{"id":372025,"date":"2025-08-25T13:26:09","date_gmt":"2025-08-25T13:26:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372025\/"},"modified":"2025-08-25T13:26:09","modified_gmt":"2025-08-25T13:26:09","slug":"wo-stehen-frankreichs-ex-kolonien-dw-25-08-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372025\/","title":{"rendered":"Wo stehen Frankreichs Ex-Kolonien? \u2013 DW \u2013 25.08.2025"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;65 ist das Alter der Reife&#8220; &#8211; mit diesen Worten gratulierte k\u00fcrzlich Alassane Ouattara, Pr\u00e4sident der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/c\u00f4te-divoire\/t-18504836\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Elfenbeink\u00fcste<\/a>, seinem Land zum Geburtstag. &#8222;Es ist ein Moment des gemeinsamen Bewusstwerdens dar\u00fcber, wie weit wir gekommen sind. Eine Einladung, das Gelernte zu festigen und in die Zukunft zu blicken.&#8220;<\/p>\n<p>Afrika feiert in diesem Jahr viele 65. Geburtstage: Nigeria, Somalia und die DR Kongo wurden 1960 unabh\u00e4ngig; vor allem aber entlie\u00df Frankreich sage und schreibe 14 ehemalige Kolonien in die Selbstbestimmung. Heute gilt das Verh\u00e4ltnis des aktuellen franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/hat-macron-das-undankbare-afrika-endg\u00fcltig-verprellt\/a-71267530\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Emmanuel Macron zu den afrikanischen Ex-Kolonien als zerr\u00fcttet<\/a>. Vor Ort stehen Regierungen und Gesellschaften vor gro\u00dfen Herausforderungen. Eine Standortbestimmung, wie weit das frankophone Afrika 65 Jahre nach dem &#8222;Afrikanischen Jahr&#8220; gekommen ist.<\/p>\n<p>Einige L\u00e4nder im frankophonen Afrika z\u00e4hlen zu den \u00e4rmsten der Welt<\/p>\n<p>Ein Blick auf den Index der Menschlichen Entwicklung (HDI) zeigt, wie prek\u00e4r die Lage vielerorts immer noch ist: Acht dieser 14 L\u00e4nder &#8211; darunter die Sahel-Staaten <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/mali\/t-17601124\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Mali<\/a>, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/burkina-faso\/t-18030005\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Burkina Faso<\/a>, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/niger\/t-18137154\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Niger<\/a> und <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/unruhige-zeiten-quo-vadis-tschad\/a-71293652\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tschad<\/a> &#8211; stehen fast ganz unten auf dieser Liste, einsortiert in die Kategorie &#8222;geringe menschliche Entwicklung&#8220;.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr gibt es f\u00fcr jedes Land ein spezifisches Gemisch von Gr\u00fcnden, meint Matthias Basedau, Direktor des GIGA Instituts f\u00fcr Afrika-Studien in Hamburg: Vielerorts sind die B\u00f6den nicht gerade fruchtbar, Bodensch\u00e4tze sorgen nur in geringem Ausma\u00df f\u00fcr Wohlstand, dazu kommen hohe Geburtenraten, die die Anforderungen an das Wirtschaftswachstum noch erh\u00f6hen. &#8222;Und dann gibt es noch andere Herausforderungen wie die politische Instabilit\u00e4t. Die kann leicht zu so Konfliktfallen f\u00fchren: Das hei\u00dft, die Konflikte f\u00fchren dazu, dass die Entwicklung gebremst wird. Und die gebremste Entwicklung wiederum f\u00fchrt zu mehr Konflikten&#8220;, sagt Basedau im DW-Interview.<\/p>\n<p>In Mali, Burkina Faso und Niger haben sich in den vergangenen Jahren Milit\u00e4rs an die Macht geputscht, nachdem die Zivilregierungen diesen Kreislauf nicht durchbrechen konnten.<\/p>\n<p>Starke M\u00e4nner statt starke\u00a0Institutionen<\/p>\n<p>Putsche sind das eine Extrem im frankophonen Afrika; friedliche und geordnete demokratische Machtwechsel wie im vergangenen Jahr im Senegal sind nach wie vor die Ausnahme.<\/p>\n<p>Am anderen Ende des Spektrums stehen vielerorts alternde Langzeitherrscher: In der Elfenbeink\u00fcste bewirbt sich der eingangs zitierte <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/pr\u00e4sident-ouattaras-machtwille-spaltet-elfenbeink\u00fcste-erneut\/a-73482007\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Alassane Ouattara mit 83 Jahren um eine vierte Amtszeit<\/a>, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/warum-ein-kamerun-ohne-paul-biya-so-schwer-vorstellbar-ist\/a-70590158\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Paul Biya<\/a> will in Kamerun mit 92 sogar ein <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/was-h\u00e4lt-kameruns-langzeitherrscher-paul-biya-an-der-macht\/a-73383304\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">achtes Mal f\u00fcr das h\u00f6chste Staatsamt kandidieren<\/a>. Und in Togo hat der bisherige Pr\u00e4sident Faure Gnassingb\u00e9 eine Rochade vorgenommen, um <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/togos-verfassungs-putsch-als-blaupause-f\u00fcr-autokraten\/a-73537483\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">auf unbestimmte Zeit an der Macht zu bleiben<\/a>: Er ist nun Pr\u00e4sident des Ministerrats, ein Amt das er extra in die Verfassung schreiben und mit weitreichenden Kompetenzen ausstatten lie\u00df.<\/p>\n<p>Die Verhei\u00dfung eines &#8222;Zeitalters starker Institutionen&#8220; aus den 1990ern sei zerplatzt, analysiert Tumba Alfred Shango Lokoho, Historiker an der Pariser Universit\u00e9 Sorbonne Nouvelle. &#8222;In den meisten afrikanischen L\u00e4ndern sind es heute starke M\u00e4nner, die sich an die Macht klammern und dabei sogar die Verfassungen missachten und auf jede erdenkliche Weise auf den Kopf stellen, um an der Macht zu bleiben&#8220;, sagt Shango Lokoho der DW. &#8222;Genau darin liegt eine der gr\u00f6\u00dften Schw\u00e4chen Afrikas. Wir brauchen starke Institutionen.&#8220;<\/p>\n<p>Frankreichs politischer Einfluss schwindet<\/p>\n<p>Viele dieser Institutionen wurden 1960 noch nach franz\u00f6sischem Vorbild geschaffen, erl\u00e4utert Matthias Basedau: &#8222;Da gibt es immer diesen Pr\u00e4sidentialismus, der allerdings deutlich pr\u00e4sidentieller und autorit\u00e4rer ist als Frankreich mit einem semipr\u00e4sidentiellen System. Und auch viele der Verfassungen sind &#8211; nat\u00fcrlich mit Unterschieden &#8211; nach dem franz\u00f6sischen Vorbild gestaltet. Hier ist vielleicht eine Besonderheit der Laizismus, das hei\u00dft die strikte Trennung von Religion und Staat. Da k\u00f6nnte man sogar sagen, dass das in der Region zu weniger religi\u00f6ser Diskriminierung beigetragen hat.&#8220;<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"59424057\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/59424057_${formatId}.jpeg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Milit\u00e4r-Hubschrauber \u00fcberfliegen ein sandiges Gebiet mit einem Wasserlauf, in dem Fischer auf flachen Holzbooten unterwegs sind\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Archivbild aus Nordmali: Frankreichs Milit\u00e4r versuchte mit seiner Operation Barkhane jahrelang, Islamisten zur\u00fcckzudr\u00e4ngen &#8211; inzwischen setzt die Junta auf eine personell deutlich schw\u00e4chere S\u00f6ldnertruppe aus RusslandBild: Christophe Petit Tesson\/abaca\/picture alliance<\/p>\n<p>Zugleich treiben einige Regierungen die Abnabelung von Frankreich weiter voran. Am deutlichsten ist das im Sahel zu beobachten, wo die Entwicklung nach den Putschen begonnen hat, teils begleitet von recht markiger Rhetorik gegen\u00fcber der fr\u00fcheren Kolonialmacht. Alle drei Juntas <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/macron-frankreich-zieht-streitkr\u00e4fte-aus-niger-ab\/a-66911711\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">verwiesen die dort stationierten franz\u00f6sischen Truppen des Landes<\/a> und setzen seitdem ma\u00dfgeblich auf <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wagner-in-afrika-vielseitig-aktiv-im-interesse-russlands\/a-70593166\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Russland als Sicherheitspartner<\/a>. In der Folge hat das franz\u00f6sische Milit\u00e4r auch seine <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/tschad-beendet-verteidigungsabkommen-mit-frankreich\/a-70920919\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">St\u00fctzpunkte im Tschad<\/a>, dem Senegal und der Elfenbeink\u00fcste ger\u00e4umt, die Basis in Gabun dient nur noch dem Training lokaler Soldaten. Das einzige afrikanische Land mit franz\u00f6sischer Milit\u00e4rpr\u00e4senz ist nun <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/dschibuti\/t-18506543\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Dschibuti<\/a>.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"73313126\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73313126_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Ein franz\u00f6sischer und ein senegalesischer Kommandeur salutieren bei der \u00dcbergabezeremonie vor Soldaten in wei\u00dfen Uniformen\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Im Juli \u00fcbergab Frankreich seine letzten Milit\u00e4rst\u00fctzpunkte im Senegal an die dortige ArmeeBild: Patrick Meinhardt\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Ein wesentliches Ziel franz\u00f6sischer Afrikapolitik sei immer gewesen, nach M\u00f6glichkeit Frankreich-freundliche Regierungen an der Macht zu halten, sagt Matthias Basedau. Hierbei sei inzwischen Kamerun eine der letzten Bastionen: &#8222;Aber da m\u00fcssen wir eben auch mal sehen, wie es aussieht, wenn Paul Biya irgendwann nicht mehr an der Macht ist.&#8220;<\/p>\n<p>Enge wirtschaftliche Verflechtungen mit Frankreich bleiben<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der politische Einfluss Frankreichs und des Westens <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreichs-einfluss-in-afrika-schwindet\/a-71246564\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">insgesamt also schwindet<\/a>, bleiben die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Frankreich und vielen afrikanischen Staaten weiter bestehen, etwa im Bereich der Rohstoffgewinnung. Auch einige Supermarktketten, Tankstellen und Mobilfunkanbieter sind weiter ganz oder teilweise in franz\u00f6sischer Hand.<\/p>\n<p>Noch deutlich offensichtlicher ist das bei den\u00a0beiden west- und zentralafrikanischen Gemeinschaftsw\u00e4hrungen, die h\u00e4ufig unter dem Begriff Franc-CFA zusammengefasst werden. Sie werden regelm\u00e4\u00dfig als kolonialistisch kritisiert, weil sie sich mit festem Wechselkurs am Euro orientieren, anstatt eigene W\u00e4hrungspolitik zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>Zugleich erleichterten sie jedoch auch den Handel untereinander, gibt Basedau zu bedenken. &#8222;Auch die Inflationsraten waren im frankophonen Afrika eigentlich ziemlich gering, gerade auch im Vergleich zu den einst britisch gepr\u00e4gten Nachbarn.&#8220; Insgesamt wolle er sich jedoch kein Urteil dar\u00fcber erlauben, ob der enger verflochtene franz\u00f6sische Ansatz die wirtschaftliche Entwicklung insgesamt gehemmt habe, sagt Basedau.<\/p>\n<p>65 Jahre nach ihrer Unabh\u00e4ngigkeit sind die franz\u00f6sischsprachigen L\u00e4nder Afrikas ihre eigenen Wege gegangen &#8211; das gilt im besonderen Ma\u00dfe auch f\u00fcr viele ihrer Staatsb\u00fcrger: Aus Daten zu <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/wie-die-digitalisierung-r\u00fcck\u00fcberweisungen-nach-afrika-verbessert\/a-65022888\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">R\u00fcck\u00fcberweisungen<\/a> l\u00e4sst sich ablesen, wie wichtig f\u00fcr einige L\u00e4nder die Diaspora ist. So leben beispielsweise rund 110.000 Senegalesen in Frankreich. Im Senegal machten die Geldsendungen an Angeh\u00f6rige in der Heimat zuletzt mehr als zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus.\u00a0Sch\u00e4tzungen zufolge kommt die H\u00e4lfte des weltweit versendeten Geldes direkt bei der Landbev\u00f6lkerung und damit h\u00e4ufig bei den \u00c4rmsten der Armen an.<\/p>\n<p>Im Laufe der letzten 65 Jahre hat sich im frankophonen Afrika vieles zumindest relativ zum Positiven ver\u00e4ndert: In den meisten L\u00e4ndern ist der Anteil der Menschen in extremer Armut zur\u00fcckgegangen, die Lebenserwartung gestiegen, die Kindersterblichkeit gesunken.<\/p>\n<p>Mitarbeit: Carole Assignon, Julien Aday\u00e9<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;65 ist das Alter der Reife&#8220; &#8211; mit diesen Worten gratulierte k\u00fcrzlich Alassane Ouattara, Pr\u00e4sident der Elfenbeink\u00fcste, seinem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":372026,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-372025","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115089636251431083","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372025","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=372025"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372025\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/372026"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=372025"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=372025"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=372025"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}