{"id":372175,"date":"2025-08-25T14:46:15","date_gmt":"2025-08-25T14:46:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372175\/"},"modified":"2025-08-25T14:46:15","modified_gmt":"2025-08-25T14:46:15","slug":"vertrauen-der-investoren-in-franzoesische-staatsanleihen-schwindet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372175\/","title":{"rendered":"Vertrauen der Investoren in franz\u00f6sische Staatsanleihen schwindet"},"content":{"rendered":"<p>w\u00fc Paris<br \/>\nvon Gesche W\u00fcpper, Paris<\/p>\n<p>Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein \u2013 die Kurven bewegen sich immer mehr aufeinander zu. Der Abstand zwischen den Renditen franz\u00f6sischer und italienischer Staatsanleihen mit zehnj\u00e4hriger Laufzeit hat bereits vor drei Jahren begonnen, sich zu verringern. Doch die Tendenz hat sich innerhalb der letzten zw\u00f6lf Monate beschleunigt. Inzwischen ist der Abstand sogar fast verschwunden. So ist der Spread zwischen Frankreich und Italien auf 0,13 Prozentpunkte geschrumpft. Die Rendite f\u00fcr die franz\u00f6sischen Obligations Assimilables du Tr\u00e9sor (OAT)\u00a0betrug zuletzt 3,48%, die f\u00fcr die Buoni Poliennali del Tesoro (BTP) 3,62%.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-interline\">Umkehrung der Vorzeichen<\/p>\n<p>Dabei galten franz\u00f6sische Staatsanleihen nach den deutschen als relativ sicher, italienische dagegen als riskant. 2012 w\u00e4hrend der Eurokrise hatte sich der Abstand zwischen beiden auf mehr als 400 Basispunkte erh\u00f6ht. Inzwischen haben sich jedoch die Vorzeichen ge\u00e4ndert. Sp\u00e4testens seit den von Pr\u00e4sident Emmanuel Macron letztes Jahr \u00fcberraschend angesetzten Neuwahlen haben Investoren umgedacht.<\/p>\n<p>War Italien fr\u00fcher f\u00fcr h\u00e4ufige Regierungswechsel bekannt, gilt es seit dem Amtsantritt von Premierministerin Giorgia Meloni als relativ stabil. Dagegen steht Frankreich mit seinen Minderheitsregierungen seit letztem Jahr f\u00fcr politische Ungewissheit. Schlimmer noch: Der Sturz der Regierung von Michel Barnier \u00fcber einen Misstrauensantrag zum Haushaltsentwurf hat Anlegern vor Augen gef\u00fchrt, dass die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Eurozone Defizit und Verschuldung nicht in den Griff bekommt.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-onlineinterline\">Fankreichs Manko<\/p>\n<p>\u201eGalt Italien in der Haushaltspolitik einst als schlechter Sch\u00fcler der Europ\u00e4ischen Union, ist es jetzt in der Lage, Frankreich Lektionen zu erteilen\u201c, meint \u00d6konom Philippe Crevel. W\u00e4hrend es Meloni gelungen ist, das Defizit 2024 von zuvor 7,2% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf 3,4% zu senken, ist Frankreichs Defizit letztes Jahr von 5,4% auf 5,8% gestiegen. Gleichzeitig erh\u00f6hte sich auch die Staatsverschuldung Frankreichs auf rund 113% des BIP, w\u00e4hrend sich Italiens Schulden von fast 160% vor vier Jahren auf zuletzt 135% verringerten.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" width=\"1323\" height=\"834\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/k_staatsverschuldung_wrue2sp-01.jpg\" alt=\"\" class=\"no-tts no-tts wp-image-3460093\"\/><\/p>\n<p>Es sind vor allem die hohe Staatsverschuldung und das Defizit, die die Risikoaufschl\u00e4ge f\u00fcr franz\u00f6sische Staatsanleihen nach oben getrieben haben. Italienische Staatsanleihen g\u00e4lten heute als weniger riskant als franz\u00f6sische, sagt Pictet-Investmentstratege Christopher Dembik. \u201eAus dem einfachen Grund, weil die Regierung Meloni Anstrengungen unternommen hat, um das Defizit zu senken.\u201c<\/p>\n<p>Bei f\u00fcnfj\u00e4hrigen Staatsanleihen muss Frankreich schon seit einiger Zeit mehr Zinsen als Italien zahlen. Auch andere einst als riskant geltende L\u00e4nder aus S\u00fcdeuropa, die sogenannten Club-Med-Staaten, haben dank einer strengen Haushaltspolitik das Vertrauen der Investoren zur\u00fcckgewonnen. Deshalb sind die Risikoaufschl\u00e4ge f\u00fcr langfristige Staatsanleihen aus Griechenland, Portugal und Spanien inzwischen niedriger als die Frankreichs.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-onlineinterline\">Drohen Abstufung<\/p>\n<p>Die Renditen f\u00fcr zehnj\u00e4hrige franz\u00f6sische OATs d\u00fcrften ebenfalls schon bald die italienischer Staatsanleihen \u00fcbersteigen, meint \u00d6konom Andrew Kenningham von Capital Markets. Laut Bloomberg w\u00e4re es dann das erste Mal seit 1998, dass sich die Renditen der Staatsanleihen beider L\u00e4nder im Einklang entwickeln. Die Experten von Commerzbank und Nomura denken \u00e4hnlich wie Kenningham. <\/p>\n<p>Sollte Fitch am 12. September Frankreichs Kreditw\u00fcrdigkeitsnote abstufen und damit Moody&#8217;s folgen, steigt die Wahrscheinlichkeit f\u00fcr dieses Szenario \u2013 zumal Italien auch bei den Ratingagenturen inzwischen wieder an Glaubw\u00fcrdigkeit gewonnen hat. Neue Misstrauensantr\u00e4ge gegen die Regierung in Paris wegen des Haushaltsentwurfs 2026 und erwartete Proteste nach der Sommerpause k\u00f6nnten die Risikoaufschl\u00e4ge f\u00fcr franz\u00f6sische Staatsanleihen weiter nach oben treiben.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-interline\">Wettbewerb mit Deutschland<\/p>\n<p>\u201eDie Situation kann sich nur verschlechtern\u201c, meint Pictet-Investmentstratege Dembik zu der Entwicklung der Renditen franz\u00f6sischer Staatsanleihen. N\u00e4chstes Jahr m\u00fcsse Frankreich Schuldanleihen \u00fcber 310 Mrd. Euro emittieren, wenn man den Vorhersagen der Regierung von Premierminister Fran\u00e7ois Bayrou Glauben schenke. \u201eDas ist enorm\u201c, findet Dembik. Vor allem, wenn man bedenke, dass Frankreich bei dem Versuch, ausl\u00e4ndische K\u00e4ufer daf\u00fcr zu finden, im Wettbewerb mit anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern stehe.<\/p>\n<p>\u201eLange Zeit sind Investoren auf franz\u00f6sische Verbindlichkeiten ausgewichen, weil sich Deutschland, das als zuverl\u00e4ssigster Emittent der Eurozone gilt, wenig verschuldet hat\u201c, erkl\u00e4rt der Pictet-Experte. Das werde sich jedoch n\u00e4chstes Jahr \u00e4ndern, weil die Emmissionen deutscher Schuldtitel 330 Mrd. Euro betragen d\u00fcrften. Deshalb werde sich Frankreich 2026 in einer nie gekannten Situation wiederfinden. \u201eDie Schuldtitel werden mit denen Deutschlands und Italiens konkurrieren. Da Investoren eher diese beiden L\u00e4nder bevorzugen werden, werden die Zinss\u00e4tze unaufhaltsam weiter steigen.\u201c<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-onlineinterline\">Bef\u00fcrchtetes Szenario<\/p>\n<p>Alle w\u00fcssten, dass die von Fran\u00e7ois Bayrous Regierung vorgeschlagenen haushaltspolitischen Anpassungen nicht ausreichend seien, meint Dembik. \u201eDas ist der perfekte Cocktail f\u00fcr eine Krise oder bestenfalls eines langsamen Str\u00f6mungsabrisses Frankreichs.\u201c Deshalb f\u00fcrchte Pictet ein Szenario f\u00fcr die zweitgr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft der Eurozone, das der Griechenland-Krise 2009 \u00e4hnele \u2013 auch wenn sich die Situation Frankreichs von der Griechenlands damals unterscheide. Denn in Frankreich gebe es keine Manipulierung \u00f6ffentlicher Haushalte und die Ratingagenturen h\u00e4tten noch immer Vertrauen in Frankreich, auch wenn sie die Kreditw\u00fcrdigkeitsnote abstufen w\u00fcrden. Es k\u00f6nnte jedoch ein langsamer Niedergang drohen, bei dem die Bev\u00f6lkerung verarme, weil Frankreich die Abgaben immer weiter erh\u00f6he, um seine Schulden zu bezahlen.<\/p>\n<p class=\"no-tts no-tts wp-block-ppi-interline\">Viele ausl\u00e4ndische Investoren<\/p>\n<p>Die Frage ist nun, wie insbesondere die ausl\u00e4ndischen Investoren darauf reagieren, wenn die Haushaltsdebatte in Frankreich nach der Sommerpause wirklich beginnt. Nach Angaben von Oddo BHF befinden sich rund 55% der franz\u00f6sischen Schuldtitel in Besitz ausl\u00e4ndischer Investoren, nur rund 26% in H\u00e4nden heimischer Anleger, der Rest liegt bei der Zentralbank. Laut Barclays haben japanische Investoren letztes Jahr wegen der zunehmenden politischen Ungewissheit bereits f\u00fcr 30 Mrd. Euro franz\u00f6sische Staatsanleihen verkauft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"w\u00fc Paris von Gesche W\u00fcpper, Paris Es scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein \u2013 die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":372176,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-372175","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115089951024993873","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=372175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372175\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/372176"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=372175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=372175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=372175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}