{"id":373860,"date":"2025-08-26T06:28:10","date_gmt":"2025-08-26T06:28:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/373860\/"},"modified":"2025-08-26T06:28:10","modified_gmt":"2025-08-26T06:28:10","slug":"eine-kaum-aushaltbare-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/373860\/","title":{"rendered":"\u2026 eine kaum aushaltbare Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Priska Lachmann hat wieder ein Buch geschrieben und dieses ber\u00fchrt Menschen, die sich noch ber\u00fchren lassen k\u00f6nnen. Gerade auch in Zeiten, in denen der Fokus der \u201ewestlichen Wertegemeinschaft\u201c und der ihr inliegenden Medien nur punktuell die ganze Welt beleuchtet, tut es Not, den Blick zu weiten. Und es tut Not, Mitgef\u00fchl als menschlichen Wert ohne Wenn und Aber wieder zuzulassen. Priska ist eine starke Stimme, die Menschen zum Zuh\u00f6ren bringt. Ahoi-Redakteur Volly Tanner traf sie:<\/p>\n<p>Ahoi: Guten Tag, liebe Priska Lachmann. Beim Seitenwechsel-Literaturfest am Bismarckturm Wei\u00dfenfels durfte ich Deine Lesung aus \u201eSteh auf, mein Kind, und geh!\u201c erleben, welches Du gemeinsam mit Marie Kresbach geschrieben hast. Das Publikum war mucksm\u00e4uschenstill und absolut gebannt, obwohl die Veranstaltung ja sehr offen war. Wer ist denn diese Marie Kresbach?<\/p>\n<p><strong>Priska Lachmann:<\/strong>\u00a0Das war wirklich ein bewegender Moment, weil das Buch eigentlich sehr tragisch ist, eigentlich eine kaum aushaltbare Geschichte, und sie dann doch mitrei\u00dft und bewegt und man sich die ganze Zeit fragt: Wie man so etwas erleben und mit dem Erlebten weiterleben kann. Marie Kresbach ist Krankenschwester und lebt, seit sie neun Jahre alt ist, bei Stuttgart.<\/p>\n<p>Ahoi: Und um was geht es in dem Buch?<\/p>\n<p><strong>Priska Lachmann:<\/strong>\u00a01994 fand in Ruanda der Genozid an den Tutsi statt. Innerhalb von 100 Tagen t\u00f6teten radikale Hutu rund eine Million Tutsi und oppositionelle Hutu. Das sind die beiden Hauptethnien in Ruanda. Marie lebte damals als J\u00fcngste von zehn Geschwistern mit ihren Eltern in einem kleinen ruandischen Dorf. Wir haben damals in Deutschland davon in den Nachrichten erfahren. Marie verlor fast ihre ganze Familie und musste als Neunj\u00e4hrige fliehen und kam dann nach Deutschland. Wie sie das erlebt hat und wie sie damit leben konnte, so viele Menschen um sich herum sterben zu sehen, davon erz\u00e4hlt sie.<\/p>\n<p>Ahoi: Ich stelle mir das gemeinsame Schreiben mit einer Betroffenen von solch einem Leid extrem schwierig vor. Wie hast du Dich darauf eingelassen? Rein emotional \u2026<\/p>\n<p><strong>Priska Lachmann:<\/strong>\u00a0Ich habe wirklich viel geweint und auch f\u00fcr sie war es schwierig, alles noch einmal zu durchleben in der eigenen Erinnerung. In einem solchen Prozess frage ich als Autorin dann auch manchmal nach Details, wie: \u201eWei\u00dft Du noch, was Du getragen hast an dem Tag?\u201c und dann ist es gerade bei traumatischen Erlebnissen sehr schwierig, sich noch einmal hindurch zu w\u00fchlen und das zu heilen. Ich habe einen Master in Familien- und Paarberatung, in solchen Momenten kommt mir zugute, dass ich eine psychologische Ausbildung gemacht habe.<\/p>\n<p>Am Ende hat sie zu mir gesagt, dass der Schreibprozess sie vollends geheilt hat und auch ich war sehr stolz auf mich, denn ich musste mich ja in ein neunj\u00e4hriges M\u00e4dchen, das in Ruanda lebt, hineinversetzen und das, obwohl ich noch nie vor Ort gewesen bin.<\/p>\n<p>Ahoi: Und wie seid ihr zusammengekommen, die Marie Kresbach und Du?<\/p>\n<p><strong>Priska Lachmann:\u00a0<\/strong>Der Verlag hat uns zusammengebracht. Viele B\u00fccher werden von Ghostwritern geschrieben, also von Autorinnen und Autoren, weil es gute Geschichten gibt und wir diesen eine Stimme geben.<\/p>\n<p>Ahoi: Im Buch geht es auch um Gottes Beistand, Du selbst bist Christin, engagierst Dich auch beim Magazin WIR. Kannst Du uns etwas \u00fcber WIR erz\u00e4hlen, bitte? Wer macht mit, was machst Du dort und wie kam es zum WIR?<\/p>\n<p><strong>Priska Lachmann:<\/strong>\u00a0Ich habe sogar mal Theologie studiert. Das WIR Magazin war eine mittern\u00e4chtliche Schnapsidee auf Langeoog. Hier treffen sich Frauen als Netzwerkveranstaltung einmal im Jahr. Uns verbindet, dass wir alle gl\u00e4ubige Christinnen sind und schreiben oder Musik machen. Wir ermutigen uns, lernen voneinander und unterst\u00fctzen uns. Wir sind verschieden, auch unterschiedlich gepr\u00e4gt in theologischen Antworten, aber f\u00fchlen uns verbunden. Diese Verbundenheit trotz Verschiedenheit ist ein gro\u00dfer Wert f\u00fcr uns in einer Zeit, in der oft polarisiert wird. Wir wollten gern ein Onlinemagazin schaffen f\u00fcr all die Frauen, die sich nach einer Community sehnen, in der sie einfach Sein k\u00f6nnen und in der Austausch m\u00f6glich ist, ohne dass sich jemand \u00fcber den anderen erhebt.<\/p>\n<p>Ahoi: Nach dem Buch ist vor dem Buch. An was schreibst Du denn gerade?<\/p>\n<p><strong>Priska Lachmann:<\/strong>\u00a0Aktuell nochmal an einem Leipzig\u2013Buch. Ich habe diese 111 Orte-B\u00fccher f\u00fcr Leipzig geschrieben, als N\u00e4chstes erscheint ein Buch \u00fcber 22 Touren, die man gegangen sein muss. Ich klettere in Bunkern herum, besuche Lost Places, Friedh\u00f6fe und entdecke noch einmal neue Ecken. Leipzig wirkt ja manchmal wie ein Dorf, ist aber trotzdem so gro\u00df, dass man immer wieder etwas findet, was einem vorher noch nie aufgefallen ist. Das erscheint mir vorher immer wieder eine Herausforderung zu sein, aber im Laufe des Schreibprozesses, freue ich mich an der spannenden Recherche.<\/p>\n<p>Ahoi: Danke, liebe Priska, dass Du Dir Zeit f\u00fcr uns genommen hast.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Priska Lachmann hat wieder ein Buch geschrieben und dieses ber\u00fchrt Menschen, die sich noch ber\u00fchren lassen k\u00f6nnen. Gerade&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":373861,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1785,29,214,30,215],"class_list":{"0":"post-373860","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buecher","10":"tag-deutschland","11":"tag-entertainment","12":"tag-germany","13":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115093655005161950","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/373860","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=373860"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/373860\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/373861"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=373860"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=373860"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=373860"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}