{"id":369782,"date":"2025-08-24T15:48:11","date_gmt":"2025-08-24T15:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/369782\/"},"modified":"2025-08-24T15:48:11","modified_gmt":"2025-08-24T15:48:11","slug":"wie-kann-ich-kinder-angemessen-fuer-gefahren-sensibilisieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/369782\/","title":{"rendered":"Wie kann ich Kinder angemessen f\u00fcr Gefahren sensibilisieren?"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-toplinewrapper\">\nInterview<\/p>\n<p>Standdatum: 24. August 2025.<\/p>\n<p>Autorinnen und Autoren:<br \/>\nEmmy Thume<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/imago-9650~_v-800x450_c-1756046103631.jpg\" data-gallery-entry-for=\"kinder-missbrauch-gewalt-bremen-100\" data-size=\"2560x1440\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhEAAJAIAAAP\/\/\/\/\/\/\/yH5BAEKAAEALAAAAAAQAAkAAAIKjI+py+0Po5yUFQA7\"   alt=\"Ein kleiner Junge wird von seinem Vater geschlagen (Symbolbild)\" title=\"Bild: Imago | Photothek\" data-image-owner=\"Imago | Photothek\" data-image-title=\"Ein kleiner Junge wird von seinem Vater geschlagen (Symbolbild)\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/imago-9650~_v-800x450_c-1756046103631.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/imago-9650~_v-640x360_c-1756046103631.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>H\u00e4ufig sind die T\u00e4ter sexualisierter Gewalt Menschen aus dem direkten famili\u00e4ren Umfeld, also Vertrauenspersonen der Opfer. <\/p>\n<p>Bild: Imago | Photothek<\/p>\n<p class=\"article-intro\">Immer mehr F\u00e4lle sexuellen Missbrauchs an Kindern werden gemeldet \u2013 auch im Land Bremen. Kinderpsychotherapeut Lars White erkl\u00e4rt, worauf Eltern achten sollten.<\/p>\n<p>Die Tatzahlen von sexuellem Missbrauch an Kindern haben sich in Bremen seit 2015 nahezu verdoppelt. Auch in Bremerhaven sind die F\u00e4lle in den letzten Jahren gestiegen, wie die polizeiliche Kriminalstatistik zeigt. Die gestiegenen Zahlen der registrierten F\u00e4lle seien dabei laut Polizei auf eine &#8222;erfreuliche Sensibilisierung der Bev\u00f6lkerung&#8220; zur\u00fcckzuf\u00fchren, die seltener wegschaue und h\u00e4ufiger Anzeige erstatte. Die Aufkl\u00e4rungsquote liege in diesem Deliktbereich bei fast 75 Prozent.<\/p>\n<p>Das macht die F\u00e4lle aber nicht weniger alarmierend. Die Polizei reagiert unter anderem mit Pr\u00e4ventionsprojekten an Schulen. Der Opferschutzverein Wei\u00dfer Ring verteilt sensibilisierende Kinderb\u00fccher in Kitas in Bremen Nord. buten un binnen hat mit dem Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten Professor Lars White dar\u00fcber gesprochen, was Eltern f\u00fcr ihre Kinder tun k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Herr White, warum ist es so wichtig, schon die kleinsten Kinder f\u00fcr sexuelle Gewalt zu sensibilisieren?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Weil junge Kinder besonders vulnerabel, also verletzlich, sind. Das liegt einerseits an der Sprachbarriere, die mit jungen Kindern logischerweise die Kommunikation erschwert. Au\u00dferdem spielt Gef\u00fcgigkeit eine Rolle. Im jungen Alter sind Kinder n\u00e4mlich nochmal abh\u00e4ngiger von ihren Bezugspersonen. Da besteht dann die M\u00f6glichkeit, dass diese Abh\u00e4ngigkeit eine gr\u00f6\u00dfere Gef\u00fcgigkeit zur Folge hat, die seitens Erwachsener ausgenutzt werden kann. Dies gilt insbesondere im h\u00e4ufigen Fall, dass Eltern bzw. Familienmitglieder selbst an der sexuellen Gewalt beteiligt sind. Sensibilisierung ist auch deshalb wichtig, weil die meisten Eltern hierzulande fr\u00fcher oder sp\u00e4ter ihr Kind in Fremdbetreuung geben und deshalb Vertrauen in diese aufbauen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nLars White<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/lars-white-portrait-100~_v-320x320_c-1756046073992.jpg\" data-gallery-entry-for=\"kinder-missbrauch-gewalt-bremen-100\" data-size=\"1600x1600\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"image -image-with-fallback -image-rounded  lazyload\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAP\/\/\/wAAACH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAICRAEAOw==\"   alt=\"Prof. Dr. Lars White schaut in die Kamera.\" title=\"Bild: Universit\u00e4t Bremen | Annemarie Popp\" data-image-owner=\"Universit\u00e4t Bremen | Annemarie Popp\" data-image-title=\"Prof. Dr. Lars White schaut in die Kamera.\" data-image-src=\"https:\/\/www.butenunbinnen.de\/bilder\/lars-white-portrait-100~_v-320x320_c-1756046073992.jpg\" data-image-rights-src=\"\/bilder\/lars-white-portrait-100~_v-640x360_c-1756046073992.jpg\"\/><\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Bild: Universit\u00e4t Bremen | Annemarie Popp<\/p>\n<p>Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Prof. Dr. Lars White leitet seit 2024 das Team f\u00fcr die Klinische Psychologie und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Universit\u00e4t Bremen, Fachbereich Gesundheitswissenschaften, Studiengang Psychologie. <\/p>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p>Wie spreche ich solche harten Themen an, wenn ich mit meinem Kind als Elternteil dar\u00fcber reden will?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Wichtig ist erstmal, sich daf\u00fcr ausreichend Zeit zu nehmen. Dann ist es wichtig, Gefahren wie Missbrauch direkt anzusprechen. Ich glaube, da bringt es wenig, Themen zu umschiffen. Gleichzeitig hilft es, wenn man nat\u00fcrlich auch beruhigend ist. Man sollte es nicht total dramatisieren und in ver\u00e4ngstigende Details schlimmer F\u00e4lle verfallen, aber dem Kind schon aufzeigen, dass es die Gefahr gibt und es deswegen wichtig ist, sich an Regeln zu halten oder sensibel zu sein. <\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Dabei sollte man versuchen, in einer kind- und altersgerechten Sprache zu sprechen, in der das Kind den Ernst der Situation begreift, aber nicht komplett verunsichert wird.<\/p>\n<p>Lars White, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Zum Beispiel k\u00f6nnte man auf einer Kirmes sagen: &#8222;Wenn du hier von mir wegl\u00e4ufst, habe ich keine Ahnung, wer auf dich zukommt.&#8220;<br \/>Es ist auch hilfreich, das an konkreten Beispielen zu besprechen. Zum Beispiel mit Kinderb\u00fcchern oder Fernsehsendungen, die solche Gefahren aufgreifen. Dabei ist wichtig, dass man das gemeinsam guckt und auch gemeinsam dar\u00fcber spricht, wie das Kind sich in solchen Situationen verhalten sollte, oder auch, wie sich solche Situationen vielleicht verhindern lassen. <\/p>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nWer sind die T\u00e4ter?<\/p>\n<p>H\u00e4ufig sind die T\u00e4ter sexualisierter Gewalt Menschen aus dem direkten famili\u00e4ren Umfeld, also Vertrauenspersonen der Opfer. Die T\u00e4ter sind dabei gleichzeitig Quelle der Sicherheit und F\u00fcrsorge sowie der Bedrohung. Das ist f\u00fcr betroffene Kinder laut Lars White, gerade im jungen Alter, ein hochproblematischer Konflikt und stellt auch f\u00fcr die Pr\u00e4ventionsarbeit eine Schwierigkeit dar.<\/p>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p><strong>Sch\u00fcrt das nicht auch \u00c4ngste<\/strong>?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Sein Kind \u00fcberm\u00e4\u00dfig zu beh\u00fcten und ihm viel Angst mit auf den Weg geben, ist f\u00fcr die Entwicklung grunds\u00e4tzlich nicht g\u00fcnstig. Man kann nicht alles verhindern. So furchtbar es auch klingt, dazu sind wir nicht in der Lage.\u00a0Und ich glaube, in dem Versuch, das Kind zu sch\u00fctzen, d\u00fcrfen wir auch nicht \u00fcberkompensieren. Auf der anderen Seite muss man versuchen, Kinder f\u00fcr verschiedene Situationen zu sensibilisieren. Man muss versuchen, dem Kind zu vermitteln, wo die eigenen k\u00f6rperlichen Grenzen sind, und dass die auf keinen Fall und von niemandem \u00fcberschritten werden d\u00fcrfen. Zugleich gilt es, das Kind zu ermutigen, klar und deutlich &#8222;Nein&#8220; zu sagen, sich lautstark bemerkbar zu machen und sich m\u00f6glichst bald an Vertrauenspersonen zu wenden, falls doch etwas passieren sollte, auch wenn man sich daf\u00fcr im ersten Moment noch so sehr sch\u00e4mt. So etwas kann und sollte man dem Kind nat\u00fcrlich sagen. <\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Gleichzeitig gilt nat\u00fcrlich auch, dass man sensibel vermitteln sollte, dass es nie die Schuld des Kindes ist, falls es zu einem solchen Vorfall kommt oder gekommen ist.<\/p>\n<p>Lars White, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Wie erkenne ich, dass mein Kind m\u00f6glicherweise etwas erlebt hat, das es nicht in Worte fassen kann<\/strong>?<\/p>\n<p class=\"questions-and-answers-answers\">Das ist schwierig, denn in der Regel sind die Zeichen meiner Erfahrung nach sehr unspezifisch. Problematisches oder sexualisiertes Verhalten von Kindern kann eine Vielzahl von Hintergr\u00fcnden haben. Man muss im Einzelfall schauen, wie sich ein Kind verh\u00e4lt. Ich w\u00fcrde davor warnen, zu sagen, dass ein Kind zwingend Missbrauch erlebt hat, weil es ein bestimmtes Verhalten an den Tag legt. <br \/>Es gibt aber Indikatoren, wie etwa ein deutlich ver\u00e4ndertes Verhalten. Dass ein Kind etwa pl\u00f6tzlich eine heftige sexualisierte Sprache verwendet, die vorher nicht da war. Oder dass pl\u00f6tzlich irgendwelche Sexualakte eingefordert oder nachgespielt werden, oder wenn das Kind auf einmal von pornografischen Szene erz\u00e4hlt und daf\u00fcr noch viel zu jung ist. Dann sollte man dem logischerweise nachgehen und sich fragen, woher das kommt. Ich w\u00fcrde aber davon abraten, zu schnell zu dem Schluss zu springen, dass zwingend sexueller Missbrauch dahintersteckt. In der heutigen Welt k\u00f6nnen Kinder in den Medien und anderswo mit diesen Inhalten in Kontakt kommen. <\/p>\n<p>Als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut sehe ich an der Stelle h\u00e4ufig die \u00fcberbesorgten Eltern, die davon ausgehen, dass etwas passiert sein muss, weil das Kind ein bestimmtes Verhalten zeigt. Die Situation vorschnell zu bewerten ist aber hochproblematisch, da j\u00fcngere Kinder mitunter die komplexesten F\u00e4lle sind. <\/p>\n<blockquote class=\"citation -citation-type-simple\">\n<p class=\"citation-text\">Davon abgesehen ist aber trotzdem sehr wichtig, die Aussagen des Kindes ernst zu nehmen und ihm zuzuh\u00f6ren und nicht einfach als kindliche Fantasien abzutun.<\/p>\n<p>Lars White, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Information zum Thema<br \/>\nAnlauf- und Beratungsstellen bei sexueller Gewalt an Kindern<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Kinder- und Jugendschutztelefon<\/strong>: Tel.: 6 99 11 33, mehr Infos <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.bremen.de\/kinder-und-jugendschutztelefon\" class=\"text-link\">hier<\/a>..<\/li>\n<li><strong>Beratungsstelle Kinderschutz-Zentrum Bremen: <\/strong>Tel.: 0421 240 112 20, Mail: ksz@dksb-bremen.de, mehr Infos <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.dksb-bremen.de\/kinder-und-jugendliche\/beratung\/\" class=\"text-link\">hier<\/a>..<\/li>\n<li><strong>Telefonseelsorge der Bremischen Evangelischen Kirche<\/strong>: Tel.: 0800 111 011 1\u00a0und\u00a00800 111 022 2, auch per Mail oder Chat. Mehr Infos <a target=\"blank\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" href=\"https:\/\/www.kirche-bremen.de\/kirche-in-bremen\/verschiedene-einrichtungen\/seelsorge\/telefonseelsorge\/\" class=\"text-link\">hier<\/a>..<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ende der Information zum Thema<\/p>\n<p>Mehr zum Thema Gewalt an Kindern:<\/p>\n<p class=\"article-legal-broadcast-reference\"><strong>Dieses Thema im Programm:<\/strong><br \/>\nbuten un binnen, 20. Juli 2025, 19:30 Uhr<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Interview Standdatum: 24. August 2025. 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