{"id":376930,"date":"2025-08-27T11:04:11","date_gmt":"2025-08-27T11:04:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376930\/"},"modified":"2025-08-27T11:04:11","modified_gmt":"2025-08-27T11:04:11","slug":"der-stille-freund-ferdinand-von-schirachs-sinnsuche-geht-weiter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376930\/","title":{"rendered":"&#8222;Der stille Freund&#8220;: Ferdinand von Schirachs Sinnsuche geht weiter"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/coverschirach-100.webp\" alt=\"Cover: Ferdinand von Schirach, &quot;Der stille Freund&quot;\" title=\"Cover: Ferdinand von Schirach, &quot;Der stille Freund&quot; | Luchterhand\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>\n            Stand: 27.08.2025 12:38 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Ferdinand von Schirach erz\u00e4hlt in &#8222;Der stille Freund&#8220; n\u00fcchtern und eindringlich von Moral, Schuld und Sinnfragen. Seine Geschichten ber\u00fchren tief, zeigen Ungerechtigkeiten und das r\u00e4tselhafte Wesen des Lebens ohne einfache Antworten.<\/p>\n<p class=\"textauthor\">von Katrin Kr\u00e4mer, RB<\/p>\n<p class=\"\">\nFerdinand von Schirach erz\u00e4hlt seine Geschichten so n\u00fcchtern, dass sie schon wieder ans Eingemachte gehen. Es geht um Menschen, Moral und moralrechtliche Fragen. Um Schuld, m\u00f6gliche Hirngespinste und um &#8211; vielleicht &#8211; tats\u00e4chlich selbst Erlebtes. Der Ich-Erz\u00e4hler l\u00e4sst jedenfalls vermuten, dass sich dieser Fall so zugetragen haben k\u00f6nnte:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Ich war 14 Jahre Anwalt in Berlin, als mich Philipp, der Sohn Tonys, an einem Winternachmittag in der Kanzlei aufsuchte. Er hatte sich unter dem Namen Philipp Stahnske im Sekretariat angemeldet, und vermutlich erkannte ich ihn auch deshalb nicht gleich. Als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, war er 15 oder 16 Jahre alt gewesen. Jetzt war er 30, ein kleiner, etwas dicklicher und fr\u00fch gealterter Mann mit Scheitel, randloser Brille, Anzug und Krawatte.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">\nPhilipp, Sohn aus adeligem Hause, will den Tod seiner Mutter Tony aufkl\u00e4ren. Als Kind schon passte er nicht ins Leben dieser abenteuerlustigen Frau, die um die Welt reiste und flippige Partys feierte. Sie verachtete ihren Sohn, weil er den Weg einer b\u00fcrgerlichen Existenz ihrem Hippie-Dasein vorzog. Und er verachtete sie wegen ihrer st\u00e4ndigen Aff\u00e4ren. Als Tony auf einer Reise von einem Kreuzfahrtschiff verschwindet, verd\u00e4chtigt Philipp ihren aktuellen Liebhaber, sie \u00fcber Bord geworfen zu haben. Der Anwalt und Erz\u00e4hler st\u00f6\u00dft bei seinen Nachforschungen allerdings auf eine andere Spur&#8230;<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/coverschirach114.webp\" alt=\"Buch-Cover: Ferdinand von Schirach - Regen\" title=\"Buch-Cover: Ferdinand von Schirach - Regen | Luchterhand Verlag\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Mit seiner Erz\u00e4hlung setzt Ferdinand von Schirach auf knapp 50 Seiten seine Besch\u00e4ftigung mit existenziellen Fragen fort.<\/p>\n<p>    Existentielle Fragen und die Suche nach Gerechtigkeit<\/p>\n<p class=\"\">\nVon Schirachs Erz\u00e4hlungen sind emotionale Einschl\u00e4ge, gerade, weil sie so schn\u00f6rkellos und unpathetisch daherkommen. Wie im Kapitel &#8222;Unf\u00e4lle&#8220;, in dem ein Sohn von seinem kalten, r\u00fccksichtslosen Vater berichtet, der einmal empathisch handeln und einen Mann aus gr\u00f6\u00dfter Gefahr retten will. Und ausgerechnet dabei sein Leben verliert. Ist das gerecht? L\u00e4sst sich aus diesem Vorfall etwas ableiten? Nicht nur in dieser Geschichte lautet Ferdinand von Schirachs Antwort auf die gro\u00dfen Fragen nach der Sinnhaftigkeit des Handelns und des Seins:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Alle Fragen nach einem Sinn sind Kinderfragen. Niemand wei\u00df, warum das eine Leben gl\u00fcckt und das andere nicht. Es gibt keine Regeln, es gab sie noch nie.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"\">\nIn der der titelgebenden Erz\u00e4hlung &#8222;Der stille Freund&#8220; erinnert sich von Schirach an Massimo, den belesenen Freund aus Schulzeiten im Jesuiten-Internat. Nachdem er weder bei Kant noch bei Platon finden konnte, was er suchte, erleuchtete ihn &#8211; jenseits aller philosophischen Maximen &#8211; diese eine existentielle Erkenntnis:<\/p>\n<blockquote><p>\n        Und dann, ganz pl\u00f6tzlich, wurde ihm klar, dass nur das Lebendige wahr ist, nur das Staunen, nur die Sch\u00f6nheit unserer Welt, dieser eine Moment. Er ging in ein Caf\u00e9, bestellte ein Cornetto, biss hinein und konnte nicht mehr aufh\u00f6ren zu lachen. Massimo nannte diesen Moment sp\u00e4ter seinen &#8222;stillen Freund&#8220;, zu dem er immer wieder zur\u00fcckkehren konnte. Das verstand ich sehr gut.<\/p>\n<p>                Leseprobe<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>    Ferdinand von Schirach trifft unseren Lesenerv<\/p>\n<p class=\"\">\nWas Ferdinand von Schirachs eigener &#8222;stiller Freund&#8220; ist, offenbart er uns auch: ein fl\u00fcchtiger, sehr intimer Madeleine-Moment a l\u00e1 Marcel Proust. Eine \u00fcberaus zarte, sinnliche, poetische und tr\u00f6stliche Erinnerung, die er da mit uns teilt. Sollte es in uns so etwas wie einen Lesenerv geben, dann trifft von Schirach den zielgenau. Diese empfindliche Stelle ziept und zwickt, weil Ferdinand von Schirach genau dorthin schreibt, wo es weh tun kann. Weil er mit seiner Sprache, die so direkt wie schwebend ist, grunds\u00e4tzliche Fragen ber\u00fchrt. Und von denen Fundamentales haften bleibt.<\/p>\n<p>        Schlagw\u00f6rter zu diesem Artikel<\/p>\n<p>            <a href=\"https:\/\/www.ndr.de\/kultur\/buch\/Romane-Buch-Rezensionen-Lesungen-und-Podcasts,romane107.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Romane<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 27.08.2025 12:38 Uhr Ferdinand von Schirach erz\u00e4hlt in &#8222;Der stille Freund&#8220; n\u00fcchtern und eindringlich von Moral, Schuld&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":376931,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1774],"tags":[1784,1797,1785,1796,102327,29,214,102326,30,1795,1800,215],"class_list":{"0":"post-376930","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-buecher","8":"tag-books","9":"tag-buch","10":"tag-buecher","11":"tag-buchtipps","12":"tag-der-stille-freund","13":"tag-deutschland","14":"tag-entertainment","15":"tag-ferdinand-von-schirach","16":"tag-germany","17":"tag-roman","18":"tag-romane","19":"tag-unterhaltung"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115100402657328842","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376930","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=376930"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376930\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/376931"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=376930"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=376930"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=376930"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}