{"id":372786,"date":"2025-08-25T20:12:20","date_gmt":"2025-08-25T20:12:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372786\/"},"modified":"2025-08-25T20:12:20","modified_gmt":"2025-08-25T20:12:20","slug":"wir-schaffen-das-wie-wirkte-sich-das-auf-die-eu-aus-dw-25-08-2025","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372786\/","title":{"rendered":"&#8222;Wir schaffen das!&#8220; &#8211; Wie wirkte sich das auf die EU aus? \u2013 DW \u2013 25.08.2025"},"content":{"rendered":"<p>Als die damalige deutsche\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/angela-merkel\/t-17268299\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundeskanzlerin Angela Merkel<\/a>\u00a0vor\u00a0zehn Jahren ihren ber\u00fchmten, f\u00fcr manche ber\u00fcchtigten, Satz <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/zehn-jahre-wir-schaffen-das\/a-73721989\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&#8222;Wir schaffen das!&#8220;<\/a>\u00a0sagte, hatte das nicht nur Folgen f\u00fcr Deutschland, sondern auch f\u00fcr\u00a0Europa.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Diesem Satz folgte Anfang September 2015 Merkels\u00a0Entscheidung,\u00a0dass die Polizei Gefl\u00fcchtete nicht mehr an den Grenzen aufhalten solle. Folglich stellten in den Jahren 2015 bis 2016 \u00fcber eine\u00a0Millionen Menschen einen Asylantrag in\u00a0Deutschland.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>In der gesamten\u00a0EU stieg\u00a0die Zahl der Asylbewerberinnen und Asylbewerber damals sprunghaft\u00a0an. Im Jahr 2015 verzeichnete die EU-Statistikbeh\u00f6rde Eurostat \u00fcber 1,2 Millionen Asylantr\u00e4ge, im Jahr 2016 \u00fcber 1,5 Millionen. In den Folgejahren blieb die Zahl der Antr\u00e4ge, mit Ausnahme von 2020, \u00fcber dem Niveau der\u00a0Jahre vor 2015. Nach einem erneuten Anstieg auf \u00fcber eine Million Erstantr\u00e4ge 2023, sinken derzeit die Zahlen. Lange Zeit war Deutschland das Hauptzielland von Asylbewerbern in der EU. 2025 wurde es laut <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/weniger-asylantr\u00e4ge-in-eu-deutschland-nicht-mehr-hauptziel\/a-72153296\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medienberichten erstmals von Frankreich<\/a>\u00a0\u00fcberholt.\u00a0<\/p>\n<p>Migration &#8211; eines der wichtigsten Themen f\u00fcr europ\u00e4ische W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler<\/p>\n<p>Diese Entwicklungen gehen nicht spurlos an den Europ\u00e4ern vorbei. Bei den letzten\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europawahl-2024\/t-68041502\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Parlamentswahlen 2024<\/a> waren, laut Eurostat,\u00a024 Prozent der Befragten der Meinung, dass\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europawahl-menschen-mit-migrationsgeschichte-in-sorge\/a-69325125\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Migration ein Thema<\/a> ist, dass vorrangig diskutiert werden sollte.\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Auch bei nationalen Wahlen spielte das Thema eine herausragende Rolle, insbesondere in den Mitgliedstaaten, in denen in den letzten Jahren eine <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/rechtsruck-in-europa\/t-66081118\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">rechtspopulistische Partei<\/a> den Wahlsieg eingefahren hat, wie etwa in\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/herbert-kickl-will-kanzler-werden-was-bedeutet-der-fp\u00f6-sieg-in-\u00f6sterreich\/a-70368977\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u00d6sterreich<\/a>\u00a0oder den <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/niederlande-rechtspopulist-wilders-klarer-wahlsieger\/a-67527086\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Niederlanden<\/a>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Anouk Pronk vom niederl\u00e4ndischen Clingendael-Institut sagt gegen\u00fcber der DW, dass es im letzten niederl\u00e4ndischen Wahlkampf im November 2023 eine &#8222;obsessive Fokussierung&#8220;\u00a0auf das Thema gegeben habe.<\/p>\n<p>Damals sei es so dargestellt worden, als sei die Migration der Grund f\u00fcr die\u00a0Probleme im Land, wie etwa f\u00fcr die Wohnungskrise, \u00fcberlastete Sozialsysteme oder Probleme im Schul- und Gesundheitswesen. Derzeit beobachtet Pronk, dass man sich davon etwas l\u00f6se\u00a0und versuche, diese Probleme anzugehen und nicht die Migration zum S\u00fcndenbock f\u00fcr alles zu machen.<\/p>\n<p>Nicht nur in\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland-dobrindt-grenze-migration-familiennachzug-gefluechtete-ausgesetzt-asyl-zuwanderung-stop\/a-73058534\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland,<\/a> sondern auch auf europ\u00e4ischer Ebene, gibt es immer wieder Klagen, dass die Systeme durch Asylsuchende\u00a0und andere Gefl\u00fcchtete\u00a0\u00fcberlastet seien. Teilweise f\u00fchrt\u00a0dies zu drastischen Ma\u00dfnahmen, wie etwa in Belgien, wo m\u00e4nnliche Asylbewerber seit 2023 nicht mehr staatlich untergebracht werden.<\/p>\n<p>Sind die Europ\u00e4er migrationsfeindlicher geworden?<\/p>\n<p>Zwischen \u00f6ffentlicher Meinung und beigemessener Bedeutung gibt es einen Unterschied, sagt Lenka Drazanova gegen\u00fcber der DW. Und die Bedeutung des Themas Migration habe sich in den letzten zehn Jahren durch die hohe\u00a0Pr\u00e4senz in den Medien und der Politik verst\u00e4rkt, sagt die Politologin, die am Europ\u00e4ischen Hochschulinstitut in Florenz\u00a0forscht.<\/p>\n<p>An der\u00a0Grundhaltung, wer in der Gesellschaft f\u00fcr oder gegen Migration ist, habe sich allerdings nichts ge\u00e4ndert. Was sich seit 2015 ge\u00e4ndert habe sei, dass die Menschen, die gegen Migration seien, ihre Ablehnung st\u00e4rker ausdr\u00fcckten. Als Grund f\u00fcr diese einwanderungsfeindliche Haltung, benennt Drazanova Bedrohungsgef\u00fchle &#8211; wie etwa die Angst vor dem Unbekanntem\u00a0oder vor dem\u00a0Verlust des Arbeitsplatzes.<\/p>\n<p>Die hohe Zahl\u00a0der in Deutschland ankommenden Asylsuchenden habe bei einigen Europ\u00e4ern &#8211; insbesondere in Mittel- und Osteuropa &#8211; solche Gef\u00fchle\u00a0ausgel\u00f6st. Dabei k\u00e4me es weniger auf die tats\u00e4chliche Zahl an, sondern mehr auf die Diskussion \u00fcber Migration an sich.<\/p>\n<p>Wie hat Migration Deutschland ver\u00e4ndert?<video id=\"video-73665566\" controls=\"\" playsinline=\"\" preload=\"none\" poster=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAAEAAAABCAQAAAC1HAwCAAAAC0lEQVR42mNkYAAAAAYAAjCB0C8AAAAASUVORK5CYII=\" data-id=\"73665566\" data-posterurl=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/73557306_605.webp\" data-duration=\"25:04\"><\/p>\n<p class=\"vjs-no-js\">To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that <a href=\"https:\/\/videojs.com\/html5-video-support\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">supports HTML5 video<\/a><\/p>\n<p><\/video><\/p>\n<p>Der Diskurs \u00fcber Migration in Europa hat sich ver\u00e4ndert<\/p>\n<p>Au\u00dferdem h\u00e4tten sich\u00a0die sozialen Normen und politische Kultur, wie \u00fcber Migration und Gefl\u00fcchtete gesprochen wird, seit 2015\/2016 ver\u00e4ndert, so die Politikwissenschaftlerin\u00a0Drazanova. Dies stehe auch im Zusammenhang mit der Normalisierung rechtsextremer Ansichten.<\/p>\n<p>Auch Politologin Pronk sieht eine Ver\u00e4nderung in der Diskussion. Zur Zeit von Angela Merkels &#8222;Wir schaffen das!&#8220;\u00a0sei es mehr um eine &#8222;Pflicht zu helfen&#8220; gegangen. Heute werde die Debatte um Migration mehr als ein Sicherheitsrisiko dargestellt.<\/p>\n<p>Dies k\u00f6nne man beispielsweise an dem neuen EU-Pakt f\u00fcr Asyl und Migration sehen. Dort gehe es vor allem darum, wie man die Grenzen sch\u00fctzen k\u00f6nne\u00a0und Menschen, die kein Bleiberecht in der EU h\u00e4tten, schneller wieder abschieben k\u00f6nne.\u00a0Den Grund f\u00fcr diese Entwicklung\u00a0sieht die Politologin in der gro\u00dfen Belastung der Asylsysteme der EU-Mitgliedstaaten. <\/p>\n<p>EU versch\u00e4rft Asylregeln &#8211; und bekommt Druck von Mitgliedstaaten<\/p>\n<p>In dem\u00a0<a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/migrationspakt-was-bringt-die-neue-eu-asylpolitik\/a-68789390\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Asyl- und Migrationspakt,<\/a>\u00a0der im Sommer 2026 in Kraft treten soll, sind sogenannte Grenzverfahren vorgesehen, f\u00fcr diejenigen Gefl\u00fcchteten, die aus L\u00e4ndern mit einer geringen Anerkennungsquote kommen.<\/p>\n<p>Auch arbeitet die EU derzeit an einer neuen R\u00fcckf\u00fchrungsverordnung. Bislang war es, laut der Fl\u00fcchtlingshilfsorganisation Pro Asyl so, dass Migranten\u00a0nur in ein Land abgeschoben werden konnten, zu dem sie eine Verbindung<strong> <\/strong>haben\u00a0oder wenn sie zustimmen. Dieses Kriterium solle fallen, wenn es nach der EU-Kommission geht. Dies gilt als Voraussetzung, um Menschen gegen ihren Willen in einen Staat, mit dem\u00a0beispielsweise ein entsprechendes Abkommen besteht, abzuschieben. Auch sollen &#8222;R\u00fcckkehrzentren&#8220; geschaffen werden.\u00a0Dabei handelt es sich um\u00a0eines der Modelle, das\u00a0in der EU seit einiger Zeit unter dem Stichwort &#8222;innovative L\u00f6sungen&#8220;\u00a0diskutiert wird.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"72506429\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/72506429_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Zwei Polizisten mit gelber Warnweste und der Aufschrift &quot;Polizei&quot; sind von hinten zu sehen. Ihnen kommen viele Fahrzeuge entgegen, die sie kontrollieren\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Deutschland hat -teils zum \u00c4rger seiner EU-Partner &#8211; im letzten Jahr fl\u00e4chendeckende Grenzkontrollen eingef\u00fchrt. Seit Mai diesen Jahres werden irregul\u00e4re Migranten, inklusive Asylbewerber, an der Grenze abgewiesen. Hier Grenzkontrollen an der polnischen Grenze im Mai 2025. Bild: John Macdougall\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Aus einigen EU-Mitgliedstaaten wird Druck auf die EU ausge\u00fcbt, die Asylregeln weiter zu versch\u00e4rfen. So trafen sich beim\u00a0letzten EU-Gipfel im Juni 21 der 27 Mitgliedstaaten um strengere Vorschriften f\u00fcr die gemeinsame Asylpolitik zu erarbeiten. Der Einladung aus D\u00e4nemark, den Niederlanden und Italien folgte erstmals auch der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz.\u00a0<\/p>\n<p>Politik ist nicht gleich \u00f6ffentliche Meinung<\/p>\n<p>In einem sind sich die beiden Expertinnen einig: Von der politischen Debatte und der Gesetzgebung l\u00e4sst sich nicht unmittelbar auf die \u00f6ffentliche Meinung\u00a0\u00fcber Migration in Europa schlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Die Debatte innerhalb der Gesellschaft sei nuancierter, sagt Pronk. Dies h\u00e4tte man zum Beispiel bei der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/stimmung-gegen-fl\u00fcchtlinge-die-vor-dem-krieg-in-der-ukraine-nach-polen-gefl\u00fcchtet-sind-v4\/a-71878610\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">grunds\u00e4tzlichen Hilfsbereitschaft<\/a> gegen\u00fcber den ukrainischen Gefl\u00fcchteten innerhalb der EU gesehen.<\/p>\n<p>Auch Drazanova weist im Gespr\u00e4ch mit der DW daraufhin, dass die \u00f6ffentliche Meinung gegen\u00fcber Migration sehr komplex sei. So kann es etwa sein, dass ein und dieselbe Person positiv gegen\u00fcber Migranten eingestellt sei, die bereits im Land seien, eine offene Einwanderungspolitik jedoch ablehne. Grunds\u00e4tzlich zeige sich in Studien aber, dass sich die \u00f6ffentliche Meinung in Europa gegen\u00fcber Migranten in den letzten Jahren etwas gebessert habe.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als die damalige deutsche\u00a0Bundeskanzlerin Angela Merkel\u00a0vor\u00a0zehn Jahren ihren ber\u00fchmten, f\u00fcr manche ber\u00fcchtigten, Satz &#8222;Wir schaffen das!&#8220;\u00a0sagte, hatte das&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":372787,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-372786","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115091232985439438","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372786","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=372786"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372786\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/372787"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=372786"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=372786"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=372786"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}