{"id":371817,"date":"2025-08-25T11:30:12","date_gmt":"2025-08-25T11:30:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/371817\/"},"modified":"2025-08-25T11:30:12","modified_gmt":"2025-08-25T11:30:12","slug":"autorin-jessica-jurassica-unsere-generation-ist-sehr-unfeministisch-sozialisiert-worden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/371817\/","title":{"rendered":"Autorin Jessica Jurassica: &#8222;Unsere Generation ist sehr unfeministisch sozialisiert worden&#8220;"},"content":{"rendered":"<p><strong>annabelle: Jessica Jurassica, \u00abGaslicht\u00bb beginnt mit einer S\u00fcssigkeit: Die Protagonistin macht beim K\u00e4gifret-Gewinnspiel mit und gewinnt eine Weltreise. Warum gerade diese S\u00fcssigkeit?<br \/><\/strong>Jessica Jurassica: Erstens, weil es das Gewinnspiel tats\u00e4chlich gibt. Zweitens: Ich mag K\u00e4gifret, es ist ein so typisch schweizerischer Snack aus dem Toggenburg und hat f\u00fcr mich den gleichen Vibe wie das Migros-Restaurant oder Rivella \u2013 Dinge, die mich an meine Grosseltern erinnern. Vor allem aber mochte ich die Parallele zu Niklaus Meienberg.<\/p>\n<p><strong>Sie meinen das Buch \u00abDer andere Niklaus Meienberg\u00bb (1998, Weltwoche Verlag) von Aline Graf, das in \u00abGaslicht\u00bb immer wieder vorkommt. Darin schildert Graf ungesch\u00f6nt die Aff\u00e4re zwischen ihr, die zu Beginn der Beziehung 27 Jahre alt war, und dem 17 Jahre \u00e4lteren, ber\u00fchmten Journalisten Niklaus Meienberg, der verspricht, ihre Karriere als Autorin zu f\u00f6rdern. Er h\u00e4lt die Beziehung bis zu seinem Tod 1993 geheim und besucht sie fast ausschliesslich spontan in ihrer Wohnung. Eines ihrer wenigen Treffen in der \u00d6ffentlichkeit findet an einer Tankstelle statt: Er kauft sich ein K\u00e4gifret, fordert sie auf, es f\u00fcr ihn auszupacken, und \u00abverschlingt es wie ein B\u00e4r\u00bb, wie Sie zitieren.<br \/><\/strong>Die Meienberg-Geschichte h\u00e4ngt eng mit den Themen meines Buchs zusammen: Es geht um Gewalt und Macht und M\u00e4nner in den Medien. Journalisten, die zu Helden stilisiert werden und ihre Position gegen\u00fcber jungen Frauen ausnutzen, sind kein Ph\u00e4nomen der letzten paar Jahre, diese Art von Gewalt hat eine Geschichte. Ich mochte die \u00fcberspitzte Timeline: Meienberg verschlang in den 90ern an einer Tankstelle ein K\u00e4gifret, und etwa dreissig Jahre sp\u00e4ter schreibe ich ausgehend von einem K\u00e4gifret-Gewinnspiel einen #MeToo-Roman.<\/p>\n<p><strong>Die Protagonistin in \u00abGaslicht\u00bb blickt an einer Stelle selbst zur\u00fcck auf eine kurze Aff\u00e4re mit einem deutlich \u00e4lteren Journalisten. Schon als es passiert, f\u00fchlt sich f\u00fcr sie etwas daran seltsam an. Sp\u00e4ter, als \u00e4hnliche und schlimmere Verstrickungen des Journalisten bekannt werden, kann sie das Machtgef\u00e4lle deutlich benennen, sie sagt: \u00abEr h\u00e4tte mich haben k\u00f6nnen und zerschlagen wie Porzellan.\u00bb <\/strong><strong>Hat sich Ihr Blick auf solche Verh\u00e4ltnisse mit zunehmendem Alter stark ver\u00e4ndert?<br \/><\/strong>Machtverh\u00e4ltnisse haben mich schon immer interessiert. Im ersten bekannten Text von mir \u00fcber Pietro Supino ging es darum, diese spielerisch umzudrehen. Weil in den letzten zehn Jahren durch #MeToo eine neue Feminismuswelle entstand, habe ich mehr Begriffe gefunden f\u00fcr Erfahrungen, die mir vorher ein diffus unangenehmes Gef\u00fchl gaben. Ich glaube, gerade unsere Generation, die Millennials, ist sehr unfeministisch sozialisiert worden, auch durch die Popkultur der 2000er. Es gab eine Art Loch in unserer Kindheit, in dem viel feministisches Wissen verloren ging, das lange zuvor erarbeitet wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"annabelle: Jessica Jurassica, \u00abGaslicht\u00bb beginnt mit einer S\u00fcssigkeit: Die Protagonistin macht beim K\u00e4gifret-Gewinnspiel mit und gewinnt eine Weltreise.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":371818,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-371817","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115089180165308051","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371817","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=371817"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/371817\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/371818"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=371817"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=371817"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=371817"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}