{"id":376279,"date":"2025-08-27T04:56:21","date_gmt":"2025-08-27T04:56:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376279\/"},"modified":"2025-08-27T04:56:21","modified_gmt":"2025-08-27T04:56:21","slug":"nobelpreistraegertreffen-lindau-mario-draghis-abrechnung-mit-der-eu","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376279\/","title":{"rendered":"Nobelpreistr\u00e4gertreffen Lindau: Mario Draghis Abrechnung mit der EU"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Mario Draghi sorgt f\u00fcr Gespr\u00e4chsstoff in Europa. In einer Rede in Rimini vergangenen Freitag hatte der fr\u00fchere EZB-Pr\u00e4sident und fr\u00fchere italienische Ministerpr\u00e4sident der Europ\u00e4ischen Union die Leviten gelesen. Auf dem Treffen der Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Lindau\" data-rtr-id=\"99fe2cc5a318c8157373a0a0b98833e4e69d2921\" data-rtr-score=\"85.06919060052219\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wissen\/thema\/lindau\" title=\"Lindau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Lindau<\/a>, wo Draghi am Dienstag sprach, bekam er daf\u00fcr Zuspruch. Draghi hatte in gr\u00f6\u00dfter Klarheit darauf hingewiesen, dass die Europ\u00e4ische Union nicht l\u00e4nger glauben k\u00f6nne, dass ihre gro\u00dfe Wirtschaftskraft ihr automatisch globale Macht und Einfluss verleihe. Draghi w\u00f6rtlich: \u201eDieses Jahr wird als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem diese Illusion verflogen ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Als Beleg daf\u00fcr nannte der 77-J\u00e4hrige den Zollkonflikt mit den <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"USA\" data-rtr-id=\"5e61066c54a9df7162329159c04819b77ad9b596\" data-rtr-score=\"10.23074343535594\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/usa\" title=\"USA\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vereinigten Staaten<\/a>. \u201eWir mussten uns den von unserem gr\u00f6\u00dften Handelspartner und langj\u00e4hrigen Verb\u00fcndeten, den Vereinigten Staaten, auferlegten Z\u00f6llen beugen\u201c, sagte der fr\u00fchere italienische Ministerpr\u00e4sident. Die EU sei von den Vereinigten Staaten unter Druck gesetzt worden, die Milit\u00e4rausgaben zu erh\u00f6hen. Das w\u00e4re schon fr\u00fcher sinnvoll gewesen, so Draghi, doch die Art und Weise, wie der Druck ausge\u00fcbt wurde, habe nicht den europ\u00e4ischen Interessen entsprochen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der Italiener bezeichnete die EU als \u201eZuschauer\u201c bei den Konflikten in Iran und Gaza und sagte, der Block habe eine \u201erelativ marginale Rolle\u201c bei den Friedensverhandlungen zur Beendigung des Krieges in der Ukraine gespielt, obwohl er am meisten zur Unterst\u00fctzung des Landes beigetragen habe und das gr\u00f6\u00dfte Interesse an einem \u201egerechten Frieden\u201c habe. Unter dem Strich h\u00e4tten die j\u00fcngsten Ereignisse \u201ejede Illusion beseitigt, dass die wirtschaftliche Dimension allein irgendeine Form von geopolitischer Macht gew\u00e4hrleistet\u201c. In Lindau stellte Draghi klar, dass alles, was seit der Ver\u00f6ffentlichung seines Reports passiert sei, die Dringlichkeit nur erh\u00f6he. \u201eWenn die EU ihre geopolitische Macht erhalten will, geht es nicht ohne Innovationen\u201c, sagte Draghi. Der \u00d6konom betonte, dass die Fragmentierung in der EU ein Ende haben m\u00fcsse. Aus Investitionen m\u00fcssen endlich neue Erfindungen hervorgehen, die sich durchsetzen.<\/p>\n<p>\u201eWir k\u00f6nnen uns auf dem, was wir erreicht haben, nicht ausruhen\u201c<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Lindau bekam er daf\u00fcr am Dienstag Zuspruch von Magnus Brunner, dem Innenkommissar der EU. \u201eWir k\u00f6nnen uns auf dem, was wir erreicht haben, nicht ausruhen, im Gegenteil\u201c, sagte der fr\u00fchere \u00f6sterreichische Finanzminister. Die dr\u00e4ngendste Aufgabe sei, die nicht-tarif\u00e4ren Handelshemmnisse in der EU zu beseitigen, sagte Brunner. Er gab sich aber zugleich hoffnungsvoll. Die EU sei global in einer einmaligen Position, als verl\u00e4sslicher Partner, der nicht erratisch handele, sagte Brunner, ohne Donald Trump namentlich zu erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Draghi hatte in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Rimini\" data-rtr-id=\"f00caad18f58617c964eae33671f3f0802a96ad5\" data-rtr-score=\"11.130778682230071\" data-rtr-etype=\"location\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/feuilleton\/thema\/rimini\" title=\"Rimini\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rimini<\/a> zudem die \u201eneoliberale Phase\u201c, die zwischen den 1980er Jahren und dem Beginn des Jahrtausends dominiert habe, f\u00fcr beendet erkl\u00e4rt. In dieser Zeit habe sich die EU erfolgreich an offene M\u00e4rkte und internationales Recht angepasst. Nun seien die Regierungen mit am Zug: \u201eRegierungen m\u00fcssen festlegen, welche Sektoren sie in der Industriepolitik priorisieren\u201c, forderte Draghi. Als wichtige Handlungsfelder nannte er den Energiesektor, Investitionsfinanzierung und eine neue Handelspolitik.<\/p>\n<p>Freie Universit\u00e4ten und Erfindergeist<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Sch\u00e4rfe in der kritischen Analyse ist bemerkenswert. Zwar hatte der fr\u00fchere Notenbanker schon im vergangenen Jahr mit dem \u201eDraghi-Bericht\u201c im Auftrag der EU-Kommission den Finger mit deutlichen Worten in die Wunde gelegt: Die Produktivit\u00e4t und Innovationskraft in den Unternehmen und der Zustand des Binnenmarktes seien zu schwach, um international weiter eine f\u00fchrende Rolle einnehmen zu k\u00f6nnen. Die Schlagrichtung zielte da aber klar auf m\u00f6glichen Reformans\u00e4tzen, um die EU wettbewerbsf\u00e4higer zu machen. In seiner Rede in Rimini rief Draghi die EU zwar ebenfalls zu Reformen auf. Die Kritik am Zustand der EU klang nun aber grunds\u00e4tzlicher und pessimistischer \u2013 wom\u00f6glich auch deshalb, weil Draghis Report wenige greifbare Konsequenzen hatte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Doch wie kann Europa in den Zukunftstechnologien im Vergleich zu Amerika und China aufholen? Jean Tirole, der Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger aus dem Jahr 2014, betonte in Lindau, dass es f\u00fcr Innovation und Fortschritt nicht ausreiche, Arbeit und Kapital anzuh\u00e4ufen. Es brauche freie Universit\u00e4ten, Erfindergeist, Unternehmertum und Innovationscluster. Und vor allem m\u00fcssten es junge, innovative Unternehmen schaffen, in bestehende Hightech-M\u00e4rkte einzudringen. \u201eDa gibt es Probleme\u201c, sagte der \u00d6konom. Das habe unter anderem mit fehlender Finanzierung zu tun.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Draghi betonte, dass es nicht alleine am Geld scheitere. Die EU gebe als Anteil am Bruttoinlandsprodukt etwa dasselbe aus wie die Vereinigten Staaten. Aber auch hier gebe es eine gro\u00dfe Fragmentierung in der EU. \u201eEin wenig, weil wir allen ein bisschen was geben wollen\u201c, sagte Draghi und warnte: \u201eDas ist genau das, was man nicht machen sollte, wenn man disruptive Innovationen haben m\u00f6chte.\u201c Er hob als weiteren Unterschied hervor, dass in Amerika 80 Prozent privates Geld in diesen Bereich flie\u00dfe, 20 Prozent staatliches Geld. \u201eIn der EU ist es genau andersherum\u201c, kritisierte Draghi und pl\u00e4dierte daf\u00fcr, Geld aus den existierenden Universit\u00e4ten rauszunehmen und in \u201eexzellente Cluster\u201c zu lenken. Bei den gegebenen Anreizen sei es allerdings im Unterschied zu den Vereinigten Staaten schwierig, privates Geld in der EU zu aktivieren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In Lindau treffen sich von Dienstag bis Samstag Wirtschaftsnobelpreistr\u00e4ger und Nachwuchs\u00f6konomen zu einer Wissenschaftskonferenz. 22 Preistr\u00e4ger haben sich angek\u00fcndigt, darunter mit Simon Johnson einer der aktuellen Preistr\u00e4ger, sowie namhafte Forscher wie Jean Tirole, Paul Romer und Joseph Stiglitz. Im Fokus steht der Austausch mit 300 Doktoranden und Post-Doktoranden aus 55 L\u00e4ndern in Paneldiskussionen, Vortr\u00e4gen und gemeinsamen Abendveranstaltungen. In den kommenden Tagen k\u00f6nnen einige Vortr\u00e4ge auch in einem <a href=\"https:\/\/www.lindau-nobel.org\/live\/\" title=\"Livestream\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Livestream<\/a> verfolgt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mario Draghi sorgt f\u00fcr Gespr\u00e4chsstoff in Europa. 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