{"id":369172,"date":"2025-08-24T09:51:27","date_gmt":"2025-08-24T09:51:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/369172\/"},"modified":"2025-08-24T09:51:27","modified_gmt":"2025-08-24T09:51:27","slug":"niederlande-ein-land-auf-identitaetssuche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/369172\/","title":{"rendered":"Niederlande: Ein Land auf Identit\u00e4tssuche"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>weltspiegel<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 24.08.2025 10:36 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Wie ticken unsere niederl\u00e4ndischen Nachbarn? Lange Zeit galt das Land als Hort der Liberalit\u00e4t &#8211; doch zahlreiche Probleme stellen die Harmonie zunehmend auf die Probe. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/tobias-reckmann-107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Tobias Reckmann\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/reckmann-101.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVolendam, eine Kleinstadt n\u00f6rdlich von Amsterdam, ist ein Ort der Kontraste. Pittoreske Fassaden, eine malerische Hafenpromenade, Touristen aus aller Welt &#8211; und gleichzeitig eine Hochburg rechter Parteien. Bei der vergangenen Parlamentswahl im November 2023 haben mehr als 45 Prozent der Menschen hier extrem rechts gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Fischh\u00e4ndler Jaap Schilder steht hinter der Theke seines Ladens und kontrolliert den Wareneingang. Die Menschen hier seien &#8222;hart arbeitende Leute, die morgens fr\u00fch aufstehen und anpacken&#8220;, sagt der \u00fcberzeugte Rechtsw\u00e4hler.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nStolz ist er auf Ordnung und katholische Werte im Ort. Doch sobald es um Migration oder gesellschaftliche Vielfalt geht, zeigt sich Ablehnung. &#8222;Da kommen Menschen aus einer anderen Kultur, denen das alles hier nicht passt, wie wir leben. Und wenn denen unsere Kultur nicht passt, warum gehen sie dann nicht dorthin zur\u00fcck, wo sie hergekommen sind?&#8220;, fragt Jaap.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Jaap Schilder lebt in der Kleinstadt Volendam. Bei der letzten Parlamentswahl w\u00e4hlten hier 45 Prozent der Menschen rechtsextrem.\n                    <\/p>\n<p>    Politische Stimmung im Wandel<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nHaltungen wie diese haben die politische Debatte in den Niederlanden zuletzt ma\u00dfgeblich beeinflusst. Noch vor wenigen Monaten schien der Rechtsruck unumkehrbar. Die Partei f\u00fcr die Freiheit (PVV) von Geert Wilders hatte die Parlamentswahl 2023 klar gewonnen und lag in den Umfragen weiter bei rund 30 Prozent.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch inzwischen hat sich das Bild gewandelt: Laut aktuellen Umfragen liegt die PVV nur noch bei 19,2 Prozent. Die Parteien der Mitte haben deutlich zugelegt: Die Sozialdemokraten und Gr\u00fcnen (GL\/PvdA) kommen gemeinsam auf 18,3 Prozent, die liberal-konservative VVD auf 15,4 und die Christdemokraten (CDA) auf 13,6 Prozent. Zusammen h\u00e4tten sie eine stabile Mehrheit.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nVon seinem R\u00fcckzug aus der Regierung Anfang Juni konnte Wilders bisher nicht profitieren. Am 29. Oktober findet die vorgezogene Neuwahl statt. Die politische Stimmung bleibt damit typisch niederl\u00e4ndisch: volatil, schwer zu greifen &#8211; und jederzeit im Wandel.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Parissa Sarwari kam als Kind mit ihren Eltern aus Afghanistan in die Niederlande. Sie f\u00fchlt sich angekommen, wenn auch nicht immer ganz dazugeh\u00f6rig.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Es f\u00fchlt sich wie Heimat an&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nW\u00e4hrend Jaap Schilder in Volendam \u00fcber Fremde schimpft, erlebt Parissa Sarwari in Amsterdam-S\u00fcdost eine ganz andere Realit\u00e4t. Das Hochhausviertel aus den 1970er-Jahren ist Heimat f\u00fcr rund 100.000 Menschen, 80 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Wei\u00dfe Niederl\u00e4nder kommen selten hierher, Begegnungen bleiben die Ausnahme.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nParissa, deren Familie in den 1990er-Jahren aus Afghanistan kam, liebt den Markt an der Metrostation: &#8222;Das ist einfach Gemeinschaft. Wir kennen die Leute hier, die Leute kennen uns, und das f\u00fchlt sich gut an.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nGleichzeitig wei\u00df sie, dass die abgeschottete Realit\u00e4t ihres Viertels Vorurteile verst\u00e4rken kann. &#8222;Nat\u00fcrlich w\u00fcnschen wir uns mehr Wei\u00dfe hier. Dann w\u00fcrden sich Niederl\u00e4nder mit und ohne Migrationshintergrund besser kennenlernen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nParissa f\u00fchlt sich angekommen &#8211; und dennoch nicht immer ganz dazugeh\u00f6rig. Sie und ihre Freundinnen kennen Ausgrenzung aus eigener Erfahrung. &#8222;Ich habe eine Zeit lang Kopftuch getragen. In der Berufsschule war das nicht erlaubt. Freundinnen wurden bei Bewerbungen abgelehnt &#8211; wegen Kopftuch oder Herkunft.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nParissas Geschichte zeigt, wie vielf\u00e4ltig die Niederlande heute sind &#8211; und wie gro\u00df zugleich die Distanz zwischen den gesellschaftlichen Gruppen bleibt. Der fehlende Austausch ist eine der zentralen Herausforderungen f\u00fcr das Zusammenleben.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Jack Deen sucht dringend eine Wohnung. Damit ist er einer von 400.000 Menschen in den Niederlanden. Rechte Parteien machen f\u00fcr das Problem der Wohnungsnot vor allem Migranten verantwortlich. Jack widerspricht: &#8222;Migranten machen die Jobs, die wir nicht machen wollen.&#8220;\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Ich f\u00fchle mich wie ein Versager&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEin weiteres Thema, das viele Niederl\u00e4nder besch\u00e4ftigt, ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Der 27-j\u00e4hrige Jack Deen aus Volendam arbeitet Vollzeit, hat studiert &#8211; und wohnt trotzdem noch bei seinen Eltern. &#8222;Ich suche seit Jahren, aber die Wartelisten sind endlos. Gestern habe ich wieder geschaut, da hatte ich eine Panikattacke. Ich f\u00fchle mich v\u00f6llig am Ende, wie ein Versager.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMehr als 400.000 Menschen in den Niederlanden sind in einer \u00e4hnlichen Lage. Rechte Parteien machen daf\u00fcr vor allem Migranten verantwortlich: G\u00e4be es weniger Zuwanderung, so die Argumentation, g\u00e4be es mehr Wohnungen f\u00fcr Niederl\u00e4nder. Jack widerspricht: &#8222;So funktioniert das nicht. Migranten machen die Jobs, die wir nicht machen wollen. Ohne sie bricht die Wirtschaft zusammen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Zahlen geben ihm recht: Seit den 1950er-Jahren hat sich die Bev\u00f6lkerung des Landes nahezu verdoppelt &#8211; auch, weil die Wirtschaft auf Arbeitsmigration angewiesen ist. Gleichzeitig wurde zu wenig gebaut.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd viele Neubauprojekte scheitern aktuell an Umweltauflagen: In weiten Teilen des Landes sind die zul\u00e4ssigen Stickstoff-Grenzwerte bereits \u00fcberschritten und die Regierung ist angehalten, die eigenen Gesetze zum Schutz der Natur einzuhalten. Hauptursache f\u00fcr die hohe Stickstoffbelastung ist zwar die Landwirtschaft, aber auch der Neubau von H\u00e4usern w\u00fcrde zu weiteren Stickstoffemissionen f\u00fchren. Die Regierung steht vor einer Grundsatzentscheidung: Soll mehr gebaut werden oder die Zahl landwirtschaftlicher Betriebe gesenkt werden.<\/p>\n<p>    Zwischen Nostalgie und Zukunft<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nOb in Volendam, wo alte Traditionen gepflegt und Fremde mit Misstrauen betrachtet werden, oder in Amsterdam-S\u00fcdost, wo Vielfalt gelebt wird &#8211; das Bild der Niederlande ist komplex und widerspr\u00fcchlich.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Land steht vor gro\u00dfen Herausforderungen: Wohnungsnot, Migration, Umweltkonflikte. Zugleich ringt es mit der Frage, wie viel Wandel es zulassen will &#8211; und wie sehr es an Gewohntem festhalten m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Weltspiegel-Dokumentation &#8222;Niederlande ungefiltert: Wer seid Ihr wirklich?&#8220; sehen Sie am 24. August um 18:30 Uhr im Ersten und ab sofort in der ARD-Mediathek.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"weltspiegel Stand: 24.08.2025 10:36 Uhr Wie ticken unsere niederl\u00e4ndischen Nachbarn? 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