{"id":376140,"date":"2025-08-27T03:34:10","date_gmt":"2025-08-27T03:34:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376140\/"},"modified":"2025-08-27T03:34:10","modified_gmt":"2025-08-27T03:34:10","slug":"emily-in-paris-5-netflix-setzt-weiter-auf-europa-kitsch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376140\/","title":{"rendered":"Emily in Paris 5 &#8211; Netflix setzt weiter auf Europa-Kitsch"},"content":{"rendered":"<p>Emily in Paris hat es vorgemacht. Und immer mehr Filme und Serien ziehen nach. Sie hei\u00dfen &#8222;From Scratch&#8220;, &#8222;My Oxford Year&#8220; oder &#8222;Too much&#8220; \u2013 und folgen alle derselben, recht einfachen Formel. Eine Amerikanerin kommt nach Europa \u2013 und verliebt sich. Die \u00fcberschaubare Story entfaltet sich vor der malerischen Kulisse von St\u00e4dten wie Paris, Rom oder Florenz. Eine Art virtueller Bucket-List-Tourismus: Das hat in der Pandemie gezogen \u2013 und das zieht noch immer. <\/p>\n<p>Bucket-List-Tourismus in Serie<\/p>\n<p>&#8222;David, Baptisterium, den Duomo, den Ponte Vecchio&#8220;, alles wolle sie sich ansehen, so schw\u00e4rmt die von Zoe Saldana gespielte Amy in der Netflix-Mini-Serie &#8222;From Scratch&#8220;. Ihre ortskundige Freundin kommt gleich zur eigentlichen Sache. Sie solle sich doch das nehmen, was nicht im Reisef\u00fchrer steht: einen eingeborenen Liebhaber.<\/p>\n<p>Europa als Authentizit\u00e4tsversprechen<\/p>\n<p>Europa, das ist ein magischer Ort zwischen Handk\u00fcssen und ge\u00f6ffneten T\u00fcren, Einladungen nach Saint Tropez und unmoralischen Angeboten, die hier nicht \u00fcbergriffig sind, sondern willkommen. Soweit die amerikanischen Fantasien. Und die clashen nicht etwa mit der Realit\u00e4t; sie werden voll und ganz eingel\u00f6st. Kaum sind die Hauptdarstellerinnen aus dem Flieger raus, stehen die charmanten Euro-Boys Schlange. Einf\u00fchlsame Calvin-Klein-Models, die einem die Jacke anbieten und selbst gekochtes Risotto ans Bett bringen. \u00dcberhaupt spielt die Kulinarik eine wichtige Rolle im Repertoire der europ\u00e4ischen Liebeskunst. Nicht nur Emilys charmanter Nachbar Gabriel ist Koch, sondern auch Italo-Lover Lino in &#8222;From Scratch&#8220; ist kulinarisch durchaus beschlagen.<\/p>\n<p>Inzwischen hat sich der Eurokitsch als neues Trendgenre auf Netflix etabliert. Das hat sogar &#8222;Girls&#8220;-Sch\u00f6pferin und Serien-Ikone Lena Dunham aus der selbst auferlegten Sendepause zur\u00fcckgeholt. Ihre im Juli erschienene Serie &#8222;Too Much&#8220; gibt sich als Persiflage: eine Amerikanerin in London. Wie sehr hier Klischees wirklich auf die Schippe genommen oder weiter bef\u00f6rdert werden, ist schwer zu sagen. Etwa, wenn die Heldin Jessica vor bunten Haust\u00fcren in Notting Hill posiert.<\/p>\n<p>&#8222;Ich bin Julia Roberts, bitch!&#8220;<\/p>\n<p>Die klassische Romcom, die romantische Kom\u00f6die, mit ihren Klischees und Rollenbildern, hat ihre besten Zeiten hinter sich. Wir waren schon weiter. Eigentlich. Aber die Gen Z hat die literarische Schmonzette wieder f\u00fcr sich entdeckt \u2013 und auch die Romcom auf die Bildfl\u00e4che zur\u00fcckgeholt. So hetero, so kitschig. So unironisch. Zur\u00fcck sind die gro\u00dfen Gesten und alten Ideale. <\/p>\n<p>US-Singles sind der Dating-Apps m\u00fcde, das zeigen Umfragen der vergangenen Jahre. Sie sehnen sich nach der altmodischen Romanze. Nach dem Knistern einer Zufallsbegegnung. Wo gibt es sowas noch? Die Antwort scheint zu sein: nicht in Amerika, wo junge M\u00e4nner und Frauen nicht nur politisch entzweiter sind denn je. Die Illusionen verfrachtet man nach Europa. Da, wo die Welt noch ein Dorf ist und der Typ von nebenan die gro\u00dfe Liebe sein k\u00f6nnte. Tinder braucht hier niemand.<\/p>\n<p>Europa-Sehnsucht als transatlantischer Olivenzweig?<\/p>\n<p>Nach EU-Richtlinien muss Netflix 30 Prozent der Inhalte, die in Europa angeboten werden, auch hier produzieren. Aber dabei ist es der amerikanische Blick, der American Gaze, auf den man setzt. Kritik f\u00fcr den Euro-Fetischismus gibt es, klar, vor allem aus Europa. Absurde Stereotype, die St\u00e4dte viel zu sauber und gesch\u00f6nt. Eine Fantasy-Kulisse. Vielleicht ist genau das der Punkt. Im historisch-zeitlosen Setting sind nicht nur Zauberei und Drachen m\u00f6glich. Sondern auch Romanzen wie die von Audrey Hepburn oder Julia Roberts. <\/p>\n<p>Vielleicht ist es aber auch ein Signal an die europ\u00e4ische Kundschaft, ein transatlantischer Olivenzweig der amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Der sagen will: Die Sehnsucht nach eurem Europa ist gro\u00df \u2013 trotz aller politischer Signale. Gr\u00fcnde, sich nach Europa zu sehnen, g\u00e4be es jedenfalls genug. Allen voran ein bisschen m\u00e4nnliche Galanterie, f\u00fcr die in den USA gerade die Vorbilder ausgehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Emily in Paris hat es vorgemacht. Und immer mehr Filme und Serien ziehen nach. 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