappierender Unkenntnis und wird den Anstrengungen der Akteure nicht gerecht. Auch Kultureinrichtungen werden unternehmerisch gef\u00fchrt und sind wirtschaftlich effizient, werden ihre Kosten aber nicht durch Einnahmen am Markt erwirtschaften. Das liegt in der Natur der Sache, weil Kunst in der Regel sehr zeitaufwendig und personalintensiv ist. Egal ob Theater, Konzert oder Ausstellung: Der Aufwand wird immer gr\u00f6\u00dfer sein als die Einnahmen an der Ticketkasse. Es ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die bislang auch Konsens ist, dass eine Gesellschaft sich das gern leisten m\u00f6chte, weil sie es f\u00fcr wertvoll und essenziell erachtet. Wenn man das diskutieren m\u00f6chte, dann gern auf dieser Ebene, und dem stelle ich mich auch. Aber nicht auf einer Haushaltsebene.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Ist Kultur systemrelevant?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Absolut. Mir gef\u00e4llt dieser Begriff aber nicht, ich w\u00fcrde deshalb lieber sagen: Kultur ist lebensrelevant.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Skadi Jennicke lud zum Interview in ihr B\u00fcro im Neuen Rathaus.\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/KB7YWJNNB5BCDECKURP5J3JJCI.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Captionstyled__Caption-sc-skimq-0 iFEFhG\">Skadi Jennicke lud zum Interview in ihr B\u00fcro im Neuen Rathaus.<\/p>\n<p class=\"Copyrightstyled__Copyright-sc-1yiiexl-0 kSntKS\">Quelle: Mayla L\u00fcst<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Sind solche Haushaltskrisen wie die derzeitige nicht aber trotzdem ein Indiz daf\u00fcr, dass die Kultur wom\u00f6glich zu abh\u00e4ngig von F\u00f6rderung ist?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Dem w\u00fcrde ich vehement widersprechen. Es gibt eine Abh\u00e4ngigkeit, ja. Die Forderung, Kultur m\u00fcsse sich selber tragen, greift aber zu kurz. Es gibt Bereiche, da funktioniert das, wenn auch zuweilen mehr schlecht als recht zulasten der K\u00fcnstler. Ich erwarte von den hiesigen Kulturbetrieben, dass sie unternehmerisch innovativ und flexibel agieren, und das tun sie auch. Und sie bringen extrem hohe Qualit\u00e4t sowohl in der F\u00fchrung als auch in der k\u00fcnstlerischen Produktion. Dann aber zu behaupten, sie k\u00f6nnten auch ohne F\u00f6rdermittel leben \u2013 das finde ich respektlos. Selbst eine Oper oder ein Gewandhaus mit jeweils bis zu 2000 Pl\u00e4tzen wird sich nicht tragen k\u00f6nnen, solange wir unseren Anspruch an das Programm halten. Und dieser ist Ergebnis von zum Teil jahrhundertelanger Tradition, die nach t\u00e4glicher Aktualisierung verlangt. Forderungen in Richtung der Kultur, sich gerade jetzt um privates Geld zu bem\u00fchen, sind aktuell nahezu zynisch: Die wirtschaftlich schwierige Situation ist ja eine Ursache f\u00fcr die geringen Einnahmen der Kommunen. Da ist es wahrlich nicht der richtige Augenblick, nach Partnern aus der Privatwirtschaft zu suchen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Die Suche nach einem Nachfolger f\u00fcr Opernintendant Tobias Wolff ist in der ersten Runde schiefgegangen. Was machen Sie bei der Suche nach einem neuen Schauspiel-Intendanten anders?<\/b><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ich sto\u00dfe mich ein wenig an dieser Formulierung \u201eschiefgegangen\u201c, die sich so verselbstst\u00e4ndigt hat. Wir haben in der ersten Runde einfach niemanden gefunden. Da kam vieles zusammen. Bewerbungen wurden zur\u00fcckgezogen, weil sich anderswo T\u00fcren \u00f6ffneten. Diese Verfahren sind immer sehr komplex, auch die Stadtr\u00e4te sind Teil des Auswahlverfahrens. Und die ganze Opernbranche steht vor dieser Herausforderung \u2013 wir sind nicht die Einzigen, die es nicht im ersten Anlauf geschafft haben. Jedes Verfahren bringt neue Erkenntnisse. Beim Schauspiel bin ich zuversichtlich \u2013 da ist die Nachfrage sehr gro\u00df. Es kommt ja aber nicht nur auf die k\u00fcnstlerische Seite an, wo Innovation und inhaltliche Substanz gefragt sind. Im Falle der Oper braucht es jemanden, der einen Betrieb mit \u00fcber 700 Menschen f\u00fchren kann. Die Kombination ist schwierig. In der nachwachsenden Generation gibt es nicht viele, die das wollen. Auf einer Intendantenposition lastet unheimlicher Druck.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\"><b>Wenn Sie mal Zeit haben, die Leipziger Kultur ganz privat zu genie\u00dfen, wo gehen Sie hin?<\/b><\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Wenn ich in Leipzig irgendwo hingehe, dann ist es schwer, privat zu sein. Aber wenn, dann wohl eher in eine abseits gelegene Kirche bei einem kleinen Konzert. Ich w\u00fcrde eher das Ruhige und Abgeschiedene suchen. Wobei \u2026 beim einen oder anderen Gro\u00dfkonzert auf der Festwiese, das ich aufgrund dienstlicher Verpflichtungen verpasst habe, bin ich manchmal ein bisschen neidisch. (lacht)<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-5u8rgl-0 cBUuy\">LVZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Leipzig. 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