{"id":377453,"date":"2025-08-27T15:42:12","date_gmt":"2025-08-27T15:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/377453\/"},"modified":"2025-08-27T15:42:12","modified_gmt":"2025-08-27T15:42:12","slug":"akademiker-in-bruessel-koennen-nicht-vorhersagen-was-in-der-tech-welt-passieren-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/377453\/","title":{"rendered":"Akademiker in Br\u00fcssel k\u00f6nnen nicht vorhersagen, was in der Tech-Welt passieren wird"},"content":{"rendered":"<p>Wie kann Europa noch im AI-Sturm zwischen den USA und China punkten, ohne unterzugehen? Diese Frage stellt man sich nicht nur in Wien, Berlin oder Br\u00fcssel, sondern dieser Tage auch in Kopenhagen. Dort wird gerade Skandinaviens gr\u00f6\u00dfte Tech- und Startup-Konferenz TechBBQ abgehalten, an der auch Trending Topics und <a href=\"http:\/\/newsrooms.ai\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">newsrooms<\/a> teilnehmen und sich unter die etwa 10.000 Teilnehmer:innen mischt.<\/p>\n<p>Viel Aufmerksamkeit bekam die Diskussionsrunde mit Synthesia-Gr\u00fcnder und CEO Victor Riparbelli (Generative KI), Creandum-Partner Johan Brenner (gro\u00dfer skandinavischer Investor), EU-Inc-Initiatorin Iwona Biernat und Project Europe-Gr\u00fcnderin Kitty Mayo, die sowohl die strukturellen Probleme als auch das Potenzial des europ\u00e4ischen Tech-Standorts offenbarte.<\/p>\n<p>Was gerade Synthesia-Gr\u00fcnder Riparbelli zu sagen hat, hat in D\u00e4nemark und dar\u00fcber hinaus Gewicht. Er ist D\u00e4ne und am TechBBQ dementsprechend Lokalmatador, und mit Synthesia hat er das aktuell wertvollste KI-Startup Europas am Start.<\/p>\n<p>IPO-W\u00fcste Europa: \u201eNever Europe\u201c bei B\u00f6rseng\u00e4ngen<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Besonders deutlich wurde die Kapitalmarkt-Problematik Europas. Auf die Frage, wo er Synthesia (das Startup mit Hauptsitz in London wurde 2024 mit 2,1 Milliarden Dollar bewertet) an die B\u00f6rse bringen w\u00fcrde, antwortete Riparbelli ohne zu z\u00f6gern: \u201eNever Europe. Die London Stock Exchange ist eine komplette Katastrophe.\u201c Es gebe schlichtweg zu wenig Liquidit\u00e4t, um IPOs in London spannend zu machen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das deckt sich mit der Einsch\u00e4tzung bei <a href=\"https:\/\/www.trendingtopics.eu\/bitpanda-london-frankfurt-new-york\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bitpanda aus Wien<\/a>. Das Krypto-Unicorn verk\u00fcndete k\u00fcrzlich, die LSE von der Liste der m\u00f6glichen B\u00f6rsenpl\u00e4tze zu streichen, stattdessen sind nun noch Frankfurt und New York im Rennen.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Johan Brenner, General Partner von Creandum (u.a. Lovable, Trade Republic, Klarna, Bolt) sieht hier ein fundamentales Problem: \u201eWas in Europa fehlt, ist Later-Stage-Funding. Wir haben viel Early-Stage-Kapital, aber bei sp\u00e4teren Finanzierungsrunden und besonders bei \u00f6ffentlichen M\u00e4rkten sieht es d\u00fcster aus.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Ursachen l\u00e4gen tief in der europ\u00e4ischen Sparkultur. W\u00e4hrend in Schweden sieben von zehn Menschen in Aktien investieren, ist es in Kontinentaleuropa nur einer von zehn. \u201eDie Pensionssysteme in Europa basieren auf Zinsen, nicht auf Eigenkapital. Europa partizipiert nicht an den eigenen Erfolgen\u201c, kritisiert Brenner.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Das Resultat sei: 80% der Later-Stage-Finanzierungen in Gro\u00dfbritannien kommen von ausl\u00e4ndischen Investoren \u2013 ein kompletter Gegensatz zur Bay Area, wo 80% des Kapitals aus den USA stammt.<\/p>\n<p>Application Layer vs. Foundation Models: Europas AI-Dilemma<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">In der KI-Entwicklung sehen die Experten Europa in einer zwiesp\u00e4ltigen Position. \u201eWir sind sehr gut darin, Anwendungen auf bestehende Modelle aufzubauen\u201c, erkl\u00e4rt Brenner. \u201eAber die meisten Grundlagen-Modelle und deren Entwicklung entstehen in den USA.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Kitty Mayo von Project Europe best\u00e4tigt diesen Trend bei jungen Gr\u00fcndern: \u201eWir sehen viele Founder, die auf der Anwendungsebene bauen wollen, aber nicht so viele, die Foundation Models entwickeln m\u00f6chten.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Stattdessen beobachtet sie eine Hinwendung zu Hardware-Innovationen: \u201eViele junge Gr\u00fcnder wenden sich der Hardware zu, weil es sich wie ein Bereich anf\u00fchlt, in dem sie wirklich das Potenzial haben, an der Spitze zu stehen und die Welt zu ver\u00e4ndern.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Brenner sieht die L\u00f6sung in grundlegenden Investitionen: \u201eK\u00f6nnen wir bei den fundamentalen Teilen des \u00d6kosystems konkurrieren? Das bedeutet: billige Energiekosten, die besten K\u00f6pfe, Chip-Technologie, Algorithmen. Dann k\u00f6nnen wir echte Wettbewerbsvorteile aus Europa heraus aufbauen.\u201c<\/p>\n<p>Europas St\u00e4rken und Schw\u00e4chen im US-Vergleich<br \/>\nDie Vorteile Europas<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Victor Riparbelli hebt Europas \u201eBrand\u201c als gro\u00dfen Vorteil hervor: \u201eWir haben mit Europa tats\u00e4chlich eine gro\u00dfartige Marke. Viele Menschen lieben Europa als Ort f\u00fcr Urlaub und Leben. In London fanden wir es einfacher, Leute aus der Bay Area nach London zu holen als nach New York, weil die Vorstellung, in London oder D\u00e4nemark zu leben, f\u00fcr viele Menschen attraktiv ist.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die europ\u00e4ischen Vorz\u00fcge sind klar: kostenlose Gesundheitsversorgung, kostenlose Bildung, hohe Lebensqualit\u00e4t. \u201eWenn wir eine Marketing-Kampagne machen w\u00fcrden, wie sch\u00f6n es ist, in Europa zu leben \u2013 das w\u00fcrde unsere Situation enorm verbessern\u201c, so Riparbelli.<\/p>\n<p>Die strukturellen Nachteile<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Doch diese Vorteile werden durch regulatorische H\u00fcrden zunichte gemacht. Riparbelli schildert ein konkretes Beispiel: \u201eWir haben ein B\u00fcro in D\u00e4nemark. Zwei Mitarbeiter aus Slowenien, die f\u00fcnf Jahre mit uns gearbeitet haben, wollten das Land verlassen, k\u00f6nnen aber nicht \u2013 weil sie Steuern auf unrealisierte Gewinne von Startup-Anteilen zahlen m\u00fcssten.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die regulatorische \u00dcberregulierung sieht Riparbelli als Kernproblem, sie h\u00e4tte sich im viel kritisierten AI Act manifestiert: \u201eWir m\u00fcssen weg von dieser Idee, dass Akademiker in einem Raum sitzen und vorhersagen k\u00f6nnen, was in der Tech-Welt passieren wird. Weder Gr\u00fcnder, noch Wissenschaftler oder Investoren k\u00f6nnen vorhersagen, was in der KI in den n\u00e4chsten drei Monaten passiert \u2013 und Akademiker in Br\u00fcssel definitiv nicht.\u201c<\/p>\n<p>Underdogs werden geliebt, gro\u00dfe Unternehmen nicht<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Ein besonders interessanter Punkt: die europ\u00e4ische Mentalit\u00e4t. \u201eWir haben ein kulturelles Problem in Europa\u201c, erkl\u00e4rt Riparbelli. \u201eWir lieben den Underdog, aber sobald ein Unternehmen anf\u00e4ngt erfolgreich zu werden, m\u00f6gen wir es nicht mehr. Dann haben sie wahrscheinlich jemanden betrogen oder sind b\u00f6se.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Dies spiegelt sich in der Startup-Politik wider: \u201eViele Regierungen hier denken an die Quantit\u00e4t von Startups. Wie k\u00f6nnen wir alle nicht-finanzierbaren Ideen f\u00f6rdern? Das sollte nicht der Fokus sein. Gro\u00dfartige Teams k\u00f6nnen Geld beschaffen. Wir brauchen ein, zwei oder drei wirklich gro\u00dfe Tech-Unternehmen in Europa.\u201c<\/p>\n<p>Hoffnungsschimmer: Die EU-Einheitsgesellschaft<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Einen Lichtblick sieht das Panel in der geplanten EU Inc (28th regime). Iwona Biernat, die die Bewegung anf\u00fchrt, berichtet von w\u00f6chentlichen Meetings mit Br\u00fcssel: \u201eEs passiert tats\u00e4chlich. Wir fordern es nicht mehr nur \u2013 es ist work in progress.\u201c<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Initiative, die bereits 16.000 Unterst\u00fctzer hat, zielt darauf ab, statt 27 verschiedener Rechtssysteme einen einheitlichen Standard f\u00fcr Europa zu schaffen. \u201eEs wird gesch\u00e4tzt, dass dies eine Billion Euro Kapitalfluss in Europa freisetzen k\u00f6nnte\u201c, so Biernat (<a href=\"https:\/\/www.trendingtopics.eu\/startup-strategie-der-eu-steht\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">mehr zu EU Inc hier<\/a>).<\/p>\n<p>Fazit: Europa an einem Wendepunkt<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">Die Diskussion zeigt Europa an einem kritischen Wendepunkt. Die Zutaten f\u00fcr Erfolg sind vorhanden \u2013 talentierte Gr\u00fcnder, attraktive Lebensbedingungen, wachsende Risikokapitalszene \u2013 aber strukturelle Probleme bei Regulierung, Besteuerung und Kapitalm\u00e4rkten bremsen das Potenzial.<\/p>\n<p class=\"whitespace-pre-wrap break-words\">\u201eWir befinden uns in einem Tech-Krieg\u201c, fasst Brenner zusammen. \u201eWie gewinnt man den? Durch Innovation. Und wie innoviert man? Indem man die besten Talente hat. Wir konkurrieren darum, dass Menschen Europa als den besten Ort zum Leben und Arbeiten sehen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wie kann Europa noch im AI-Sturm zwischen den USA und China punkten, ohne unterzugehen? 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