{"id":376938,"date":"2025-08-27T11:08:11","date_gmt":"2025-08-27T11:08:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376938\/"},"modified":"2025-08-27T11:08:11","modified_gmt":"2025-08-27T11:08:11","slug":"mehr-antibiotika-resistenzen-durch-schmerzmittel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/376938\/","title":{"rendered":"Mehr Antibiotika-Resistenzen durch Schmerzmittel?"},"content":{"rendered":"<p>Die Zahl der Antibiotika-Resistenz-Gene nimmt zu. Grund ist die Reaktion auf Antibiotika, die aufgrund von unsachgem\u00e4\u00dfer Entsorgung und des erh\u00f6hten Gebrauchs in der Human- oder Tiermedizin in die Umwelt gelangen.<\/p>\n<p>Allerdings nicht nur dort. Mehrere Faktoren des globalen Wandels erh\u00f6hen ebenfalls die Antibiotika-Resistenz. Belegt ist dies zum Beispiel f\u00fcr die Verschmutzung durch Schwermetalle oder mit Mikroplastik, aber auch bei zahlreichen anderen Faktoren. <\/p>\n<p>Was sind Antibiotika? <\/p>\n<p>Antibiotika sind Medikamente gegen zum Teil lebensbedrohliche bakterielle Infektionen. Langfristig k\u00f6nnten sie ihre Wirksamkeit verlieren, wenn die Bakterien \u201elernen\u201c, sich den Antibiotika durch die Ausbildung von Resistenzen zu widersetzen<\/p>\n<p>Immer h\u00e4ufiger wirken Antibiotika nicht mehr, weil Bakterien Resistenzen gegen sie entwickelt haben. Infektionen werden dadurch zunehmend wieder zu einer t\u00f6dlichen Gefahr.<\/p>\n<p>  Antimikrobielle Resistenz: Gefahr f\u00fcr globale Gesundheit <\/p>\n<p>Nach Angaben des Europ\u00e4ischen Rechnungshofs sterben jedes Jahr rund 33 000 Menschen in der EU an Infektionen, die durch medikamentenresistente Keime verursacht wurden. Antimikrobielle Resistenz bedeutet, dass Mikroben wie Bakterien, Viren oder Parasiten Resistenzen gegen Arzneimittel entwickeln, die zuvor gewirkt haben.<\/p>\n<p>\u201eAntimikrobielle Resistenz ist eine ernsthafte Gefahr f\u00fcr die \u00f6ffentliche Gesundheit\u201c, hei\u00dft es in dem Bericht. Bislang spreche nur wenig daf\u00fcr, dass die bisherigen Bem\u00fchungen zur Eind\u00e4mmung resistenter Keime die Gefahren f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung verringern konnten.<\/p>\n<p>Eine zu h\u00e4ufige Verabreichung von Antibiotika an Menschen oder Tiere gilt als eine der Ursachen f\u00fcr die steigenden Resistenzen. Zumindest seien Antibiotika und andere antimikrobielle Medikamente bei Tieren zuletzt umsichtiger verwendet worden, hei\u00dft es im Rechnungshof-Bericht.<\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/media.media.369cff88-0c71-483b-bdd3-8d5d548175fb.original1024.media.jpeg\"\/>     Die weltweite Gesundheit ist Teil des globalen Wandels. Die zunehmende Antibiotika-Resistenz dabei ein besonders gravierendes Problem.    Foto: Imago\/Depositphotos      \u00dcberm\u00e4\u00dfiger Einsatz von Antibiotika schadet enorm <\/p>\n<p>Der \u00fcberm\u00e4\u00dfige Einsatz von Antibiotika in der Masttierhaltung wird seit langem kritisiert. Auch in der Humanmedizin wird zum Teil ohne Not ein Antibiotikum verschrieben \u2013 etwa bei einer Erk\u00e4ltung, die keine bakterielle Erkrankung ist. <\/p>\n<p>In 90 Prozent der F\u00e4lle sind Viren Ursache einer Erk\u00e4ltung. Experten fordern schon seit langem, dass die Medikamente noch umsichtiger verwendet werden, die Resistenzen besser \u00fcberwacht und Strategien f\u00fcr die Forschungsarbeit gest\u00e4rkt werden.<\/p>\n<p> Durch den st\u00e4ndigen Kontakt mit den Mitteln entwickeln die Bakterien Mutationen und zellul\u00e4re Anpassungen, die sie immun gegen die Wirkmechanismen der Antibiotika machen. Die Resistenzgene finden sich inzwischen in B\u00f6den, Gew\u00e4ssern und sogar in der Luft. <\/p>\n<p>    Ibuprofen, Paracetamol &amp; Co im Test <\/p>\n<p>Doch es gibt noch einen weiteren Treiber der Resistenzkrise: Auch nichtantibiotische Medikamente k\u00f6nnen Bakterien offenbar dabei helfen, Resistenzen gegen Antibiotika zu entwickeln, wie ein Team um Hanbiao Chen von der University of South Australia ermittelt hat. <\/p>\n<p>F\u00fcr ihre im Fachjournal <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s44259-025-00144-w\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u201enpj Antimicrobials and Resistance\u201c<\/a> ver\u00f6ffentlichten Studie hatten sie den Effekt von neun verschiedenen g\u00e4ngigen Arzneimitteln auf den Darmkeim Escherichia coli und seine Anf\u00e4lligkeit gegen das Breitband-Antibiotikum Ciprofloxacin untersucht.<\/p>\n<p>Unter den untersuchten Medikamenten waren die Schmerzmittel Ibuprofen, Paracetamol, Diclofenac und Tramadol, aber auch das Blutdruckmittel Furosemid, das Diabetesmittel Metformin, ein Cholesterinsenker und weitere g\u00e4ngige Arzneien. <\/p>\n<p>F\u00fcr die Tests wurden die Bakterien zusammen mit einem oder mehreren dieser Mittel kultiviert, au\u00dferdem enthielt das N\u00e4hrmedium niedrige Dosen des Antibiotikums. Die Forschenden untersuchten das Wachstum der Bakterien, ihre Mutationsrate und ihre Reaktion auf die volle Dosis von Ciprofloxacin und weiteren Antibiotika.<\/p>\n<p>   Schmerzmittel f\u00f6rdern die Resistenz von Bakterien <\/p>\n<p>Die Analysen zeigten: Nach Gabe von Ibuprofen oder Paracetamol wuchsen die Bakterien trotz Antibiotikum unvermindert weiter. Der normalerweise hemmende Effekt blieb weitgehend aus. Im Test mit der vollen Dosis Ciprofloxacin konnte das Antibiotikum viele dieser Darmkeime dann nicht mehr abt\u00f6ten. \u201eBedenklich ist zudem, dass die Bakterien hinterher nicht nur gegen Ciprofloxacin resistent waren, sondern auch gegen mehrere andere Antibiotika\u201c, sagt Seniorautorin Henrietta Venter von der University of South Australia.<\/p>\n<p>Noch deutlicher fiel dieser Effekt aus, wenn diese Schmerzmittel zusammen oder in Kombination mit anderen Arzneimitteln zu den Bakterienkulturen gegeben wurden. Die Tests zeigen beispielsweise eine 64-fache Erh\u00f6hung der Resistenz f\u00fcr die mit Kombination Ibuprofen und Diclofenac und eine 32-fache Erh\u00f6hung der Widerstandsf\u00e4higkeit nach Gabe von Ibuprofen mit Paracetamol oder Metformin.<\/p>\n<p>Damit best\u00e4tigen die Ergebnisse, dass auch einige g\u00e4ngige Schmerzmittel Antibiotika-Resistenzen f\u00f6rdern k\u00f6nnen,obwohl diese Medikamente selbst nicht antibiotisch wirken. \u201eAntibiotika-Resistenz beruht heute nicht mehr nur auf den Antibiotika selbst\u201c, erkl\u00e4rt Venter.<\/p>\n<p>   Mutationen machen bakterielle Zellpumpen \u00fcberaktiv <\/p>\n<p>Den Grund f\u00fcr diese Resistenz-f\u00f6rdernde Wirkung vor allem von Ibuprofen und Paracetamol entdeckte das Team, als es sich das Genom der Bakterien n\u00e4her ansah. Die Pr\u00e4senz der Schmerzmittel hatte die Mutationsrate von Escherichia coli deutlich erh\u00f6ht. <\/p>\n<p>\u201eHatten die Bakterien zus\u00e4tzlich zum Antibiotikum auch Kontakt mit Ibuprofen oder Paracetamol, entwickelten sie mehr genetische Ver\u00e4nderungen als nur mit dem Antibiotikum allein\u201c, berichtet Venter. \u201eDies half ihnen dabei, schneller zu wachsen und hochgradig resistent zu werden.\u201c<\/p>\n<p>Konkret bewirkten die Mutationen dies, weil sie auch in den Genen entstehen, welche die sogenannten Efflux-Pumpen der Bakterienzellen kontrollieren, wie das Team herausfand. Diese in der Zellwand sitzenden Pumpen k\u00f6nnen eingedrungene Antibiotika-Molek\u00fcle aktiv wieder aus der Zelle hinausbef\u00f6rdern. \u201eDiese Pumpen agieren schnell und nichtspezifisch, das macht sie zu einer der ersten Verteidigungslinien der Erreger\u201c, schreiben die Wissenschaftler.<\/p>\n<p>Die durch die Schmerzmittel gef\u00f6rderten Mutationen f\u00fchren dazu, dass diese Pumpen \u00fcberaktiv sind. Sie bef\u00f6rdern die Antibiotika-Molek\u00fcle dadurch aus der Zelle, bevor diese ihre Wirkung entfalten k\u00f6nnen, wie Venter erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>   Relevant vor allem f\u00fcr \u00c4ltere und chronisch Kranke <\/p>\n<p>Nach Ansicht des Forschungsteams ist dies eine alarmierende Erkenntnis. Denn gerade chronische kranke oder \u00e4ltere Menschen m\u00fcssen oft dauerhaft mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen. <\/p>\n<p>Kommt dann noch ein Antibiotikum dazu, kann dies das Risiko f\u00fcr Antibiotika-Resistenzen signifikant erh\u00f6hen. \u201eDies gilt besonders f\u00fcr Menschen in Pflegeheimen, die h\u00e4ufig zahlreiche Arzneimittel erhalten \u2013 das macht sie zur idealen Brutst\u00e4tte f\u00fcr neue Antibiotika-Resistenzen\u201c, sagt Venter.<\/p>\n<p>Das bedeute nicht, dass man aufh\u00f6ren m\u00fcsse, diese Arzneimittel zu verwenden. \u201eAber wir m\u00fcssen mehr darauf achten, wie sie mit Antibiotika interagieren\u201c, mahnt Venter.<\/p>\n<p> Das Forschersteam pl\u00e4diert daf\u00fcr, solche Medikamenten-Wechselwirkungen st\u00e4rker zu erforschen und auch genau zu pr\u00fcfen, welche Arzneimittel grade bei \u00e4lteren Menschen wirklich n\u00f6tig seien. Tats\u00e4chlich haben andere Studien bereits gezeigt, dass viele Senioren mehr Mittel einnehmen als sie eigentlich br\u00e4uchten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Zahl der Antibiotika-Resistenz-Gene nimmt zu. Grund ist die Reaktion auf Antibiotika, die aufgrund von unsachgem\u00e4\u00dfer Entsorgung und&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":376939,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[102333,29,30,141,232,6597,98644,81834,591],"class_list":{"0":"post-376938","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-antibioti","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-gesundheit","12":"tag-health","13":"tag-infografik","14":"tag-resistenzen","15":"tag-schmerzmittel","16":"tag-wissen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115100418469432704","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376938","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=376938"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/376938\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/376939"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=376938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=376938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=376938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}