{"id":37368,"date":"2025-04-16T20:29:14","date_gmt":"2025-04-16T20:29:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/37368\/"},"modified":"2025-04-16T20:29:14","modified_gmt":"2025-04-16T20:29:14","slug":"kultureller-aufbruch-nach-dem-ende-der-pis-herrschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/37368\/","title":{"rendered":"Kultureller Aufbruch nach dem Ende der PiS-Herrschaft"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspAMgv tspAMgw\">Zwei Schraubenschl\u00fcssel befinden sich gegen\u00fcber an einer wei\u00dfen Wand. Sie sind gebogen, wie sie von Installateuren und Mechanikern verwendet werden, die an schwer zug\u00e4ngliche Schrauben und Muttern herankommen m\u00fcssen. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/abo.tagesspiegel.de\/tagesspiegel-app?icid=single-topic_13550107___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBZmc\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Die Tagesspiegel-App Aktuelle Nachrichten, Hintergr\u00fcnde und Analysen direkt auf Ihr Smartphone. Dazu die digitale Zeitung. Hier gratis herunterladen.  <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Im White Cube der Galerie des Polnischen Instituts gleich gegen\u00fcber der Berliner Museumsinsel wirken sie wie massive metallene Schlangen. Archaische \u00dcberbleibsel einer l\u00e4ngst vergangenen Industrie. Der in Belarus geborene und in Polen lebende K\u00fcnstler Raman Tratsiuk hat Werkzeuge wie diese gesammelt. <\/p>\n<p> Rostige S\u00e4gen und Sicheln  <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Neben den Schraubenschl\u00fcsseln stellt er S\u00e4gebl\u00e4tter und Hackmesser, Hammerk\u00f6pfe und Sicheln aus. Teils stapelt er sie zu gro\u00dfen Skulpturen auf oder er ordnet sie konfrontativ an, wie bei den Schraubenschl\u00fcsseln. Zwischen diesen l\u00e4sst er in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden elektrische Funken \u00fcberspringen. <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Handelt es sich um Signale aus der Vergangenheit, eine Art Materialisierung derer, die die Ger\u00e4te einst benutzt haben? Hat sich aus dem langen Nichtgebrauch, der sich an der Rostschicht gut ablesen l\u00e4sst, etwas aufgestaut, das sich nun entladen muss?<\/p>\n<p class=\"tspRcy\">Empfohlener redaktioneller Inhalt<\/p>\n<p> An dieser Stelle finden Sie einen von unseren Redakteuren ausgew\u00e4hlten, externen Inhalt, der den Artikel f\u00fcr Sie mit zus\u00e4tzlichen Informationen anreichert. Sie k\u00f6nnen sich hier den externen Inhalt mit einem Klick anzeigen lassen oder wieder ausblenden. <\/p>\n<p> Externen Inhalt anzeigen <\/p>\n<p class=\"tspRc4\"> Ich bin damit einverstanden, dass mir der externe Inhalt angezeigt wird. Damit k\u00f6nnen personenbezogene Daten an Drittplattformen \u00fcbermittelt werden.  Mehr Informationen dazu erhalten Sie in den Datenschutz-Einstellungen. Diese finden Sie ganz unten auf unserer Seite im Footer, sodass Sie Ihre Einstellungen jederzeit verwalten oder widerrufen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/ausstellung-unsichtbare-arbeit-polnisches-institut-kunstwerke-von-raman-tratsiuk.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-13550809\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBBjz\"\/> Ausstellung \u201eUnsichtbare Arbeit\u201c mit einer Skulptur von Raman Tratsiuk. <\/p>\n<p class=\"tspAQhg\"> \u00a9 Lisa Vlasenko <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Die Antwort bleibt offen. Das ist ganz im Sinne von Katarzyna Sitko, der seit letztem April amtierenden Leiterin des Polnischen Instituts. Sie hat gemeinsam mit der Kuratorin Marta Smolinska <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/ausstellungsreihe-was-nehmen-wir-mit-im-polnischen-institut-smartphones-zum-anbeissen-13049470.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die sechsteilige Ausstellungsserie \u201eWas nehmen wir mit?\u201c konzipiert<\/a>, zu der auch Tratsiuks Arbeitsger\u00e4teinstallationen geh\u00f6ren. <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">\u201eUnsichtbare Arbeit\u201c hei\u00dft dieser dritte Teil der Serie. Und nat\u00fcrlich weisen die H\u00e4mmer, S\u00e4gen und Sicheln auf die eher weniger sichtbare, aber doch relevante T\u00e4tigkeit polnischer Handwerker und Landarbeiter jederlei Geschlechts hin, die in Deutschland H\u00e4user sanieren, Autos reparieren und Spargel stechen. Die Ausstellungsserie  will vergangene Umbr\u00fcche und neue Unsicherheiten in Europa in den Blick nehmen. <\/p>\n<p> Sichtbarkeit der Arbeit <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">\u201eWir haben uns f\u00fcr sechs unterschiedliche Aspekte entschieden, weil wir sie f\u00fcr universell halten. Wir denken auch, dass wir die Verantwortung haben, auf das zu reagieren, was um uns herum geschieht\u201c, sagt Sitko und betont den europ\u00e4ischen Kontext. \u201eWenn wir um uns schauen, in Polen, in Deutschland, in Europa, sehen wir einen Wandel vonstattengehen, der vielleicht ebenso gro\u00df ist wie der Wandel 1989, der vor allem Osteuropa ver\u00e4ndert hat. Wir wissen aber nicht, wohin uns dieser Wandel f\u00fchrt. Kunst kann uns helfen, Diskussionen zu er\u00f6ffnen, auf unterschiedliche Stimmen zu h\u00f6ren und Sorgen auszudr\u00fccken.\u201c<\/p>\n<p> Zur Person <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/leiterin-des-polnischen-instituts-katarzyna-sitko.jpeg\"   alt=\"\" aria-labelledby=\"caption-13550830\" width=\"440\" height=\"330\" loading=\"lazy\" class=\"tspBBjz\"\/> Katarzyna Sitko ist stellvertretende Leiterin des Polnischen Instituts in Berlin. <\/p>\n<p class=\"tspAQhg\"> \u00a9 Karolina Golimowska <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Die sechs Themen der Ausstellungsreihe entfalten ein weites Panorama. Den Auftakt bildete Ende 2024 eine Schau, die sich mit gesellschaftlichen Wendepunkten befasste. Ein zentraler Bezugspunkt <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/nach-den-wahlen-in-polen-endlich-wir-atmen-wieder-10651315.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">war dabei die polnische Parlamentswahl von 2023<\/a>, die das Ende der nationalistischen und rechtspopulistischen PiS-Regierung markierte. Andererseits sollte die Erinnerung an die Umbr\u00fcche 1989 aktiviert werden. <\/p>\n<p> Wendepunkt Geburt <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">In einer k\u00fcnstlerischen Intervention fragten <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/im-westen-wildes-3026926.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die K\u00fcnstler Anne Peschken und Marek Pisarsky <\/a>Menschen nach Wendepunkten im eigenen Leben. Viele nannten, so Sitko, gerade nicht die gro\u00dfen gesellschaftlichen Umw\u00e4lzungen, sondern pers\u00f6nliche Ereignisse: \u201eDiese waren mit der Familie verbunden, mit Menschen, die man verloren hat oder dem Wechsel des Arbeitsplatzes. Auch die Geburt eines Kindes wurde oft genannt. Viele Antworten waren sehr philosophisch. Einer meiner Favoriten ist die Antwort eines Kindes, das die eigene Geburt als einen Wendepunkt nannte.\u201c  <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">F\u00fcr die aktuelle Ausstellung steuert die kurdisch-t\u00fcrkische, mittlerweile in Berlin lebende Videok\u00fcnstlerin P\u0131nar \u00d6\u011frenci einen Beitrag \u00fcber die Lebensumst\u00e4nde t\u00fcrkischer Gastarbeiter der ersten und zweiten Generation bei. Verbl\u00fcfft stellte sie bei ihren Recherchen fest, dass in den Fotoarchiven zur Bergbauindustrie im Ruhrgebiet Aufnahmen der Gastarbeiter erst in den fr\u00fchen 1980er Jahren auftauchten, obwohl <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/vieles-wird-nicht-als-teil-der-eigenen-geschichte-begriffen-4286614.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">die ersten Anwerbeabkommen bereits 1955 geschlossen wurden<\/a>. <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Die Arbeit unter Tage war demnach doppelt unsichtbar: Einerseits verborgen in den Stollen und Sch\u00e4chten, andererseits nicht einmal eingefangen von Kameras, die nur auf die deutschen Kollegen gerichtet waren. In ihrer Serie \u201eGl\u00fcck auf in Deutschland\u201c l\u00e4sst sie Silhouetten von Arbeitern \u00fcber den Schloten des Ruhrgebiets schweben. In einem Video nimmt<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/care-arbeit-und-beruf-es-darf-keine-meetings-nach-14-uhr-geben-10387093.html\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"> sie die Care-Arbeit der Bergarbeiter-Ehefrauen<\/a> in den Blick, ein weiterer Bereich des \u201eunsichtbaren Arbeitens\u201c. <\/p>\n<p> Die Ausstellung <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Bis 6. Juni, \u201eUnsichtbare Arbeit\u201c, Polnisches Institut, Burgstr. 27, Di bis Do 13\u201318 Uhr, Fr bis 17 Uhr.<\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Die bisher gezeigte Kunst unterstreicht, dass Sitko, die zuvor am Polnischen Institut in Budapest t\u00e4tig war, den Ansatz verfolgt, polnische Kunst im breiteren Kontext der europ\u00e4ischen Kultur zu zeigen. \u201eNat\u00fcrlich wollen wir polnische Inhalte in Berlin bef\u00f6rdern, aber eben nicht als etwas Exotisches, sondern mit dem Wissen, dass wir uns mit \u00e4hnlichen Problemen auseinandersetzen und dass wir integraler Bestandteil der europ\u00e4ischen Kultur sind, die wir auch mitgestalten.\u201c<\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Die folgenden drei Ausstellungen der Serie besch\u00e4ftigen sich mit dem Widerstand von Frauen gegen repressive Systeme, mit positiven \u00d6kofiktionen anhand von Pilzen \u2013 Pilze sammeln ist ja so etwas wie polnischer Nationalsport \u2013 sowie mit dem Fluss Oder als nichtmenschlichem Akteur, der Polen und Deutschland verbinden und trennen kann.<\/p>\n<p> Mehr zur Kultur bei Tagesspiegel Plus: <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/hommage-an-felix-vallotton-zum-100-todestag-scharfe-rote-unterkuhlte-erotik-13539532.html?icid=topic-list_13550107___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBZmc\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hommage an F\u00e9lix Vallotton zum 100. Todestag Scharfe R\u00f6te, unterk\u00fchlte Erotik <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/spektakulare-caravaggio-schau-in-rom-der-darling-des-kunstbetriebs-13500787.html?icid=topic-list_13550107___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBZmc\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Spektakul\u00e4re Caravaggio-Schau in Rom Zu Besuch beim d\u00fcsteren Darling des Kunstbetriebs <\/a><a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/doris-dorrie-im-gesprach-in-den-hausern-der-reichen-war-viel-hasslichkeit-zu-sehen-13518574.html?icid=topic-list_13550107___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspBZmc\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Doris D\u00f6rrie im Gespr\u00e4ch  \u201eIn den H\u00e4usern der Reichen war viel H\u00e4sslichkeit zu sehen\u201c <\/a><\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Die Galerie des Polnischen Instituts m\u00f6chte Sitko perspektivisch als zwar kleinen, aber lebhaften Teil der Berliner Kunstszene etablieren. Dar\u00fcberhinaus strebt sie st\u00e4rkere Beteiligung polnischer Positionen in hiesigen Formaten an. <\/p>\n<p class=\"tspAMgv\">Das Thema Unsicherheiten ist nicht nur ein kuratorischer Schwerpunkt, sondern Realit\u00e4t auch f\u00fcr das Polnische Institut. Sitko fungiert nominell als stellvertretende Leiterin. Im Sommer soll die Chefposition im Zuge gr\u00f6\u00dferer Umstrukturierungen innerhalb der zwei Dutzend polnischen Auslandsinstitute neu besetzt werden. Bleibt zu hoffen, dass das gegenw\u00e4rtige Aufbl\u00fchen des Berliner Standorts dann trotzdem weitergeht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Zwei Schraubenschl\u00fcssel befinden sich gegen\u00fcber an einer wei\u00dfen Wand. 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