{"id":371941,"date":"2025-08-25T12:39:13","date_gmt":"2025-08-25T12:39:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/371941\/"},"modified":"2025-08-25T12:39:13","modified_gmt":"2025-08-25T12:39:13","slug":"fotografie-ausstellung-muenchen-on-view-in-der-pinakothek-der-moderne-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/371941\/","title":{"rendered":"Fotografie Ausstellung M\u00fcnchen: On View in der Pinakothek der Moderne &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Wie lockt man in dieser von einer unfassbaren Bilderflut gepr\u00e4gten Zeit Menschen in eine Fotoausstellung? Setzt man auf die laute Variante, also auf Blockbuster, die alle kennen und lieben und von denen das Publikum scheinbar nie genug bekommen kann? Oder geht man eher den leisen Weg, w\u00e4hlt feine Gegen\u00fcberstellungen aus und versucht, eine unterhaltsame Schule des Sehens zu pr\u00e4sentieren? Vor dieser Frage standen die beiden, f\u00fcr alles Fotografische in der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Pinakothek_der_Moderne\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pinakothek der Moderne<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">M\u00fcnchen<\/a> zust\u00e4ndigen Sammlungsleiterinnen Simone F\u00f6rster und Franziska Kunze.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Schon der erste Blick am Eingang zur <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Ausstellung\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ausstellung<\/a> \u201eOn View\u201c ist deshalb ein Statement. Am Ende der gro\u00dfen Freitreppe schreit einen kein gro\u00dfformatiges, farbintensives Bild an. Stattdessen h\u00e4ngt da ein eher kleinteiliges, detailreiches Foto, das genau das zeigt, was die Besucherinnen und Besucher gleich tun werden: In einem Museum eine Ausstellung anschauen. Thomas Struths bekannte Aufnahme aus dem Art Institute in Chicago zeigt also eine Spiegelung der aktuellen Situation. Und die Kuratorinnen machen klar: Hier geht es nicht um \u00dcberw\u00e4ltigung, sondern um eine Anleitung zum Sehen, zum Entdecken, im besten Fall zum Weiterdenken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Beide haben ein\u00a0riesiges Konvolut fotografischen Materials zur Verf\u00fcgung. Tausende Werke aus mehr als einem Jahrhundert. Denn seit ihrer Gr\u00fcndung 2002 verf\u00fcgt die Pinakothek der Moderne \u00fcber eine Abteilung f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Fotografie\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Fotografie<\/a> und \u2013 wie es inzwischen hei\u00dft \u2013 \u201eZeitbasierte Medien\u201c. In den beiden Jahren darauf kamen die Dauerleihgaben der Firmensammlungen von Siemens und Allianz hinzu mit einem Schwerpunkt auf die Fotografie seit den 1970er-Jahren. 2010 dann die riesige Erg\u00e4nzung und Erweiterung durch die fotografische Sammlung des Galeristen- und Sammlerehepaars <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/kultur\/kunstsammler-nie-endende-leidenschaft-1.3632771\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Ann und J\u00fcrgen Wilde<\/a>, deren Schwerpunkt auf der Zeit der Moderne lag, die aber auch die K\u00fcnstlerarchive von Karl Blossfeldt und Albert Renger-Patzsch besa\u00dfen. Dass alles zusammen als Stiftung ausgerechnet Teil der Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen ist, klingt kurios, ergab sich aber aus der historischen Konstruktion.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Die Ausstellung zeigt etwa 250 Werke von 66 K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern in acht Kapiteln. Das Ganze ist aber luftig geh\u00e4ngt und stets darauf bedacht, Zusammenh\u00e4nge darzustellen und Themen zu entwickeln. Deshalb h\u00e4ngen da Inkunabeln der Fotografie wie die \u201eMenschen des 20. Jahrhunderts\u201c von August Sander aus den 1920er-Jahren neben Juan Pablo Echeverris Serie \u201efuturoSEXtra\u00f1os\u201c, eine der j\u00fcngsten, durch den Freundeskreis Pin erm\u00f6glichten Neuerwerbungen der Sammlung. So wie Sander vor 100 Jahren die verschiedenen Berufsst\u00e4nde zu typologisieren suchte und diese wie in Stereotypen fotografisch festhielt, n\u00e4hert sich Echeverris Stereotypen und kulturellen Codes: Da gibt es den Mann im Kapuzenpulli, die gepiercte Punkerin mit Sidecut, das Prinzesschen, den Irokesen oder auch eine Person mit Micky-Maus-Ohren \u2013 alles in schwarz-wei\u00df und wie in Scherenschnittanmutung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">An anderer Stelle treffen die Nahaufnahmen von Samenkapseln, die Karl Blossfeldts in den 1930er-Jahren sensationell in Szene gesetzt hat, auf die Detailfotografien eines Sp\u00fcllappens oder einer Blisterpackung f\u00fcr Tabletten von Claus Goedicke von 2009. Oder das extrem herangezoomte Tischarrangement von Jan Groover von 1979 begegnet dem Stillleben von Florence Henri von 1929.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Vom Detail geht\u2019s in die Weite: Da h\u00e4ngt die ber\u00fchmte monumentale \u201eRhein\u201c-Aufnahme von Andreas Gursky mit ihren dreieinhalb Metern Breite nah bei der Industrielandschaft von Albert Renger-Patzsch, dessen Format Ende der 1920er-Jahre gerade mal bei 17 mal 23 Zentimetern lag. Nebenbei wird im Raum mit den Landschaftsaufnahmen, der den Titel \u201eFragile Welten\u201c tr\u00e4gt, auch deutlich, wie sehr sich der Naturraum durch den Eingriff des Menschen ver\u00e4ndert hat.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/55fe95e0-c14f-4ab5-86d8-e782a523757e.jpg\"   alt=\"Germaine Krulls ber\u00fchmtes Selbstportr\u00e4t mit ihrer Icarette von 1925. (Nachlass der K\u00fcnstlerin, Museum Folkwang Essen \/ Stiftung Ann und J\u00fcrgen Wilde.)\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Germaine Krulls ber\u00fchmtes Selbstportr\u00e4t mit ihrer Icarette von 1925. (Nachlass der K\u00fcnstlerin, Museum Folkwang Essen \/ Stiftung Ann und J\u00fcrgen Wilde.) (Foto: Repro: Bayerische Staatsgem\u00e4ldesammlungen, Sibylle Forster)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Auch wo es um das K\u00f6rperliche geht, setzen die Kuratorinnen nicht auf den knalligen Effekt, das \u00fcbersexualisierte Rei\u00dferische, sondern zeigen, mit welcher Vielfalt sich Fotografinnen und Fotografen \u00fcber die Jahrzehnte hinweg dem menschlichen K\u00f6rper gen\u00e4hert haben. Sehr sch\u00f6n das Spiel mit der Kamera in der Kombination des bekannten Selbstportr\u00e4ts von Germaine Krull von 1925 mit der \u201eDrop Scene\u201c von Paul Mpagi Sepuya von 2018 und dem \u201epinch\u201c aus dem Jahr 2024 des erst 1998 geborenen Fotografen Ludwig Dressler \u2013 auch letzteres eine der j\u00fcngsten Neuerwerbungen mithilfe von Pin.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/69d21d29-6c81-4e09-934c-2cd710f02ca4.jpg\"   alt=\"Paul Mpagi Sepuya: Drop Scene (0X5A0936) von 2018.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Paul Mpagi Sepuya: Drop Scene (0X5A0936) von 2018. (Foto: Natalia Tsoukala, Courtesy the artist und Galerie Peter Kilchmann, Z\u00fcrich\/Paris)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Nat\u00fcrlich darf in einer Ausstellung \u00fcber Fotografie die sogenannte \u201eStreet Photography\u201c nicht fehlen. Und hier k\u00f6nnen die Sammlungsleiterinnen aus dem Vollen sch\u00f6pfen und spannen den Bogen \u00fcber gut 100 Jahre Fotogeschichte. Von Friedrich Seidenst\u00fcckers \u201ePf\u00fctzenspringerin\u201c und anderen sozialkritischen Stra\u00dfenszenen \u00fcber Lee Friedlanders \u201eShadow\u00a0\u2013 New York City 1966\u201c und Ed Ruschas K\u00fcnstlerbuch \u201eEvery Building on the Sunset Strip\u201c aus dem gleichen Jahr geht\u2019s zu Jeff Walls ber\u00fchmter inszenierter Sozialkritik: der im Leuchtkasten pr\u00e4sentierten Nachbarschaftsszene \u201eAn Eviction\u201c von 1988. Und eine Klasse f\u00fcr sich ist auch die Serie \u201eSigns that say what you want them to say and not Signs that say what somone else wants to say\u201c von Anfang der 1990er-Jahre von Gilian Wearing, die auf ganz andere technische Weise von Mame-Diarra Niang mit ihrer Serie \u201eCall Me When You Get There\u201c von 2020 fortgesetzt wird.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">\u00dcberhaupt ist die inhaltliche Seite eine Sache, die technische eine andere. Nun sind hier keine Aufnahmen aus der Fr\u00fchzeit der Fotografie zu sehen. Denn die Best\u00e4nde der Pinakothek der Moderne konzentrieren sich auf das 20. und 21. Jahrhundert. Und gerade in j\u00fcngster Zeit und insbesondere seit dem Einsatz von KI hat die Technik eine neue Aufmerksamkeitsschwelle \u00fcberschritten. Man erinnere sich nur an die gro\u00dfe Ausstellung \u201eGlitch\u201c an gleicher Stelle vom vergangenen Jahr. Und selbst diese w\u00fcrde man inzwischen erheblich erg\u00e4nzen m\u00fcssen, um aktuelle technische Str\u00f6mungen deutlich zu machen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\">Insofern haben die Kuratorinnen zwar versucht nah an die Gegenwart heranzureichen, bleiben dabei aber im traditionellen Umfeld. Das ist bei aller Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Ausstellung und ihre sch\u00f6nen Gegen\u00fcberstellungen auch die notwendige Kritik: Die Sammlung ben\u00f6tigt dringend neue, auch experimentellere Positionen, um den Anschluss an die Moderne zu schaffen. Sonst ger\u00e4t sie in Gefahr abgeh\u00e4ngt zu werden. Ein bisschen Patina ist ja sch\u00f6n und gut. Nur verstaubt sollte sie dann doch nicht wirken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-xboolz\"><strong>On View. Begegnungen mit dem Fotografischen, Pinakothek der Moderne, bis 12. Oktober<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie lockt man in dieser von einer unfassbaren Bilderflut gepr\u00e4gten Zeit Menschen in eine Fotoausstellung? 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