{"id":372888,"date":"2025-08-25T21:11:11","date_gmt":"2025-08-25T21:11:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372888\/"},"modified":"2025-08-25T21:11:11","modified_gmt":"2025-08-25T21:11:11","slug":"ein-fest-der-bergarbeiterkultur-und-eine-fulminante-revue","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/372888\/","title":{"rendered":"Ein Fest der Bergarbeiterkultur und eine fulminante Revue"},"content":{"rendered":"<p>Das gro\u00dfe Kulturfest der \u00fcberparteilichen Kommunalwahlb\u00fcndnisse AUF Gelsenkirchen, BergAUF Bergkamen und NV AUF Geht\u2019s aus Neukirchen-Vluyn und des Wahlb\u00fcndnisses AUF-Ruhr, das f\u00fcrs Ruhrparlament antritt, welches sie zusammen mit der Bergarbeiterbewegung Kumpel f\u00fcr AUF und dem Jugendverband REBELL im und rund um den Kultursaal der Horster Mitte in Gelsenkirchen-Horst gefeiert haben.<\/p>\n<p>Und was war das f\u00fcr ein Fest: Der komplette Parkplatz vor der Horster Mitte war angef\u00fcllt mit Menschen, die sich an den St\u00e4nden des Frauenverbands Courage, des Willi-Dickhut-Museums, der Mediengruppe Neuer Weg, aller AUF-Wahlb\u00fcndnisse und vieler mehr informieren konnten. F\u00fcr die Kinder gab es ein spannendes Kinderprogramm und in der Mitte des Platzes war ein riesiges Mitbringbuffet aufgebaut, an dem sich die Besucherinnen und Besucher reichlich st\u00e4rken konnten. Viele von ihnen kamen direkt aus dem Wahlkampfeinsatz f\u00fcr die Kommunalwahlb\u00fcndnisse und freuten sich sehr auf das Fest.<\/p>\n<p>Unter der Moderation von Esther Engel, Kandidatin von AUF Gelsenkirchen f\u00fcr die Bezirksvertretung West, und Sven Sewzik, Kandidat auf der Reserveliste von AUF Gelsenkirchen, gaben verschiedene Kandidatinnen und Kandidaten Infos aus dem Wahlkampf, und machten Lust und Spannung auf die am Abend folgende Revue des Jugendverbandes REBELL \u201eDie Geschichte des Ruhrgebiets\u201c. Als Erster sprach Stefan Engel, Sprecher der Kollegenzeitung Vortrieb und 37 Jahre lang Vorsitzender der MLPD. Er machte deutlich, dass die RAG-Stiftung (ehemals Ruhrkohle AG) eine Diktatur der Monopole \u00fcber das Ruhrgebiet errichtet hat. In der RAG-Stiftung sind 22.000 Unternehmen vereint. Ohne sie l\u00e4uft im Ruhrgebiet nichts. Dar\u00fcber aufzukl\u00e4ren, das wird das neu gegr\u00fcndete Wahlb\u00fcndnis AUF-Ruhr im Ruhrparlament tun.\u00a0<\/p>\n<p>Jan Specht, Oberb\u00fcrgermeisterkandidat von AUF Gelsenkirchen, machte deutlich, dass AUF eine ganz andere Politik macht, als es die etablierten Monopolparteien SPD, CDU etc. tun. Er stellte klar, dass AUF Fachleute und Fachfrauen hat und dass sich das Kommunalb\u00fcndnis sich deshalb eine kompetente Politik f\u00fcr die werkt\u00e4tigen Massen in Gelsenkirchen zutraut.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Andreas Tadysiak, Hauptkoordinator der Internationalen Bergarbeiterkoordinierung, berichtete \u00fcber die aktuelle Lage der k\u00e4mpfenden Kumpel in Chiatura, Georgien, von denen immer noch einige im Gef\u00e4ngnis sitzen. Das Fest verabschiedete einstimmig eine Solidarit\u00e4tserkl\u00e4rung f\u00fcr sie. Faschisten, die sich auf die Bergarbeiterkultur berufen wollen, wie der AfD-Kandidat Guido Reil aus Essen, erteilte er eine klare Absage. Daf\u00fcr erhielt er viel Applaus von den Besucherinnen und Besuchern. Anna Schmit, Vorsitzende des Jugendverbands REBELL, machte die G\u00e4ste auf die Revue neugierig, die der REBELL in intensiver Probenarbeit einstudiert hatte.<\/p>\n<p>Danach war es Zeit f\u00fcr die Spitzenkandidatinnen und Spitzenkandidaten von AUF Gelsenkirchen: Monika G\u00e4rtner-Engel, Willi Mast und Sven Sewzik. Monika G\u00e4rtner-Engel berichtete, dass die Gr\u00fcndung von AUF Gelsenkirchen als \u00fcberparteiliches Kommunalwahlb\u00fcndnis seinerzeit etwas Neues gewesen ist. Eben, weil es einen \u00fcberparteilichen Charakter hat. AUF war und ist immer Sprachrohr der Leute. So g\u00e4be es das Gelsenkirchener Rathaus, das Hans-Sachs-Haus, heute nicht mehr, wenn AUF damals nicht den Kampf daf\u00fcr organisiert h\u00e4tte. Das Zentralbad w\u00e4re nicht sinnlos abgerissen worden, h\u00e4tte AUF damals die Mehrheit im Rat gehabt etc. 20 Prozent der hausgemachten Krise w\u00e4ren mit einer AUF-Mehrheit im Rat gar nicht erst entstanden.<\/p>\n<p>Willi Mast machte deutlich, dass es die Leute in Gelsenkirchen sind, die etwas \u00e4ndern k\u00f6nnen \u2013 zusammen mit AUF! Daf\u00fcr steht der Slogan \u201eSteh AUF, wenn Du was \u00e4ndern willst!\u201c. Sven Sewzik lenkte den Blick der Besucherinnen und Besucher auf den Hauptschuldigen f\u00fcr die schlechte Situation im Ruhrgebiet und die katastrophale Armutsituation in Gelsenkirchen: die RAG!<\/p>\n<p>Dann sprach die Vorsitzende der MLPD, Gabi Fechtner. Schlie\u00dflich hatten die Wahlb\u00fcndnisse den Kultursaal Horster Mitte angemietet, der dem Verm\u00f6gensverwaltungsverein der MLPD (VVV) geh\u00f6rt. Sie erkl\u00e4rte, dass man von so einer Veranstaltung viel lernen kann. Auch heute stehen die Belegschaften der Industriebetriebe (nicht nur) im Ruhrgebiet vor harten K\u00e4mpfen. In Betrieben wie bei Stahl und in der Autoproduktion werden die Arbeiter von den Monopolen angegriffen &#8211; wie damals die Kumpel. Die RAG hatte die Kumpel mit ihren Versprechungen, dass keiner ins Bergfreie fallen werde, belogen. Die sogenannte Mitbestimmung scheiterte. Nur wer k\u00e4mpft kann gewinnen. Es gibt noch Illusionen in die RAG: heute sagte jemand, die RAG habe doch das Ruhrgebiet gro\u00df gemacht. Aber das waren die Arbeiter, die RAG hat sich die Taschen voll gemacht. Wollen die Arbeiter wirklich bestimmen, m\u00fcssen sie den echten Sozialismus erk\u00e4mpfen. Wie dieses Wochenende organisiert ist, ist daf\u00fcr ein gutes Vorbild. Jeder \u00fcbernimmt Verantwortung, die verschiedenen F\u00e4higkeiten kommen zum Tragen, die Arbeiter bringen ihre Kenntnisse auf hohem Niveau ein. Deshalb vermietete der VVV den Kultursaal daf\u00fcr sehr gerne.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Roland Meister, der Spitzenkandidat von AUF-Ruhr, verwies auf die Tradition des Ruhrgebiets als Schmelztiegel von Menschen verschiedenster Nationalit\u00e4ten. Hier versuchen heute Faschisten von der AfD, von \u201eDie Heimat\u201c etc. zu spalten. Das Fest sprach dem weit \u00fcber Gelsenkirchen hinaus bekannten Rechtsanwalt seine Solidarit\u00e4t aus. Roland Meister war bei einem antifaschistischen Protest vor einigen Wochen durch Polizeigewalt schwer verletzt worden. Abschlie\u00dfend kamen noch einmal alle Kandidaten der AUF-B\u00fcndnisse auf die B\u00fchne, bevor es gut gelaunt um 19 Uhr in den Kultursaal ging. Dort begann die Revue \u201eDie Geschichte des Ruhrgebiets\u201c.<\/p>\n<p>Was der REBELL hier auf die B\u00fchne brachte, konnte man zu Recht als fulminant bezeichnen. In einer spannenden, bunten und lustigen Mischung aus gespielten Szenen, eingespielten Originalfotos und -filmen, O-T\u00f6nen von ehemaligen Kumpeln und ihren Familienangeh\u00f6rigen, wurde die ganze Bandbreite der Bergarbeiterkultur \u2013\u00a0ihre k\u00e4mpferische und revolution\u00e4re Tradition \u2013 aber auch die sch\u00e4ndliche Rolle, die die Bergbaukapitalisten und -monopole, die sich schlie\u00dflich in der RAG zusammenschlossen, von Anfang an gespielt haben, deutlich.\u00a0<\/p>\n<p>Von der Entdeckung der ersten Kohle im Ruhrgebiet durch einen Sch\u00e4fer im Jahr 1550 \u00fcber das Entstehen des Ruhrgebiets mit seinen Zechensiedlungen und die Entwicklung der Bergarbeiterbewegung im Jahr 1880 bis \u00fcber den Ersten Weltkrieg und die Rolle der Bergarbeiter in der Novemberrevolution in Deutschland, beim Kapp-Putsch, der Roten Ruhrarmee bis hin zum Hitler-Faschismus 1933 reichte der erste Teil der Revue. Mit viel Engagement, Leidenschaft, witzigen Szenen zum Lachen, aber auch sehr ernster und ber\u00fchrender Darstellung brachten die Aktivistinnen und Aktivisten des REBELL die Geschichte des Ruhrgebiets und seiner Kumpel zum Leben. Dazu geh\u00f6rte und geh\u00f6rt auch der Antifaschismus. So berichtete eine Bergmannstochter, wie ihr Vater Zwangsarbeitern unter Tage, die sonst geschlagen und angetrieben wurden, Essen mitbrachte. Zum Dank schnitzten diese seinen Kindern Spielzeug.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Weiter ging es mit der Zeit der Befreiung vom Hitler-Faschismus und der Feststellung, dass unter Tage zusammenwuchs, was zusammengeh\u00f6rte, und dass es dort keinen Platz f\u00fcr irgendeinen Rassismus gab. \u00dcber die erste Welle der Zechenstilllegungen, aber auch \u00fcber Massenk\u00e4mpfe, als der Trend weg von der Kohle hin zum \u00d6l f\u00fchrte, wurde berichtet. Das sch\u00e4ndliche Spiel der Bundesregierung im Zusammenspiel mit den Kohlekapitalisten, das 1969 zur Gr\u00fcndung der RAG f\u00fchrte, wurde mit Originalzitaten von Konrad Adenauer und seinem Innenminister dargestellt. Anfang der 1990er-Jahre begann die Politik der verbrannten Erde, die das Ruhrgebiet in den heute so schlechten Zustand brachte.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die K\u00e4mpfe der Bergarbeiter und ihrer Familien und dass es f\u00fcr solche K\u00e4mpfe Durchblick und Organisiertheit braucht, wurden dargestellt. Ein besonderer H\u00f6hepunkt darin war der gro\u00dfe Bergarbeiterstreik 1997, der ausbrach nach einem Aufruf-Vorschlag der MLPD-Betriebsgruppe an die Kollegenzeitung Vortrieb und in dessen Rahmen Wasserstra\u00dfen, Autobahnen und Flugh\u00e4fen besetzt und die Bannmeile in Bonn gest\u00fcrmt wurde. Der alte Ausspruch Adenauers, dass das ganze Wasser des Rheins nicht zum L\u00f6schen reichen w\u00fcrde, wenn die Ruhr mal brennt, wurde hier best\u00e4tigt. Der gro\u00dfe Bergarbeiterstreik war das Ende der \u00c4ra von Helmut Kohl als Bundeskanzler.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00dcber die Schlie\u00dfung der letzten Zechen macht die Revue einen Sprung ins Jahr 2025: W\u00e4hrend das Ruhrgebiet und seine Bewohnerinnen und Bewohner mit den Hinterlassenschaften der verbrannten Erde der RAG k\u00e4mpfen m\u00fcssen, hat die RAG-Stiftung im Jahr 2024 965 Millionen Euro \u00dcberschuss erwirtschaftet. Sie ist heute ein profitables Unternehmen, obwohl sie nichts mehr produziert. Deshalb versuchen sie und die Faschisten der AfD, ihre Schuld zu verwischen und die Wut der Massen auf Fl\u00fcchtlinge, Migranten, Arbeitslose etc. abzulenken. Das ist ein \u00fcbles Ablenkungs- und Spaltungsman\u00f6ver. Es wurde deutlich: Der Hauptverursacher dieser Misere ist die RAG, und es gilt \u2013 im Kommunalwahlkampf, aber auch dar\u00fcber hinaus \u2013 daf\u00fcr zu k\u00e4mpfen, dass sie daf\u00fcr zur Verantwortung gezogen wird.\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Tosender Applaus des vollbesetzten Saals machte auch deutlich: Diese Revue muss wiederholt werden. Am Ende des Abends freuten sich alle auf das Tribunal \u201eWir klagen an: Die Politik der verbrannten Erde der RAG\u201c, das an Sonntag begann.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Dar\u00fcber berichten wir morgen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Das gro\u00dfe Kulturfest der \u00fcberparteilichen Kommunalwahlb\u00fcndnisse AUF Gelsenkirchen, BergAUF Bergkamen und NV AUF Geht\u2019s aus Neukirchen-Vluyn und des&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":372889,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1848],"tags":[3364,29,548,663,3934,3658,30,13,14,15,1209,12],"class_list":{"0":"post-372888","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gelsenkirchen","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-gelsenkirchen","14":"tag-germany","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-nordrhein-westfalen","19":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115091464875726972","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372888","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=372888"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/372888\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/372889"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=372888"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=372888"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=372888"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}