{"id":370183,"date":"2025-08-24T19:35:17","date_gmt":"2025-08-24T19:35:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/370183\/"},"modified":"2025-08-24T19:35:17","modified_gmt":"2025-08-24T19:35:17","slug":"museen-in-der-ukraine-raketenschaeden-kunst-und-erste-hilfe-kurse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/370183\/","title":{"rendered":"Museen in der Ukraine: Raketensch\u00e4den, Kunst und Erste-Hilfe-Kurse"},"content":{"rendered":"<p>                    <strong>Reportage<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 24.08.2025 14:03 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>W\u00e4hrend Russland seinen Angriffskrieg weiter f\u00fchrt, bleiben Museen f\u00fcr viele Menschen in der Ukraine ein wichtiger Ort. Auch in der Kultur zeigt sich der Kampf um eine eigenst\u00e4ndige Identit\u00e4t. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Niels Bula, ARD Studio Kiew\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMykola Lukin l\u00e4uft \u00fcber den Platz vor dem Nationalen Kunstmuseum in Odessa. Der rote Palast aus dem 19. Jahrhundert geh\u00f6rt zum Unesco-Weltkulturerbe. Statt Glasscheiben h\u00e4ngen Holzspanplatten in den Fenstern &#8211; Folgen eines russischen Angriffs auf die Hafenstadt im November 2023.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDamals schlug eine Rakete auf dem Gel\u00e4nde ein und hinterlie\u00df einen tiefen Krater in der Erde. Auch die Fenster, W\u00e4nde und Decken des Museums wurden besch\u00e4digt. F\u00fcr Kurator Lukin war es damals ein Schock: &#8222;Ich f\u00fchlte mich wie krank, denn ich arbeite in diesem Museum, ich kenne es aus meiner Kindheit. Ich dachte erst, dass es nun das Museum nicht mehr l\u00e4nger geben wird, denn die Fotos sahen absolut furchtbar aus.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch der Wiederaufbau gelang mithilfe von vielen Freiwilligen. &#8222;Museen sind sehr wichtige Punkte auf der Landkarte von Odessa, die ganze Generationen von K\u00fcnstlern vereinen&#8220;, sagt Lukin heute. &#8222;Die K\u00fcnstlergemeinschaft hier hat ihre eigenen unterschiedlichen Gruppen und Konflikte, aber Ereignisse wie diese bringen alle zusammen. Das waren wirklich dramatische Tage.&#8220;<\/p>\n<p>    Tausende Denkm\u00e4ler und Kultureinrichtungen besch\u00e4digt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nImmer wieder werden auch Kulturst\u00e4tten in der Ukraine von russischen Angriffen getroffen. Bis Juli 2025 z\u00e4hlte das Kulturministerium 1.500 Kulturdenkm\u00e4ler und 2.300 Kultureinrichtungen, die im Krieg besch\u00e4digt oder zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBesonders gro\u00dfe Verluste gab es in den Regionen Donezk, Charkiw und Cherson. Damit Kunstwerke und Ausstellungsobjekte nicht vernichtet werden, wurden bereits viele an anderen Orten in Sicherheit gebracht.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Sorge um die Kunstwerke ist gro\u00df. Hier bringen Mitarbeiter des Andrej-Scheptyzkyj-Nationalmuseums in Lwiw kurz nach Kriegsbeginn eine Ikonostase aus einer orthodoxen Klosterkirche in Sicherheit.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuch Exponate aus dem Kunstmuseum in Odessa wurden weggeschafft. Einige Rahmen und W\u00e4nde bleiben deswegen leer. Und trotzdem lebt das Museum weiter.<\/p>\n<p>    Neue Ausstellung spiegelt Geschichte der Ukraine wider<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nErst im Juni er\u00f6ffnete Lukin eine neue Ausstellung. Sie zeigt Arbeiten von Studenten der Staatlichen Kunsthochschule Grekow, der \u00e4ltesten Kunsthochschule der Ukraine. Der Kurator \u00e4u\u00dfert sich zufrieden: &#8222;Wenn man durch diese R\u00e4ume l\u00e4uft, sehen wir die Entwicklung dieser Bildungsinstitution. Und besonders interessant: Wir k\u00f6nnen auch die Geschichte der Ukraine nachverfolgen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nSeine Ausstellung hei\u00dft Plejaden, benannt nach dem Sternhaufen. Jedes Werk ist wie ein einzelner Stern, entstanden unter den Umst\u00e4nden seiner Zeit. Und doch eint alle, dass sie in der selben Bildungseinrichtung geschaffen worden.<\/p>\n<p>    Zarenreich, Sowjetunion, unabh\u00e4ngige Ukraine<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAnl\u00e4sslich des 160. Geburtstages der Hochschule hat Lukin mehr als 300 Objekte ihrer Studenten zusammengetragen. Grafiken, Gem\u00e4lde, und Keramiken. Von der Mitte des 19 Jahrhunderts bis in die 1990er Jahre: Zarenreiche, Sowjetunion und unabh\u00e4ngige Ukraine.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Ausstellung erz\u00e4hlt vom Streben nach einer unabh\u00e4ngigen, eigenen Kultur, von Terror und Verfolgung, aber auch von Anpassung und Propaganda, etwa in der Sowjetunion. Das gef\u00e4llt nicht allen Besuchern, erz\u00e4hlt Lukin. Manche Artefakte seien sehr unangenehm.<\/p>\n<p>    &#8222;Geschichte darstellen, wie sie ist&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Wir haben bereits eine Reihe von negativen Meinungen zu einigen der Objekte erhalten. Aber dennoch ist dies unsere Geschichte&#8220;, so Lukin. &#8222;In einem so kritischen und dramatischen Moment f\u00fcr unser Land ist es sicherlich notwendig, sie kompromisslos zu zeigen, zu erforschen, auszustellen &#8211; und damit die Geschichte so darzustellen, wie sie ist.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nChristina Ratuschna sieht sich in der Ausstellung um. Sie ist aus Kiew angereist und besucht gerade einen Freund in Odessa. Gerade jetzt in Zeiten des Krieges m\u00fcsse man sich mehr mit Kunst besch\u00e4ftigen, findet sie: &#8222;Wir sp\u00fcren das umso st\u00e4rker, weil wir einig sein wollen, weil wir mehr \u00fcber unsere Identit\u00e4t erfahren wollen, insbesondere durch Schriftsteller, K\u00fcnstler und Fotografen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Museumsbesucherin schl\u00e4gt auch eine Br\u00fccke von der Kultur zur Au\u00dfenpolitik: &#8222;Jetzt ist eine Zeit, in der die Ukrainer der Welt st\u00e4rker erkl\u00e4ren m\u00fcssen, dass die Ukraine nicht Russland ist, dass Russland in der Vergangenheit und auch heute ukrainische Schriftsteller und K\u00fcnstler entweder f\u00fcr sich beansprucht oder sie einfach t\u00f6tet.&#8220;<\/p>\n<p>    Normalit\u00e4t im Kriegsalltag<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nUnd dann sei so ein Ausstellungsbesuch einfach ein St\u00fcck Normalit\u00e4t im Kriegsalltag, erz\u00e4hlt Anastasia Rjahusowa, eine andere Besucherin: &#8222;Das ist sehr wichtig. Das ist sehr unterst\u00fctzend, inspirierend, gibt Hoffnung, dass das Leben weitergeht und wir weiterk\u00e4mpfen und an unsere beste Zukunft glauben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch so wichtig Kunst gerade auch f\u00fcr viele Menschen im Krieg ist, in manchen Momenten tritt sie dann doch wieder in den Hintergrund. Statt Kulturveranstaltungen bietet das Museum am Unabh\u00e4ngigkeitstag kostenlose Erste-Hilfe-Kurse an. Es soll darum gehen, wie man schnell Blutungen stoppen kann. Man lebe in Kriegszeiten, hei\u00dft es auf der Instagram-Seite des Museums. Es gehe nicht um Wissen, sondern um die Bereitschaft, sich gegenseitig das Leben zu retten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Reportage Stand: 24.08.2025 14:03 Uhr W\u00e4hrend Russland seinen Angriffskrieg weiter f\u00fchrt, bleiben Museen f\u00fcr viele Menschen in der&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":370184,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,80,2075,14,15,12,317,7097],"class_list":{"0":"post-370183","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-kultur","12":"tag-kunst","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-schlagzeilen","16":"tag-ukraine","17":"tag-unabhaengigkeit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115085424978063058","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/370183","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=370183"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/370183\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/370184"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=370183"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=370183"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=370183"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}