{"id":374905,"date":"2025-08-26T16:09:19","date_gmt":"2025-08-26T16:09:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/374905\/"},"modified":"2025-08-26T16:09:19","modified_gmt":"2025-08-26T16:09:19","slug":"forscher-finden-kokain-in-400-jahre-alten-skeletten-in-mailand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/374905\/","title":{"rendered":"Forscher finden Kokain in 400 Jahre alten Skeletten in Mailand"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 26.08.2025 16:02 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>In Mailand haben Forschende Tausende Tote aus dem 17. Jahrhundert gefunden und in Skeletten Kokain, Opium und Marihuana nachgewiesen. Eine Entdeckung, die die Drogen-Geschichtsschreibung ver\u00e4ndert.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                        <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/lisa-weiss-102.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                            <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Lisa Wei\u00df\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/weiss-110.jpg\"\/><br \/>\n                                        <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBioarch\u00e4ologe Mirko Mattia zieht sich den wei\u00dfen Schutzanzug an und setzt den Helm auf. In den Gew\u00f6lben unter der Kirche von Mailands gr\u00f6\u00dfter staatlicher Universit\u00e4t haben er und sein Team von der Uni Mailand einen gruseligen Fund gemacht &#8211; den will er jetzt zeigen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAlso rein in ein enges Loch im Boden. \u00dcber eine schmale Leiter geht es noch eine Etage tiefer, in eine dunkle Kammer. Die Luft riecht seltsam. Mattia schaltet einen Scheinwerfer an: \u00fcberall Totensch\u00e4del, Knochen, ganze Skelette. Es ist eine Art Knochenberg, bis zu eineinhalb Meter hoch.<\/p>\n<p>    Knochenberg mit Menschen-Erde<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Fr\u00fcher war hier auf dem Uni-Gel\u00e4nde ein Krankenhaus f\u00fcr arme Menschen&#8220;, erkl\u00e4rt Mattia. Nicht alle sind wieder gesund geworden. Und die, die es nicht geschafft haben, liegen immer noch hier.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMattia b\u00fcckt sich, zeigt auf eine schwarz-gr\u00e4uliche, br\u00f6selige Substanz zwischen den Knochen. Der Untergrund bestehe aus Kalk, damals wollte man damit den Leichengeruch \u00fcberdecken, erkl\u00e4rt er: &#8222;Und aus einem neuen Typ Erde, die ist aus Knochensplittern und organischem Material.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMenschen-Erde also. Von Menschen, die vor etwa 400 Jahren gelebt haben, die \u00c4rmsten der Armen in Mailand. Mailand war damals sehr fortschrittlich: ein gro\u00dfes, modernes Krankenhaus, das Menschen, die unverschuldet in Not geraten war, kostenlos behandelte &#8211; das war damals in Europa keineswegs Standard.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        In dieser dunklen Kammer unter der Kirche in Mailand liegen Tausende Knochen von Menschen. Mit Kalk \u00fcberdeckt sollte der Leichengeruch einged\u00e4mmt werden.\n                    <\/p>\n<p>    Auf der Suche nach dem Rausch<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDas Krankenhaus war jahrhundertelang an diesem Ort im Betrieb. Hier unter der Kirche wurden die Toten aus dem Hospital aber nur einige Jahrzehnte lang bestattet. Denn die \u00c4rzte im Krankenhaus und die Anwohner beschwerten sich \u00fcber den Verwesungsgestank aus der Kirche.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDeshalb wurden die Kammern verschlossen und sind \u00fcber Jahrhunderte so gut wie unversehrt geblieben &#8211; ein Gl\u00fcck f\u00fcr Wissenschaftler wie Mirko Mattia. Er und sein Team bringen die Skelette St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck nach oben und nehmen sie unter die Lupe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDabei suchen sie nach etwas Speziellem: nach dem Rausch. Die Forschenden f\u00fchren toxikologische Analysen durch, um Medikamente, Drogen oder Aufputschmittel zu finden. Mittel, die die Menschen damals eingenommen haben, um Hunger oder M\u00fcdigkeit auszuhalten &#8211; oder einfach nur, um Spa\u00df zu haben.<\/p>\n<p>    Drogenspuren im Totensch\u00e4del<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Forscherinnen und Forscher sind f\u00fcndig geworden. Ein Stockwerk weiter oben wartet Cristina Cattaneo, sie ist Professorin f\u00fcr Forensik an der Universit\u00e4t Mailand. In der Hand h\u00e4lt sie einen Totensch\u00e4del. Vor ihr auf einem Tisch liegt der Rest des Skelettes aus der Kammer, daneben eine wabenartig geformte schwarze Substanz in einem Plastikt\u00fctchen. Hirnsubstanz aus dem Sch\u00e4del, die sich \u00fcber die Jahrhunderte erhalten hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Darin lassen sich Drogenspuren finden&#8220;, erkl\u00e4rt Cattaneo und erg\u00e4nzt mit Blick auf den Sch\u00e4del in ihrer Hand: &#8222;In diesem hier haben wir vor allem Kokain gefunden. Das ist deswegen wichtig, weil das bedeutet, dass wir den Kokain-Gebrauch in Europa um zweihundert Jahre zur\u00fcckdatieren k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p>    Rauschmittel oder Medikamente?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn anderen Toten haben sie und das Team Cannabis nachgewiesen oder Opioide &#8211; also Stoffe wie Opium, \u00e4hnlich dem heutigen Heroin. Nur: Wie weist man nach, dass sich die Menschen damals wirklich berauscht haben? Die Skelette aus dem Krankenhaus k\u00f6nnten vor ihrem Tod die Stoffe auch als Medikamente bekommen haben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Antwort findet man ein paar Meter weiter, in den hohen, pr\u00e4chtigen R\u00e4umen des Krankenhausarchivs. Hier stapeln sich die Akten, die B\u00fccher, die Pergamente aus dem Krankenhaus in Regalen, fast bis zur Decke.<\/p>\n<p>    Kein Cannabis auf Rezept<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nArchivar Paolo Galimberti holt die alten Arzneib\u00fccher heraus, auch die aus der Zeit von vor 400 Jahren sind erhalten. &#8222;Dort sind alle Medikamente verzeichnet, die den Kranken verabreicht wurden&#8220;, erkl\u00e4rt er. Opioide zum Beispiel wurden schon seit der R\u00f6merzeit genutzt, um chirurgische Operationen ein bisschen weniger schmerzhaft zu machen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Aber in den B\u00fcchern findet sich keine Spur von kokainhaltigen Medikamenten oder Cannabis&#8220;, sagt Galimberti. &#8222;Wenn die Substanzen nicht in den Arzneib\u00fcchern stehen, dann wurden sie nicht im Krankenhaus verabreicht. Sie kamen von drau\u00dfen.&#8220; Das hei\u00dft: Cannabis und Kokain gab es definitiv im Mail\u00e4nder Krankenhaus nicht auf Rezept.<\/p>\n<p>    Der Alltag der Armen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAber die Forscherinnen und Forscher suchen nicht nur nach Drogen. Sondern nach auch allen anderen Spuren, die dabei helfen, den Alltag der Menschen damals zu rekonstruieren. Denn in den Geschichtsb\u00fcchern steht viel \u00fcber K\u00f6nige und Kriege, aber wir wissen wenig \u00fcber das Leben der ganz normalen Menschen. Diese Skelette k\u00f6nnten das \u00e4ndern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 26.08.2025 16:02 Uhr In Mailand haben Forschende Tausende Tote aus dem 17. 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