{"id":371135,"date":"2025-08-25T04:59:41","date_gmt":"2025-08-25T04:59:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/371135\/"},"modified":"2025-08-25T04:59:41","modified_gmt":"2025-08-25T04:59:41","slug":"braunschweigs-kultviertel-mit-zusammenhalt-gegen-das-clubsterben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/371135\/","title":{"rendered":"Braunschweigs Kultviertel: Mit Zusammenhalt gegen das Clubsterben"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/clubszenebraunschweig-100.webp\" alt=\"Falk-Martin Drescher im Portr\u00e4t\" title=\"Falk-Martin Drescher im Portr\u00e4t | Philipp Ziebart\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 24.08.2025 11:27 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">In Braunschweig setzt sich ein ehrenamtlicher Verein f\u00fcr die unterschiedlichen Interessen im Ausgehviertel ein. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Vorstandsvorsitzenden Falk-Martin Drescher \u00fcber Clubsterben, h\u00e4rter gewordene Auflagen und die &#8222;NIMBY&#8220;-Kultur.<\/p>\n<p class=\"\">\nAls ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Interessengemeinschaft Friedrich-Wilhelm-Viertel e. V. &#8211; umgangssprachlich auch einfach Kultviertel genannt &#8211; setzt sich Falk-Martin Drescher gemeinsam mit mehr als 80 Mitgliedern f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige Club-Kultur in Braunschweig ein. Der Verein m\u00f6chte das Ausgehviertel nach vorne bringen und muss daf\u00fcr viele unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen. Ein Gespr\u00e4ch mit dem Kulturmacher.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Wie gro\u00df ist das Thema Clubsterben in Braunschweig? <\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Falk-Martin Drescher: <\/strong>Das Clubsterben h\u00e4lt sich in Braunschweig tats\u00e4chlich noch in Grenzen. Trotzdem nehmen wir in den vergangenen Jahren wahr, dass sich das Nachtleben stark ver\u00e4ndert hat. Man merkt, dass die L\u00e4den nicht mehr von Donnerstag bis Samstag so voll sind wie fr\u00fcher. Das hat Auswirkungen auf die Kalkulation der Clubbetreiber. Zum Beispiel welche DJs sie noch einsetzen k\u00f6nnen oder wieviele Sonderveranstaltungen sie organisieren.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Woran liegt das? <\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Drescher: <\/strong>Ich denke, das Ausgehverhalten hat sich einfach ver\u00e4ndert und auch die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Clubs haben sich versch\u00e4rft. Die Kosten sind seit der Corona-Pandemie gestiegen. Die Auflagen werden h\u00e4rter, zum Beispiel was Brandschutz, L\u00e4rmschutz oder Fluchtwege betrifft. Ein Club musste beispielsweise schlie\u00dfen, weil ein Fluchtweg innen nicht mehr anerkannt wurde und man von au\u00dfen eine weitere Fluchttreppe h\u00e4tte anbauen m\u00fcssen. Da kann man mal rechnen, wie viele Longdrinks man verkaufen muss, um eine Feuertreppe f\u00fcr 20.000 Euro zu refinanzieren. Da hat sich der Clubbetreiber dazu entschieden, den Laden zu schlie\u00dfen &#8211; und dann erlischt auch die Konzession.<\/p>\n<p class=\"\">\nWir gehen dann davon aus, dass da nichts nachkommt, wenn ein Club erstmal schlie\u00dft, weil es unfassbar schwer ist, f\u00fcr eine Neuer\u00f6ffnung die ganzen Auflagen zu erf\u00fcllen. Letztlich haben wir da die gleichen Herausforderungen, wie andere St\u00e4dte auch. Braunschweig und Wolfsburg &#8211; das ist grunds\u00e4tzlich eine sehr wohlhabende Region, aber der &#8222;Husten&#8220; beim benachbarten Autobauer, der macht sich auch in den Konsumausgaben f\u00fcr Gastronomie, Kultur und Einzelhandel bemerkbar.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Was braucht es f\u00fcr den Erhalt der Clubkultur?<\/strong><\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/clubszenebraunschweig-102.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/clubszenebraunschweig-102.webp\" alt=\"Tanzende Menschen in einem Club\" title=\"Tanzen, feiern und Party machen - so wollen junge Menschen auch in Brausnschweig ihre Freizeit geniessen. | Anina Pommerenke\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Tanzen, feiern und Party machen &#8211; so wollen junge Menschen auch in Brausnschweig ihre Freizeit geniessen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Drescher: <\/strong>Letztendlich entscheiden die Nutzerinnen und Nutzer durch ihr Konsumverhalten, ob es ihre Lieblingsl\u00e4den in Zukunft noch gibt oder nicht. Wer die L\u00e4den nicht besucht, darf sich nicht beschweren, wenn es sie irgendwann nicht mehr gibt. Es geht aber auch darum, mal Dinge auszuhalten. Also ich verstehe es zum Beispiel nicht, wenn Menschen in eine Gegend mit vielen Caf\u00e9s oder Clubs ziehen und sich dann beschweren, wenn es dort laut ist. Es ist auch ein St\u00fcck weit eine Debatte \u00fcber Egoismus in der Stadtgesellschaft. Da spielt sicherlich auch die &#8222;NIMBY&#8220;-Kultur eine Rolle, das steht f\u00fcr &#8222;Not in my backyard&#8220;. Alle wollen etwa Windenergie und tolle Clubs, aber eben bitte nicht direkt bei mir vor der Haust\u00fcr. Ein Teil der L\u00f6sung muss aber auch sein, ein bisschen mehr Mut an den Tag zu legen, was neue Ideen und Konzepte angeht und aus Bekanntem und Altbew\u00e4hrtem auszubrechen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Was k\u00f6nnen andere St\u00e4dte sich bei Euch abschauen? <\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Drescher: <\/strong>In unserem Quartiersverein vereinen wir sehr unterschiedliche Perspektiven: von den Anwohner*innen \u00fcber die Ladenbetreiber*innen bis hin zu den Gastronom*innen. Wir haben \u00fcber 80 Mitglieder, die sich f\u00fcr das Viertel interessieren und ehrenamtlich Quartiersarbeit betreiben. Das beinhaltet zum Beispiel auch Kommunikation nach au\u00dfen, wenn ein neuer Laden aufmacht. Wir sagen auch gerne, dass wir immer versuchen, gemeinsam das &#8222;kleinste gemeinsame Vielfache&#8220; zu finden. Denn bei uns im Kultviertel sto\u00dfen auf sehr kleinem Raum sehr viele Interessen aufeinander. Wenn die einen nachts schlafen und die anderen gr\u00f6lend durch die Stra\u00dfen laufen wollen, bedingt das auch Nutzungskonflikte. Wir versuchen ein verbindendes Element zu sein und auf die Nachtkultur hinzuweisen. Denn Kultur: das ist nicht nur das Staatstheater, das Museum oder die Galerie, das ist eben auch Clubkultur.<\/p>\n<p class=\"\">\nWir verstehen uns als Schnittstelle zwischen den Beh\u00f6rden, zur Polizei, zu Verb\u00e4nden, zur Stadt und heben dabei auch immer wieder die speziellen Interessen des Ausgehviertels hervor. Wir versuchen auch immer wieder Aktionen im Viertel zu organisieren oder zu unterst\u00fctzen und daf\u00fcr m\u00f6glichst viele Verb\u00fcndete zu finden. Zum Beispiel haben wir die Einrichtung einer \u00f6ffentlichen Toilette bekr\u00e4ftigt und sind auch im Dialog hinsichtlich der Nutzung des \u00f6ffentlichen Raumes f\u00fcr Gastronomie und Veranstaltungen. Bei uns klappt au\u00dferdem der Zusammenhalt unter den Clubbetreibern besonders gut, also wenn einem mal das Crushed Ice ausgeht hilft auf jeden Fall ein anderer Club aus. Allgemein ist der Zusammenhalt und die gegenseitige Unterst\u00fctzung im Viertel sehr gro\u00df &#8211; das macht das Kultviertel definitiv auch aus.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Welche Bedeutung hat die Clubkultur in deinen Augen? <\/strong><\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/clubszenebraunschweig-104.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/clubszenebraunschweig-104.webp\" alt=\"Band spielt auf dem Dach eines Hauses in Braunschweig\" title=\"&quot;The Roof Is On&quot; ist ein Format der Kulturszene in Braunschweig. | Leevke-Struck\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    &#8222;The Roof Is On&#8220; ist ein Format der Kulturszene in Braunschweig.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Drescher: <\/strong>Ich glaube, f\u00fcr viele junge Menschen ist die Clubkultur der erste Ber\u00fchrungspunkt mit Kultur \u00fcberhaupt. Wenn sie mit 18 Jahren anfangen in die Gastronomien und auf die Tanzfl\u00e4chen auszugehen. Ich glaube auch, dass die Clubkultur wichtig ist, wenn junge Menschen ihren Studienstandort ausw\u00e4hlen. Da z\u00e4hlt eben nicht nur der Ruf der Universit\u00e4t oder Fachhochschule, sondern schlichtweg die Frage: Kann ich in der Stadt gut feiern gehen? Und: wenn Kommunen das Nachtleben f\u00fcr ihre Imagebrosch\u00fcren nutzen, dann m\u00fcssen sie andererseits eben auch aufrichtig etwas f\u00fcr jene Szene tun.<\/p>\n<p class=\"\">\nMal ganz abgesehen davon geht es um viele sozialversicherungspflichtige Jobs, die da dran h\u00e4ngen. Daf\u00fcr setzen wir uns auf jeden Fall auch ein, wenn man dar\u00fcber redet, eine vitale Kultur haben zu wollen, dass man die Clubs dann ganz selbstverst\u00e4ndlich mitdenkt. Die sind n\u00e4mlich auch sehr wichtig f\u00fcr eine gute Stimmung in der Stadt. Und wenn es gar keine Clubs mehr gibt, dann treffen sich die Leute eben woanders &#8211; auf Parkpl\u00e4tzen, Gr\u00fcnanlagen oder anderswo. Also wenn die St\u00e4dte coole Clubs haben wollen, um attraktiv zu sein, dann m\u00fcssen sie auch etwas daf\u00fcr tun. Das ist wesentlich.<\/p>\n<p class=\"\">Das Interview f\u00fchrte <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/wellenord\/wir_ueber_uns\/anina-laura-pommerenke,pommerenke106.html\" title=\"Anina Laura Pommerenke\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Anina Pommerenke<\/a>.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/festival740.webp\" alt=\"Ein Plattenspieler. Im Hintergrund tanzende Menschen.\" title=\"Ein Plattenspieler. Im Hintergrund tanzende Menschen. | NDR, Benjamin H\u00fcllenkremer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Bundesweit steht die Live- und Clublandschaft unter Druck. Auf diese schwierige Lage macht die Clubwoche Hamburg aufmerksam.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/molotow328.webp\" alt=\"Schriftzug &quot;Molotow&quot; hinter einer Demonstration\" title=\"Schriftzug &quot;Molotow&quot; hinter einer Demonstration | picture alliance\/dpa | Jonas Walzberg, Jonas Walzberg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Mit einer Vorkaufsrechtsverordnung soll Hamburg immer einen Fu\u00df in der T\u00fcr haben, damit keine weiteren Kulturst\u00e4tten kaputtgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 24.08.2025 11:27 Uhr In Braunschweig setzt sich ein ehrenamtlicher Verein f\u00fcr die unterschiedlichen Interessen im Ausgehviertel ein.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":371136,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1850],"tags":[6429,5238,18872,3364,29,548,663,3934,30,13,101218,14,15,1411,12],"class_list":{"0":"post-371135","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-braunschweig","8":"tag-braunschweig","9":"tag-club","10":"tag-clubsterben","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europe","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-kultur-im-norden","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-niedersachsen","22":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115087642902927416","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371135","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=371135"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371135\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/371136"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=371135"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=371135"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=371135"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}